Rapid Fire (1992)

11. April 2020 at 16:56

 

 

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

Don’t fear the weapon, fear the man.“

 

 

 

Als der chinesische Kunststudent Jake Lo den Mafiaboss Antonio Serrano bei einem Mord beobachtet, da rückt er in dessen Aufmerksamkeit ganz weit nach oben. Serrano will ihn um jeden Preis tot sehen, doch Lo weiß sich zu verteidigen.

 

Rapid Fire von Regisseur Dwight H. Little (Marked for Death, Murder at 1600) entstammt dieser seltsamen Phase Anfang bis Mitte der 90er, als das 80er Actionkino zwar noch nicht gänzlich tot war, sich aber spürbar verkleinerte und den langsamen Rückzug in die Videotheken antrat. Auch markiert der Film die erste der leider sehr wenigen Hauptrollen von Brandon Lee, dessen Figur im ein Jahr zuvor von Mark L. Lester (Commando, 1985) inszenierten Showdown in Little Tokyo noch eher eine Nebenrolle war. Inhaltlich bedient sich das Drehbuch aus der Feder von Alan McElroy ausnahmslos an bereits bekannten Versatzstücken des Cop- und Gangsterfilms und bläht seine Figuren allesamt zu überlebensgroßen, wandelnden Klischees auf, denen klar definierte Funktionen zukommen.

 

So ist die Handlung selbst auf eine angenehme Art und Weise einfach gehalten und ist einzig und allein darauf hin ausgerichtet, möglichst viele Gelegenheiten für Actionszenen zu generieren. Und die können sich wirklich sehen lassen und bieten Raum für jede Menge Fights und Shootouts. Dabei beeindrucken besonders die kraftvollen und von enormer Physis geprägten Kampfszenen, welche Brandon Lee selbst auch choreografiert hat. Dazu kommt ein ausgeprägtes Gespür für Wucht und Dynamik, welches man heutzutage vielleicht noch von Isaac Florentine gewohnt ist. Nur zu gern hätte ich irgendwann einmal Lee in einem seiner Filme gesehen. Hier ist der Titel zur Abwechslung mal wirklich auch Programm: Rapid Fire ist schnörkellos und temporeich in seiner Inszenierung, gibt sich geradlinig und zielstrebig, verzichtet auf unnötigen Leerlauf und bleibt immerzu in Bewegung.

 

7 von 10 Mal mit bloßen Händen um sein Leben kämpfen

 

 

Southern Comfort (1981)

3. Juli 2018 at 18:18

 

 

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

„Four of them with automatic weapons against some swamp rat. I make it even money.“

 

 

 

In den Sümpfen von Louisiana soll am Wochenende eine Reserveübung der Nationalgarde stattfinden, doch als sich einige der hitzigen Männer zu einer Dummheit gegenüber den Einheimischen hinreißen lassen und es zu einem tragischen Todesfall kommt, da entbrennt ein Kampf um Leben und Tod.

 

Die Parallelen zu Deliverance von John Boorman lassen sich kaum leugnen, schickte dieser doch 1972 vier Freunde auf ein Männerwochenende in die amerikanische Wildnis, so ist es bei Walter Hill eine kleine Gruppe von Nationalgardisten in den unwirtlichen Sümpfen Louisianas. Gemein bleibt der Konflikt mit der lokalen Bevölkerung. Eine harmlose Routineübung der Nationalgarde sollte es sein, ein gnadenloser Kampf ums nackte Überleben sollte es unter der gewohnt spröden wie gleichsam effizienten Regie von Walter Hill werden – kein Satz, kein Bild, kein Dialog, keine Szene ist hier zu lang oder zu viel, erzählerisch ist alles immer auf den Punkt genau und es braucht kaum eine Viertelstunde, bis das Setting und die Figuren etabliert sind und die ungleiche Jagd beginnen kann. Der Vietnam-Krieg war gerade mal ein paar Jahre vorbei, doch sich ernsthaft damit auseinander setzen wollte sich außer Francis Ford Coppola wohl kaum jemand, insofern überrascht es wenig, dass Hill für seine Themen den Weg einer Analogie wählte. Das Ergebnis dessen ist ein starkes, sehr sehenswertes Stück Actionkino, welches auch auf den zweiten Blick deutlich mehr zu bieten hat als man vielleicht meinen möchte. Entgegen dem sonst eher kinetisch geprägten und auf Bewegung ausgelegten Kino des Walter Hill ist Southern Comfort für seine Maßstäbe darüber hinaus noch erstaunlich langsam inszeniert und verhandelt seine eigentlichen Themen dezent unterschwellig zwischen blindem Aktionismus und vermeintlicher Überlegenheit in einem über weite Strecken eher gemäßigten Tempo.

 

Southern Comfort untersucht einem Brennglas gleich die soziale Interaktion unter Druck und Gruppendynamiken, ohne dabei jedoch groß zu moralisieren. Nicht unähnlich zu First Blood dringt auch hier der Krieg nun auch in die Heimat ein. Dazu sind die Südstaaten-Sümpfe ein großartiges Setting, wirkt diese Landschaft doch beinahe schon mystisch entrückt, zumindest aber seltsam fremdartig, undurchdringlich und unwirklich genug, um schnell zu verdeutlichen, wer hier der fremde Eindringling ist. Und dem Zuschauer selbst geht es kaum anders in dieser Welt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die handvoll Männer der Nationalgarde sind vollkommen im Nachteil, wenn auf eine zugegeben bodenlose Dummheit schnell Eskalation folgt, und sie schon bald völlig durchnässt, unterkühlt, orientierungslos und mit wunder Haut durchs Dickicht irren. Im Finale dreht Walter Hill dann nochmals ordentlich am Tempo und vor allem auch an der Spannung, wenn eine starke Montagesequenz zögerliche Erleichterung, ausgelassenes Feiern und aufkeimende Bedrohung in einem fiebrigen Schlussakt münden lässt. Abgerundet von einem tollen Score abermals aus der Feder von Ry Cooder und einem starken Cast rund um Keith Carradine, Powers Boothe, Fred Ward, Peter Coyote und Brion James, da ist Southern Comfort so was wie der kleine, schmutzige, gemeine Bruder von Deliverance. Sicherlich nicht der bessere Film, mir aber tatsächlich der liebere von beiden.

 

8 von 10 rostigen Bärenfallen