Southern Comfort (1981)

3. Juli 2018 at 18:18

 

 

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

„Four of them with automatic weapons against some swamp rat. I make it even money.“

 

 

 

In den Sümpfen von Louisiana soll am Wochenende eine Reserveübung der Nationalgarde stattfinden, doch als sich einige der hitzigen Männer zu einer Dummheit gegenüber den Einheimischen hinreißen lassen und es zu einem tragischen Todesfall kommt, da entbrennt ein Kampf um Leben und Tod.

 

Die Parallelen zu Deliverance von John Boorman lassen sich kaum leugnen, schickte dieser doch 1972 vier Freunde auf ein Männerwochenende in die amerikanische Wildnis, so ist es bei Walter Hill eine kleine Gruppe von Nationalgardisten in den unwirtlichen Sümpfen Louisianas. Gemein bleibt der Konflikt mit der lokalen Bevölkerung. Eine harmlose Routineübung der Nationalgarde sollte es sein, ein gnadenloser Kampf ums nackte Überleben sollte es unter der gewohnt spröden wie gleichsam effizienten Regie von Walter Hill werden – kein Satz, kein Bild, kein Dialog, keine Szene ist hier zu lang oder zu viel, erzählerisch ist alles immer auf den Punkt genau und es braucht kaum eine Viertelstunde, bis das Setting und die Figuren etabliert sind und die ungleiche Jagd beginnen kann. Der Vietnam-Krieg war gerade mal ein paar Jahre vorbei, doch sich ernsthaft damit auseinander setzen wollte sich außer Francis Ford Coppola wohl kaum jemand, insofern überrascht es wenig, dass Hill für seine Themen den Weg einer Analogie wählte. Das Ergebnis dessen ist ein starkes, sehr sehenswertes Stück Actionkino, welches auch auf den zweiten Blick deutlich mehr zu bieten hat als man vielleicht meinen möchte. Entgegen dem sonst eher kinetisch geprägten und auf Bewegung ausgelegten Kino des Walter Hill ist Southern Comfort für seine Maßstäbe darüber hinaus noch erstaunlich langsam inszeniert und verhandelt seine eigentlichen Themen dezent unterschwellig zwischen blindem Aktionismus und vermeintlicher Überlegenheit in einem über weite Strecken eher gemäßigten Tempo.

 

Southern Comfort untersucht einem Brennglas gleich die soziale Interaktion unter Druck und Gruppendynamiken, ohne dabei jedoch groß zu moralisieren. Nicht unähnlich zu First Blood dringt auch hier der Krieg nun auch in die Heimat ein. Dazu sind die Südstaaten-Sümpfe ein großartiges Setting, wirkt diese Landschaft doch beinahe schon mystisch entrückt, zumindest aber seltsam fremdartig, undurchdringlich und unwirklich genug, um schnell zu verdeutlichen, wer hier der fremde Eindringling ist. Und dem Zuschauer selbst geht es kaum anders in dieser Welt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die handvoll Männer der Nationalgarde sind vollkommen im Nachteil, wenn auf eine zugegeben bodenlose Dummheit schnell Eskalation folgt, und sie schon bald völlig durchnässt, unterkühlt, orientierungslos und mit wunder Haut durchs Dickicht irren. Im Finale dreht Walter Hill dann nochmals ordentlich am Tempo und vor allem auch an der Spannung, wenn eine starke Montagesequenz zögerliche Erleichterung, ausgelassenes Feiern und aufkeimende Bedrohung in einem fiebrigen Schlussakt münden lässt. Abgerundet von einem tollen Score abermals aus der Feder von Ry Cooder und einem starken Cast rund um Keith Carradine, Powers Boothe, Fred Ward, Peter Coyote und Brion James, da ist Southern Comfort so was wie der kleine, schmutzige, gemeine Bruder von Deliverance. Sicherlich nicht der bessere Film, mir aber tatsächlich der liebere von beiden.

 

8 von 10 rostigen Bärenfallen