Peppermint (2018)

1. September 2019 at 18:31

 

 

© STXfilms/Quelle: IMDb

 

 

 

You didn’t serve the justice. I will.“

 

 

 

Als Riley North bei einem Drive-By-Shooting Ehemann und Tochter verliert und die von ihr identifizierten Täter dennoch vor Gericht freikommen, da taucht sie unter, nur um fünf Jahre später als durchtrainierte Killermaschine voller Spezialfähigkeiten wieder aufzutauchen. Die Rache an den Mördern ihrer Familie ist alles, was sie jetzt noch antreibt.

 

Rache als Motiv ist wohl eine der ältesten und auch simpelsten Triebfedern, für die es im Grunde wenig braucht. Doch Regisseur Pierre Morel (Taken, From Paris with Love, The Gunman) vermag es mit Peppermint nicht so recht, selbst solch einfachen Anforderungen zu genügen. Auch wenn nicht wenig im Off passiert, ist die Action zumindest halbwegs solide inszeniert und auch Jennifer Garner bietet eine durchaus schwungvolle Performance, aber das war es dann im Grunde auch schon, wenn weder Plot noch Dramaturgie überzeugen können und kaum Spannung aufkommt. Erzählerisch wenig überraschend hakt Peppermint Klischee um Klischee brav ab und kommt äußerst konventionell daher, nimmt sich selbst dabei aber viel zu ernst. Dazu gerät die Legitimierung vom Rachefeldzug der Riley North denkbar plump und manipulativ.

 

Auch die allenfalls angedeutete Entwicklung von der braven Bankangestellten und liebenden Mutter hin zu einer skrupellosen Killermaschine funktioniert nur sehr bedingt. Und das gar nicht mal, weil Jennifer Garner das Ganze körperlich nicht darstellen könnte, sondern weil Morel und sein Drehbuchautor Chad St. John ihren fünf jährigen Werdegang seltsam nebulös halten und dadurch unglaubwürdig umsetzen. Ein YouTube-Video reicht mir da nicht. Selbst ein Ärgernis wie seiner Zeit American Assassin (2017) von Michael Cuesta hat sich in diesem Aspekt mehr Mühe gegeben. Abgerundet wird das alles von einem seltsam abfallendem Finale und einem Ende ohne den nötigen Mut. Schade, das Potential für einen geradlinigen, schnörkellosen Rache-Actioner ist ja durchaus vorhanden, doch Peppermint ist dramaturgisch seltsam akzentuiert und bietet keinerlei Alleinstellungsmerkmale im Genre. Umgekehrte Rollenbilder allein machen noch keinen spannenden Film.

 

4,5 von 10 durchlöcherten Piñatas

 

 

Acts of Vengeance (2017)

7. Juni 2018 at 17:34

 

 

© Lionsgate/Quelle: IMDb

 

 

 

„Within days after I stopped talking, my sense of hearing had drastically improved. You see? Good things do happen when you shut the fuck up for a minute or two.“

 

 

Die Ermordung seiner Frau Susan und seiner Tochter Olivia stürzen den Anwalt Frank Valera nicht nur in ein Loch tiefer Trauer, sondern auch in einen Strudel der Verzweiflung. Weil Polizei und Justiz mit ihren Ermittlungen keinerlei Fortschritte machen, untersucht der redegewandte Strafverteidiger den Fall nun selbst und begibt sich ganz allein auf die Suche nach den Mördern seiner Familie. Mit seiner steigenden Wut wächst auch seine Disziplin: Frank legt ein Schweigegelübde ab und macht aus seinem Körper mit Trainingseinheiten bis zur Erschöpfung eine stahlharte Waffe, um schließlich selbst Rache an den Tätern zu üben.

 

Isaac Florentine ist ein Meister seines Faches. Ein Künstler unter den kinetisch getriebenen B-Movies, ein Virtuose des DTV-Actionfilms. Er wird nicht ganz ohne Grund oftmals als einer der derzeit besten Action-Regisseure angesehen und ist zweifellos einer der aktuell wichtigsten Regisseure in seinem Genre, denn kaum jemand versteht es derart gut, Martial Arts-Kämpfe so physisch wie rasant und vor allem druckvoll zu inszenieren. Sein Gespür für Tempo, Timing und Dynamik ist überragend und seine Filme sind meist sehr schnörkellos, enorm ökonomisch und hochgradig effizient umgesetzt. Actionszenen unter seiner Regie sind selten übermäßig spektakulär, dafür aber wunderbar choreografiert und mit großem Gefühl für Raum, Bewegung und Geschwindigkeit ausgestattet. Und so effektiv Florentine seine Actionszenen gestaltet, so inszeniert er seine Filme gleichermaßen: präzise, voller Klarheit, auf den Punkt genau und ohne ein Gramm Fett auf den erzählerischen Rippen. Meist reichen ihm nur ganz wenige Pinselstriche für die Plotgestaltung, um die Protagonisten und ihren Konflikt erkennbar herauszuarbeiten und so eine Grundlage für das zu schaffen, was bei ihm den Löwenanteil der Erzählung ausmacht: Aktion, Bewegung, Kampf.

 

Auch sein neuester Film Acts of Vengeance beinhaltet wieder seine inzwischen über die Jahre hinweg zu regelrechten Trademarks gewordene Stilistik, vermag sich jedoch nicht ganz oben in seinem Schaffen zu platzieren, sondern eher im gesunden Mittelfeld. Acts of Vengeance ist nicht auf einem Level mit Filmen wie Ninja: Shadow of a Tear, Undisputed II und III oder Close Range, aber ein dennoch solider Thriller unterfüttert mit knackiger Action. Abgegriffen im Thema vielleicht, aber gelungen in seiner Inszenierung. Zwar nerven der ständige Off-Kommentar in Verbindung mit dem selbstauferlegten Stoizismus der Hauptfigur mit der Dauer ein wenig, aber letztlich kann ich darüber hinweg sehen. Zum wohl größeren Nachteil gerät der Umstand, dass Antonio Banderas nicht wie beispielsweise Florentines langjähriger Weggefährte Scott Adkins vom „Fach“ ist, dennoch muss man festhalten, dass er sich durchaus anständig und passabel schlägt. So bleibt letzten Endes ein solider Rachethriller, dessen herausragende Momente die stark choreografierte Action bildet. Und die beherrscht Isaac Florentine blind.

 

6,5 von 10 Lektionen des Stoizismus

 

 

Shortcut Vol. IV: Message from the King

10. September 2017 at 12:45

 

 

© Netflix

 

 

 

Jacob King fliegt von Südafrika nach Los Angeles, um das Verschwinden seiner Schwester Bianca aufzuklären. Mit nur ein paar Hundert Dollar in der Tasche und einem Rückflugticket in wenigen Tagen ausgestattet, macht er sich völlig ohne Anhaltspunkte außer ihrem Wohnort oder sich in L.A. auszukennen auf die Suche nach ihr, nur um schon bald in einen Strudel aus Drogen und Gewalt zu geraten.

 

Regisseur Fabrice Du Welz hat 2004 mit Calvaire einen Film gedreht, welchen ich zwar erst sehr viel später für mich entdecken sollte, der mich aber dafür auch nachhaltig verstören sollte. Umso größer war dann meine Vorfreude als bekannt wurde, dass Netflix ihn für den Actionthriller Message from the King gewinnen konnte. Zwar fällt sein neuester Film deutlich konventioneller aus als Calvaire, ist wie für das Genre des Rachethrillers oftmals üblich schnörkellos, trocken und auf den Punkt inszeniert und nutzt etablierte Formeln der Handlung für sich, kann aber dennoch durch die eine oder andere kleinere Wendung eher ungewöhnlicher Natur glänzen und offenbart im letzten Drittel durchaus unangenehme Bilder. Lange bewegt sich Message from the King in ganz klassischen Strukturen seines Genres, wenn Jacob King mit seinen Nachforschungen ganz unten anfängt, sich Stück für Stück in der Hierarchie der hiesigen Unterwelt nach oben arbeitet und mir fortschreitender Handlung eine Spirale der Gewalt entfesselt. Auch das erzählerische Tempo zieht nach und nach immer weiter an, nur um im finalen Akt zu eskalieren, wenn sämtliche Dramaturgie des Filmes auf einen einzigen Punkt hin zusteuert und sich die verschiedenen  Handlungsstränge in einem finsteren Schlussakkord plötzlich zusammenfügen. So ist Message from the King eigentlich sogar ziemlich clever konstruiert, wenn Du Welz den Zuschauer recht lange an der Nase herumführt und seinen Film lediglich oberflächlich als konventionell erscheinen lässt, nur um in letzten Akt Erwartungshaltungen zu unterlaufen und dann doch noch den von ihm gewohnten Irrsinn aufblitzen zu lassen. Das ist ein hübscher Balanceakt, den Du Welz da vollführt, welchem ich auch auf den Leim gegangen bin, nur um dann im Finale tatsächlich überrascht worden zu sein. Somit ist Message from the King zwar über weite Strecken nach den konventionellen Erzählmustern seines Genre des Rachethrillers gestrickt, variiert aber doch zumindest Nuancen so fein, dass man es zunächst kaum bemerkt, bis Du Welz im letzten Akt die Tür aufreißt und den Wahnsinn doch noch Einzug halten lässt.

 

7 von 10 zweckentfremdeten Fahrradketten