Pit and the Pendulum (1961)

14. April 2020 at 19:09

 

 

© American International Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Weil dem jungen Briten Francis Barnard der plötzliche Tod seiner Schwester Elizabeth ausgesprochen merkwürdig erscheint, reist er zu ihrem Ehemann nach Spanien um Genaueres zu erfahren. Im Schloss des Don Nicholas Medina allerdings angekommen, werden seine Bedenken allenfalls halbgar beiseite gewischt. Doch als er beginnt Nachforschungen anzustellen, da kommt er einer schrecklichen wie grausamen Familiengeschichte auf die Spur.

 

Die Idee von Roger Corman, das Drehbuch zu Pit and the Pendulum in die Hände des Schriftstellers Richard Matheson zu geben, sollte sich als Geniestreich entpuppen. Denn dem Autor von Romanen wie I Am Legend oder The Shrinking Man gelingt mit seinem Skript wahrlich meisterhaftes: Obwohl er sich an der zugrunde liegenden Kurzgeschichte nur vage orientiert und diese maximal lose adaptiert, so trifft er doch den Kern des Schaffens von Edgar Allen Poe wie kaum ein anderer. Corman ist ein Meister der Vorbereitung, der seine Produktionen en Detail im Vorfeld durchplant, und vermag auch ohne großes Budget Pit and the Pendulum ausgesprochen effektiv zu gestalten, wenn er spürbar mehr auf eindringliche Stimmung setzt als auf plumpe Schockmomente. Es gelingt ihm, die europäische Gothic Horror-Ästhetik in das amerikanische Kino zu übertragen und verleiht dem ganzen so eine seltsam entrückte, zuweilen regelrecht psychedelische Atmosphäre. Bereits der farbenfroh mäandernde Vorspann kündet ebenso davon, wie es die visuell verzerrten und subjektiv gefärbten Rückblenden im Film selbst immer wieder unterstreichen.

 

Liebe, Verrat, Wahnsinn. Subtil und doch suggestiv in Bildsprache und Inszenierung leiten Corman und Matheson den Betrachter geschickt durch ein narratives Labyrinth voller Wendungen und Trugschlüssen. Sorgfältig aufgebaut, im letzten Akt eskalierend und mit einer hübsch fiesen letzten Szene garniert. Man mag ahnen, dass etwas nicht stimmt, doch man kann es nicht genau benennen. Sicherlich vermag das alles in Anbetracht des Alters von Pit and the Pendelum heutzutage kaum zu überraschen, sauber ausgeführt ist das dennoch. Das gilt dann auch für die Topografie des Schlosses von Don Medina, welche sich dem Zuschauer gemeinsam mit der Figur des Barnard Stück für Stück erschließt, sich nach und nach öffnet, größer und immer verwinkelter wird wie die eigentliche Geschichte dieser uralten Mauern selbst auch. Dazu dann noch das ausgesprochen theaterhafte, exaltierte Spiel von Vincent Price, der seine Texte vielmehr zu rezitieren als mit Leben zu füllen scheint, und ein entrücktes Spiel mit der Übertreibung darbietet.

 

Roger Corman kann hier seine Stärken gut ausspielen und versteht es obendrein, Leute wie beispielsweise Matheson mit ins Boot zu holen, die ihr Fach besser verstehen als er, und erschafft so eine Poe-Verfilmung, die ihm auf der narrativen Ebene kaum gerecht werden kann, und sich doch mehr nach Poe anfühlt als viele andere.

 

7 von 10 grausige Foltermethoden im Keller des Don Medina

 

 

Humanoids from the Deep (1980)

27. Juni 2019 at 0:13

 

 

© New World Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

We think we know where these things come from, but we have no idea how many there are.“

 

 

 

Merkwürdige Dinge gehen vor sich in dem kleinen, beschaulichen Fischerdorf Noyo: erst sterben alle Hunde im Ort, dann ein Kind. Als schließlich furchterregende Unterwassermonster über die Bewohner herfallen, da nimmt der Fischer Jim Hill gemeinsam mit der Biologin Dr. Susan Drake den Kampf gegen die schrecklichen Kreaturen auf.

 

Seien wir ehrlich: letztlich ist Humanoids from the Deep nur wenig mehr als Blut und Brüste. Unter Wasser lebende Monster stapfen an Land und fallen über die Menschen her, töten Hunde, Männer und Kinder, schänden und verschleppen die Frauen – das alles klingt nicht nur herrlich sleazy, das ist es auch, und unter der wachsamen Aufsicht von Produzent Roger Corman bekommt der geneigte Zuschauer reichlich nackte Haut, ordentlich Gekröse, viel Glibber und einige saftige Splattereinlagen serviert. Humanoids from the Deep ist ganz klar ein Kind seiner Zeit und versprüht diesen herrlichen spät 70er/früh 80er-Charme, vermischt das aber mit dem Monsterhorror der 50er Jahre. Vor allem Creature from the Black Lagoon (1954) von Jack Arnold ist da ein überdeutlicher Bezugspunkt, doch auch Jaws (1975) und der Slasherfilm halten stilistisch Einzug und eine Prise Lovecraft rundet das Ganze ab. Im Grunde aber denkt Humanoids from the Deep mit seinen triebhaften Kreaturen, dem Schmodder und dem Blut einfach nur Creature from the Black Lagoon grotesk übersteigert weiter und übersexualisiert die Opfer dieser Amphibien-Monster.

 

Knackig kurzweilig ist der Film von Regisseurin Barbara Peeters ohne jede Frage, denn dank der überschaubaren Laufzeit von lediglich 80 Minuten kommt keine Langeweile auf und Leerlauf sucht man vergeblich. Humanoids from the Deep kommt ohne Umschweife zur Sache und gestaltet sich zügig erstaunlich explizit und zeigefreudig, ist aber auch atmosphärisch ungemein dicht dank dem hübschen Fischerdorf/Kleinstadt-Ambiente und dem Score aus der Feder eines noch jungen James Horner. Dass Barbara Peeters ein anderer Film vorschwebte ist ebenso bekannt wie der Umstand, dass dem B-Movie-Papst Roger Corman ihre Version nicht dreckig und schmuddelig genug war, er mit Jimmy T. Murakami (Battle Beyond the Stars, When the Wind Blows) einen zweiten Regisseur für Sex und Gewalt installierte und der fertige Film am Schneidetisch von Editor Mark Goldblatt entstand. Corman weiß nun mal sehr genau was er will und was funktioniert. Zum Glück, denn so ist Humanoids from the Deep letztlich krude, räudig und ruppig wie gleichermaßen wunderbar und für Freunde des Creature Features zweifellos eine Empfehlung wert. Und die Effektarbeit des hier noch sehr jungen Rob Bottin (The Thing, 1982) ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

 

7 von 10 jährlichen Lachsfestivals