The Shape of Water (2017)

17. März 2018 at 16:17

 

© Fox Searchlight Pictures

 

 

 

„If I spoke about it – if I did – what would I tell you? I wonder. Would I tell you about the time? It happened a long time ago, it seems. In the last days of a fair prince’s reign. Or would I tell you about the place? A small city near the coast, but far from everything else. Or, I don’t know… Would I tell you about her? The princess without voice. Or perhaps I would just warn you, about the truth of these facts. And the tale of love and loss. And the monster, who tried to destroy it all.“

 

 

 

Baltimore auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges: die stumme Elisa und ihre Freundin Zelda arbeiten als Putzkräfte in einer geheimen Forschungseinrichtung. Als dort eines Tages ein mysteriöses Amphibien-Wesen eingeliefert und schon bald zahlreichen qualvollen Prozeduren unterzogen wird, ist Elisa fasziniert von dieser fremdartigen Kreatur und sucht irgendwann heimlich deren Nähe. Als das Wesen jedoch getötet und seziert werden soll, da beschließt sie mit der Hilfe ihrer Freunde, es aus seiner Gefangenschaft zu befreien.

 

Ich habe mich im Vorfeld wirklich sehr auf diesen Film gefreut und ihm entgegen gefiebert. Nicht wegen seiner gewonnen Oscars und all der anderen Preise, welche mich nämlich nicht interessieren, sondern einfach weil ich sehr großer Fan von Guillermo del Toro und seinen Filmen bin. Und nun, nach The Shape of Water, da muss ich offen eingestehen, dass ich schon irgendwie unterwältigt bin. Zweifellos ist seine nun mehr zehnte Regiearbeit ein schöner Film geworden, mehr aber auch nicht in meinen Augen. Die Ausstattung ist über jeden Zweifel erhaben, sieht wundervoll aus und glänzt mit vielen tollen visuellen Ideen und Einfällen. Das Schauspiel rund um den Cast mit Sally Hawkins, Richard Jenkins und Michael Shannon ist hervorragend. Und del Toro ist hier wieder voll in seinem Element, wenn er zu seinen Lieblingsthemen zurückkehrt und das Misstrauen in autoritäre Institutionen, unterdrückte Außenseiter und märchenhaften Eskapismus in seinen Fokus rückt. Seine Gespaltenheit zwischen blühender Fantasie und brutaler Realität wird in The Shape of Water wieder überdeutlich. Schon in der aller ersten Szene unterstreicht er mit einem Off-Kommentar gleich zu Beginn die märchenhaften Züge seines Filmes und macht sofort deutlich, wohin die Reise gehen wird. Er öffnet eine Tür in eine andersartige Fantasiewelt, zeigt uns aber auch zugleich auf, warum es diese Tür geben muss, wenn er jenen Eskapismus als Überlebensstrategie für die Unangepassten und die Außenseiter etabliert.

 

Del Toro lässt ebenfalls keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass sein mysteriöser Amphibien-Mann humaner ist als die menschlichen Widersacher, wenn gerade Michael Shannons Figur Richard Strickland mit dicken Pinselstrichen als kontrollbesessener, rassistischer und reaktionärer MANN inklusive phallischem Arbeitsgerät und ausgeprägter Angst vor allem Fremden gezeichnet und uns mit dem Holzhammer eingeprügelt wird. Shannon setzt dem auch nichts entgegen und akzentuiert diese Figur lieber noch mehr, wenn er sich zwar wuchtig in diese Rolle wirft, aber auch ohne jegliche Subtilität als eine Art Galionsfigur einer stark von Homophobie, Rassismus und einer streng normierten, zutiefst paranoiden und von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Gesellschaft agiert. Auch ist die Figurenzeichnung insgesamt zwar gelungen, aber man kann schon festhalten, dass sie ebenso als schlichte Schwarz/Weiß-Malerei ausgelegt werden kann, wenn das Figurenensemble recht deutlich in zwei offensichtliche Kategorien eingeteilt ist und The Shape of Water lediglich zwischen Gut und Böse, Außenseiter und Angepasste differenziert und kaum Zwischentöne zulässt.

 

Das allerdings könnte ich angesichts del Toros gewohnt toller Inszenierung und seines umfassenden Ideenreichtums durchaus verschmerzen, aber mein eigentliches Problem mit dem Film liegt an anderer Stelle: mir fehlt einfach der emotionale Ankerpunkt, um vollends in diese märchenhafte Liebesgeschichte eintauchen zu können. Ich sehe, was del Toro mir sagen möchte, ich fühle es jedoch nicht. Ich vermisse diesen einen Moment, in dem es bei mir Klick macht, die eine Erkenntnis, welche mir sagt, warum genau sich Elisa und die Kreatur ineinander verlieben. Ihr jeweiliges Außenseiterdasein allein reicht mir da nicht aus, um eine Verbindung herzustellen. Darüber hinaus ging mir die sich anbahnende Romanze zwischen den beiden viel zu schnell, als dass mich das emotional vollends hätte abholen können. Dennoch gefällt mir die zauberhafte Sally Hawkins in ihrer Rolle wirklich sehr, wirkt sie doch immer irgendwie schwebend, ein wenig losgelöst und entrückt von der brutalen Realität. Man fragt sich, warum sie so wenig Teil dieser Welt ist und am Ende löst sich das auf, wenn deutlich wird, dass sie sich eben nie richtig entfalten konnte, weil unsere Welt nicht die ihre ist. Das empfand ich zum Schluss nochmals als sehr schönes Bild, wenn hier eine erzählerische Klammer auf wunderbare Art und Weise geschlossen wird.

 

Letztlich ist The Shape of Water ein schöner wie märchenhafter Film über die Liebe und Außenseiter auf der Suche nach ihrer Bestimmung, dessen ansehen sich auch zweifellos lohnt, der mich aber aus genannten Punkten nicht vollends zu berühren vermochte. Auch lässt es sich del Toro immer mal wieder nicht nehmen, auf seine Liebe zum Kino und dessen Kraft als Eskapismus zu verweisen und auch das fügt sich wunderbar in seinen Film ein. The Shape of Water ist ein guter, vielleicht sogar sehr guter Film, opulent ausgestattet und bebildert, voller angenehm nuanciertem Humor und überwiegend toll gespielt, aber diesen einen bestimmten Fleck in meinem Herzen hat er nicht getroffen.

 

7 von 10 gekochten Eiern