Contratiempo – Der unsichtbare Gast (2016)

27. Juli 2018 at 23:26

 

 

© Warner Bros. Pictures/Quelle: IMDb

 

 

Your testimony has holes, and I need details. Plausibility is based on details. I can use them to convince the world that you’re innocent. I assure you, I can do it.“

 

 

 

Der sehr erfolgreiche spanische Geschäftsmann Adrián Doria steht unter dem dringenden Verdacht, seine Geliebte Laura ermordet zu haben. Die Umstände ihres Todes scheinen auf keinen anderen als Täter hinzuweisen und dennoch beteuert er seine Unschuld. Als ein geheimnisvoller Zeuge von der Gegenseite befragt werden soll, da bleiben Doria und seiner neuen Anwältin Virginia Goodman nur noch drei Stunden, um plausibel seine Unschuld zu beweisen.

 

Schon seit geraumer Zeit bringt das spanische Kino immer wieder starke Filme hervor, die sich weder vor dem restlichen Europa noch vor Hollywood verstecken müssen, und kann sich an einem sehr vitalen Genrekosmos erfreuen. Und auch Contratiempo (Der unsichtbare Gast) vermag sich da einzureihen, wenn der Film von Autor und Regisseur Oriol Paulo auf Pfaden wandelt, die so wohl auch Hitchcock gefallen hätten und ein lupenreines Krimirätsel rund um einen vermeintlich offensichtlichen Mord zu stricken beginnt. Paulo erschafft hier scheinbar mühelos ein sehr verschachteltes Verwirrspiel aus Rückblenden, einem mehr als nur unzuverlässigem Erzähler und diversen Wendungen und Finten, spielt jedoch zugleich auch mit der Erwartungshaltung und den Sympathien des Zuschauers. Eine objektive Perspektive gibt es beinahe gar nicht und alles andere sind subjektiv gefärbte Sichtweisen entsprechend der jeweils handelnden Personen, gepaart mit den unterschiedlichsten Motivationen.

 

Ein komplexes Puzzle aus Irrungen und Wirrungen, aus Geschichten, aus Versionen von Geschichten und Geschichten über Geschichten sowie zahlreichen Perspektivwechseln. Vielleicht ein wenig zu komplex. Nicht im Sinne des verständlichen Zugangs, aber es beschlich mich mit zunehmender Laufzeit das Gefühl, dass Contratiempo letzten Endes vielleicht einfach zu viel will. Zwar ist die Prämisse stark und baut sofort Spannung und Druck auf, wenn schnell klar wird, dass die Uhr tickt und nur drei Stunden Zeit bleiben, und Paulo versteht es glänzend eine dichte Atmosphäre zu erschaffen, doch leider wirkt vor allem das letzte Drittel des Filmes auf mich viel zu glatt, zu selbstgefällig, ja, geradezu selbstverliebt, wenn offensichtlich wird, wie sehr das Drehbuch geradezu penibel sorgsam und künstlich glatt seine Plotelemente positioniert. Paulo weiß genau, was er da tut, und lässt Contratiempo reichlich Haken und Kapriolen schlagen, Nebelkerzen werfen und falsche Fährten auslegen, nutzt jede nur erdenkliche Gelegenheit, um Verwirrung zu stiften, und doch ist mir das alles letztlich einfach zu perfekt konstruiert und steuert zu sehr auf eine glanzvolle Auflösung hin, welche mich am Ende seltsam unbefriedigt zurücklässt.

 

6,5 von 10 mysteriösen Zeugen