Hellbound: Hellraiser II (1988)

8. Juli 2018 at 15:36

 

 

© New World Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

„Your suffering will be legendary, even in hell!“

 

 

 

Angesichts der Tatsache, dass Hellbound: Hellraiser II kaum mehr ein Jahr später nach dem überraschend erfolgreichen Erstling in die Kinos kam, könnte man einen Schnellschuss aus der Hüfte erwarten, um noch mehr Geld zu verdienen. Man könnte damit kaum weiter daneben liegen. Clive Barker führte zwar keine Regie mehr, sondern stattdessen sein Freund Tony Randel, der sich später noch für Filme wie den oft unterschätzten Tierhorror-Streifen Ticks (1993), die Realverfilmung von Fist of the North Star (1995) oder insgesamt 23 Folgen der Serie X-Factor verantwortlich zeigen sollte. Barker war jedoch als Produzent beteiligt, immer noch sehr eng in die Arbeit eingebunden und im Grunde auch permanent mit am Set, sein kreativer Geist ist also auch in Hellbound zu jeder Sekunde zu spüren. Die Handlung schließt quasi direkt an Hellraiser an, wenn sich Kirsty unmittelbar nach den Ereignissen im Haus ihres Vaters in einer Art Nervenklinik befindet und ihr niemand glauben will außer Dr. Channard, der ein seltsames Interesse an ihrer Geschichte zeigt.

 

Dabei ist das Grundsetting der Story dem des Vorgängers gar nicht mal so unähnlich, wenn die Ereignisse beide Male fast gleich losgetreten werden, doch Hellbound macht spätestens ab der Hälfte – eher schon etwas früher – so viele Türen und Ebenen auf, dass schnell ein faszinierend abstruser Sog entsteht, der einem im Minutentakt so viele großartige Ideen um die Ohren ballert, dass man aus dem Staunen kaum noch raus kommt. Wo Hellraiser stringenter, strukturierter und geradliniger seine Geschichte zumindest anfangs noch eher als intimes Familiendrama und tragische Liebesgeschichte erzählt, da öffnet Hellbound ein Kaleidoskop des Abseitigen und zeigt uns einen Ort, den keiner von uns ernsthaft kennenlernen möchte: unsere ganz eigene, intime, private Hölle. Endloser Schmerz ohne Aussicht auf Erlösung. Visuell erinnert das alles oft an Gemälde von Hyronismus Bosch, Pieter Bruegel oder Francisco de Goya und an den deutschen Expressionismus sowie Elemente von H.P. Lovecraft oder Arbeiten von H.R. Giger. War die Hölle in Hellraiser noch eher stark psychologischer Natur, formuliert Hellbound die Welt der Zenobiten, diesen Nicht-Ort, stärker aus, ein Labyrinth aus engen Gängen, düsteren Kammern, abgefahrenen Architekturen und bevölkert von unseren schlimmsten Albträumen.

 

Und dann ist da ja noch Leviathan, das abgründige und finstere Herz dieser kalten Hölle, in seiner vollkommen geometrischen Abstraktion und mit seinem schwarzen „Licht“kegel, eigentlich eher der puren Abwesenheit von Licht, rätselhaft wie furchterregend und rational kaum zu begreifen. Ja, das kommt alles ein Stück weit durchaus auch einer Art von Entmystifizierung gleich, aber es baut vollkommen auf der von Clive Barker ersonnenen Welt auf und erweitert die Mythologie aus Hellraiser sehr elegant. Der erste Film ist ein wenig wie der Blick durch ein Schlüsselloch, Hellbound mehr wie ein geöffneter Türspalt mit Fuß in der Tür. Auch Pinhead bekommt nun ein wenig mehr Hintergrund, was ihm etwas Kontur gibt und leicht tragisch wirken lässt in dieser bizarren Melancholie, welche er auszustrahlen scheint. Letztlich ist Hellraiser zweifellos der nicht nur technisch wie handwerklich bessere Film, bei dem einfach alles von der souveränen Inszenierung über das beeindruckende Schauspiel und die atemberaubend gute Effektarbeit bis hin zum fabelhaften Score zusammen passt, Hellbound jedoch macht mir mit seinen absurd-kreativen und völlig frei drehenden Genre-Auswüchsen punktuell mehr Spaß. Die letzte Szene jedoch, die hätte man sich wirklich sparen können und darf getrost ausgeblendet werden, verkündet sie doch bereits vom Abstieg ins allzu Reißerische noch kommender Sequels.

 

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