Molly´s Game (2018)

21. Dezember 2018 at 19:40

© STX Films/Quelle: IMDb

 

 

 

You know what makes you feel okay about losing? Winning.“

 

 

 

Molly Bloom hat als erfolgreiche Skifahrerin im Alter von 20 Jahren schon mehr erreicht als die meisten in ihrem ganzen Leben, als eine schwere Rückenverletzung ihrer Sportkarriere ein jähes Ende setzt. Ihr danach angestrebtes Jurastudium opfert sie später, weil sie über Umwege in die Welt des Underground-Pokers in Los Angeles eingeführt wird. Schnell erkennt sie ihr Talent in puncto Organisation und Ausrichtung solcher oft Tage andauernden Pokerspiele und dank ihrer neuerworbenen Kontakte bis in die höchsten Kreise aus Wirtschaft, Politik und Filmstars eröffnet sie schließlich ihre ganz eigene, enorm erfolgreiche Runde.

 

Aaron Sorkins (als Drehbuchautor unter anderem verantwortlich für Filme wie The Social Network, Moneyball oder Steve Jobs) Regiedebüt Molly´s Game ist die Verfilmung der gleichnamigen Biografie von Molly Bloom und eine Geschichte, derart absurd, wie sie nur das Leben selbst so schreiben kann. Die Ereignisse sind echt, nur die Namen der Beteiligten wurden geändert. Molly ist tough. Molly ist hoch intelligent, ein Multitalent, das Wissen in sich aufnimmt wie ein trockener Schwamm Wasser. Molly ist zielstrebig und ebenso hartnäckig wie ehrgeizig. Aber vor allem: sie weiß sehr genau, was sie will, und wie es erreichen kann.

 

Nicht nur ist Molly´s Game wie eigentlich alle Drehbücher von Aaron Sorkin stark dialoglastig gehalten und extrem pointiert geschrieben, die Dialoge sind sogar trotz des tollen Cast rund um Jessica Chastain, Idris Elba und Kevin Costner das eigentliche Glanzstück und absolutes Highlight. Sorkin erzählt seinen Film enorm temporeich, manchmal beinahe schon zu temporeich, und ähnelt mit Molly als Off-Erzählerin und den smarten, eloquenten und scharfsinnigen Stakkato-Dialogen Werken wie Wolf of Wall Street oder The Big Short, ohne jedoch jemals deren Klasse zu erreichen. Molly´s Game gibt über seine volle Laufzeit von rund 140 Minuten Vollgas ohne Unterlass, glänzt sowohl mit seinem guten Erzähltempo als auch dem gelungenem Pacing, vermag nie zu langweilen und ist beinahe durchgängig hochgradig unterhaltsam. Nur gegen Ende geht Sorkin überraschender Weise ein wenig die Luft aus und Molly´s Game gleitet unnötig in deplatzierten Kitsch ab. Eine unglaubliche Geschichte, spannend verfilmt, witzig und temporeich erzählt und von großem Unterhaltungswert, aber in keinem Moment auf dem Niveau eines Wolf of Wall Street. Dennoch: klare Empfehlung und absolut sehenswert.

 

7 von 10 Pokerchips mit eigenem Emblem

 

 

The Cloverfield Paradox (2018)

8. Februar 2018 at 12:58

 

 

© Netflix

 

 

 

„Logic doesn’t apply to any of this.“

 

 

 

In nicht allzu ferner Zukunft steht die Menschheit vor dem Abgrund: eine gigantische Energiekrise führt zu Hunger und Krieg. Die letzte Hoffnung liegt auf dem Shephard-Teilchenbeschleuniger, den die Crew einer Raumstation im Orbit in Betrieb nehmen soll, doch bei dem Versuch geht etwas schrecklich schief.

 

Netflix holt immer mehr zum großen Schlag aus und will dem Kino zusehends Konkurrenz machen. Erst Bright, nun The Cloverfield Paradox, in Kürze dann Annihilation von Regisseur Alex Garland (Ex Machina, 2014): die neue Strategie des Streaming-Dienstes scheint es zu sein, direkt mit den Vertrieben interessanter Filme zu verhandeln, um diese dann exklusiv auswerten zu können, wo ein Kinostart nicht zu lohnen scheint. The Cloverfield Paradox – ursprünglich noch mit einem Kinostart versehen unter dem Titel The God Particle und unabhängig vom Cloverfield-Universum – bildet nun nach Cloverfield und 10 Cloverfield Lane den dritten Beitrag zur inzwischen Anthologie-artigen Filmreihe. War der erste Film noch Found-Footage-Monster-Horror, da war der zweite der Reihe ein oftmals sehr intimer Psycho-Thriller. So entsteht hier nach und nach ein filmisches Universum, welches vollkommen offen gehalten ist und erzählerisch wie inszenatorisch beinahe alles mögliche ausreizen kann. Das finde ich sehr spannend, denn ich habe lieber ein offen gehaltenes Universum, in dem beinahe alles denkbar ist und das sich quasi ständig neu erfinden kann, als eines, welches mit seinen aufgezwungenen Einschränkungen Kreativität unterbindet. Dafür nehme ich dann gern in Kauf, dass diverse Projekte scheitern oder nicht immer den großen Wurf hervorbringen.

 

So ist The Cloverfield Paradox dann letztlich immerhin solides Genre-Kino geworden, welches zwar nicht mit Innovationen um sich wirft, aber durchaus zu unterhalten vermag und auf der technischen Ebene einwandfrei inszeniert ist. Erzählerisch bietet der Film sicherlich nichts neues, kann aber durchaus mit seiner Atmosphäre punkten, vermischt ein wenig Body-Horror mit Angst und Verzweiflung und hat durchaus auch ein oder zwei interessante Bizarro-Momente zu bieten. Unterm Strich sicherlich der bisher schwächste Beitrag zum Cloverfield-Universum, aber dennoch sehenswert, so fern man dem Genre an sich etwas abgewinnen kann. Darüber hinaus beantwortet der Film einige Fragen und wirft neue auf, befeuert Diskussionen und eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Zwar fällt wie bereits beim Vorgänger die schlussendliche Verknüpfung zu Cloverfield etwas ungelenk aus und man merkt deutlich, dass an diesen Stellen das Drehbuch nachträglich angepasst wurde, dennoch ist dieses Franchise in meinen Augen eines der aktuell spannendsten und bietet annähernd unbegrenzte Möglichkeiten auf der inszenatorischen und erzählerischen Ebene. Ähnlich wie bei Bright bleibt nach all den schlechten Kritiken die ganz große Katastrophe aus und der mir bisher unbekannte Regisseur Julius Onah liefert mit The Cloverfield Paradox technisch einwandfreie, solide Genre-Kost ohne nennenswerte Innovationen, welche ihr Universum jedoch durch einige interessante Facetten zu erweitern weiß, zugleich allerdings ihr Potential nicht zu nutzen vermag.

 

6 von 10 eiskalten Ärmchen