Godzilla: King of the Monsters (2019)

3. Juni 2019 at 19:41

 

 

© Warner Bros. Pictures/Toho/Quelle: IMDb

 

 

 

Fünf Jahre, nachdem Godzilla im Kampf gegen die beiden MUTOs ganze Städte in Schutt und Asche legte, da entdeckt die mysteriöse Organisation Monarch auf der ganzen Welt nach und nach immer mehr solcher sogenannten Titanen und widmet sich deren Erforschung. Als es jedoch einer Gruppe von Öko-Terroristen rund um ihren Anführer Jonah Alan gelingt, einige dieser gigantischen Kreaturen zu befreien, da kann im Grunde nur noch Godzilla selbst die Auslöschung der Menschheit verhindern.

 

The king is dead. Long live the King. Wo Gareth Edwards (Monsters, Star Wars: Rogue One) 2014 den König der Monster nur sparsam inszenierte, aber im ursprünglich metaphorischen Sinne des Ur-Godzillas von Ishiro Honda sanft an die Neuzeit anpasste, da setzt Michael Dougherty (Trick´r Treat, Krampus) überwiegend auf gigantische Eskalation im besten Sinne. Clash of the Titans, buchstäblich. Sein Film ist der wohl bisher japanischste US-Godzilla-Streifen, wenn die bekannteste Riesenechse der Filmgeschichte mit Rodan, Mothra und sogar seinem Erzfeind King Ghidorah konfrontiert wird. Dougherty greift da mit seinem Drehbuch tief in den Mythenschatz des doch speziellen Kaiju-Genre, bedient sich hier und da in dessen filmischer Historie und vermag so manch hübsche Anspielungen und Verweise einzubauen ohne das es aufgesetzt wirken würde.

 

Und prallen diese Naturgewalten erst aufeinander, dann geschieht das mit einem ausgeprägten Gespür für Größe, Wucht und Masse, wenn Dougherty die Titanen teils in Einstellungen inszeniert, in denen sie nicht mal im Ansatz in den Bildrahmen passen und diesen sprengen, teils aber auch in mächtigen Totalen, welche die gigantischen Dimensionen dieser Kreaturen mit unverstelltem Blick in ihrer wahrhaft furchteinflößenden Pracht einfangen. Visuell ist das alles zweifellos herausragend umgesetzt und eingefangen, auch wenn so manche Szene durchaus etwas weniger dunkel oder verregnet hätte ausfallen dürfen. Dennoch entfesselt Dougherty wirklich beeindruckende Bilder und das brachiale Sounddesign gerade auch in Kombination mit dem tollen Score von Bear McCreary fügt sich da nahtlos ein und potenziert deren Wirkung nur noch weiter.

 

Ins Schlingern gerät das Drehbuch allerdings nahezu immer dann, wenn die menschlichen Protagonisten in den Vordergrund gerückt werden. Egal, ob Story, Figurenzeichnung, Motivationen oder Dialoge: hier ist beinahe alles vergessenswert, stellenweise sogar ziemlich dumm und trübt das Gesamtbild. Somit ist Godzilla: King of the Monsters zweifellos zu lang geraten, wenn das Spektakel nur zu gern noch in einen moralischen Überbau gezwängt werden soll, man sich jedoch spürbar daran verhebt und sich in permanenter Exposition verliert. Das ist schade, konnte man aber vielleicht auch erwarten, und die eigentlichen Stars des Filmes kommen mehr als genug zur Geltung. Bei Godzilla: King of the Monsters ist der Titel Programm und die Macher bieten mir mehr als genug Monster-Kloppe in epischen Szenen, um meine kindliche Begeisterung wieder entfachen zu können. Mehr als nur einmal huschte ein zufriedenes Grinsen über mein Gesicht und auch eine handfeste Gänsehaut durfte sich zweimal einstellen. Enttäuscht wurde ich keineswegs, eher im Gegenteil. Und spätestens, wenn das klassische Godzilla-Theme ertönt, dann ist es ohnehin um mich geschehen und mein Herz beginnt zu wummern. Trotz aller offensichtlichen und nicht zu leugnenden Schwächen überwogen die Stärken für mich so deutlich, dass ich am Ende glücklich aus dem Kino wankte. Goodbye, old friend. Wir werden uns bald wiedersehen.

 

8 von 10 nuklearen Explosionen als Defibrillator

 

 

Shin Godzilla

15. September 2017 at 13:47

 

 

© Toho

 

 

 

Die Geschichte selbst ist altbekannt und schnell erzählt: rätselhafte Naturphänomene in der Bucht von Tokio gipfeln schließlich im Erscheinen einer unbekannten wie monströsen Kreatur, die sich anschickt die Stadt zu verwüsten. Wissenschaftler, Militär und Politiker versuchen verzweifelt der Lage Herr zu werden, während das Godzilla genannte Monster weiter wächst und immer mehr von Tokio vollständig verwüstet. Besonders knapp wird die Zeit, als die amerikanische Regierung einen Atomschlag mitten auf Tokyo als letzte Lösung in Betracht zieht.

 

Gareth Edwards amerikanische Sichtweise auf Godzilla (2014) zeigte den Japanern, dass ein weiteres Update der geliebten Riesenechse durchaus profitabel sein kann. Prompt kündigte Toho an, selbst einen nun mehr 29. Beitrag zur Reihe auf die Beine stellen zu wollen und vermutlich nicht ohne Grund ist dieser Godzilla auch der bisher größte in der Geschichte der Filme. Es bedurfte zwar einiger Mühen, aber letztlich konnte man den Neon Genesis Evangelion-Schöpfer Hideaki Anno davon überzeugen, bei Shin Godzilla die Regie zu übernehmen. Ein komplettes Reboot sollte es werden, alles nochmal neu, alles auf Null, angesiedelt im hier und heute als Antwort auf alte wie neue Traumata. Shin Godzilla ist ein japanischer Film für ein japanisches Publikum, das sollte man sich vor Augen führen und im Hinterkopf behalten, denn für unsere westlich geprägten Maßstäbe und Sehgewohnheiten kann der Film durchaus eine Herausforderung sein. Die klassische Kaiju-Ästhetik trifft hier auf gnadenlose Polit-Satire und bürokratischen Irrsinn, wenn sich die etablierte Riege japanischer Politiker geradezu gelähmt im Angesicht der Katastrophe ihre vollkommene Hilflosigkeit eingestehen muss und dennoch Querdenker und neue Denkweisen oder Lösungsansätze immer gleich von den Konservativen beiseite gewischt werden. In scheinbar endlosen und immerzu gleich aussehenden Konferenzräumen und Büros wird unentwegt analysiert, diskutiert, erörtert und beratschlagt, wenn Wissenschaft, Militär und Politik versuchen eine Lösung zu erarbeiten. Hideaki Anno besinnt sich mit Shin Godzilla wieder ganz ursprünglich auf die Anfänge von 1954: hier gibt es keine Kämpfe mit anderen Monstern und Godzilla ist keineswegs der Retter der Welt, er ist die Bedrohung. Es gibt keine Baby-Godzillas, es gibt keine störende Lovestory, keine einsamen Helden im Kampf gegen das Monster, die sich zum Wohl der Menschheit selbstlos opfern, sondern nur die machtlose Regierung, verdammt zum bloßen Zusehen und zum totalen Kontrollverlust, während Godzilla alles in Schutt und Asche legt.

 

© Toho

 

Die Erscheinung und Inszenierung der Riesenechse selbst mag auf den ersten Blick sehr plump erscheinen und wirkt zweifellos gewöhnungsbedürftig, ist Godzilla zwar komplett animiert, aber dennoch dem klassisch traditionellem Design der Reihe unterworfen. Zudem verändert das Monster im Verlauf des Filmes immer wieder Form und Aussehen, indem es mehrere Metamorphosen durchläuft, bis schlussendlich die so sehr in der Popkultur verankerte Erscheinung erreicht wird, welche sich tief ins filmhistorische Bewusstsein gebrannt hat. Und legt diese neue/alte Inkarnation des Godzilla in Tokyo erst einmal los mit ihrer Orgie der Zerstörung, dann sieht das alles sehr gut aus und beschwört Bilder, die oft nur zu sehr an das Tōhuku-Beben, den darauf folgenden Tsunami und die Katastrophe von Fukushima erinnern. Auf dem Höhepunkt des Filmes verbrennt Godzilla mit seinem Feueratem halb Tokyo, den Rest zerlegt er mit seinen radioaktiven Strahlen. Visuell ist das alles sehr ansprechend umgesetzt und Shin Godzilla generiert trotz seines verhältnismäßig niedrigen Budgets von rund 15 Millionen Dollar phasenweise wirklich schöne Szenen der Zerstörung. Wenn ganz Tokyo ohne Strom im Dunkeln liegt und Godzilla von amerikanischen Kampfflugzeugen bombardiert wird, wenn sein glühender Körper die nächtliche Stadt beleuchtet, dann ist das vielleicht einer der beeindruckendsten und schönsten Momente im ganzen Film. Sicherlich kann sich Shin Godzilla auf der Ebene der Effekte kaum mit den gigantisch aufgeblasenen Produktionen der Marke Hollywood messen, dafür aber wohnt Annos Ansatz auch viel naiver Charme inne, den ich persönlich nicht missen möchte, und die Bilder der Zerstörung – gerade auch eben dann, wenn Godzilla schon wieder weiter gezogen ist – zeugen von großer Wucht gekoppelt an reale Ereignisse. Wie bereits 1954 fungiert Godzilla auch heute erneut als fleischgewordenes Mahnmal und materialisierte Angst, damals getrieben von Hiroshima und Nagasaki, heute von Fukushima.

 

Ja, Shin Godzilla ist in vielerlei Hinsicht durchaus gewöhnungsbedürftig. Sein Erzählrhythmus mutet merkwürdig an, werden schnellere Actionsequenzen doch immer wieder gegen geschnitten zu scheinbar endlos langen und wenig ertragreichen Konferenzszenen, und auch die Animation des Monsters selbst wirkt zuweilen eigenartig misslungen. Dafür können sich die Zerstörungssequenzen in Tokyo allesamt durchaus sehen lassen und machen Spaß. Darüber hinaus liefert Hideaki Anno einen herrlich satirischen Seitenhieb auf die konservativ verkrusteten Strukturen der japanischen Politik. Wer jedoch Shin Godzilla allein wegen der Monsteraction in Betracht zieht, der sollte sich vielleicht einen anderen Film suchen. Letztlich bleibt vor allem ein Film über die brutale Machtlosigkeit des Menschen gegenüber der Natur.

 

7 von 10 fleischgewordenen Naturkatastrophen

 

 

 

Godzilla

30. September 2014 at 12:25
Godzilla (2014)
Godzilla poster Rating: 6.8/10 (181,587 votes)
Director: Gareth Edwards
Writer: Max Borenstein (screenplay), Dave Callaham (story)
Stars: Aaron Taylor-Johnson, CJ Adams, Ken Watanabe, Bryan Cranston
Runtime: 123 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 16 May 2014
Plot: The world's most famous monster is pitted against malevolent creatures who, bolstered by humanity's scientific arrogance, threaten our very existence.

 

 

„The arrogance of men is thinking nature is in their control and not the other way around.”

 

 

Vielleicht, aber auch nur vielleicht, scheitert der Film an der Erwartungshaltung der Zuschauer. Godzilla ist sicher kein Pacific Rim (den ich mag) und schon gar kein Transformers (den ich nicht mag), will er auch überhaupt nicht sein, soviel muss gesagt werden. Der Fokus liegt auch nicht unbedingt auf den Monsterkämpfen, sondern vielmehr auf der sehr dichten und düsteren Endzeitatmosphäre. Einige von euch sehe ich jetzt förmlich aufstöhnen: „Aber in einem Monsterfilm will ich doch auch Monster sehen!“

 

Man sollte nicht vergessen, aus welchem Kontext heraus unser kleiner schuppiger Freund geboren wurde. Die Figur des Godzilla ist ein Sinnbild für Traumata, die in der japanischen Kultur fest verankert und tief verwurzelt sind. Er ist materialisierte Angst, ein zweibeiniges Mahnmal und zugleich der Versuch einer Aufarbeitung der Ereignisse von Hiroshima und Nagasaki und vielleicht auch irgendwann von Fukushima. Irgendwie ist Godzilla also allgegenwärtig, er war immer schon da, die ganze Zeit über. Das ist auch der Grund, warum Adaptionen der Geschichte außerhalb Japans immer etwas schwierig sind und warum Roland Emmerichs Version als Monsterfilm zwar durchaus funktioniert, als Godzilla-Film jedoch scheitert. Der Film ist keineswegs schlecht: die Tricktechnik war zum damaligen Zeitpunkt top, Jean Reno ist dabei, der Witz kommt nicht zu kurz und es gibt leichte Anflüge von Buddy-Humor, aber es fehlt einfach am nötigen Kontext. Ohne den Namen Godzilla hätte der Film vielleicht besser abgeschnitten in der Gunst des Publikums, auch in meiner, und wäre besser aufgenommen worden. So aber trägt er ein sehr schweres Erbe in meinen Augen.

 

Gareth Edwards hingegen gelingt es, sein Werk ganz im Sinne der frühen Godzilla-Filme mit globalen Traumata der jüngeren Geschichte aufzuladen. Erinnerungen an den 11. September, an die Tsunami-Katastrophe von 2004 und natürlich auch an Fukushima werden gewahr. So sind die beiden anderen Kreaturen im Film nicht mehr und nicht weniger als ein Produkt menschlicher Arroganz, erschaffen durch unsere grenzenlose Gier. Die Geister, die wir riefen, wenn man so will. Godzilla selbst ist auch ein hausgemachtes Problem, das vertuscht und durch als Atomtests im Pazifik getarnte Bombenangriffe getötet werden sollte, tritt aber eher als eine Art Naturgewalt auf den Plan, um das natürliche Gleichgewicht wieder herzustellen. Er ist auch nicht grundsätzlich böse, eher ein in die Ecke gedrängtes, wildes Tier, vielleicht verwirrt und verängstigt. Die Spur der Zerstörung ist eher bedingt durch Kollateralschäden und so manches ist von menschlicher Hand verursacht bei den zum Scheitern verurteilten Versuchen, die Kreaturen zu bekämpfen. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt im Film, vielleicht sogar die Kernaussage: die Natur lässt sich nicht bezwingen und nicht kontrollieren, und sie findet ihre eigenen Wege, Missstände zu korrigieren. Der Mensch ist machtlos.

 

Ein häufiger Kritikpunkt am Film ist die geringe Leinwandzeit der namens gebenden Hauptfigur. Das kann ich zumindest nachvollziehen, wenn auch nicht nachempfinden. Wie bereits erwähnt, Godzilla ist weder Pacific Rim, noch Transformers. Vielmehr orientieren sich Dramaturgie, Erzählstruktur und Spannungsaufbau an klassischen Vertretern des Genre wie Der Weiße Hai oder Jurassic Park. Lange Zeit wird Godzillas Erscheinung nur angedeutet, eine diffuse Bedrohung, mal sieht man seinen Rückenkamm, mal die Schwanzspitze, mal seine Silhouette im Nebel, und die Spannung steigt immer weiter und weiter, die Neugier auf das Monster wird immer größer und größer. Der Film spielt mit unseren Erwartungen und wenn Godzilla dann nach geraumer Zeit das erste Mal in voller Größe in Erscheinung tritt, ausgestattet mit einem wirklich so fantastischen Sounddesign, dass sich die Nackenhaare aufstellen, dann ist das ein imposanter und atemberaubender Moment.

 

 

„You have no idea what’s coming!”

 

 

Auch die Idee, einen Monsterkampf im entscheidenden Moment auszublenden und dann einfach als Liveübertragung auf einem Fernseher zu zeigen, finde ich toll. So wird der Zuschauer auch ein ganz klein wenig zu dem kleinen Jungen, der staunend vor dem Bildschirm sitzt und das Geschehen fasziniert und unschuldig verfolgt (ein kleines Augenzwinkern in Richtung Jurassic Park: The Lost World).

 

Das alles soll aber nicht heißen, dass Godzilla keine Schwächen hätte. Ganz im Gegenteil, was das Drehbuch angeht hätte man durchaus mehr herausholen können. Gerade im Mittelteil wiederholen sich einige Szenen und die Dialoge sind auch nicht immer schlüssig und unbedingt dazu dienlich, den Handlungsverlauf voranzutreiben. Einige nächtliche Kampfszenen sind etwas zu dunkel geraten und es fällt manchmal schwer, Details zu erkennen. Ein wenig mehr Helligkeit hätte an diesen Stellen ganz gut getan. Die Familiengeschichte, der Versuch des menschlichen Protagonisten, seine Familie wieder zu vereinen, bleibt genauso eindimensional und blass wie teilweise tragende Charaktere und einige der Schauspieler, aber das ist zu verschmerzen in einem Film, in welchem Godzilla die Hauptrolle spielt. Bryan Cranston jedoch muss in diesem Punkt deutlich hervorgehoben werden, seine Leistung ist wie immer sehr gut. Die Wut, der Schmerz und die Verzweiflung seiner Figur bringt er wirklich überzeugend zum Ausdruck. Leider gibt es auch hier einen Wermutstropfen, aber das seht ihr dann schon noch selbst.

 

Godzilla ist sicher kein filmisches Meisterwerk für die Ewigkeit und ganz sicher keine Drehbuchglanzleistung, aber auf jeden Fall ist er wie geschaffen fürs Kino, für die ganz große Leinwand (ein Genuss, der mir leider verwehrt blieb). Nicht die Monsterkämpfe stehen im Mittelpunkt, sondern vielmehr die wirklich hervorragend eingefangene Endzeitatmosphäre, die ausgesprochen bildgewaltig und düster daher kommt, so dass der Film sich den Luxus erlauben kann, nicht alles sofort zu zeigen, Dinge nur anzudeuten, um so die Spannung zu steigern. Godzilla hat klare Schwächen, teils im Drehbuch, teils in der Besetzung, aber er verkommt auch zu keinem Zeitpunkt zu einer weiteren, lieb –und seelenlosen Transformers-CGI-Orgie, von denen es wahrlich mehr als genug gibt. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten, es kam keine Langeweile auf und endlich konnte ein Film mal wieder die kindliche Neugier und Begeisterung in mir auslösen, was heutzutage leider immer seltener wird.