What Happened to Monday? (2017)

18. Mai 2018 at 11:51

 

 

© SND Films/Netflix US

 

 

 

„What happens to one of you, happens to all of you.“

 

 

 

In nicht allzu ferner Zukunft wird Europa von einer strengen Ein-Kind-Politik beherrscht, in der jedes nicht registrierte Geschwisterkind vom Staat in Kryo-Schlaf versetzt wird. In dieser Welt haben die Settman-Siebenlinge dank ihres Großvaters 30 Jahre lang unentdeckt leben können, indem jeder von ihnen nur an einem Wochentag das Haus verlassen darf und alle zusammen einheitlich Karen Settman verkörpern. Als Monday eines Tages nicht mehr nach Hause kommt, droht alles aufzufliegen.

 

Nach blutrünstigen Nazi-Zombies und dem Hexen jagenden Geschwisterpaar Hänsel und Gretel präsentiert uns nun Norwegens heißester Genre-Import Tommy Wirkola mit What Happened to Monday? eine zumindest auf dem Papier sehr interessante Dystopie. Eine rigide Ein-Kind-Politik ist da der Dreh und Angelpunkt in einem Europa nicht allzu ferner Zukunft und der verzweifelte Versuch, den Bevölkerungsdruck zu mindern, und kombiniert mit dem Schicksal der Settman-Siebenlinge birgt das viel Potential. Das fragmentierte Ich. Individualität des Einzelnen versus Anpassung an gesellschaftliche Konventionen. Das Auflehnen gegen diese mehr oder weniger selbst auferlegte, innere Diktatur als fragiler Schutz vor der umfassenden äußeren Diktatur. Jede der sieben Schwestern will nicht immer nur Teil einer Fassade, ein Puzzlestück im Konglomerat der Karen Settman sein, sondern sich auch ausleben dürfen, ihre eigenen Erfahrungen machen und ihren eigenen Weg finden, weiß aber zugleich, dass darauf keine Hoffnung besteht.

 

Leider reißt der Film diesen durchaus spannenden Konflikt lediglich oberflächlich an, statt sich tiefer gehend mit dessen Implikationen zu befassen, und stellt relativ zügig lieber diverse altbekannte Genre-Mechanismen in den erzählerischen Vordergrund. Die interessante Prämisse dieser Dystopie dahinter dient Wirkola bloß als Vehikel, um kaum mehr als einen handelsüblichen Actionthriller zu inszenieren. Technisch ist das alles dann nicht nur einwandfrei umgesetzt, sondern gewinnt dazu einen ganz besonderen Reiz nicht nur durch den visuellen Aspekt, wenn Noomi Rapace das auf der darstellerischen Ebene wirklich richtig gut macht und es schafft, jeder der sieben Settman-Schwestern punktuell und durchaus nuanciert in ihrem Spiel eigene Seiten zu zugestehen. Naturgemäß fallen diese Charakterisierungen eher flach aus, dennoch ist das beeindruckend zu sehen. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich mich schnell mehr damit beschäftigt habe, wie Szene XY inszeniert worden sein könnte, als dass mich die eigentliche Story interessiert hätte.

 

Insofern ist die Prämisse von What Happened to Monday? sehr interessant und voller erzählerischem Potential, welches der Film letztlich leider kaum zu nutzen weiß, wenn er stattdessen lieber schnell in altbekannte Plotmuster abgleitet und sich Genre-Strukturen hingibt. Ein wenig schade ist das schon, weil immer mal wieder aufblitzt, was für ein großartiger Film sich hier zwischen handelsüblichen Actionsequenzen versteckt. Und so bleibt am Ende für mich nur noch eine Frage: What happened to Glenn Close?

 

6 von 10 gemeinschaftlich abgetrennten Fingern