Blood Father

15. Februar 2017 at 13:49

 

 

  © SND Films

 

 

 

„You sure are a good girl. You sure are. You sure… are.“

 

 

 

John Link ist ein in die Jahre gekommener Ex-Sträfling und trockener Alkoholiker, der sein altes Leben hinter sich gelassen hat und nun zurückgezogen in einem Trailerpark lebt und seinen Lebensunterhalt als Tätowierer verdient. Als plötzlich seine Tochter, die er jahrelang nicht mehr gesehen hat, vor seiner Tür steht und dringend seine Hilfe braucht, wird Link doch nochmal mit seiner eigentlich längst abgelegten Vergangenheit konfrontiert.

 

Der französische Regisseur Jean-François Richet ist mir bisher nur durch sein eher mäßiges und vor allem unnötiges Remake von John Carpenters Assault on Precinct 13 und durch die beiden Filme L’instinct de mort und L’ennemi public n°1 mit Vincent Cassel als französische Gangster-Ikone Jacques Mesrine aufgefallen. An manchen Stellen war zu lesen, Blood Father würde im Schaffen von Mel Gibson einen ähnlichen Stellenwert einnehmen wie Taken in dem von Liam Neeson, ihm also als gealterten Actionhelden einen zweiten Karrierefrühling bescheren. Damit lässt man allerdings Get the Gringo außer Acht, der bereits 2012 ganz ähnlich angelegt war. Aber gut, sei´s drum. Richet hat mit Blood Father einen ziemlich guten, stimmungsvollen Genrefilm abgeliefert, der anfangs sehr gut und bedächtig seine beiden Hauptfiguren einführt und sich ausreichend Zeit nimmt, um seine offensichtliche B-Movie-Handlung sorgfältig vorzubereiten. Stilistisch vermengt Richet einige Elemente aus Western, Roadmovie und Drama, abgeschmeckt mit einer Prise Sons of Anarchy, zu einem zwar überraschungsarmen, aber dafür enorm kurzweiligen und straff wie schnörkellos inszenierten Thriller, dessen Schwerpunkt keineswegs auf seiner Action liegt. Wer hier ein temporeiches Spektakel erwartet, welches Actionszene an Actionszene reiht, der ist mit Blood Father falsch beraten. Sicher kracht und knallt oft genug in den angenehm kurzen 88 Minuten Laufzeit, aber der Film bietet auch immer wieder ruhige Momente zum Durchatmen und kann durch einen hervorragenden Rhythmus glänzen ohne jemals künstlich aufgeblasen zu werden. Auch auf überflüssigen Schnickschnack in der Inszenierung wird hier weitestgehend verzichtet, die Action ist überwiegend herrlich altmodisch handgemacht und auf CGI wird glücklicherweise verzichtet. Die Actionszenen sind allesamt kurz und knapp gehalten und bodenständig umgesetzt, wodurch sie eine deutliche Intensität entwickeln können, die Blood Father sehr gut zu Gesicht steht und sich angenehm vom üblichen Action-Einerlei abzuheben weiß.

 

John Link ist der Inbegriff eines Antihelden – trockener Alkoholiker und Ex-Sträfling mit bewegter Vergangenheit in einer Bikergang auf der Suche nach Absolution für früherer Verfehlungen. Eine Rolle, die Mel Gibson wie auf den Leib geschneidert ist und die er glaubhaft und so sehr voller Inbrunst verkörpert, dass sein geerdetes Schauspiel verhindert, dass Blood Father in die typischen Klischeefallen tappt. So ist Mel Gibson dann wohl auch die größte Stärke des Filmes, aber zugleich auch ein Schwachpunkt, denn er gefällt sich selbst ein wenig zu sehr in seiner Rolle des auf den rechten Pfad zurückgekehrten Saulus voller biblischem Zorn. Ansonsten gibt es an Blood Father nicht viel zu mäkeln. Der Film ist angenehm knackig kurz, entfaltet einen guten Rhythmus zwischen Drama getriebenen und Action getriebenen Szenen und hat eine starke Hauptfigur. Die Action selbst ist bodenständig, altmodisch und gekonnt inszeniert. Kurzum: ein guter und stimmungsvoller Actionthriller, der seinem Genre zwar nichts neues hinzufügen kann, aber zu jeder Zeit zu unterhalten weiß. Nur eines hat mich ein wenig irritiert: warum musste sich Richet in einer Szene in einem Kino selbst referenzieren, indem sein Assault on Precinct 13 dort auf der Leinwand zu sehen ist? Kein richtiger Kritikpunkt, merkwürdig fand ich es dennoch. Aber gut, sei´s drum.

 

7 von 10 kunstvollen Tätowierungen