Shortcut Vol. II: Everly

26. Februar 2017 at 13:15

 

 

  © Dimension Films

 

 

 

„That’s a lot of dead whores.“

 

 

 

Was für ein eigenartiger Film. Eigenartig, nicht zwangsläufig schlecht. Was jedoch zutrifft, ist der Vorwurf, dass Regisseur Joe Lynch und das Drehbuch recht viel Potential ungenutzt lassen. Irgendwie will der Film zu viel auf einmal in einem stark limitierten Setting, welches all diese Ideen gar nicht verkraften kann. Dazu wechselt ständig der Ton der Narrative: den Einstieg fand ich noch temporeich, spannend und gelungen, dann geht dem Spannungsbogen merklich die Luft aus, dann wird es reichlich bizarr und im letzten Akt wandelt sich Everly hin zu einem eher intimen Racheszenario. Letztlich quetscht Lynch sehr viel in seinen kleinen, von der Grundidee her eher minimalistischen Film und das will nicht so recht funktionieren. Das ist ein wenig schade, denn einige dieser kruden Ideen sind wirklich gut und machen Spaß. Zudem geizt Everly herzlich wenig mit dem roten Lebenssaft, aber wundert das einen, wenn Lynch zuvor Filme wie Wrong Turn 2 gemacht hat? Eher nicht. Comichaft übertriebene Gewalt inszenieren kann er und die richtigen Ideen hat er auch, aber das Setting von Everly ist zu eng konstruiert, um all das sinnvoll unterbringen zu können. Allein die Performance von Selma Hayek allerdings wertet den Film noch ein wenig weiter auf.

 

6 von 10 toten Huren auf dem Fussboden

 

 

Shortcut Vol. I: The Long Goodbye

25. Januar 2017 at 22:19

 

 

  © United Artists

 

 

 

Zeit für etwas neues auf diesen Seiten. Die Shortcuts. Hin und wieder werde ich hier kurze Texte zu Filmen veröffentlichen, die weniger einer klassischen Rezension entsprechen, sondern vielmehr einfach meinem Empfinden und dem Strom meiner Gedanken. Könnte kryptisch werden… so what?

 

Nothing says goodbye like a bullet… Marlowe braucht geschlagene zehn Minuten, um die Katze zu füttern und dann verschmäht sie das Futter. Miststück, sagt er. Ein verwöhntes Ding, die Kleine, trotz der schäbigen Umstände. Und hartnäckig dazu. Es hat wohl selten lässiger gewirkt, das Füttern einer Katze. Und länger gedauert. Geh doch zurück nach Indien, sagt er zu ihr. Zu den Tigern. El porto del gato. Und raucht dabei locker drei Kippen weg. Elliot Gould ist klasse als abgewrackter Privatdetektiv, lakonisch, zynisch, ein bischen versifft, immer einen Spruch oder eine Zigarette auf den Lippen. Manchmal – eigentlich ziemlich oft – beides. Einem Freund will er helfen und einen Schriftsteller in typischer Hemingway-Pose soll er finden. Versoffen, verwirrt, cholerisch, aber vermisst von seiner Gattin. Brutale Gangster mischen mit. Wege werden sich kreuzen, Menschen sich scheiden und Gelegenheiten sich ergeben. Richtigen Durchblick hat er keinen und tappt viel und lange im Dunkeln, bleibt ein Spielball anderer und reagiert mehr als dass er agiert, aber das spielt auch gar keine Rolle. Alles fließt irgendwie vor sich hin. Hauptsache, es gibt was zu rauchen. Die Coen-Brüder dürften The Long Goodbye recht häufig gesehen haben. It’s okay with me. I even lost my cat. Ganz starkes Ding. Ganz anders, als erwartet. Ganz anders, als erhofft.

 

8 von 10 hungrigen wie hartnäckigen Kätzchen

 

 

Lucy

29. April 2015 at 13:07

 

 

 

Lucy (2014)
Lucy poster Rating: 6.4/10 (229,422 votes)
Director: Luc Besson
Writer: Luc Besson
Stars: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Min-sik Choi, Amr Waked
Runtime: 89 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 25 Jul 2014
Plot: A woman, accidentally caught in a dark deal, turns the tables on her captors and transforms into a merciless warrior evolved beyond human logic.

 

 

 

„We humans are more concerned with having than with being.”

 

 

 

Die amerikanische Studentin Lucy gerät in Taipeh durch eine zwielichtige Bekanntschaft in einen Drogendeal der koreanischen Mafia. Als die Dinge eskalieren wird Lucy kurzerhand als unfreiwilliger Drogenkurier missbraucht und soll ein in ihrem Bauchraum  eingesetztes Paket der neuartigen Droge CPH4 über die Grenze bringen. Alles läuft fürchterlich schief und letztlich wird die Droge in Lucy freigesetzt und gelangt in ihre Blutbahn, was ihr ungeahnte Möglichkeiten eröffnet….

 

Luc Besson war mal ein richtiger guter Regisseur, der es hervorragend verstand Action mit Anspruch zu verschmelzen und ungewöhnliche Geschichten zu erzählen. Filme wie Leon – Der Profi, Nikita, Im Rausch der Tiefe oder sogar noch Das 5.Element waren allesamt unterhaltsam, immer ein klein wenig anders und intelligent inszeniert. Irgendwann hat er sich dann mehr auf das Produzieren von Filmen und schreiben von Drehbüchern verlegt und auch seine immer weniger werdenden Regiearbeiten ließen die Qualität früherer Werke vermissen. An Lucy will er zehn Jahre gearbeitet haben, es scheint ihm also eine Herzensangelegenheit zu sein, dennoch gelingt es ihm auch dieses Mal nicht an vergangene Qualitäten anzuknüpfen.

 

Lucy sieht sich selbst als eine Art Gedankenexperiment, ein klassisches „Was wäre wenn… „- Spiel basierend auf der Idee, dass der Mensch nur zehn Prozent seiner Hirnkapazität nutzt. Dass diese These wissenschaftlich längst überholt und in der Form nicht mehr haltbar ist, wäre nur halb so schlimm und durchaus zu verschmerzen, wenn der Film tatsächlich etwas aus dieser Prämisse machen würde. Tut er nur leider nicht. Er entpuppt sich viel mehr als actionreiche Variation des Films Ohne Limit von Neil Burger mit Bradley Cooper in der Hauptrolle, der sich dem Thema aber deutlich versierter und eleganter annimmt. Zudem wildert Besson stark in seiner eigenen Vergangenheit, vermischt Elemente aus Nikita mit Versatzstücken aus Das 5. Element, garniert das Ganze zum Ende hin mit einem ordentlichen Schuss Transcendence von Wally Pfister und verquirlt alles zu einer wilden und bunten Mischung aus pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen, esoterischer Philosophie, ein wenig Action und ein wenig Spannung. Leider bleibt all das aber doch sehr oberflächlich und es herrscht das eigenartige Gefühl vor, dass Besson zwar eine Idee hat, dass da eine Geschichte ist, die er erzählen möchte, er aber nicht so richtig weiß wie. Statt sich auf die im Grunde sehr gute und interessante Ausgangslage des Films zu konzentrieren verliert sich Besson immer wieder in Actionsequenzen und Verfolgungsjagden. Beginnt Lucy noch durchaus vielversprechend und hat viel Potential, wird dieses im weiteren Verlauf kaum genutzt und die Erzählstruktur fasert immer weiter aus, Elemente der Story werden der Inszenierung geopfert und der Film wird parallel zu Lucy´s zunehmender Hirnkapazität immer schwächer. Dann schafft Besson es noch mit Scarlett Johansson, Morgan Freeman und Min-sik Choi gleich drei herausragende Schauspieler völlig unter Wert zu verkaufen.

 

Letztlich verhebt sich Besson an seinem eigenen Anspruch, denn Lucy wäre zweifellos ein hübsch anzusehender Actionreißer mit Science Fiction – Elementen, ausgesprochen kurzweilig und gelungen inszeniert, würde man doch auf den pseudowissenschaftlichen und philosophischen Überbau verzichten und die Geschichte geradliniger umsetzen. So bleibt Lucy letztlich ein Blender, der mit seiner gefälligen Optik vergeblich versucht darüber hinwegzutäuschen, dass seine dünne und löchrige Story einfach nicht viel zu erzählen hat. Reduziert auf seine Actionelemente durchaus passabel, als großes Ganzes aber will der Film mehr als er bedienen kann.

 

5 von 10 Prozent genutzter Hirnkapazität

 

 

 

Hercules

7. März 2015 at 18:06

 

 

 

Hercules (2014)
Hercules poster Rating: 6.1/10 (82,006 votes)
Director: Brett Ratner
Writer: Ryan Condal (screenplay), Evan Spiliotopoulos (screenplay), Steve Moore (Radical comic "Hercules")
Stars: Dwayne Johnson, Ian McShane, John Hurt, Rufus Sewell
Runtime: 98 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure
Released: 2014-07-25
Plot: Having endured his legendary twelve labors, Hercules, the Greek demigod, has his life as a sword-for-hire tested when the King of Thrace and his daughter seek his aid in defeating a tyrannical warlord.

 

 

 

 

„Civilization has become too civilized for us.”

 

 

 

 

Heute mal wieder was Kurzes für zwischendurch. Hercules mit Dwayne The Rock Johnson als Held aller Helden. Fastfood für den Kopf, nicht nahrhaft, aber lecker, substanzlos, aber unterhaltsam, wenn man so will. In meinem näheren Umfeld gab es zum Teil vernichtende Kritiken für den neuesten Film von Brett Ratner, der sich tatsächlich eher selten bei seinen Filmen durch Qualität auszeichnet. Folglich konnte ich gar nicht mehr anders, als mir den auch anzusehen.

 

Vorab muss man sagen, dass diese Version von Hercules sich keineswegs an der klassischen Heldensage orientiert, sondern eine Verfilmung des Comics The Thracian Wars von Steve Moore ist, die herzlich wenig mit dem Hercules zu tun hat, wie man ihn vielleicht gewohnt ist. Das in Kombination mit dem in die Irre führenden Trailer zum Film führte bei dem einen oder anderen Zuschauer wohl zu einer falschen Erwartungshaltung, die folglich enttäuscht werden musste. Nun gut, so wusste ich zumindest vorher, worauf ich mich einlasse, und ich muss sagen, ich wurde durchaus gut unterhalten.

 

Hercules. Mythos. Legende. Halbgott. Oder eben nicht. Der Film verfolgt einen etwas anderen Ansatz, bietet einen anderen Blickwinkel auf die Geschichte des Hercules, einen sehr interessanten mit dem es sich zu beschäftigen lohnt, ist er doch eine eindeutige Aussage zu Ursachen und Mechanismen von Legendenbildung. Der Titelheld ist hier nämlich keineswegs übermenschlich stark und er ist schon gar kein Halbgott, sondern nur ein einfacher Söldner, der mit seinen Kampfgefährten durchs Land streift und seine Dienste dem zur Verfügung stellt, der am besten dafür zahlt. Natürlich ist er ein mehr als nur fähiger Kämpfer und Krieger und auch stärker als die meisten, aber der Mythos Hercules, die Legende, ist mehr Schein als Sein, eine Illusion, eine Lüge, aufgebauscht und übertrieben von ihm und seinen Gefährten, allen voran sein Neffe Iolaus, der ihre Abenteuer gekonnt ausschmückt und gewöhnliche Gegner gerne auch in Monster verwandelt. Die meisten seiner Heldentaten hat Hercules nicht alleine begangen und sind gleichermaßen mit Kraft wie durch List und Tücke überstanden worden. Die angeblichen Monster wie die Hydra, der nemeische Löwe oder der erymanthische Eber waren verkleidete Menschen oder einfache Raubtiere, deren Bezwingung durch die meisterhaften Erzählungen von Iolaus jedoch zu fantastischen Sagen verklärt wird. Was zweckdienlich und nützlich ist, kann die schlagkräftige Truppe so doch durch ihren Ruhm mehr Geld von ihren Arbeitgebern erlangen, und der Ruf der Heldentaten von Hercules eilt ihnen voraus und zermürbt die Moral der Feinde schon mal im Vorfeld. Es hat etwas Erfrischendes mit anzusehen, wie Hercules sich traut, die standardisierte Heldenbildung mit Leibeskräften zu stilisieren, um sie im nächsten Schritt dann wieder bis aufs Letzte zu entmystifizieren.

 

Ausgesprochen ironisch ist dann auch die Wirkung des Trailers, der einen gänzlich anderen Film suggeriert und epische Kämpfe gegen riesige Monster und Bestien verspricht und dadurch ebenso einen Schein, ein Bild, einen Mythos kreiert, den der Film dann letztlich nicht halten kann und ja auch gar nicht will, genau wie die Heldentaten des Hercules im Film selbst eben auch keine sind. Die eigentliche Geschichte in Hercules ist dann auch wirklich zu vernachlässigen, sie erzählt nichts, was man nicht irgendwann schon mal gesehen hätte und präsentiert Figuren und Charaktere, die schablonenhafter und eindimensionaler nicht sein könnten, aber der Film macht vor allem eines, er macht Spaß. Die Darstellerriege um The Rock, Rufus Sewell, Ian McShane und Aksel Hennie ist schauspielerisch nicht besonders gut, allenfalls mittelmäßig bis unterdurchschnittlich, aber sie sind alle gut aufgelegt und haben sichtlich Spaß an ihrer Arbeit, was man dem Film auch anmerkt. Vor allem The Rock scheint eine geradezu kindliche Freude daran zu haben, Hercules zu spielen. John Hurt und Joseph Fiennes als Gegenspieler und Bösewichte sind zwar komplett unterfordert und verschenkt, aber gut, das war so fast schon zu erwarten.

 

Unterm Strich hatte ich wirklich Spaß mit Hercules, den neuen Ansatz in puncto Legendenbildung und Mythos empfand ich als erfrischend, es gab einige gut getimte und witzige Dialoge und der Film nimmt sich keine Sekunde lang selbst ernst. Story, Darsteller und Effekte fallen dagegen zwar ab, aber der Film ist besser als ähnliche Vertreter des Genre wie Kampf der Titanen, Zorn der Titanen oder Krieg der Götter.

 

6 von 10 abgetrennten Hydraköpfen