Nightbreed (1990)

14. Juli 2018 at 16:17

 

 

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

Everything is true. God’s an Astronaut. Oz is over the Rainbow, and Midian is where the monsters live.“

 

 

Aaron Boone wird von seltsamen Träumen verfolgt, in deren Mittelpunkt immer wieder schreckliche Kreaturen und ein mysteriöser Ort namens Midian eine Rolle spielen. Ein Ort, der Vergebung und Frieden verspricht, und beides hat Boone bitter nötig. Also macht er sich auf die Suche nach Midian und der Brut der Nacht, doch als er diese schließlich findet, da droht ein Konflikt mit den Menschen, die lieber ausrotten, was sie nicht kennen, statt es verstehen zu wollen.

 

Nach Hellraiser ist Nightbreed die zweite Regiearbeit von Clive Barker und erneut widmet er sich einer seiner eigenen Geschichten. Und erneut sind wie auch in Hellraiser die Sehnsucht und die Suche nach einer anderen Welt das eigentliche Thema: egal, ob Frank in Hellraiser oder Dr. Channard in Hellbound, die sich beide im Reich der Zenobiten die Erfüllung ihrer jeweiligen Sehnsüchte erhoffen, oder nun in Nightbreed Boone und Narcisse, die sich von Midian Erlösung versprechen, ihre Motive sind sich sehr ähnlich. Und auch Nightbreed besticht durch überwiegend fantastische Masken, Kostüme und Setdesigns, denn Barker erschafft hier ein düsteres Fantasy-Märchen für Erwachsene, stimmungsvoll, atmosphärisch dicht, kreativ in seiner Inszenierung und voller teils winziger, aber dennoch bemerkenswerter Details.

 

Erzählerisch wirkt zumindest die Kinofassung nicht immer ganz rund, weil diese ihrer Zeit vom Studio stark gekürzt und rückblickend geradezu verstümmelt wurde, so dass es schwer fällt, alles in Gänze zu erfassen, weil entscheidende Elemente unter den Tisch fallen. So lässt allenfalls noch erahnen, welch großartiger Film sich in Nightbreed eigentlich verbirgt. Der deutlich längere Directors Cut vermag auch etwas mehr Licht ins Dunkle zu bringen, doch Fragen bleiben dennoch zurück und mit ihnen immer noch das merkwürdige Gefühl, dass da etwas fehlt. Auch von einer Form des Genozids will Barkers zweiter Film erzählen, hier jedoch sind mir seine Botschaft und die damit einhergehende Bildsprache gerade im Vergleich zu Hellraiser dann doch etwas zu plakativ und eher weniger subtil geraten.

 

Dennoch ist er weiterhin aufrichtig an seinen Figuren und deren Bedürfnisse wie auch Sehnsüchten interessiert, ohne diese gleich vorab moralisch wie auch immer zu bewerten oder zu verurteilen. Dass das große Finale ein wenig unübersichtlich und chaotisch ausfällt, das lässt sich vermutlich ebenso auf die stark geschnittene Kinofassung zurückführen. Letztlich bleibt ein toll inszenierter Fantasy-Film rund um Themen wie Sehnsucht, Erlösung, Heimat und Zugehörigkeit, bei dem man jedoch immerzu das Gefühl hat, dass einem wichtige Elemente der Geschichte vorenthalten werden, weil Barkers Vision den Scheren der Studiobosse zum Opfer fiel. Das ist schade, denn mehr Freiheit seitens des Studios hätte Nightbreed sicherlich sehr gut getan, das riesige Potential jedenfalls ist zweifellos vorhanden und auch durchaus erkennbar.

 

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