Into the Night (1985)

23. Dezember 2018 at 19:58

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Let me ask you something. Maybe you can help me. What’s wrong with my life? Why is my wife sleeping with someone else? Why can’t I sleep?“

 

 

 

Ed Okin leidet schon seit geraumer Zeit unter Schlaflosigkeit und muss zu allem Überfluss auch noch herausfinden, dass seine Frau ihn betrügt. Getrieben von seiner Schlaflosigkeit fährt er nachts ziellos durch Los Angeles als ihm eine fremde Frau namens Diana plötzlich ins Auto springt, weil sie sich auf der Flucht vor einem iranischen Killerkommando befindet. Ed fährt los ohne zu wissen, was genau eigentlich los ist, und es beginnt ein wilder Trip durch die Stadt.

 

Ganz ähnlich wie Miracle Mile drei Jahre später ist auch Into the Night ein Film über Los Angeles als Stadt selbst und Regisseur John Landis (Blues Brothers, American Werewolf, Trading Places) liefert eine filmische Liebeserklärung an die Stadt der Engel, wenn er sie quasi als dritten Hauptdarsteller neben Jeff Goldblum und Michelle Pfeifer inszeniert. Allein der Einstieg in den Film gestaltet sich als lose Collage aus Impressionen eines nächtlichen Los Angeles, eine Art Streifzug durch die Nacht wie ihn auch unser schlafloser Protagonist erleben soll, ist Ed Okin – noch unwissentlich und unterbewusst – doch auf der Suche nach einem anderen Leben wie auch gleichermaßen auf der Flucht vor seinem eigenen Leben, welches in einer einengenden Sackgasse steckt. Doch in dem Moment, in welchem Diana so dramatisch in sein Leben tritt, da bietet sich ihm eine Möglichkeit, eine Chance, ein Wagnis, auf welches es sich einzulassen gilt. Insofern bietet Into the Night nicht nur rund zwei Stunden Eskapismus für den Zuschauer, sondern gerade auch für seinen Protagonisten.

 

Und trifft Ed nun also auf Diana, dann entspinnt Landis eine bunte wie turbulente Odyssee durch die Nacht mit immer irgendwie leicht verschobenem Rhythmus, leicht neben der Spur wie Ed selbst auch, traumwandlerisch, und immerzu pendelnd zwischen Slapstick und Ernsthaftigkeit, aber auch nicht immer ganz sauber ausbalanciert. Alles beginnt am LAX (wo auch Collateral beginnt und Heat endet) und der geradezu irrwitzige Trip durch die Nacht führt das unfreiwillige Duo schließlich von der Marina Del Rey über Hollywood hin zu den Paramount Studios, weiter nach Beverly Hills und Century City und schließlich über den Pacific Coast-Highway zurück zum LAX, wo sich dann der erzählerische Kreis schließt. Dazu gesellen sich in Nebenrollen und Gastauftritten zahlreiche Freunde und Weggefährten von Landis wie Dan Aykrod, David Bowie, Jack Arnold, Lawrence Kasdan, David Cronenberg, Rick Baker, Don Siegel, Roger Vadim, Clu Gulager, Jim Henson, Richard Farnsworth und Jonathan Demme, ja sogar Landis selbst ist Teil des iranischen Killerkommandos.

 

Jeff Goldblum ist mit seinem etwas verschleppten, immer leicht entrückten und von seiner Übermüdung geprägten Schauspiel nahezu perfekt für die Rolle des Ed Okin und dennoch stiehlt die noch junge Michelle Pfeiffer in ihrer roten Lederjacke ihm in beinahe jeder Szene gnadenlos die Show. Into the Night bewegt sich irgendwo zwischen romantischer Komödie, liebevoller und hübsch inszenierter Hommage an den Film Noir und roher Gewalt, die nie wirklich humorvoll gebrochen wird, sondern immer auch hässlich bleibt. An dem Punkt jedoch wirkt Landis Film auf mich ein wenig orientierungslos, wenn er nicht so recht zu wissen scheint, wohin die Reise nun gehen soll. Dennoch ein wunderbarer Film über eine verrückte Reise durch ein schön bebildertes Los Angeles, der immer wieder mit herrlichen Ideen und Einfällen zu glänzen vermag und vollkommen zu Unrecht immer ein klein wenig in Vergessenheit gerät.

 

7,5 von 10 Fahrten im weißen Elvis-Cabrio

 

 

Nightbreed (1990)

14. Juli 2018 at 16:17

 

 

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

Everything is true. God’s an Astronaut. Oz is over the Rainbow, and Midian is where the monsters live.“

 

 

Aaron Boone wird von seltsamen Träumen verfolgt, in deren Mittelpunkt immer wieder schreckliche Kreaturen und ein mysteriöser Ort namens Midian eine Rolle spielen. Ein Ort, der Vergebung und Frieden verspricht, und beides hat Boone bitter nötig. Also macht er sich auf die Suche nach Midian und der Brut der Nacht, doch als er diese schließlich findet, da droht ein Konflikt mit den Menschen, die lieber ausrotten, was sie nicht kennen, statt es verstehen zu wollen.

 

Nach Hellraiser ist Nightbreed die zweite Regiearbeit von Clive Barker und erneut widmet er sich einer seiner eigenen Geschichten. Und erneut sind wie auch in Hellraiser die Sehnsucht und die Suche nach einer anderen Welt das eigentliche Thema: egal, ob Frank in Hellraiser oder Dr. Channard in Hellbound, die sich beide im Reich der Zenobiten die Erfüllung ihrer jeweiligen Sehnsüchte erhoffen, oder nun in Nightbreed Boone und Narcisse, die sich von Midian Erlösung versprechen, ihre Motive sind sich sehr ähnlich. Und auch Nightbreed besticht durch überwiegend fantastische Masken, Kostüme und Setdesigns, denn Barker erschafft hier ein düsteres Fantasy-Märchen für Erwachsene, stimmungsvoll, atmosphärisch dicht, kreativ in seiner Inszenierung und voller teils winziger, aber dennoch bemerkenswerter Details.

 

Erzählerisch wirkt zumindest die Kinofassung nicht immer ganz rund, weil diese ihrer Zeit vom Studio stark gekürzt und rückblickend geradezu verstümmelt wurde, so dass es schwer fällt, alles in Gänze zu erfassen, weil entscheidende Elemente unter den Tisch fallen. So lässt allenfalls noch erahnen, welch großartiger Film sich in Nightbreed eigentlich verbirgt. Der deutlich längere Directors Cut vermag auch etwas mehr Licht ins Dunkle zu bringen, doch Fragen bleiben dennoch zurück und mit ihnen immer noch das merkwürdige Gefühl, dass da etwas fehlt. Auch von einer Form des Genozids will Barkers zweiter Film erzählen, hier jedoch sind mir seine Botschaft und die damit einhergehende Bildsprache gerade im Vergleich zu Hellraiser dann doch etwas zu plakativ und eher weniger subtil geraten.

 

Dennoch ist er weiterhin aufrichtig an seinen Figuren und deren Bedürfnisse wie auch Sehnsüchten interessiert, ohne diese gleich vorab moralisch wie auch immer zu bewerten oder zu verurteilen. Dass das große Finale ein wenig unübersichtlich und chaotisch ausfällt, das lässt sich vermutlich ebenso auf die stark geschnittene Kinofassung zurückführen. Letztlich bleibt ein toll inszenierter Fantasy-Film rund um Themen wie Sehnsucht, Erlösung, Heimat und Zugehörigkeit, bei dem man jedoch immerzu das Gefühl hat, dass einem wichtige Elemente der Geschichte vorenthalten werden, weil Barkers Vision den Scheren der Studiobosse zum Opfer fiel. Das ist schade, denn mehr Freiheit seitens des Studios hätte Nightbreed sicherlich sehr gut getan, das riesige Potential jedenfalls ist zweifellos vorhanden und auch durchaus erkennbar.

 

7 von 10 Orten der Erlösung