Passengers

7. Juli 2017 at 23:14

 

 

© Columbia Pictures

 

 

 

Das gigantische vollautomatisierte Raumschiff Avalon befindet sich mit 5000 Passagieren und 258 Crewmitgliedern im Hyperschlaf auf seinem 120 Jahre dauernden Weg zu der fernen Kolonie Homestead II. Ein neues Leben soll dort begonnen, eine neue Existenz erschaffen werden. Als der Mechaniker Jim durch eine Fehlfunktion als einziger 90 Jahre zu früh aufgeweckt wird, sieht er sich mit Einsamkeit und Isolation konfrontiert, ist es ihm doch unmöglich, in den Hyperschlaf zurückzukehren. Den einzigen Trost findet er in dem mechanischen Barkeeper Arthur, doch irgendwann wird Jim eine nicht nur für ihn folgenschwere Entscheidung treffen.

 

Zehn Jahre lag das Skript zu Passengers in den Giftschränken Hollywoods. Das Potential darin wurde vielerorts sehr wohl erkannt, jedoch scheute man immer wieder die Kombination aus kammerspielartigem Drama, Lovestory und teuren Sets, Kulissen und hohen Produktionskosten. Nun aber wurde der Stoff doch noch realisiert, oder vielmehr allenfalls halbherzig aufgewärmt, weil große Science Fiction-Stories kombiniert mit vermeintlich emotionaler Tiefe im Blockbuster-Kino aktuell wieder angesagt sind, besetzt mit zwei momentanen Hollywood-Größen, inszeniert von einem lenkbaren Auftragsregisseur, ausgestattet mit einem halbwegs üppigen Budget, ins Rennen geworfen frei nach dem Motto: wird schon gut gehen. Irgendwer fällt ja immer drauf rein. Dabei liegt in der Grundidee hinter Passengers unglaublich viel Potential und der Gedanke einer als Kammerspiel angelegten Lovestory kombiniert mit bombastischer Science Fiction – das Intime und das Epische gleichsam Hand in Hand, das hat durchaus seinen ganz eigenen Reiz. Eine klassische Romanze, in ihren Grundzügen universell, die überall zu jeder Zeit spielen könnte, aber in ihrer Wirkung potenziert durch eine sehr spezifische, weitere Dimension, wenn es nicht nur um das Leben von Jim und Aurora geht, sondern eben auch um all die Siedler im Hyperschlaf an Bord der Avalon. Zu dumm nur, dass es dem Film nicht gelingt, all das auch nur ansatzweise zu transportieren. Und das, obwohl Passengers zu Beginn, ja sogar im ganzen ersten Drittel, auf Kurs hält und atmosphärisch durchaus gelungen ist, wenn Jim allein nach dem Aufwachen durch die gigantische Avalon streift und nach und nach realisiert, dass er der einzige an Bord ist, der geweckt wurde. Seine beständig wachsende Angst und Verzweiflung sind spürbar, die zahlreichen Fluchtversuche aus der Isolation nachvollziehbar, ja, sogar ein nicht unbeträchtliches moralisches Dilemma wird aufgebaut. Doch bereits das zweite Drittel, eingeleitet durch die Ankunft von Aurora in Jims kleiner Welt, nutzt das zuvor etablierte kaum noch bis gar nicht mehr und ergeht sich fortan lieber in einer kitschigen wie auch unlogischen und vor allem arg erzwungenen Lovestory (nur weil die beiden als einzige wach sind bedeutet das noch gar nichts), garniert mit einem für romantische Komödien durchaus typischen Humor. Das hat zumindest noch den einen oder anderen Schmunzler zu bieten und kann einem gewissen Unterhaltungsfaktor nicht entbehren, seicht und allzu leicht ausrechenbar ist es dennoch. Doch spätestens mit dem letzten Drittel und dem Auftauchen von Laurence Fishburne als Gus Mancuso kippt Passengers in eine beliebige wie unmotivierte, auf große Action und spektakuläre Bilder getrimmte Rettungsmission, die in ihrer aufgesetzten Dramatik geradezu albern und vor allem unglaubwürdig wirkt. Das Problem ist: Jim und Aurora sind als Charaktere einfach zu egal, als dass man ernsthaft mit ihrem Schicksal mitfiebern könnte. Es interessiert nicht.

 

Auf der visuellen Ebene hat Passengers tatsächlich einiges zu bieten, ist phasenweise wirklich prachtvoll anzusehen und kann mit dem einen oder anderen interessanten Design glänzen, bleibt aber auch hier letztlich erschreckend seelenlos und kreiert kaum eigenständige Bilder, die auch beim Zuschauer hängen bleiben, sondern erinnert vielmehr oft an andere Filme wie Alien oder Shining und noch viele andere. Auf der darstellerischen Ebene haben wir die logischerweise erdrückende Präsenz von Jennifer Lawrence und Chris Pratt, zwei aktuelle Big Names in Hollywood: die eine halte ich für überschätzt und inflationär präsentiert, der andere muss sich endlich mal von seinem etablierten Image lösen und einen Film machen, der ihn gegen den Strich spielen lässt. Chris Pratt ist cool, zweifellos, aber er ist eben immer cool, spielt gefühlt einfach nur sich selbst, den working class hero, und sollte nun einfach mal den nächsten Schritt in seiner Karriere wagen, statt immerzu nur die immer selben Figuren zu geben. Letztlich können beide den kammerspielartigen Aspekt von Passengers kaum tragen, die der romantischen Komödie und des dramatischen Blockbusters hingegen zwar schon, aber Jim und Aurora bleiben einfach zu blaß und eindimensional, als dass man wirklich mit ihnen mitleidet, um sie hofft und bangt und ihnen die Daumen drücken will. Ein wenig ist es letzten Endes auch ärgerlich, wenn man bedenkt, welch großes Potential in der Prämisse von Passengers schlummert und wie wenig das dann auch genutzt wird. Die Möglichkeit einer packenden Inszenierung wird zu Gunsten von oberflächlichen Figuren, aufgesetzter Melodramatik, klebrigem Kitsch und einem Finale, das episch sein will, aber höchstens albern wirkt, über Bord geworfen und zurück bleibt kaum etwas erinnerungswürdiges außer Arthur, dem mechanischen Barkeeper und heimlichem Star des Filmes. Und dann wirft man auch noch das mitunter interessanteste am ganzen Film – nämlich Jims moralisches Dilemma – mit einem Hundeblick einfach so weg und geht nicht mehr weiter darauf ein.

 

4 von 10 Unterhaltungen mit Arthur