John Wick: Chapter 3 – Parabellum (2019)

26. Mai 2019 at 18:00

 

 

© Lionsgate/Quelle: IMDb

 

 

 

A fourteen million dollar bounty on his head, and everyone in the city wants a piece of it… I’d say the odds are about even.“

 

 

 

Nach der Ermordung von Santino D´Antonio im Continental Hotel wird John Wick für seinen Regelbruch von der Hohen Kammer exkommuniziert und buchstäblich zum Abschuss freigegeben. Vollkommen auf sich allein gestellt, ohne jeglichen Anspruch auf Hilfe oder Unterstützung, muss er sich nun Heerscharen von Killern erwehren, die alle hinter dem 14 Millionen Dollar Kopfgeld her sind.

 

Si vis pacem, para bellum. John Wick ist zurück, grimmiger und wütender als jemals zuvor. Der dritte Teil der Saga rund um den legendären Profikiller knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an, wenn der Titelheld nur Minuten vor seiner Exkommunikation steht und ein 14 Millionen Dollar Kopfgeld auf ihn ausgesetzt ist. Regisseur Chad Stahelski steigt sofort und ohne Umschweife temporeich in das Geschehen ein, wenn er immer nah an Wick dran bleibt, ihm auf Schritt und Tritt folgt und so einen geradezu atemlosen Einstieg erschafft. Tick Tock, Mr. Wick. Die Uhr läuft erbarmungslos. Schon der erste Kampf gibt den gnadenlosen und kompromisslosen Ton vor und der Härtegrad ist zweifellos höher denn je. Die Action ist erwartungsgemäß abermals eindrucksvoll choreografiert und gewohnt übersichtlich in Szene gesetzt, doch Stahelski und sein Team erweitern dieses Mal das Arsenal an Mordinstrumenten und Settings um einige neuerliche Facetten und so manche Actionsequenz ist dadurch ausgesprochen kreativ geraten. Manches habe ich so tatsächlich noch nie zuvor gesehen, manches ist einfach clever geklaut.

 

Leider schleichen sich aber gerade bei der Action auch phasenweise ein paar Längen ein, wenn hin und wieder Sequenzen zu lang und zu repetitiv geraten sind und Wiederholung und Variation Einzug halten, wo ein wenig Straffung manchmal vielleicht besser gewesen wäre. Ein gewisser Grad der Redundanz und Ermüdung lässt sich da leider kaum leugnen, doch insgesamt ist das alles auf ganz hohem Niveau umgesetzt. Dazu treibt John Wick: Chapter 3 – Parabellum seine umspannende Rahmenhandlung zielsicher voran, führt neue Motive und Figuren ein und baut die faszinierende Mythologie dieser Parallelwelt gekonnt weiter aus. Doch auch hier erlaubt sich das Drehbuch von Derek Kolstad hin und wieder Ausreißer nach unten und liefert so manche an Albernheit grenzende Idee im Storyverlauf: ein etwas übertrieben mystisches Treffen in der Wüste etwa oder Wicks Motivation weiterleben zu wollen, die etwas dünn wirkt. Doch das gelungene world building vermag das wieder auszugleichen, auch wenn weniger hinzugefügt wird als es noch der zweite Teil im Bezug zum ersten Teil vollbrachte.

 

Keanu Reeves ist wie gewohnt eine Bank und verkörpert den stoischen Killer perfekt in einer gelungenen Mischung aus eiskalter Präzision und Eleganz, wenn er sich durch gefühlt niemals endende Horden von Gegnern metzelt. Hilfreich zur Seite steht ihm dabei eine Zeit lang mit der von Halle Berry überraschend eindrucksvoll verkörperten Sofia eine schlagkräftige Weggefährtin aus alten Zeiten, deren zwei Hunde ein kleines Highlight darstellen. Dem gegenüber steht Mark Dacascos als Zero, der Wick im Auftrag der Hohen Kammer zur Strecke bringen soll, diesen jedoch zugleich auch respektiert und bewundert für seine Fertigkeiten. Die Figur macht ihm sichtlich Spaß und entsprechend enthusiastisch ist seine Spielfreude. Schön zu sehen, dass Dacascos nochmals zeigen darf, was für Fähigkeiten in ihm Stecken. Seine beiden Handlanger werden von Yayan Ruhian (The Raid 1&2)und Cecep Arif Rahman (The Raid 2) gespielt, die erfreulicherweise mehr von ihrem virtuosen Können zeigen dürfen als ursprünglich erwartet, stellen sie Wick doch vor eine gewaltige Herausforderung. Auch der tolle Ian McShane, Lance Reddick und Laurence Fishburne sind in ihren gewohnten Rollen dabei und werden noch ergänzt durch Anjelica Huston und eine eher blasse Asia Kate Dillon als Abgesandte der Hohen Kammer.

 

Alles in allem ist John Wick: Chapter 3 – Parabellum abermals ein gelungener Beitrag zur Reihe um die Unterwelt-Legende, entpuppt sich für mich letztlich jedoch als vermeintlich schwächster Teil. Natürlich liefert Teil 3 alle gewohnten Zutaten und erweitert diese sogar um diverse Noten, doch eine gelegentliche Redundanz besonders in der Action schmälert ein wenig das runde Gesamtbild. Das ist aber auch Jammern auf höchstem Niveau, denn letztlich fetzt der Film ordentlich. I gotta say, I´m a pretty big fan. Ich auch.

 

7,5 von 10 brachialen Pferdeküssen

 

 

Passengers

7. Juli 2017 at 23:14

 

 

© Columbia Pictures

 

 

 

Das gigantische vollautomatisierte Raumschiff Avalon befindet sich mit 5000 Passagieren und 258 Crewmitgliedern im Hyperschlaf auf seinem 120 Jahre dauernden Weg zu der fernen Kolonie Homestead II. Ein neues Leben soll dort begonnen, eine neue Existenz erschaffen werden. Als der Mechaniker Jim durch eine Fehlfunktion als einziger 90 Jahre zu früh aufgeweckt wird, sieht er sich mit Einsamkeit und Isolation konfrontiert, ist es ihm doch unmöglich, in den Hyperschlaf zurückzukehren. Den einzigen Trost findet er in dem mechanischen Barkeeper Arthur, doch irgendwann wird Jim eine nicht nur für ihn folgenschwere Entscheidung treffen.

 

Zehn Jahre lag das Skript zu Passengers in den Giftschränken Hollywoods. Das Potential darin wurde vielerorts sehr wohl erkannt, jedoch scheute man immer wieder die Kombination aus kammerspielartigem Drama, Lovestory und teuren Sets, Kulissen und hohen Produktionskosten. Nun aber wurde der Stoff doch noch realisiert, oder vielmehr allenfalls halbherzig aufgewärmt, weil große Science Fiction-Stories kombiniert mit vermeintlich emotionaler Tiefe im Blockbuster-Kino aktuell wieder angesagt sind, besetzt mit zwei momentanen Hollywood-Größen, inszeniert von einem lenkbaren Auftragsregisseur, ausgestattet mit einem halbwegs üppigen Budget, ins Rennen geworfen frei nach dem Motto: wird schon gut gehen. Irgendwer fällt ja immer drauf rein. Dabei liegt in der Grundidee hinter Passengers unglaublich viel Potential und der Gedanke einer als Kammerspiel angelegten Lovestory kombiniert mit bombastischer Science Fiction – das Intime und das Epische gleichsam Hand in Hand, das hat durchaus seinen ganz eigenen Reiz. Eine klassische Romanze, in ihren Grundzügen universell, die überall zu jeder Zeit spielen könnte, aber in ihrer Wirkung potenziert durch eine sehr spezifische, weitere Dimension, wenn es nicht nur um das Leben von Jim und Aurora geht, sondern eben auch um all die Siedler im Hyperschlaf an Bord der Avalon. Zu dumm nur, dass es dem Film nicht gelingt, all das auch nur ansatzweise zu transportieren. Und das, obwohl Passengers zu Beginn, ja sogar im ganzen ersten Drittel, auf Kurs hält und atmosphärisch durchaus gelungen ist, wenn Jim allein nach dem Aufwachen durch die gigantische Avalon streift und nach und nach realisiert, dass er der einzige an Bord ist, der geweckt wurde. Seine beständig wachsende Angst und Verzweiflung sind spürbar, die zahlreichen Fluchtversuche aus der Isolation nachvollziehbar, ja, sogar ein nicht unbeträchtliches moralisches Dilemma wird aufgebaut. Doch bereits das zweite Drittel, eingeleitet durch die Ankunft von Aurora in Jims kleiner Welt, nutzt das zuvor etablierte kaum noch bis gar nicht mehr und ergeht sich fortan lieber in einer kitschigen wie auch unlogischen und vor allem arg erzwungenen Lovestory (nur weil die beiden als einzige wach sind bedeutet das noch gar nichts), garniert mit einem für romantische Komödien durchaus typischen Humor. Das hat zumindest noch den einen oder anderen Schmunzler zu bieten und kann einem gewissen Unterhaltungsfaktor nicht entbehren, seicht und allzu leicht ausrechenbar ist es dennoch. Doch spätestens mit dem letzten Drittel und dem Auftauchen von Laurence Fishburne als Gus Mancuso kippt Passengers in eine beliebige wie unmotivierte, auf große Action und spektakuläre Bilder getrimmte Rettungsmission, die in ihrer aufgesetzten Dramatik geradezu albern und vor allem unglaubwürdig wirkt. Das Problem ist: Jim und Aurora sind als Charaktere einfach zu egal, als dass man ernsthaft mit ihrem Schicksal mitfiebern könnte. Es interessiert nicht.

 

Auf der visuellen Ebene hat Passengers tatsächlich einiges zu bieten, ist phasenweise wirklich prachtvoll anzusehen und kann mit dem einen oder anderen interessanten Design glänzen, bleibt aber auch hier letztlich erschreckend seelenlos und kreiert kaum eigenständige Bilder, die auch beim Zuschauer hängen bleiben, sondern erinnert vielmehr oft an andere Filme wie Alien oder Shining und noch viele andere. Auf der darstellerischen Ebene haben wir die logischerweise erdrückende Präsenz von Jennifer Lawrence und Chris Pratt, zwei aktuelle Big Names in Hollywood: die eine halte ich für überschätzt und inflationär präsentiert, der andere muss sich endlich mal von seinem etablierten Image lösen und einen Film machen, der ihn gegen den Strich spielen lässt. Chris Pratt ist cool, zweifellos, aber er ist eben immer cool, spielt gefühlt einfach nur sich selbst, den working class hero, und sollte nun einfach mal den nächsten Schritt in seiner Karriere wagen, statt immerzu nur die immer selben Figuren zu geben. Letztlich können beide den kammerspielartigen Aspekt von Passengers kaum tragen, die der romantischen Komödie und des dramatischen Blockbusters hingegen zwar schon, aber Jim und Aurora bleiben einfach zu blaß und eindimensional, als dass man wirklich mit ihnen mitleidet, um sie hofft und bangt und ihnen die Daumen drücken will. Ein wenig ist es letzten Endes auch ärgerlich, wenn man bedenkt, welch großes Potential in der Prämisse von Passengers schlummert und wie wenig das dann auch genutzt wird. Die Möglichkeit einer packenden Inszenierung wird zu Gunsten von oberflächlichen Figuren, aufgesetzter Melodramatik, klebrigem Kitsch und einem Finale, das episch sein will, aber höchstens albern wirkt, über Bord geworfen und zurück bleibt kaum etwas erinnerungswürdiges außer Arthur, dem mechanischen Barkeeper und heimlichem Star des Filmes. Und dann wirft man auch noch das mitunter interessanteste am ganzen Film – nämlich Jims moralisches Dilemma – mit einem Hundeblick einfach so weg und geht nicht mehr weiter darauf ein.

 

4 von 10 Unterhaltungen mit Arthur

 

 

John Wick: Chapter 2

22. Februar 2017 at 22:59

 

 

  © Summit Entertainmant

 

 

 

„The man. The myth. The legend. John Wick. You’re not very good at retiring.“

 

 

 

Eigentlich hatte der Profikiller John Wick geglaubt, seine Rückkehr aus dem Ruhestand sei nach seinem blutigen Rachefeldzug gegen den russischen Mafiaboss Viggo Tarasov und dessen Schergen nun endlich vorüber und er könne zurückkehren zu einem normalen Leben, da steht erneut jemand aus seiner Vergangenheit vor seiner Tür und fordert eine alte Schuld ein, die es zu begleichen gilt.

 

John Wick kam 2014 für mich aus dem nichts und glich einem Schlag mitten in die Fresse, so unvorbereitet traf mich die schiere Wucht dieses wahnsinnigen Filmes voller purer Kinetik und dank des hohen Tempos ohne nennenswerte Verschnaufpausen. Eine Art geistiges Erbe des 80er Jahre Actionkinos, welches sich wieder auf dessen ursprüngliche Qualitäten und Werte besinnt und über seine kompromisslose Action hinaus dazu noch ein Meisterwerk in Sachen visuellem Storytelling ist. Wie Chad Stahelski und David Leitch hier mit nur ganz wenigen Pinselstrichen diese vollkommen eigene Welt des John Wick entwarfen, das war einfach nur genial. Ich mag es immer wahnsinnig gern, wenn ein Film viel mehr über seine Bilder erzählt, als mich mit Dialogen zu erschlagen und den Erklärbär zu spielen. Wie dem auch sei, schnell wurde eine Fortsetzung angekündigt und bald machte sich leise Skepsis in mir breit. Würde man dieses Spektakel wiederholen können oder an einem zweiten Teil scheitern? Würden die Macher an ihrer direkten wie druckvollen Stilistik festhalten oder würde ein aufgrund des nicht gerade unerfolgreichen ersten Teiles höheres Budget spürbare Änderungen mit sich bringen? Berechtigte Fragen, aber nun, nach dem Kinogenuss von John Wick: Chapter 2 kann ich beruhigt verkünden: wenn überhaupt, dann steht der neueste Streich seinem Vorgänger in nur sehr wenigen Punkten nach und bildet eine überaus gelungene Fortsetzung, welche zum einen den geradezu mythischen Status seiner Hauptfigur (nicht immer, aber dazu später mehr) weiterhin zementiert, zugleich aber auch die Welt, in der John Wick sich bewegt, dem geneigten Zuschauer deutlich weiter offenbart als zuvor.

 

Zunächst beginnt der Film mit einem von der eigentlichen Handlung eher losgelösten Prolog, der voller Tempo und sehr actionreich klarmacht, woher hier erneut der Wind weht. Danach wir erst einmal das Tempo herausgenommen und Regisseur Chad Stahelski, diesmal ohne David Leitch an seiner Seite, beginnt, die eigentliche Geschichte zu etablieren. Drehbuchautor Derek Kolstad ändert am Grundkonzept recht wenig, optimiert allenfalls die eine oder andere Stellschraube und die eigentliche Story ist nach wie vor schlicht und dient kaum mehr als Vehikel für all die dynamischen Actionszenen, verlagert ihren Schwerpunkt aber zunächst einmal hin zu den Mechanismen und Eigenarten dieser seltsamen Welt voller Auftragskiller und Ganoven, die ihrem ganz eigenen Kodex folgen, vollkommen losgelöst von der Realität. Comichaft überzogen und stetig pendelnd zwischen ernsthafter Härte und augenzwinkernder Verspieltheit, baut der zweite Teil viele der bereits etablierten Elemente weiter aus und führt uns tiefer in diese mysteriöse Parallelwelt, deren Absurditäten man allerdings akzeptieren muss, um den Film auch wirklich genießen zu können. So ist es auch hilfreich, dass sich zahlreiche alte Weggefährten aus dem ersten Teil hier erneut wiederfinden und ein Gefühl der Vertrautheit und Kontinuität vermitteln, ist der erzählerische Tenor doch beinahe identisch. Zwar kratzt der fortschreitende Ausbau dieser filmischen Welt ein wenig am Nimbus von John Wick als stoischer Einzelgänger und der eine oder andere könnte das als leichten Kritikpunkt betrachten, mich persönlich jedoch hat das nicht so sehr gestört, dass es das Filmvergnügen für mich spürbar abwerten würde. So wird dann auch in der zweiten Hälfte der auf den ersten Blick eher lang anmutenden 120 Minuten Laufzeit (die letztlich dann doch schneller vergehen, als einem lieb ist) das Tempo wieder angezogen und der Film reiht nahezu eine waghalsige Actionsequenz an die nächste, wobei so manches Set Piece in inszenatorischer Hinsicht brilliant ist. Allein der finale Akt in einer Art surrealem Spiegelkabinett lohnt schon das Geld für die Kinokarte, ist diese Szene doch visuell einfach fantastisch umgesetzt, wenn dort beinahe jegliche Grenzen aufgehoben werden und die rein sinnliche Wahrnehmung der Action vollkommen über die logische Wahrnehmung dominiert.

 

Selten erlebe ich es, dass eine Fortsetzung ihrem furiosen ersten Teil in so wenig nachsteht, dass ich sie kaum schlechter bewerten kann. Natürlich verfügt John Wick: Chapter 2 nicht mehr über den schlagkräftigen Überraschungseffekt seines Vorgängers, der mehr oder weniger aus dem Nichts kam und vollkommen unvorbereitet einschlug, dafür aber versteht es der Film im Gegenzug sehr gut, punktuell in seiner Inszenierung nochmals einen drauf zu setzten und gibt sich sogar eher noch kompromissloser. Darüber hinaus erhalten wir noch mehr und vor allem auch tiefer gehende Einblicke in die überaus faszinierende wie zwielichtige und vollkommen fremdartig anmutende Zwischenwelt des John Wick, der dieser eigentlich nur noch entsagen will, sie ihn aber nicht lässt und abermals einholt. Das mag zuweilen vielleicht ein wenig entmystifizierend anmuten, offenbart aber auch neue Möglichkeiten für kommende Szenarien. Der dritte Teil scheint beschlossene Sache, ist das Ende von Chapter 2 doch ein mehr als nur deutlicher Hinweis, aber wenn die Qualitäten weiterhin auf solch hohem Niveau rangieren, dann dürfte auch ein weiterer Film sicherlich seinen Reiz haben. Ich jedenfalls hätte nichts dagegen.

 

8 von 10 kugelsicheren Abendgarderoben

 

 

Batman v Superman: Dawn of Justice

28. März 2016 at 17:37

 

 

© Warner Bros. Pictures

 

 

 

„Black and blue. Fight night. The greatest gladiator match in the history of the world. God versus man. Day versus night! Son of Krypton versus Bat of Gotham!“

 

 

 

Achtzehn Monate sind vergangen seitdem Superman im Kampf gegen General Zod halb Metropolis in Schutt und Asche gelegt hat und die Welt von seiner Existenz und seiner außerirdischen Herkunft erfuhr. Dieser Kampf forderte die Leben zahlloser Zivilisten und die Welt und ihre Regierungen sind sich schon lange nicht mehr darüber einig, ob Superman eher als gottgleicher Heilsbringer oder übermenschliche Bedrohung für den gesamten Planeten zu betrachten ist. Batman hingegen hat diese Frage schon längst für sich entschieden, war er doch bei der Zerstörung von Metropolis hautnah dabei. In die Jahre gekommen, frustriert und verbittert vom langjährigen Kampf gegen das Verbrechen in Gotham, ist der Dunkle Ritter zunehmend desillusioniert und glaubt nun, den einzigen Weg in der Vernichtung Supermans gefunden zu haben…

 

Da ist es also, das neue große Zugpferd von DC Comics, das so viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen muss, dass einem nur schwindelig werden kann. Batman v Superman: Dawn of Justice ist der verlängerte Arm von Men of Steel und dessen Fortsetzung, Teaser für Batmans neues Soloabenteuer, Grundstein für die Justice League und noch mehr Soloabenteuer von Wonder Woman und diversen anderen Figuren, vor allem aber ist der Film der Versuch, es Marvel mit seinem MCU gleich zutun. DC möchte nun auch endlich seinen Teil vom Kuchen haben, jedoch verfallen sie fälschlicherweise der Idee, mit dem MCU plötzlich mithalten oder gar konkurrieren zu können, indem sie quasi aus dem Nichts ihren eigenen Comic-Kosmos aus dem Boden stampfen, wohin gegen Marvel Jahre mühevoller Kleinarbeit in Form ihrer Stand Alones zu diversen Charakteren (Hulk, Iron Man, Thor, Captain America) investiert hat um dorthin zu kommen, wo sie nun stehen. DC hinkt da etliche Jahre hinterher und versucht nun auf Biegen und Brechen diese Kluft mit einem Sprung zu überwinden, möchte sich aber gleichzeitig auch absetzen von der bunten und verhältnismäßig harmlosen Marvel-Welt, seine Szenarien erden und mit dem nötigen Ernst und Bedeutungsschwere ausstatten. Dass ihnen das mit Batman v Superman: Dawn of Justice nicht einmal im Ansatz gelingt, das kann ich an dieser Stelle bereits verraten, und der Umstand, dass der Film zu viel auf einmal will und auch leisten muss, bricht ihm letztlich das Genick.

 

Aber von Anfang an. Der grundlegende Ansatz von Batman v Superman: Dawn of Justice ist sogar ein durchaus interessanter und spannende narrative Ideen gibt es auch. Menschliches Misstrauen gegen messianische Verehrung, Selbstjustiz gegen übermenschliche Aufopferung, Vigilantentum gegen falsche Götter, Angst gegen Größenwahn. Kann und darf man einen Außerirdischen blind verehren, der ebenso leicht unsere Welt zerstören kann wie Menschenleben retten oder muss sein Handeln und Tun konsequent hinterfragt werden? Aus dieser Frage entsteht ein interessantes Spannungsfeld, welches Zack Snyder zusammen mit seinem Drehbuchautor David S. Goyer zunächst zu Beginn des Filmes tatsächlich relativ glaubhaft umzusetzen versteht. Die Zerstörung Metropolis als 9/11 des DC-Universums mit seinem ganz eigenen Ground Zero inklusive Mahnmal für die Toten. Ein einschneidendes Ereignis, welches die Welt zum umdenken anregt und grundlegend verändert. Umso ärgerlicher ist dann die Tatsache, dass das Drehbuch diese komplexen und erzählerisch relevanten Themen letztlich allesamt nur nebenbei abhandelt, höchstens an ihrer Oberfläche kratzt und sich nie ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen versucht. Bereits an dieser Stelle vergibt der Film unglaublich viel Potential zu Gunsten von hohlen Phrasen und leeren Worten voller vermeintlich bedeutunsschwerer Inhalte, die im Nichts verpuffen, weil sie kein nennenswertes Gewicht haben. Überhaupt ist einfach alles in Batman v Superman: Dawn of Justice wahnsinnig wichtig, bedeutsam und unglaublich ernst. Der zwang – und krampfhafte Verzicht auf Humor ist nicht zu verwechseln mit Ernsthaftigkeit und der Film will so unbedingt verzweifelt gegenwartsrelevant sein, will erzählen von falschen Göttern und gefallenen Propheten, will demaskieren und aufzeigen, ist so sehr voller Zerrissenheit, voller quälender Dämonen und messianischen Erlöserkomplexen, das man als Zuschauer all das bald schon nicht mehr ernst nehmen kann.

 

 

 

„If God is all-powerful He can not be good, if God is good He can not be all-powerful!“

 

 

 

Batman gegen Superman. Mensch gegen Gott. Clash of the Titans. Der ultimative Gladiatorenkampf, wie es Lex Luthor nennt. Das große Aushängeschild nicht nur dieses Filmes, sondern auch für DC. Leider kann der Film nicht einmal die Erwartungen daran vollends erfüllen, sind doch weder Batmans noch Supermans Motive für den Hass und die Wut auf den jeweils anderen einwandfrei nachvollziehbar und werden auch nie ernsthaft ausformuliert, sondern höchstens angedeutet. Auch ist die Auflösung dieses Konfliktes in keinster Weise besonders gelungen, mehr noch, sie gehört zweifellos zu den größeren Witzen der jüngeren Filmgeschichte. Einen so groß und episch aufgebauten Zweikampf, der zudem noch den Großteil seines Filmes dominiert, derart billig und geradezu lächerlich aufzulösen, ist einfach viel zu wenig und kann nur noch Kopfschütteln auslösen. Der verschwörerische Überbau dahinter ist dann auch über alle Maßen konstruiert und sehr unglaubwürdig. Ähnlich erschreckend einfach, in wenigen Sekunden abgehandelt und in ihrem Aufbau unsagbar lieblos, schlampig und faul ist die Platzierung der zukünftigen Wettstreiter um das Gute und Mitglieder der Justice League, so dass Batman v Superman: Dawn of Justice auch in seiner Funktion als Teaser und Grundgerüst für zukünftige Abenteuer im DC-Universum versagt. Ein weiteres erzählerisches Problem des Filmes ist, dass er sehr viel comicbezogenes Insider-Wissen voraussetzt und etliche zum Teil wichtige Szenen einfach nicht erklärt werden, wo aber Bedarf dafür besteht. Dem DC-Fan mag es vorkommen wie ein feuchter Traum, beim durchschnittlichen Kinogänger hingegen dürften zahlreiche Fragezeichen zurückbleiben.

 

Zack Snyders Kopf sprudelt förmlich über vor Ideen, die er allesamt unbedingt und mit der Brechstange in seinem Film unterbringen will und muss. Das wirft die Erzählstruktur gehörig durcheinander und lässt Batman v Superman: Dawn of Justice phasenweise sehr wirr und fragmentarisch erscheinen. Da hagelt es dystopische (Alb)Traumsequenzen, Besuche aus der Zukunft, rätselhafte Erscheinungen, Warnungen und Hinweise (Darkseid und die Parademons), wirr zusammengewürfelte Szenenmontagen und Versatzstücke, die nicht zueinander passen wollen und auch nicht immer wirklich Sinn ergeben. Der Directors Cut ist ja bereits für den Heimkinomarkt angekündigt und wird dann mit einer Laufzeit von 180 Minuten eine gute halbe Stunde länger sein als die Kinofassung. An der Action dürfte kaum gekürzt worden sein, obwohl der Directors Cut eine höhere Altersfreigabe haben wird, sondern eher an der Handlung, was auch erklären würde, warum der Film oft so zerfasert, gehetzt und fragmentarisch wirkt. Grundsätzlich ist Zack Snyder als Regisseur ja bekannt dafür, dass ihm das szenische Erzählen nicht allzu sehr liegt und das rein visuelle Erzählen eher seine Stärke ist. So ist Batman v Superman: Dawn of Justice letztlich auch stilistisch überwiegend genau das, nämlich extrem visuell erzählt, beinahe wie ein Comic, viele Bilder erinnern in ihrem Aufbau tatsächlich an Panels und schnelle Ereignisfolgen dominieren das Geschehen. Ein guter Geschichtenerzähler war Snyder noch nie, obwohl seine Adaptionen von Frank Millers 300 und Alan Moores Watchmen funktioniert haben. Aber 300 stellt mit seinem absoluten Minimum an Handlung keine besonders große Herausforderung an den Stil von Snyder und Watchmen ist hauptsächlich wegen der schon exzellenten und reichhaltigen Vorlage und dem hervorragend ausgefeilten  Drehbuch so gelungen und weniger wegen seines Regisseurs. An Batman v Superman: Dawn of Justice scheitert er dann auch, weil er den Film gnadenlos seinem erzählerischen Stil unterwirft, gleichzeitig aber das Drehbuch nicht mehr als nur angedeutete Ansätze statt Inhalte zu generieren vermag. Ein paar Worte zu den schauspielerischen Leistungen sind noch nötig. Henry Cavill spielt ähnlich glatt und ausdruckslos wie Superman als Figur ist und viel mehr als eine permanente Stirnfalte vom vielen grimmig Gucken und schwere Gedanken haben bringt der Mann nicht zustande. Ben Affleck (was war das für ein Shitstorm damals….) macht zumindest als in die Jahre gekommener, frustrierter und desillusionierter Bruce Wayne eine ganz gute Figur, als Batman jedoch funktioniert er weniger, scheint er doch durch keine Tür mehr zu passen, wirkt sehr unbeweglich, geradezu langsam und agiert nur noch durch reine Kraft ganz ohne Flexibilität oder gar Finesse. Dass die Maxime des Nicht-Tötens hier über Bord geworfen wird, ist zwar eigentlich recht interessant, spielt aber höchstens eine untergeordnete Rolle. So sehr ich Jesse Eisenberg eigentlich schätze, so schnell beginnt seine Interpretation von Lex Luthor zu nerven, legt er die Figur doch irgendwo zwischen Internet-Millionär, Hipster und dem Joker aus The Dark Knight an und vermag seinem Charakter nichts eigenständiges abzugewinnen. Die von Amy Adams nicht mehr als routiniert gespielte Lois Lane, im Grunde ein enorm bedeutsamer und wichtiger Bezugspunkt für Superman, verkommt dank des Drehbuches zu einer simplen, Stichwort gebenden Dame in Not und darf fortwährend Journalistin spielen und seichte Liebesbekundungen hauchen, wenn sie nicht gerade von Superman gerettet werden muss. Gal Gadot hat als Diana Prince kaum nennenswerte Screentime und als Wonder Woman eigentlich auch nicht viel mehr, darf sie doch im megalomanisch-ermüdenden Finale gegen Doomsday (der aussieht wie ein übergroßer Bergtroll aus dem Herrn der Ringe) Fledermaus und Kryptonier beistehen. Der Rest des Cast ist eigentlich trotz einiger bekannter Namen keine besondere Erwähnung wert.

 

Kommen wir zum Schluss. Die wohl größte und wichtigste Erkenntnis am Ende von Batman v Superman: Dawn of Justice ist die, dass Zack Snyder aus seinen Fehlern bei Man of Steel nichts, aber auch rein gar nichts gelernt hat. Sein Film will ganz großes Superheldenkino sein, wichtig und bedeutsam, episches Kino voller symbolträchtiger Bilder, und hat am Ende nichts bis erschreckend wenig zu bieten. Sämtliche brauchbaren Ansätze verpuffen im erzählerischen nichts und im geradezu widerwärtig bombastischen Finale werden sämtliche Ambitionen und jeglicher Hauch von Anspruch in einem regelrechten Zerstörungsporno erstickt und begraben. Letztlich versagt Batman v Superman: Dawn of Justice in jeder einzelnen all der Aufgaben, die auf seinen Schultern lasten und funktioniert ebenso wenig als eigenständiger Film, noch als Fortsetzung von Men of Steel, noch als Wegbereiter für die Justice League und noch folgende Stand Alones oder sonst irgendwie in befriedigender Art und Weise. Die große Hoffnung auf Konkurrenz zum MCU fährt DC kräftig vor die Wand. Man kann ja über Marvel/Disney denken wie man möchte, aber diese Sphären wird DC nie erreichen. Zumindest nicht so.

 

3 von 10 abnormen Mutationen aus dem Hause Krypton