Terminator Genisys

23. November 2015 at 3:13

 

 

 

Terminator Genisys (2015)
Terminator Genisys poster Rating: 6.7/10 (136,706 votes)
Director: Alan Taylor
Writer: Laeta Kalogridis, Patrick Lussier, James Cameron (characters), Gale Anne Hurd (characters)
Stars: Arnold Schwarzenegger, Jason Clarke, Emilia Clarke, Jai Courtney
Runtime: 126 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 01 Jul 2015
Plot: When John Connor, leader of the human resistance, sends Sgt. Kyle Reese back to 1984 to protect Sarah Connor and safeguard the future, an unexpected turn of events creates a fractured timeline.

 

 

 

„Goddamn time traveling robots! Covering up their goddamn tracks! I hate them!“

 

 

 

2029 gelingt den letzten noch verbliebenen menschlichen Rebellen ein entscheidender Schlag gegen Skynet und seine Armee der Maschinen. Jetzt haben John Connor und seine Männer Zugriff auf die Zeitmaschine, mit deren Hilfe Skynet einen Terminator ins Jahr 1984 schickt, um die Mutter des Anführers der Rebellen zu töten und so seine Geburt zu verhindern. Conners Freund und rechte Hand Kyle Reese meldet sich freiwillig, um ebenfalls nach 1984 zu reisen und dort Sarah Connor vor dem Terminator zu beschützen. Dort angekommen, muss er allerdings feststellen, dass die Zeitlinie verändert wurde, denn Sarah Connor ist längst nicht so hilf – und ahnungslos bezüglich ihres Schicksals wie sie es eigentlich hätte sein sollen und auch einen mächtigen Beschützer in Gestalt des T-800 hat sie nun an ihrer Seite…

 

Arnie is back! Ein Grund zur Freude? Eher nicht, obwohl seine Abwesenheit in Terminator Salvation schmerzlich vermisst wurde und der innere Nerd in mir seine Rückkehr zwar begrüßt, macht das Terminator Genisys auch nicht besser als seinen Vorgänger, eher sogar schlechter, aber das ist immerhin nicht die Schuld unseres geliebten österreichischen Muskelberges im Rentenalter. Filme mit einer Zeitreisethematik haben immer mit Logikfehlern zu kämpfen, das liegt schon grundlegend in dem Genre selbst begraben, aber wie das Drehbuch Terminator Genisys und sogar seine Vorgänger so tief in ein heilloses Chaos aus alternativen Zeitlinien stürzt, dass man sich unmöglich wieder daraus befreien kann, das sucht schon seines Gleichen. Die haarsträubenden Erklärungsansätze, die der Film ständig bemüht, führen dazu, dass man sich im undurchdringlichen Dickicht des Drehbuchs hoffnungslos verirrt und den Weg zurück nicht mehr findet, schlimmer noch, anstatt dass man sich wenigstens bemühen würde, alles irgendwie wieder auf Linie zu bringen, macht man lieber noch ein paar Abzweige in der Zeit auf und alles wird nur noch schlimmer. J.J. Abrams beispielsweise hat hingegen mit seinem Star Trek-Reboot eindrucksvoll bewiesen, wie man sich geschickt einer alternativen Zeitlinie bedienen kann, um unnötigen Ballast loszuwerden ohne sich dabei zu sehr in Unlogik zu stürzen. Dabei beginnt der Film von Regisseur Alan Taylor, einem von vielen typischen Auftragsarbeitern aus Hollywood, solide Handwerker, aber ohne Vision und erkennbare Handschrift, der zuvor Thor 2 inszenieren durfte, durchaus charmant und unterhaltsam, in dem er im Grunde genau dort ansetzt, wo die Terminator-Reihe einst ihren Lauf nahm, nämlich mit dem Zurückschicken von Kyle Reese ins Jahr 1984. Was in den nächsten vielleicht 30 bis 40 Minuten folgt, ist eine ganze Reihe von Anspielungen, Reminiszenzen und Zitaten unglaublich ikonischer Bilder und Szenen, die natürlich all die Nerds wie mich antriggern sollen. Sogar so sehr, das vereinzelte Szenen eins zu eins aus den Klassikern übernommen wurden, aber auch das ist immer noch einfacher Service am Fan der Reihe, die Nerds sollen bedient werden, dennoch schleichen sich bereits hier erste Ungereimtheiten ein. Ist dieses vielleicht etwas zu lang geratene Vorspiel erst einmal vorbei und die eigentliche Story von Terminator Genisys nimmt ihren Lauf, dann kann man sich allerdings vor teils gigantischen Logikfehlern nicht mehr retten, die ärgerlicherweise sogar zentrale Elemente der ersten beiden Filme einfach ad absurdum führen.

 

 

 

„I’m old, not obsolete.“

 

 

 

Dummerweise ist das Drehbuch nicht das einzige Problem, mit dem Terminator Genisys zu kämpfen hat. Schon der Cast erweist sich als ausgesprochen problematisch. Emilia Clarke, vielen vielleicht besser bekannt als Daenerys Targaryen aus der HBO-Serie Game of Thrones, kann zwar Linda Hamilton als Sarah Connor zu keiner Sekunde das Wasser reichen, schlägt sich aber dennoch tapfer und macht ihre Sache noch ganz gut. Was man von Jai Courtney als Kyle Reese nun mal so gar nicht behaupten kann. Der Mann ist einfach eine kolossale Fehlbesetzung. Überhaupt ist mir absolut schleierhaft, wie dieser vollkommen talentfreie Laiendarsteller immer wieder in großen Produktionen einen Platz finden kann, denn schon Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben wusste er durch sein Mitwirken zu ruinieren. Sein Kyle Reese ist so weit weg von der Figur wie sie Michael Biehn 1984 verkörperte, nichts ist zu sehen von diesem drahtigen, getriebenen, gehetzten und von schweren Entbehrungen gezeichneten Veteranen aus der Zukunft, der nie etwas anderes als den Krieg gegen die Maschinen und eine verwüstete Welt kennengelernt hat. Terminator Genisys macht mit Jai Courtney daraus dann eine wohlgenährte und durchtrainierte Actionfilm-Frontsau aus dem Bausatzkasten, durch und durch gewöhnlich und vollkommen blass aufgrund seiner doch sehr limitierten schauspielerischen Fähigkeiten. An Arnie ist nichts auszusetzen, auch als in die Jahre gekommener T-800 zieht er konsequent sein Ding durch und ist gewohnt kühl und emotionslos, eben maschinengleich, ganz so, wie man es gewohnt ist aus der Filmreihe. Der eine oder andere gut sitzende Oneliner ist auch dabei, so mancher Gag wird dann aber doch ein wenig zu oft bemüht und ermüded schnell. Und der von mir sehr geschätzte Koreaner Byung-hun Lee wird als T-1000 im ersten Drittel des Films ebenso gnadenlos verschwendet und verheizt wie in G.I Joe und R.E.D. 2. Eine Schande. Kommen wir zur Action. Auch die weiß meist nicht wirklich zu überzeugen, viele Szenen sind einfach viel zu übertrieben und aufgeblasen und das CGI mutet oft wirklich sehr schlecht und künstlich an, geradezu schlampig ist es umgesetzt und fühlt sich wie ein Fremdkörper im Film an. Kaum zu glauben angesichts eines Budgets von geschätzten 155.000.000 Dollar. Dennoch wirkt die Action bei all dem Größenwahn seltsam drucklos, da fehlen eindeutig die nötige Wucht und Durchschlagskraft, was vermutlich zum Teil auch der Altersfreigabe ab 12 geschuldet ist. Viel zu zahm präsentiert sich hier alles, als das es auch nur annähernd mit Terminator 1 und 2 mithalten könnte. Nicht weniger deplatziert wirkt dann auch die sehr eigenartige Vater/Tochter-Beziehung zwischen dem T-800 und Sarah Connor, die in keinster Weise funktioniert, weil es einfach am emotionalen Unterbau mangelt. Das wird einem umso bewusster, wenn man sich Terminator 2 in Erinnerung ruft, denn dort hat die eigenwillige Beziehung zwischen dem jungen John Connor und dem T-800 sehr gut funktioniert. Überhaupt ist das ja ein Problem der Reihe, dass die Geschichte am Ende von Terminator 2 schlicht und ergreifend auserzählt ist und einen schlüssigen Abschluss findet, so dass es keiner weiteren Fortsetzung mehr bedurfte. Nicht ohne Grund ist James Cameron bis heute nicht auch nur ein Stück weit für die Idee zu begeistern einen weiteren Ableger zu drehen, für ihn ist nach seinen beiden ersten Filmen einfach alles gesagt und jede Fortsetzung unnötig. Und danach ließ das Niveau der Reihe ja mitunter dramatisch nach, seinen Tiefpunkt jedenfalls hat es mit Terminator Genisys definitiv erreicht.

 

Hauptsächlich das wirre und haarsträubende Drehbuch mit all seinen alternativen Zeitlinien bricht Terminator Genisys das Genick, denn dahinter steckt nichts, das Sinn ergibt oder gehaltvoll wäre, und zudem hat es Plotlöcher gigantischen Ausmaßes, die innerhalb der hier etablierten Filmlogik sämtliche Ereignisse ausradieren müssten. Jai Courtney und die viel zu zahm inszenierte Action allein wären zu verkraften, aber dieses Drehbuch ist das mit Abstand unsinnigste, was mir seit geraumer Zeit untergekommen ist. Eine Schande für die beiden Filme von James Cameron, für die in sich schlüssige Welt, die er einst aufgebaut hat. Nach Terminator Salvation hatte ich nicht geglaubt, dass es noch schlechter werden könnte, und ich habe mich geirrt. Auf diesem Qualitätslevel wie bei Terminator Genisys sollte man vielleicht mal überlegen, das Franchise nun endgültig zu Grabe zu tragen, aber es sollen ja noch zwei weitere Filme folgen… sogar mit dem schon eingerechneten Arnie-Bonus reicht es nur für:

 

4,5 von 10 lächelnden T-800

 

 

Child 44

27. Oktober 2015 at 14:17

 

 

 

Child 44 (2015)
Child 44 poster Rating: 6.4/10 (25,661 votes)
Director: Daniel Espinosa
Writer: Richard Price (screenplay), Tom Rob Smith (novel)
Stars: Xavier Atkins, Mark Lewis Jones, Tom Hardy, Joel Kinnaman
Runtime: 137 min
Rated: R
Genre: Drama, Thriller
Released: 17 Apr 2015
Plot: A disgraced member of the military police investigates a series of nasty child murders during the Stalin-era Soviet Union.

 

 

 

„Do you know what people get around here when they demand the truth? Do you? They get terror.“

 

 

 

Moskau, 1953. Als gefeierter Kriegsheld und absolut überzeugt von seinen politischen Idealen, konnte sich Leo Demidow eine ansehnliche Karriere als Geheimdienstoffizier aufbauen. Doch als die grausam zugerichtet Leiche des kleinen Sohnes eines seiner engsten Kollegen aufgefunden und der offensichtliche Mord an dem Kind kurzerhand als tragischer Unfall deklariert wird, gerät Leos Welt nach und nach ins Wanken. Nachdem ein weiterer Mord geschieht und Leo bewusst Befehle ignoriert, wird er zusammen mit seiner Ehefrau ins weit abgelegene Exil degradiert. Der einst so parteitreue Offizier will jedoch nicht aufgeben und die Verbrechen aufklären, doch im Paradies geschehen keine Morde…

 

Child 44 ist nach Safe House erst der zweite, größere Spielfilm des schwedischen Regisseurs Daniel Espinosa und die Verfilmung des gleichnamigen Romanes von Tom Rob Smith, der nur der Auftakt einer ganzen Trilogie um Leo Demidow ist. Die Geschichte selbst bietet genug Material für einen packenden Thriller rund um die Jagd auf einen Kindermörder in einem Staat, in dem es per Definition keine Mörder gibt und das auch nur in Erwägung zu ziehen bereits an Hochverrat grenzt, das Setting ist düster und dafür geradezu prädestiniert und die Besetzung mit Tom Hardy, Gary Oldman, Vincent Cassel, Jason Clarke und Noomi Rapace verspricht schauspielerisches Talent der Extraklasse. Auf dem Papier also ganz hervorragende Rahmenbedingungen, die Espinosa für seinen Film hat. Am Ende der 137 Minuten Laufzeit konnte ich mich jedoch nur noch fragen: wie konnte man so wenig aus so viel Potential machen? Die Zutaten sind da, aber sie werden nicht sinnvoll genutzt. Espinosa gelingt es zu keiner Sekunde, ein kohärentes Gesamtbild zu erschaffen. Child 44 will zuviel auf einmal und das am besten gleichzeitig, ist unentschlossen und wankelmütig, mal Thriller, mal Drama, mal Spionagestory, mal Gesellschaftskritik, aber nichts davon wirklich und tanzt auf zu vielen Hochzeiten. Zwar wirkt der Film stilistisch überzeugend und weitestgehend authentisch und es gelingt Espinosa meist zumindest atmosphärisch beständig zu bleiben, alles ist schön düster und grimmig, dreckige Bilder erzeugen ein ständiges Gefühl der Verunsicherung und des politischen Drucks auf alle Beteiligten, aber über die Schwächen des zerfaserten Drehbuches kann das nicht hinweg täuschen und so verliert sich die Handlung immer wieder in winzige Einzelfragmente, wirkt wirr und scheint phasenweise keinen wirklichen Sinn zu ergeben. Zumal auch die schauspielerischen Leistungen durchgängig allenfalls mäßig ausfallen und selbst Tom Hardy seltsam lustlos wirkt. Gary Oldman hat zu wenig Screentime, um seiner Figur irgendeine Form von Tiefe zu verleihen und Vincent Cassel und Jason Clarke werden gleich lieber komplett verheizt, indem keiner von ihnen mehr als zwei oder drei kurze Szenen im Film hat. Die wenigen Actionszenen, die Child 44 zu bieten hat, und die sich zum Ende hin sprunghaft häufen, sind meist sehr hektisch und unübersichtlich umgesetzt, ein Problem, das Espinosa auch schon bei Safe House hatte, übersichtliche Abläufe und Choreografien scheinen ihm nicht zu liegen. Gerät dann schlussendlich die Auflösung der Story und somit die Enthüllung und Präsentation des Killers so belang – und lieblos wie hier, dann ist man letztlich ganz weit entfernt von den anfangs noch so hervorragenden und vielversprechenden Rahmenbedingungen.

 

Child 44 entpuppt sich als zäh und wirr erzählt und weiß nicht sich richtig zu positionieren. Das Drehbuch will zuviel auf einmal und gerät dadurch konfus und wirkt in seiner Erzählung sehr bruchstückhaft. Es schlummert viel Potential in diesem Projekt, das leider nie auch nur ansatzweise abgerufen werden kann. Espinosa inszeniert zwar atmosphärisch durchaus gelungen, aber auch sehr klischeebeladen und bleibt letztlich weit hinter den Möglichkeiten dieses Films zurück. So wirkt Child 44 eher wie ein klassischer Direct-To-DVD Release und nicht wie ein Kinofilm. Das Ergebnis ist wirklich schade, denn hier war deutlich mehr drin. Verschenkte Möglichkeiten hinter jeder Ecke.

 

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