The Man from U.N.C.L.E. (Codename U.N.C.L.E.)

18. Juli 2017 at 17:51

 

 

© Warner Bros. Pictures

 

 

 

„Not very good at this whole subtlety thing, are you?“

 

 

 

Anfang der 60er Jahre und auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges sehen sich der CIA-Agent Napoleon Solo und der KGB-Agent Illya Kuryakin zur Zusammenarbeit gezwungen und müssen ihre Feindseligkeiten überwinden, um gemeinsam gegen ein internationales Verbrechersyndikat im Besitz einer Atombombe vorzugehen. Als Anhaltspunkt für ihre Ermittlungen bleibt anfangs nur die in Ost-Berlin lebende Automechanikerin Gaby, Tochter eines verschwundenen deutschen Wissenschaftlers.

 

Einst galt Regisseur Guy Ritchie mit Filmen wie Lock, Stock and Two Smoking Barrels oder Snatch als eine Art britischer Quentin Tarantino, doch dann wurde es bald stiller um ihn und erst seine Neuinterpretation von Sherlock Holmes als modernes Actionspektakel verhaftet in seiner Zeit mit Robert Downey, jr. und Jude Law in den Hauptrollen verhalf ihm zu neuem Ruhm. Und nachdem er also bereits für seine zwei Sherlock Holmes-Verfilmungen schamlos, aber erfolgreich in der Vergangenheit geplündert hat, verfolgt er diesen Ansatz für The Man from U.N.C.L.E. erneut, wenn er die alte Agentenserie der 60er Jahre zeitgemäß adaptiert und auf Hochglanz poliert auf die große Leinwand bringt. 2015 war ein starkes Jahr für Geheimagenten – James Bond in seinem jüngsten Abenteuer Spectre, Ethan Hunt war mit Rogue Nation wieder auf Mission Impossible und mit Kingsman: The Secret Service gelang Matthew Vaughn ein wahrer Überraschungserfolg. Da ist es nicht unbedingt verwunderlich, dass The Man from U.N.C.L.E. in dieser hochwertigen Flut an Agentenfilmen unterging. Zu Unrecht, kann der Film doch seinem Genre durchaus noch neue Akzente abringen, glänzt durch die tolle Chemie seines Darstellertrios bestehend aus Henry Cavill, Armie Hammer und der zauberhaften Alicia Vikander und macht einfach Spaß. Sicher kein Überflieger oder Meisterwerk, aber wer dem Genre grundsätzlich zugeneigt ist, der macht hier wenig falsch. Ich muss zugeben, dass ich dem Film eher skeptisch gegenüber stand – auch wegen der Besetzung mit Henry Cavill und Armie Hammer – und muss nun, nach dem sich die Möglichkeit bot, ihn zu schauen, einräumen, doch sehr überrascht zu sein, wie gut das alles für mich funktioniert.

 

Schnell wird klar, dass die eigentliche Handlung rund um das Verbrechersyndikat von Victoria Vinciguerra keine allzu große Rolle spielt und der Hauptaugenmerk weniger auf dem Plot und deutlich stärker auf den schillernden Figuren und deren Beziehungen zueinander liegt. Zudem nimmt The Man from U.N.C.L.E. nichts wirklich zu ernst, denn der beschwingte Humor steht zu jeder Sekunde im Vordergrund. Dieser ist dann meist auch ausgesprochen pointiert gesetzt, verzichtet weitestgehend auf vordergründigen Slapstick und speist sich lieber aus den ständigen Reibungen zwischen Solo und Kuryakin. Guy Ritchie spendiert seinem Film ein angenehm zurückhaltend inszeniertes 60er Jahre Setting, verpasst diesem aber zugleich auch einen leicht modernen Anstrich. Die Bilder bestechen durch eine ungemein stilvolle Eleganz, der Erzählfluss bleibt entspannt, aber schwungvoll, und zieht wenn nötig das Tempo an ohne dabei jemals in Hektik zu verfallen. Trotzdem ist The Man from U.N.C.L.E. durch und durch völlig unverkennbar ein Guy Ritchie-Film, doch der Brite hält sich bis auf wenige Ausnahmen mit seinen sonst eher auffälligen technischen Spielereien angenehm zurück und erschafft einen zwar in den frühen 60ern angesiedelten Agentenfilm der etwas anderen Art, rückt all das aber dezent in Richtung Moderne. Eine Kombination, die ausgesprochen gut funktioniert. Auch Henry Cavill als Napoleon Solo und Armie Hammer als Illya Kuryakin können überzeugen und geben wirklich gute Hauptfiguren ab, was ich im Vorfeld so niemals erwartet hätte. Das sind zwar keine herausragenden darstellerischen Leistungen, es passt aber zu jeder Sekunde wie die Faust aufs Auge.

 

Mit The Man from U.N.C.L.E. gelingt Guy Ritchie vielleicht nicht der ganz große Wurf, ein durchgängig sympathischer, unterhaltsamer und angenehm zurückhaltend inszenierter Agentenfilm aber in jedem Fall. Gerade wenn ich an solche anstrengenden Schnittgewitter wie zuletzt Resident Evil: The Final Chapter denke, da wirkt The Man from U.N.C.L.E. wie Urlaub für die Augen. 2015 vielleicht ein wenig zu Unrecht in der Masse von aktuellen Agentenfilmen etwas untergegangen, sollte man dem Film doch ruhig mal eine Chance geben. Wie gesagt: kein Meisterwerk, dafür aber lockere und kurzweilige Unterhaltung der entspannten und stilvollen Art.

 

7 von 10 russischen Wanzen