Turbo Kid

8. Dezember 2015 at 0:43

 

 

 

Turbo Kid (2015)
Turbo Kid poster Rating: 6.6/10 (9,100 votes)
Director: François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell
Writer: François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell
Stars: Munro Chambers, Laurence Leboeuf, Michael Ironside, Edwin Wright
Runtime: 93 min
Rated: UNRATED
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 28 Aug 2015
Plot: In a post-apocalyptic wasteland, a comic book fan dons the persona of his favourite hero to save his enthusiastic friend and fight a tyrannical overlord.

 

 

 

„This is the future. This is 1997.“

 

 

 

In einem von Kriegen zerstörten, postapokalyptischem 1997 streift ein namenloser Junge auf seinem BMX-Rad durch das Ödland und sammelt alles, was er so finden kann. Bei einem seiner Streifzüge trifft er auf Apple, die ihm anfangs noch durch ihre seltsam überdrehte Art auf die Nerven geht, doch schon bald stellt er fest, dass er das Alleinsein leid ist. Als Apple jedoch von den Schergen des bösen und sadistischen Herrschers Zeus gefangengenommen wird, muss der Junge sich aufraffen und in den Kampf ziehen, um sie aus den Klauen des Despoten zu befreien…

 

Ursprünglich war der fünfminütige Kurzfilm T is for Turbo für den episodenartigen Horrorfilm The ABCs of Death gedacht, doch dazu kam es nie, denn diese Episode des Alphabets war als Wettbewerb ausgeschrieben und der Film des kanadischen Regie- und Kunstkollektivs um Francois Simard, Anouk Whissel und Yoann-Karl Whissel schaffte es nicht in die endgültige Auswahl. Ob das nun gut oder schlecht ist, vermag ich nicht zu sagen. Tatsache ist jedoch, dass es sonst wohl nie dazu gekommen wäre, dass nun rund vier Jahre später Turbo Kid das Licht der Welt erblicken durfte. Diese schrille und grellbunte, ideenreiche und kreative Hommage an die 80er Jahre im Allgemeinen und den Trashfilm im Besonderen macht zwischendurch einfach wahnsinnig viel Spaß mit all ihren Anspielungen und Referenzen auf Filme dieser Zeit wie vordergründig und ganz offensichtlich Mad Max und all seine unzähligen Trash-Epigonen, die teilweise die absurdesten Stilblüten treiben durften. Klischees werden hier genüsslich und mit vollen Händen ausgeschöpft und an jeder Ecke lauern Anspielungen auf die Werke dieser Zeit („This is my gnomestick!“). Dass die trashigen Seiten der 80er Jahre wieder schwer im Kommen sind, wissen wir nicht erst seitdem unlängst der halbstündige und per crowdfunding finanzierte Kurzfilm Kung Fury das Netz unsicher machte und einfach alles in seine 30 Minuten Laufzeit presste, was der 80er Trash-Film so hergibt und Aha-Momente für Nerds im Sekundentakt heraufbeschwor. Im Gegensatz zu Kung Fury jedoch hat Turbo Kid deutlich mehr Substanz zu bieten und erzählt eine zwar sehr einfache und schablonenhafte, aber auch sehr charmante und unterhaltsame Geschichte. Zudem ist der Film stets um Eigenständigkeit bemüht und will nicht einfach nur stumpf seine Vorbilder kopieren. Selbst die Gags kommen nicht nur deswegen, weil die Macher unbedingt noch eine absurde Idee mehr unterbringen wollten, sondern sie ergeben sich immer auch aus dem jeweiligen Kontext heraus, egal, ob Slapstick, derber Splatter, Wortwitz oder Situationskomik. Überhaupt fällt Turbo Kid sehr witzig aus und weiß seine Lacher auf breiter Front zu streuen, allein all die Fontänen aus Blut, die abgetrennten Körperteile und jede Menge ausgesprochen kreativer Todesarten, die allesamt sehr gut inszeniert und umgesetzt sind, kommen so abgedreht daher, dass man gar nicht anders kann als zu lachen, denn wirklich bösartig geht es hier nie zu. Auch das zugrunde liegende Konzept der Hommage verkommt nie zum reinen Selbstzweck, diese Gefahr umschiffen die Macher sehr elegant, obwohl der Film tief in den 80er Jahren festhängt zwischen Kassetten, BMX-Rädern, Comic-Büchern, quietschbunten Frühstücksflocken, grellen Klamotten, pinken Flamingos und wummernder Synthie-Musik, es ist nie das einzige Aushängeschild von Turbo Kid, wie es bei Kung Fury der Fall ist, was schnell langweilt. Gegen all diesen bedingungslosen Spaß am Trash ist nun auch wirklich nichts auszusetzen, das alles ist herrlich durchgeknallt und irre unterhaltsam, aber ein wenig ins Schlingern kommt der Film dann doch, wenn er dazu noch versucht, eine Art Coming of Age-Story mit einzubauen und Gefühle für den Protagonisten beim Zuschauer zu wecken. Zwar gibt es den einen oder anderen ganz niedlichen Moment, aber um den Zuschauer wirklich emotional abzuholen, dafür reichen trotz diverser Rückblenden all diese Versatzstücke des Plots dann doch nicht aus. Der Cast ist wirklich gut getroffen, Munro Chambers macht eine sehr sympathische Figur als namenloser Protagonist und Laurence Leboeuf ist herrlich als völlig durchgeknallte und hyperaktive Apple, irgendwo zwischen niedlich und wahnsinnig. Besonders viel Spaß macht auch Michael Ironside als abgrundtief böser und fieser Herrscher Zeus und es ist schön, diese B-Movie-Ikone mal wieder auf der Leinwand zu sehen. Man merkt ihm den Spaß an, den er hat, so sadistisch und hassenswert er diesen doch eigentlich eher wenig originellen Fiesling verkörpert. Dazu gesellen sich noch Edwin Wright als Skeletron, der Handlanger und Henchman von Zeus, und Aaron Jeffery als ultracooler Cowboyverschnitt Frederic the armwrestler.

 

Turbo Kid ist laut, frech, schrill, grellbunt und immer wieder überraschend, ein blutiges und witziges Retro-Spektakel voller abgefahrener Ideen und deftiger Schauwerte. Mad Max ohne Benzin und Autos, dafür mit BMX-Rädern. Die Geschichte ist zwar etwas oberflächlich erzählt, aber umso charmanter und wunderbar kreativ umgesetzt. Turbo Kid ist trashig, aber nie amateurhaft, sondern eher erstaunlich professionell aufgezogen. Der Trash ist nicht dem Unvermögen der Macher oder dem geringen Budget geschuldet, sondern einfach nur der größte Antrieb dieses wilden Mix diverser Motive, sein Herzstück und volle Absicht. Abschließend bleibt eigentlich nur noch eine Frage:

 

 

 

„Are you ready to become a master in the art of kicking ass?“

 

 

 

7 von 10 pinken Flamingos aus Plastik