War on Everyone (Dirty Cops)

9. April 2017 at 14:50

 

 

 

  © Saban Films

 

 

 

I always wondered: If you hit a mime, does he make a sound?

 

 

 

Terry Monroe und Bob Bolaño sind korrupte Cops, die sich quer durch Albuquerque, New Mexico, saufen und koksen. Sie ziehen Kleinkriminelle ab, rauben, betrügen, bedrohen, erpressen und verprügeln Verdächtige wann immer es ihnen hilft und sie davon profitieren können. Kompliziert wird es erst, als sich an einem für sie etwas zu großen Coup versuchen und damit die Aufmerksamkeit des britischen Gangsters Lord James Mangan auf sich ziehen, welcher fortan gnadenlos gegen die beiden vorgeht.

 

Die beiden Brüder Martin und John Michael McDonagh sind so etwas wie die Speerspitze des schwarzen Humors unter irischen Regisseuren. Während Martin mit Brügge sehen… und sterben? sein Debüt gab und dann mit 7 Psychos nach legte, da konnte auch sein Bruder John Michael mit The Guard und Calvary zwei Schwergewichte in puncto typisch britischem, tief schwarzem Humor für sich verzeichnen und liefert nun mit War on Everyone seinen dritten Film ohne dabei auch nur die geringsten Anzeichen erkennen zu lassen, mit seiner bisherigen Tradition zu brechen. So ist sein neuester Film dann auch vollkommen überdreht und geprägt von einem sehr gewöhnungsbedürftigen und eigenwilligen Humor, welcher sich überwiegend daraus speist, dass War on Everyone hemmungslos politisch unkorrekt daher kommt und nahezu alles und jeden zur Zielscheibe macht. Das ist grenzwertig, das kann man mögen, aber auch ablehnen. Wirklich zynisch ist der Film dann letztlich aber nicht, nimmt er sich doch über seine gesamte Laufzeit nicht wirklich ernst und auf einen sinnstiftenden Handlungsbogen, einen einheitlichen roten Faden, verzichtet McDonagh dann auch gleich völlig und legt die Erzählweise vielmehr episodenhaft an, beginnt irgendwo mittendrin im Geschehen und legt auffallend wenig Wert auf Struktur. Visuell ist War on Everyone durchaus hübsch anzusehen mit seinem sanften 70er Look. Dadurch, dass der Film zwar in der Gegenwart spielt, sämtliche Figuren aber gekleidet sind als wären sie direkt aus den 70ern entsprungen, und auch entsprechende Autos fahren, wirkt all das angenehm zeitlos und leicht entrückt. Überhaupt erinnert vieles oft an das Video zu dem Song Sabotage von den Beastie Boys, eine herrlich spaßige und wunderbar überspitzte Parodie der 70er/80er Copthriller. Was aber dort im kleinen Rahmen hervorragend funktioniert, nutzt sich hier schnell ab und langweilt irgendwann. Dann fällt auch schnell auf, dass die Figuren durch die Bank weg eindimensional sowie schrecklich klischeehaft gezeichnet sind, keinerlei Entwicklung durchmachen und gerade Monroe und Bolaño absolute Unsympathen sind. Natürlich soll das so sein, aber ohne einen entsprechenden Gegenpart oder zumindest eine wie auch immer geartete Form der erkennbaren Weiterentwicklung wird auch das schnell langweilig.

 

War on Everyone ist letztlich einfach vollkommen überdreht, hetzt ohne ersichtlichen roten Faden in der Story von Szene zu Szene und ballert dem Zuschauer seine popkulturellen Anspielungen und Referenzen im Minutentakt um die Ohren. Der Humor ist grenzwertig und politisch unkorrekt wo es nur passt. Einige Gags zünden und sind ziemlich gut (zum Beispiel die Diskussion über Rassismus innerhalb der Polizei zwischen den Protagonisten und ihrem Vorgesetzten), aber mindestens genauso viele enden als Rohrkrepierer oder sind hoffnungslos übertrieben. Dennoch hat War on Everyone durchaus seine Momente, einige Szenen, Sätze oder Dialoge sitzen wie die Faust aufs Auge und gerade Michael Peña und Alexander Skarsgård haben sichtlich Spaß daran, einfach mal so richtig die Sau rauszulassen. Alles in allem sicherlich kein Vergleich zu den bisherigen Filmen von John Michael McDonagh und vielleicht auch so etwas wie ein bisheriger Tiefpunkt in seinem Schaffen, aber zumindest kurzweilig genug, um War on Everyone mal zu schauen. Auch, wenn der Film danach schnell wieder vergessen sein dürfte.

 

6 von 10 Bieren zum Frühstück