Assault on Precinct 13 (1976)

12. Januar 2020 at 18:44

 

 

© Turtle Releasing Organization/Quelle: IMDb

 

 

 

Das Polizeirevier 13 in Los Angeles soll am nächsten Tag geschlossen und verlegt werden, also gibt es bloß noch eine notdürftige Besatzung. Als dort ein Gefangenentransporter außer Plan halten muss und kurz danach ein vollkommen verstörter Mann auftaucht, ahnt keiner der Anwesenden, was ihnen bevor steht. Eine zahlenmäßig total überlegene Straßenbande will gewaltsam Zutritt zum Polizeirevier und so entbrennt ein Kampf um Leben und Tod.

 

John Carpenter hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er ein glühender Verehrer der Filme von Howard Hawks ist. So ist es letztlich auch nicht verwunderlich, dass er mit Assault on Precinct 13 eine Hommage an den großen Klassiker Rio Bravo (1959) erschafft und Elemente und Motive des Western in ein urbanes Großstadt-Setting überführt. Das enorm niedrige Budget von 100.000 Dollar erweist sich rückblickend mehr als Segen denn als Fluch. Sicher, Assault ist sehr auf Kante genäht und massiven Restriktionen ausgesetzt, doch wie Carpenter diese nutzt, darauf kommt es an. Sein Film ist Autorenkino par excellence, wenn Regie, Drehbuch, Schnitt und Score von Carpenter selbst stammen. So schlicht, schnörkellos und geradezu karg seine Inszenierung auch auszufallen vermag, so ungemein dicht ist die packende Atmosphäre. Assault verzichtet auf visuelle Spielereien, setzt ganz bewusst auf Minimalismus und Kompromisslosigkeit und verstärkt dadurch nur noch seine soghafte Wirkung.

 

Das Ergebnis ist ein meisterhaftes Beispiel dafür, wie man mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Spannung erzeugen kann: inszenatorische und dramaturgische Perfektion. Es ist ungemein faszinierend, wie klar und präzise Carpenter den Zuschauer mit dem Setting vertraut macht, die Strukturen der Topographie etabliert und somit auch die Spielregeln festlegt. Jederzeit findet man sich dort zurecht und jederzeit bleibt die räumliche Orientierung gewahrt, obwohl er besonders bei den Innenräumen stark auf klaustrophobische Verengung und verbaute Blicke setzt, wenn gesichtslose Horden Welle um Welle unermüdlich angreifen.

 

Dazu strahlen die Außenaufnahmen eine beinahe schon endzeitliche Stimmung aus, wenn die jeweilige Settings geradezu menschenleer in Szene gesetzt werden. Auch auf der darstellerischen Ebene herrscht das Prinzip des Minimalismus vor: keines der Gesichter hat einen nennenswerten Bekanntheitsgrad und doch herrscht eine tolle Chemie zwischen den einzelnen Schauspielern. Vor allem Darwin Josten in der Rolle des zum Tode verurteilten Napoleon Wilson hinterlässt bleibenden Eindruck und ist eine Art Vorgriff auf spätere Figuren im Schaffen von Carpenter wie Snake Plissken (Escape from New York, 1981) oder MacReady (The Thing, 1982).

 

Assault on Precinct 13 ist in seiner ganzen Struktur von erstaunlicher Klarheit und Präzision, ein Musterbeispiel der erzählerischen Ökonomie und hochspannendes wie intensives, ungemein beeindruckendes Genrekino, roh und kraftvoll statt glatt und steril. Budgetär stark limitiert gelingt es Carpenter, all diese Hindernisse geschickt zu seinem Vorteil zu nutzen und ein kleines Meisterwerk zu inszenieren.

 

9 von 10 letzten Kugeln im Lauf

 

 

Vampires

4. November 2015 at 19:26

 

 

 

Vampires (1998)
Vampires poster Rating: 6.1/10 (40,443 votes)
Director: John Carpenter
Writer: John Steakley (novel), Don Jakoby (screenplay)
Stars: James Woods, Daniel Baldwin, Sheryl Lee, Thomas Ian Griffith
Runtime: 108 min
Rated: R
Genre: Action, Horror, Thriller
Released: 30 Oct 1998
Plot: A vengeful vampire slayer must retrieve an ancient Catholic relic that, should it be acquired by vampires, will allow them to endure sunlight.

 

 

 

„Well, first of all, they’re not romantic. Its not like they’re a bunch of fuckin‘ fags hoppin‘ around in rented formal wear and seducing everybody in sight with cheesy euro-trash accents, all right? Forget whatever you’ve seen in the movies: they don’t turn into bats, crosses don’t work. Garlic? You wanna try garlic? You could stand there with garlic around your neck and one of these buggers will bend you fucking over and take a walk up your strada-chocolata WHILE he’s suckin‘ the blood outta your neck, all right? And they don’t sleep in coffins lined in taffata. You wanna kill one, you drive a wooden stake right through his fuckin‘ heart.“

 

 

 

Jack Crow ist der Anführer einer gut ausgebildeten, bestens ausgerüsteten und von der katholischen Kirche finanzierten und unterstützten Gruppe von Vampirjägern, die Tag für Tag Jagd auf die Blutsauger machen und deren Nester ausheben. Als sie eines Tages ein solches Nest zwar erfolgreich ausräuchern, entwischt ihnen dennoch der sehr alte und sehr mächtige Vampirfürst Valek. Aus Rache schlachtet dieser beinahe alle von Crows Männern ab, woraufhin dieser sich neu formieren und ein neues Team zusammenstellen muss, um die Fährte wieder aufzunehmen, denn Valek scheint auf der Suche nach einem vermeintlich verschollenen, heiligen Relikt zu sein, mit dem ein uraltes Ritual vollzogen werden soll, um dem Vampir nahezu grenzenlose Macht zu verleihen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt für Jack Crow und seine Leute…

 

Ein Stück weit ist mir Vampires auch ein kleines, persönliches Anliegen. 1998 sogar persönlich im Kino gesehen (werde ich nie vergessen: ein spätabendliches Doublefeature zusammen mit dem ersten Blade), hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht wirklich eine Ahnung, was da für ein räudiges, versifftes und blutiges Spektakel auf mich zukommen würde. Und ich hatte einen Heidenspaß an dem Film, wirklich, ich war hellauf begeistert und habe das schwer gefeiert. Und den habe ich bis heute, den Spaß, ich sehe Vampires immer wieder gern, und ich finde, der Film kommt oft viel schlechter weg als er eigentlich ist, weshalb ich mich berufen fühle, hier mal ein paar Worte über ihn zu verlieren… Der Film von John Carpenter, seines Zeichens Altmeister und Pionier des Horrorgenre, basiert sehr lose auf dem Roman Vampire$ von John Steakley und ist stilistisch ganz den Mechanismen des Western unterworfen, angereichert mit massig Horrorelementen und verfeinert mit einer Prise Roadmovie, ein wilder und bisweilen kruder Mix, der sich zwar komisch anhören mag, letztlich aber doch erstaunlich gut funktioniert. Gerade die Mischung aus Western und Horror ist nun beileibe keine neue Idee, dennoch bleibt sie hier in ihrer staubtrockenen und ausgesprochen zynischen Ausführung reizvoll. Carpenter entspinnt ein großartiges und unverschämt unterhaltsames Mosaik aus unzähligen kleinen Versatzstücken, Anspielungen, Zitaten und Genreverweisen, alles war irgendwann schon einmal da und kommt dem geneigten Zuschauer bekannt vor, aber dennoch ist das Gesamtergebnis vollkommen eigenständig. Handwerklich betrachtet ist Vampires sicher nicht Carpenters bester Film, phasenweise nicht mal ein besonders guter, gerade der Mittelteil hat seine Längen und zieht sich ein wenig, da wäre mehr Kompaktheit doch besser gewesen, das Drehbuch leidet unter dramaturgischen Schwächen und einer etwas zu dick aufgetragenen Machoattitüde und die Handlung ist manchmal geradezu haarsträubend unlogisch, aber der Film macht einfach wahnsinnig viel Spaß. James Woods als Jack Crow ist einfach großartig, wie er in Jeans und Lederjacke durch die staubige Einöde stapft, überall seinen ätzenden Zynismus versprüht und Arschtritte verteilt. So gnadenlos überzeichnet sein Charakter auch ist, so charismatisch wirkt er, ausgestattet mit seinen ganz eigenen moralischen Wertvorstellungen, vielleicht etwas archaisch, ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber ganz eindeutig ein geradezu archetypischer Antiheld, entsprungen aus unzähligen Western. Crow und seine Mitstreiter sind keine strahlenden Helden mit weißer Weste auf dem Pfad des Guten, sie sind gebrochene Männer, Getriebene, unbarmherzig und skrupellos bei der Suche nach immer weiteren Vampirnestern, die es auszuheben gilt. Ihre Welt ist aus den Fugen geraten, sie wissen um die Existenz dieser dunklen Kreaturen und haben Dinge gesehen, die normale Menschen nicht glauben würden. Das macht sie zu Ausgestoßenen, unfähig, ein gewöhnliches Leben zu führen, sie sind isoliert von der normalen Welt, kein Teil mehr von ihr und das werden sie auch nie wieder sein, und Isolation ist häufig ein sehr dominantes Thema in den Filmen von John Carpenter.

 

Vampires ist im Grunde kein wirklich guter Film und auch bei weitem nicht Carpenters bester, aber in jedem Fall ist er besser, als er oft gemacht wird und diese krude Mischung aus Western, Roadmovie und Vampirhorror ist einfach irre unterhaltsam und macht wahnsinnig viel Spaß. Zweifelsohne kein Carpenter, der Maßstäbe setzt und ganze Genre definiert wie einst Halloween oder The Thing, und ausgestattet mit zahlreichen handwerklichen und dramaturgischen Mängeln, aber in jedem Fall ein derber, geradliniger und staubiger Film mit einer knochentrockenen Atmosphäre, den ich immer wieder gerne sehe.

 

7 von 10 Vampirschädeln auf der Motorhaube

 

 

Meine zehn liebsten Filme von John Carpenter

3. November 2015 at 13:45

 

 

 

„Movies are pieces of film stuck together in a certain rhythm, an absolute beat, like a musical composition. The rhythm you create affects the audience.”

 

 

 

Irgendwie noch beeinflusst durch die letzte Liste meiner zehn liebsten Horrorfilme gibt es heute meine zehn liebsten Filme von John Carpenter, einem der ganz großen, vielleicht sogar der größte und rückblickend auch einflussreichste  Regisseur dieses Genre. Dabei hat Carpenter keineswegs nur Horrorfilme gedreht, auch Science Fiction, Actionfilme, zum Teil auch mit Science Fiction-Anstrich, und abgedrehte Fantasy-Spektakel finden sich vereinzelt in seinem Schaffen, aber eines seiner wichtigsten Alleinstellungsmerkmale ist wohl, dass er immer und jederzeit dazu in der Lage ist, aus sehr wenigen Mitteln das Maximum herauszuholen. Seine Filme, vor allem die frühen, sind oft auf das absolut nötigste begrenzt und erzeugen dennoch enorm viel Spannung. Als bestes Beispiel dient hier wohl Assault on Precinct 13 von 1976, sein dritter Spielfilm und gleichzeitig der große Durchbruch, ist der Film doch enorm karg ausgestattet und trotzdem wahnsinnig spannend, gerade auch weil sein Setting so begrenzt ist. Isolation ist häufig ein dominierendes Thema in seinen Filmen. Gerne vermischt Carpenter auch Genres, die man so nicht unbedingt erwarten würde, wie bei dem 1998 erschienenen Vampires, eine krude Mischung aus Roadmovie, Western und Vampirfilm, die vielleicht etwas merkwürdig klingt, aber letztlich hervorragend funktioniert. Dem einen oder anderen Film aus der nun folgenden Liste werde ich auch noch in absehbarer Zeit mit einer eigenen Rezension bedenken, um das Werk dieses großen, wichtigen und stilbildenden Regisseurs ein wenig mehr zu würdigen. In diesem Sinne: viel Spaß mit meiner Liste….

 

 

 

10.

Prince of Darkness (1987)
Prince of Darkness poster Rating: 6.7/10 (23,165 votes)
Director: John Carpenter
Writer: John Carpenter
Stars: Donald Pleasence, Jameson Parker, Victor Wong, Lisa Blount
Runtime: 102 min
Rated: R
Genre: Horror
Released: 23 Oct 1987
Plot: A research team finds a mysterious cylinder in a deserted church. If opened, it could mean the end of the world.

 

 

 

9.

The Fog (1980)
The Fog poster Rating: 6.8/10 (42,697 votes)
Director: John Carpenter
Writer: John Carpenter, Debra Hill
Stars: Adrienne Barbeau, Jamie Lee Curtis, Janet Leigh, John Houseman
Runtime: 89 min
Rated: R
Genre: Horror
Released: 08 Feb 1980
Plot: Legend says that Antonio Bay was built in 1880 with blood money obtained from shipwrecked lepers but no one believes it. On the eve of the town's centennial many plan to attend the celebrations, including the murdered lepers.

 

 

 

8.

They Live (1988)
They Live poster Rating: 7.3/10 (65,684 votes)
Director: John Carpenter
Writer: Ray Nelson (short story "Eight O'Clock in the Morning"), John Carpenter (screenplay)
Stars: Roddy Piper, Keith David, Meg Foster, George 'Buck' Flower
Runtime: 93 min
Rated: R
Genre: Action, Horror, Sci-Fi
Released: 04 Nov 1988
Plot: A drifter discovers a pair of sunglasses that allow him to wake up to the fact that aliens have taken over the Earth.

 

 

 

7.

Vampires (1998)
Vampires poster Rating: 6.1/10 (40,443 votes)
Director: John Carpenter
Writer: John Steakley (novel), Don Jakoby (screenplay)
Stars: James Woods, Daniel Baldwin, Sheryl Lee, Thomas Ian Griffith
Runtime: 108 min
Rated: R
Genre: Action, Horror, Thriller
Released: 30 Oct 1998
Plot: A vengeful vampire slayer must retrieve an ancient Catholic relic that, should it be acquired by vampires, will allow them to endure sunlight.

 

 

 

6.

Assault on Precinct 13 (1976)
Assault on Precinct 13 poster Rating: 7.4/10 (29,381 votes)
Director: John Carpenter
Writer: John Carpenter
Stars: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West
Runtime: 91 min
Rated: X
Genre: Action, Crime, Thriller
Released: 05 Nov 1976
Plot: The lone inhabitants of an abandoned police station are under attack by the overwhelming numbers of a seemingly unstoppable street gang.

 

 

 

5.

Halloween (1978)
Halloween poster Rating: 7.9/10 (145,255 votes)
Director: John Carpenter
Writer: John Carpenter (screenplay), Debra Hill (screenplay)
Stars: Donald Pleasence, Jamie Lee Curtis, Nancy Kyes, P.J. Soles
Runtime: 91 min
Rated: R
Genre: Horror, Thriller
Released: 25 Oct 1978
Plot: On Halloween night of 1963, 6-year old Michael Myers stabbed his sister to death. After sitting in a mental hospital for 15 years, Myers escapes and returns to Haddonfield to kill.

 

 

 

4.

Escape from New York (1981)
Escape from New York poster Rating: 7.2/10 (83,155 votes)
Director: John Carpenter
Writer: John Carpenter, Nick Castle
Stars: Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence
Runtime: 99 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi
Released: 10 Jul 1981
Plot: In 1997, when the US President crashes into Manhattan, now a giant maximum security prison, a convicted bank robber is sent in for a rescue.

 

 

 

3.

In the Mouth of Madness (1994)
In the Mouth of Madness poster Rating: 7.2/10 (40,263 votes)
Director: John Carpenter
Writer: Michael De Luca
Stars: Sam Neill, Julie Carmen, Jürgen Prochnow, David Warner
Runtime: 95 min
Rated: R
Genre: Horror
Released: 03 Feb 1995
Plot: An insurance investigator begins discovering that the impact a horror writer's books have on his fans is more than inspirational.

 

 

 

2.

Big Trouble in Little China (1986)
Big Trouble in Little China poster Rating: 7.3/10 (84,742 votes)
Director: John Carpenter
Writer: Gary Goldman, David Z. Weinstein, W.D. Richter (adaptation)
Stars: Kurt Russell, Kim Cattrall, Dennis Dun, James Hong
Runtime: 99 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Comedy
Released: 02 Jul 1986
Plot: An All-American trucker gets dragged into a centuries-old mystical battle in Chinatown.

 

 

 

1.

The Thing (1982)
The Thing poster Rating: 8.2/10 (215,812 votes)
Director: John Carpenter
Writer: Bill Lancaster (screenplay), John W. Campbell Jr. (story)
Stars: Kurt Russell, Wilford Brimley, T.K. Carter, David Clennon
Runtime: 109 min
Rated: R
Genre: Horror, Mystery, Sci-Fi
Released: 1982-06-25
Plot: Scientists in the Antarctic are confronted by a shape-shifting alien that assumes the appearance of the people that it kills.