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Bad Times at the El Royale (2018)

27. März 2019 at 20:38

 

 

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

I think it’s some kind of pervert hotel.“

 

 

 

In einer stürmischen Nacht 1969 führt das Schicksal eine handvoll undurchsichtiger Fremder im Hotel The El Royale zusammen. Eine Gemengenlage aus unterschiedlichsten Motiven und Geheimnissen köchelt langsam vor sich hin, bis die Dynamiken plötzlich drastisch beschleunigt werden.

 

Über allem hier steht in riesigen Lettern: Tarantino. Und zwar in fett gedruckten Großbuchstaben, leuchtend und in Neonfarben, nicht zu übersehen und geradezu aufdringlich. Nach der grandiosen Genre-Dekonstruktion The Cabin in the Woods (2011) schlägt Autor und Regisseur Drew Goddard nun eher pulpig verschmierte Neo Noir-Wege ein und lässt eine handvoll zwielichtiger Fremder mit unterschiedlichsten Motiven in einem einst glanzvollen Hotel voller dunkler Geheimnisse aufeinander treffen. Die Erzählstruktur ist episodenhaft angelegt, leicht verschachtelt und immer wieder aus variierenden Perspektiven diverser Figuren dargeboten, wenn Goddard nach und nach immer mehr Details ans Tageslicht fördert und mosaik-artig sein Gesamtbild Stein um Stein erweitert. Leider bleibt dieses Gesamtbild über die Laufzeit von rund 140 Minuten beinahe immer vorhersehbar und vor allem schrecklich belanglos, denn all die kleinen Wendungen täuschen über die inhaltliche Schlichtheit von Bad Times at the El Royale nicht hinweg.

 

Zwar wird immer mal wieder mit Erwartungen gespielt, doch nie so sehr, dass man wirklich überrascht sein könnte. Der Plot will wahnsinnig geheimnisvoll und mysteriös sein, doch letzten Endes steckt da erschreckend wenig dahinter und gerade das eigentlich spannende – die Interaktion zwischen den einzelnen Figuren untereinander – bleibt lange aus und kommt erst im letzten Drittel so richtig zur Geltung. Schade nur, dass Bad Times at the El Royale ab dem Punkt total abschmiert, ein wirklich schwaches und plumpes Finale abliefert und nicht eine einzige seiner eigentlich recht spannenden Andeutungen und zuvor getätigten Versprechen einzulösen vermag. Zwar wird im Grunde alles recht solide vorbereitet und so manche gute Idee gibt der Stoff durchaus auch her, doch meist wird alles immer nur vage angerissen und nie wirklich zu Ende geführt. Immerhin sieht Goddards Film echt gut aus, Seamus McGarvey fängt den Charme des eigentlichen Stars des Filmes – das El Royale – in tollen Bildern und Kamerafahrten ein und auch der Cast weiß durchaus zu gefallen. Am Ende aber ist Bad Times at the El Royale vor allem zu lang und zäh geraten, gibt sich geschwätzig, aber ohne Schwung, und bietet unter seiner glitzernden Oberfläche zu viel Belanglosigkeit. Viel Lärm um nichts irgendwo zwischen Tarantino, Vantage Point (2008) und Identity (2003). Schade.

 

5 von 10 Wanzen im Hotelzimmer finden

 

 

A Prayer Before Dawn (2018)

25. März 2019 at 20:25

 

 

© A24/Quelle: IMDb

 

 

 

Als der britische Amateurboxer Billy Moore in Bangkok wegen Drogenbesitz verhaftet wird und in einem berüchtigten thailändischen Knast landet, da öffnet sich ihm eine Hölle. Weder hat er Geld, noch spricht er die Sprache und am ganzen Körper tätowierte Mörder, überfüllte Schlafsäle, brutale Gefängnisrituale und Vergewaltigungen bestimmen fortan seinen Alltag. Doch Billy hat ein Talent: das Boxen. Und so gelingt ihm schließlich die Aufnahme in das hiesige Boxteam. Das bringt zwar gewisse Privilegien mit sich, aber auch hartes Training und brutale Muay Thai-Boxkämpfe.

 

Gerade der Knastthriller und das Boxerdrama sind ja oft ganz bestimmten Genre-Mechanismen unterworfen, doch Regisseur Jean-Stéphane Sauvaire (Johnny Mad Dog) interessiert sich bei seinem Film A Prayer Before Dawn herzlich wenig für derartige Strukturen und geht viel lieber ganz eigene Wege und vor allem dahin, wo es weh tut. Überhaupt verzichtet Sauvaire überwiegend auf eine herkömmliche Spannungskurve oder klassische Erzählmuster, wenn er ganz auf die Stärke des Moments vertraut. A Prayer Before Dawn ist sehr minimalistisch inszeniert und mit verengtem Blick bloß noch auf das Nötigste herunter gebrochen: Billy als vollkommener Außenseiter in einer gnadenlosen Umgebung, reduziert auf kaum mehr als seinen Körper. Ihm bleibt sonst nichts in dieser chaotischen Hölle. Ihn gilt es zu schützen und zu benutzen gleichermaßen. Sauvaire geht immerzu ganz nah dran, zeigt ungeschönt wie schonungslos den zehrenden Alltag voller Detailtreue und Authentizität und verleiht so A Prayer Before Dawn einen beinahe schon dokumentarischen Anstrich.

 

Dazu überträgt sich die pure Verzweiflung und die schiere Angst von Billy und die Fremdartigkeit dieser ganz eigen strukturierten Welt ganz hervorragend auf den Zuschauer, wenn Sauvaire nahezu immer auf Untertitel verzichtet und auch wir genau wie sein Protagonist seine Umwelt weder verstehen noch halbwegs begreifen können. Nur ganz selten und vereinzelt durchbrechen versprengte Brocken Englisch oder Französisch die thailändische Barriere und liefern zumindest bruchstückhafte Informationen, darüber hinaus bleibt nur das Körperliche zwischen Selbstzerstörung und Selbstbehauptung, um sich Ausdruck zu verleihen. Und doch blitzen zwischen all der brutalen Härte und rohen Gewalt manchmal winzige Momente der Zärtlichkeit auf, sind jedoch rar gesät und selten mehr als punktuelle und gleich wieder durch Gewalt erstickte Inseln der Ruhe. Sauvaire will keine strukturierte Geschichte erzählen, vielmehr ist ihm daran gelegen, dem Zuschauer eine möglichst rohe und direkte Erfahrung zugänglich zu machen, und das gelingt ihm mit seiner eher unkonventionellen Art der Inszenierung ganz hervorragend. So wird sein A Prayer Before Dawn zu einer schonungslosen wie eindringlichen Reise an einen wahrlich finsteren Ort, bestehend aus Momentaufnahmen eines grundlegenden Kampfes um ein buchstäbliches Überleben, gefochten von einem jungen Mann, der sein Leben eigentlich schon aufgegeben hatte.

 

8 von 10 Stangen Zigaretten zur Überlebenssicherung

 

 

Venom (2018)

17. März 2019 at 18:04

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

Look around at the world. What do you see? A planet on the brink of collapse. Human beings are disposable. But man and symbiote combined, this is a new race, a new species… a higher lifeform.“

 

 

 

Auf der Suche nach einer neuen Story kommt der Enthüllungs-Journalist Eddie Brock den fragwürdigen Machenschaften von Carlton Drake und dessen Life Foundation auf die Spur. Bei dem Versuch stichhaltige Beweise zu finden um Drake das Handwerk legen zu können, wird Brock mit einem außerirdischen Symbionten namens Venom infiziert. Drake jedoch setzt um jeden Preis alles daran, Venom wieder unter Kontrolle zu bekommen, und schon bald sieht sich Brock einer ganzen Heerschar von Verfolgern ausgesetzt, denen Venom nur liebend gern den Gar ausmachen möchte.

 

Eye, lungs, pancreas… so many snacks, so little time. Venom von Regisseur Ruben Fleischer (Zombieland, 30 Minutes or Less, Gangster Squad) wirkt in der Ära des MCU mit seinen Mega-Blockbustern seltsam deplatziert und irgendwie aus der Zeit gefallen. Er erinnert mich an eine Zeit, als noch nicht fünf bis acht Superheldenfilme im Jahr ins Kino kamen, alles etwas kleiner gehalten war und man sich als geneigter Fan nach Filmen wie The Phantom (1996), Spawn (1997) oder Blade (1998) – ungeachtet ihrer filmischen Qualitäten oder gar deren Mangel – die Finger leckte. So ist Fleischers Film dann auch von eher schlichtem Gemüt und begreift sich als launiges Spaßprodukt losgelöst vom erzählerischen Ballast irgendeinem ausschweifendem Universum gerecht werden zu müssen. Ganz bewusst genügsam reicht dann auch die infantil naive Prämisse von Venom, wenn sich eben außerirdische Parasiten mit Menschen symbiotisch verbinden und ihre Konflikte in CGI-Gewitter austragen.

 

Die Action ist dann auch ganz passabel geraten, visuell jedoch ist das alles mal okay, oft aber eher weniger gut gelungen, und besonders im überquellenden, unübersichtlichen und viel zu hastigen wie hektischen Finale verkommt alles wie so oft zu einem matschigen Brei ohne nennenswerte Differenzierung. Leider macht Venom immer mal wieder hoffnungsvoll blutige Versprechungen, welche jedoch dank des PG-13-Rating nicht eingelöst werden können. Den größten Reiz macht für mich letztlich dann auch die herrlich überdrehte Performance von Tom Hardy aus, der – einmal mit dem fiesen Parasiten infiziert – mit sichtlich viel Spaß buchstäblich alles gibt, und viel Unterhaltung aus dem Zusammenspiel zwischen Eddie Brock und Venom zu ziehen vermag. Leider bietet der Rest des zumindest auf dem Papier tollen Cast rund um Michelle Williams und Riz Ahmed kaum mehr als Dienst nach Vorschrift und kann den zugegeben schablonenhaften Figuren kaum Leben einhauchen. Unterm Strich braucht Venom etwas zu viel Zeit, um so richtig in die Gänge zu kommen, liefert viel standardisierte CGI-Action und traut sich zu wenig sein Potential voll auszuschöpfen, dennoch wurde ich über weite Strecken zumindest unterhalten. Auch, wenn da deutlich mehr drin war.

 

6 von 10 abgebissenen Köpfen

 

 

Triple Frontier (2019)

16. März 2019 at 11:43

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

You cannot go back to your normal life after tonight.“

 

 

 

Der ehemalige US-Elite-Soldat Santiago „Pope“ Garcia verdient sein Geld inzwischen als Berater und Söldner für südamerikanische Regierungen im Kampf gegen die Drogenkartelle. Als er durch eine Informantin den genauen Standort des tief im Dschungel gelegenen Verstecks des Drogenbarons Gabriel Martin Lorea erfährt, wendet er sich an vier seiner ehemaligen Kameraden mit dem Plan, das gesicherte Anwesen zu überfallen, um das dort gehortete Bargeld in Höhe von etwa 75 Millionen Dollar außer Landes zu schaffen.

 

For whom the bell tolls… das markante Riff von Metallica gibt gleich die Marschroute vor, doch Regisseur J.C. Chandler bewahrt sich immer noch auch das menschliche Drama in seinen Figuren, welches seine bisherigen Werke Margin Call (2011), All Is Lost (2013) und A Most Violent Year (2014) ebenfalls auszuzeichnen wusste. Statt einen weiteren mit Adrenalin und Testosteron gesättigten Söldner-Actioner der Marke Expendables und Konsorten abzuliefern, da interessiert sich Triple Frontier zwar nicht nur, aber eben auch für die Figuren hinter dem Spektakel, jede auf ihre Art gebrochen, überfordert mit den Anforderungen des Lebens als Zivilist, welches sie ihrer speziellen Fähigkeiten beraubt. Es braucht nur wenige kleine Momente zu Beginn und im weiteren Verlauf, um diese Schieflage im Innern der Männer ausreichend zu skizzieren, und eine Rückkehr in alte, gelernte und antrainierte Verhaltensmuster soll es richten.

 

Ein Trugschluss, wie Chandor uns bildgewaltig wissen lässt, doch dafür nimmt er sich Zeit und besinnt sich auf seine Stärken. Die Actionszenen sind eher rar gesät, aber dafür klug platziert und mehr auf Präzision ausgelegt als auf Krawall. Doch geht es mal zur Sache, dann ist die Action dringlich wie bodenständig und die Kamera immer nah dran am Geschehen ohne dabei in Hektik zu verfallen. Letztlich sehe ich Triple Frontier dann auch weniger als Actionfilm, sondern eher als Drama mit Thriller-Anstrich, Survival-Elementen und Heist-Motiven, wenn Chandor über das Spektakel hinaus auch eine Bestandsaufnahme einer Gesellschaft liefert, die für ihre Kinder des Krieges keine Verwendung mehr hat. Im Grunde ist es kein Wunder, dass die Männer schließlich tun, was sie tun, so ganz ohne Rückhalt außerhalb ihrer Profession. Sie können nichts anderes, haben nie etwas anderes gelernt, sind im zivilen Leben aber weitestgehend nutzlos und zum Scheitern verurteilt, haben sie doch nie dessen Regeln verinnerlichen können.

 

8 von 10 Mal zig Millionen Dollar und ein Muli verlieren