Ready or Not (2019)

10. Mai 2020 at 16:32

 

 

© Fox Searchlight Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Fucking rich people.“

 

 

 

Noch ahnt Grace nicht, was ihr noch so alles am Tag ihrer Hochzeit mit Alex bevorsteht. Denn der unanständig reiche Clan der Familie Le Domas hat eine ganz besondere Tradition, wenn sie neue Familienmitglieder in ihren überaus elitären Kreis aufnimmt.

 

Ready or not, here I come, you can’t hide, gonna find you and take it slowly… Ready or Not von den beiden Regisseuren Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett (Devil´s Due, V/H/S, Southbound) steht in einer sehr langen Tradition von Manhunt-Filmen, die mit The Most Dangerous Game bis in die frühen 30er Jahre zurück reicht. Die zugegeben ziemlich hirnrissige Prämisse vermag ich noch zu schlucken, wohingegen mir die tonale Zerrissenheit von Ready or Not deutlich mehr Probleme bereitet. Der Film schwankt nicht sonderlich gut ausbalanciert immerzu zwischen grimmigem Horror, schwarzer Komödie, Groteske, Slapstick, Thriller und Gesellschaftskritik, ist letztlich aber nichts von all dem so richtig. Ready or Not wäre nur zu gern der smarte und zugleich böse Genre-Hybrid, der er vorgibt zu sein, weiß aber nie so richtig, was er nun sein will und traut sich zu wenig.

 

Dazu sind die Figuren durchweg stereotyp gezeichnet und voller leerer Klischees. Das mag von Bettinelli-Olpin und Gillett vielleicht bewusst eingesetzt worden sein, ist jedoch arg plakativ geraten, und was als satirisches Stilmittel funktionieren soll, das ist eigentlich nur Ausdruck von Einfallslosigkeit. Aufgrund des eher mäßigen Erzähltempos kommt auch nie so richtig Spannung auf, zumal die Handlung immer wieder krude abdriftet und die Story im letzten Drittel viel inhaltliche Wiederholung aufbietet. Und schließlich mündet alles in einer zwar absurden, aber dennoch langweiligen und höchst unbefriedigenden Schlusspointe. Ready or Not liefert zwar den einen oder anderen guten Moment, bietet eine starke Location, ist toll ausgestattet, handwerklich sauber umgesetzt und auch Samara Weaving als wehrhafte Braut ist ein Highlight, doch letztlich verschenkt der Film einfach viel zu viel Potential.

 

5 von 10 unglücklichen Jagdunfällen

 

 

Only the Brave (No Way Out, 2017)

19. April 2019 at 16:04

 

 

© Colombia Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

It’s not easy sharing your man with a fire.“

 

 

 

Der erfahrene Feuerwehrmann Eric Marsh lebt für seine Arbeit und setzt alles daran, sein Team zu Hotshots auszubilden. Diese Eliteeinheiten arbeiten bei Waldbränden an aller vorderster Front im Kampf gegen das Feuer und riskieren mehrfach ihre Leben. Als sich schließlich all das harte Training auszahlt und die Männer das begehrte Zertifikat erhalten, ist die Freude zunächst groß. Doch dann rücken Marsh und seine Männer Ende Juni 2013 zu einem Brand auf Yarnell Hill aus, der letztlich ungeahnte Ausmaße annehmen wird.

 

Nachdem Regisseur Joseph Kosinski zuvor mit Tron: Legacy (2010) und Oblivion (2013) zwei Science-Fiction-Filme gedreht hat, nimmt er sich nun einer wahren Begebenheit an, wenn er das Yarnell Hill Fire in den Fokus rückt, welches im Sommer 2013 neunzehn Feuerwehrmänner das Leben kostete. Was eigentlich der ideale Aufhänger für einen actiongeladenen Katastrophenfilm abgegeben könnte, das schlachtet Kosinski gar nicht so sehr aus, wie man vielleicht vermuten würde, und setzt statt auf Spektakel viel lieber auf seine Figuren und findet gerade in den ruhigen Momenten zu seiner wahren Stärke.

 

Only the Brave nimmt sich Zeit, lässt sich auf seine Figuren ein und interessiert sich spürbar mehr für deren Leben als für das Feuer, welches sie beendet hat. Sicherlich erzählt der Film von Heldentum, bleibt dabei aber angenehm bodenständig und bietet viel aufrichtiges Drama statt überspitztem Kitsch. Hier werden dem Zuschauer nicht stumpf unangenehme Heldenverehrung und klebriger Pathos aufgezwungen, sondern mit viel Sinn für Authentizität und Feingefühl die Menschen unter der Uniform gezeichnet. Diese erzählerische Zurückhaltung macht Only the Brave zu einem sehenswerten, manchmal gar bildgewaltigen Drama, und einem interessanten wie spannendem Gegenentwurf zu vielen anderen modernen Werken ähnlicher Art etwa aus dem Hause Bay oder Berg.

 

7 von 10 Mal hundert Liegestütze machen müssen