Army of Darkness (1992)

15. Dezember 2018 at 14:57

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Groovy.“

 

 

 

Nach den Ereignissen in Evil Dead 2 und seinem Sturz durch die Zeit landet Asg im finsteren Mittelalter und wird sogleich von den Schergen des Lord Arthur gefangen genommen. Diesen verweist er jedoch mit Hilfe seiner Schrotflinte schnell in seine Grenzen und als Ash erfährt, dass allein das Necronomicon die Macht hat, ihn wieder zurück in die Gegenwart zu schicken, da macht er sich auf die Suche nach dem Buch des Bösen. Doch Ash wäre nicht Ash, wenn er das nicht gegen die Wand fahren würde und so entfesselt er eine Armee von Untoten, die nun die Burg von Lord Arthur belagert.

 

Hail to the king, baby! Regisseur Sam Raimi verbindet etwas mit den Coen-Brüdern: seine leidenschaftliche Vorliebe für derben Slapstick in der Tradition der Three Stooges und Cartoons wie die von Tex Avery. So ist dann auch Army of Darkness eine vollkommen logisch konsequente Weiterführung von Evil Dead 2, wenn die im Mittelalter angesiedelte Fantasy-Horror-Slapstick-Kömodie von Beginn an ein enorm hohes Tempo geht, grell überdreht und sich für keine noch so grobe Pointe zu schade ist. Wie schon bei The Evil Dead und dessen mehr Quasi-Remake als Fortsetzung tritt auch hier die klassisch lineare Erzählstruktur zugunsten einer stark episodisch geprägten Narration deutlich in den Hintergrund, wenn ganze Sequenzen oft nur auf einer einzigen visuellen Idee basieren. Die traditionellen Regeln einer herkömmlichen Dramaturgie interessieren Raimi eindeutig ebenso wenig wie die Erschaffung eines gleichmäßigen Spannungsbogens und Army of Darkness ist ein Schelm von Film, schwankt immerzu freudig zwischen toll inszenierten Momenten und geradezu amateurhaften Szenen mit betont schlechten Effekten und spielt ganz bewusst und selbstsicher mit seinen Wurzeln.

 

Beinahe alles schreit regelrecht danach, so wenig ernst wie nur möglich genommen werden zu wollen und Army of Darkness macht sich besonders dann gnadenlos über sich selbst lustig, wenn man sich viel Mühe gibt, das damals eigentlich recht üppige Budget von rund 11 Millionen Dollar zu verschleiern. Ein Wolf im Schafspelz, der immer wieder vorgibt billiger zu sein als er es tatsächlich ist. Das schlagende Herz des ganzen Budenzaubers ist zweifellos die grandiose, zwischen irrem Slapstick, derbem Humor und reichlich Körpereinsatz pendelnde Performance von Bruce Campbell, der nun endgültig zu der B-Movie Ikone werden sollte, welche er ist, und dank ihm wird Army of Darkness zum regelrecht hysterischen Spektakel, wenn sein Ash uns immer tiefer in den chaotischen Einfallsreichtum von Raimi führt und all die losen Ideen und Versatzstücke zusammenhält. Dazu der tolle Score von Raimis Haus- und Hofkomponist Joseph LoDuca sowie die starke Kamera von Bill Pope und fertig ist der für mich stärkste Beitrag der Reihe und zugleich der Beweis dafür, was für ein einzigartiger Filmemacher Sam Raimi einst war.

 

8 von 10 Ray Harryhausen-Gedächtnis-Skeletten

 

 

The Ballad of Buster Scruggs (2018)

18. November 2018 at 16:31

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Wer hier öfter mal reinschaut, dem dürfte eigentlich kaum entgangen sein, dass die Coen-Brüder zum engen Kreis von mir hoch geschätzter Regisseure zählen. The Ballad of Buster Scruggs ist die nun mehr achtzehnte Regiearbeit des Brüderpaares und angeblich doch nicht ursprünglich als Netflix Mini-Serie geplant, sondern vielmehr über Jahrzehnte hinweg immer mal wieder als Sammelbecken für Ideen genutzt, aus denen nun ein sechsteiliger Episodenfilm rund um den Mythos Wilder Westen entstanden ist. Wo bereits Hail, Ceasar einen eher episodenhaften Charakter hatte und lediglich durch ein Mindestmaß an rotem Faden mühsam zusammen gehalten wurde, da verzichtet The Ballad of Buster Scruggs gleich vollkommen auf erzählerische Kontinuität und fasst seine sechs Episoden lediglich als lose Sammlung von Kurzgeschichten in einem Buch zusammen.

 

Unterschiedlich in Tonalität und vor allem auch in Qualität reicht hierbei die Ausrichtung von vertraut schwarzhumorig über absurd und morbide bis hin zu ausnehmend tragisch, wenn jede Folge einen bestimmten Aspekt der Coen-Handschrift besonders herausarbeitet. Allerdings schwankt The Ballad of Buster Scruggs gerade in puncto Qualität der einzelnen Episoden mitunter gewaltig, nicht jede vermag auch vollends zu überzeugen und mindestens eine verpufft für mich im erzählerischen Nichts, so ganz ohne schelmisch böse Pointe oder überhaupt irgendeiner narrativen Auflösung mit Mehrwert. Das alles ist zwar überwiegend wunderbar gefilmt und voller liebevoller Details, der Cast ist stark und namhaft besetzt, es gibt die eine oder andere tolle Idee zu bewundern und auch der Score von Carter Burwell erfüllt seinen Zweck, und dennoch will der Funke nicht so recht überspringen. So bleibt letztlich eine lose Sammlung diverser Kurzgeschichten mit unterschiedlichem Anspruch, wenn zwar immer mal wieder die filmische Brillanz der Coen-Brüder aufblitzt, das Gesamtergebnis jedoch eher unrund wirkt und The Ballad of Buster Scruggs als Ganzes nicht stärker ist als einzelne Episoden.

 

6,5 von 10 rechnenden Hühnern

 

 

Armour of God II: Operation Condor (1991)

23. September 2018 at 15:04

 

 

© Golden Harvest/Quelle: IMDb

 

 

 

Jackies außergewöhnliche Fähigkeiten werden erneut gefordert, als sein alter Freund Graf Bannon ihn darum bittet, in der Sahara nach einem alten Goldschatz zu suchen, der einst von einer Einheit deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkrieges dort versteckt wurde. Ausgestattet mit einem mysteriösen Schlüssel begibt sich Jackie mit der Hilfe der Historikerin Ada und Elsa, der Enkelin des damals kommandierenden deutschen Offiziers der Einheit, auf die beschwerliche Suche nach dem alten Nazi-Goldschatz, doch auch andere Parteien haben es darauf abgesehen.

 

Wow! Klotzen statt kleckern ist hier das Motto und Armour of God II ist seinem Vorgänger in wirklich allen Belangen überlegen und bietet das volle Programm: herrlich überzeichnete Schurken, einen abenteuerlustigen Protagonisten, schöne Frauen, exotische Schauplätze, Nazi-Gold, geheime Bunker, reichlich spektakuläre Action, waghalsige Stunts, tollkühne Fights und jede Menge pointierten Slapstick. Das alles fetzt ordentlich, haut mächtig rein, kann sich mehr als nur sehen lassen und wo der erste Film noch eher verhalten wirkte und oft keine gelungene Balance zwischen Action und Humor finden konnte, da ist nun die Fortsetzung ganz hervorragend gelungen.

 

Slapstick und Action wechseln sich beinahe schon minütlich ab und gehen oft Hand in Hand oder ineinander über, das ganze erzählerische Timing ist deutlich gelungener als noch im Vorgänger und insgesamt wirkt Armour of God II witziger, spritziger und agiler. Allein die rund zwanzig minütige Hotel-Sequenz ist ihr Geld wert und pures Comedy-Gold. Seiner Zeit war der Film die teuerste Hong Kong-Produktion bisher, weil Jackie Chan das Budget nach Herzenslust überzog und sich statt sechs Monaten beinahe zwei Jahre Zeit nahm. Das merkt man dann auch an jeder Ecke, wenn die Settings überwiegend deutlich wertiger wirken. Armour of God II bündelt genau all die guten Ideen, welche man dem ersten Teil bereits anmerken konnte, aber nicht so recht zu sehen bekam, und schafft es, diese auch auszuformulieren und eindrucksvoll auf die Leinwand zu bringen. Das alles macht irre viel Spaß, unterhält fantastisch und überzeugt auf der ganzen Linie mit dieser charmanten Mixtur aus Humor, Slapstick, atemberaubenden Stunts und Action satt.

 

8,5 mit Luft nach oben und jede Menge Bock, den bald nochmals zu schauen.

 

 

Armour of God (1986)

23. September 2018 at 14:48

 

 

© Golden Harvest/Quelle: IMDb

 

 

 

Der Abenteurer und Schatzsucher Jackie sucht in aller Welt nach diversen Artefakten, darunter auch die fünfteilige Rüstung Gottes, welche er auf Auktionen versteigert. Als sein alter Freund Alan ihn um Hilfe bittet, weil seine Freundin Lorelei von einer Sekte entführt worden ist, welche nun die Rüstung Gottes als Lösegeld fordert, muss Jackie zur Tat schreiten.

 

Was Jackie Chan und Eric Tsang mit ihrem Drehbuch zu Armour of God und Chan dann später nach seinem beinahe tödlichen Unfall am Set auch als Regisseur des Filmes vorschwebt, das ist verhältnismäßig offensichtlich: einen turbulent unterhaltsamen Abenteuerfilm als Schnitzeljagd voller exotischen Schauplätzen rund um die Welt in aller bester Indiana Jones-Tradition, teils parodierend, teils einfach nur kopierend, aber gepaart mit Chans ganz eigenen Trademarks. So ist beispielsweise das ursprünglich antreibende Storyelement in Form der fünfteiligen Rüstung Gottes letztlich auch nicht mehr als genau das, nämlich ein simpler wie gleichermaßen genreüblicher McGuffin, einzig dazu dienlich, unseren Helden Jackie/Asian Hawk auf seine Reise zu schicken. Leider schafft es der Film nicht so recht, seine vermeintlich exotischen Schauplätze auch in ein angemessenes Licht zu rücken, wodurch ein wenig an Flair verloren geht und das eigentlich recht bunte Treiben manchmal visuell ein wenig blass wirkt.

 

Letztlich will die Mischung aus Action und Humor irgendwie nicht so recht zünden und Armour of God schwächelt ein wenig in der Balance aus Humor und Action. Zwar ist der Einstieg durchaus gelungen, doch gerade im oft von Klamauk und Slapstick geprägten Mittelteil gehen Zug und Tempo etwas verloren und erst in der letzten halben Stunde findet der Film wieder vollends zu sich, wenn dort nochmals herrlich aufgedreht werden darf. Die Action ist meist routiniert in Szene gesetzt und gelungen choreografiert, denn Jackie Chan weiß einfach ganz genau, was er wie umgesetzt haben will und wie das dann auch auf der Leinwand wirkt. Zu den Höhepunkten gehören da sicherlich eine ereignisreiche Verfolgungsjagd zu Jeep, Mitsubishi und Motorrad sowie im Finale der eindrucksvolle Kampf von Jackie gegen vier dunkelhäutige Amazonen. In seinen besten Momenten entwickelt Armour of God einen beinahe schon treibenden Druck nach vorne, doch nicht selten funken halbgare Gags, merkwürdiger Slapstick und manchmal etwas befremdlich anmutende Beziehungsspielchen zwischen den drei Protagonisten dazwischen. Sehenswert und unterhaltsam – vor allem an einem verkaterten Sonntag Nachmittag – ist der Film dennoch, und wer weiß, wenn ich den schon aus Kindheitstagen kennen würde, dann würden mich diese Punkte vielleicht gar nicht so sehr stören.

 

6,5 von 10 Verfolgungsjagden mit einem Mitsubishi Colt C 10 Spider