Captain America: The Winter Soldier

26. Januar 2015 at 16:00

 

 

Captain America: The Winter Soldier (2014)
Captain America: The Winter Soldier poster Rating: 7.8/10 (311,106 votes)
Director: Anthony Russo, Joe Russo
Writer: Christopher Markus (screenplay), Stephen McFeely (screenplay), Ed Brubaker (concept and story), Joe Simon (comic book), Jack Kirby (comic book)
Stars: Chris Evans, Samuel L. Jackson, Scarlett Johansson, Robert Redford
Runtime: 136 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 04 Apr 2014
Plot: As Steve Rogers struggles to embrace his role in the modern world, he teams up with another super soldier, the black widow, to battle a new threat from old history: an assassin known as the Winter Soldier.

 

 

 

„People will fight for their freedom if people try to take it from them. But if you cause enough trouble, people will willingly give up their freedom for a more secure world.”

 

 

 

Captain America ist zurück aus seinem Jahrzehnte langen Kälteschlaf und er hat sichtlich damit zu kämpfen, sich in dieser schönen, neuen Welt zu Recht zu finden, er sucht seinen Platz und muss auch die jüngsten Ereignisse in New York (Stichwort: erster Avengers-Film) mit sich vereinbaren. Ehe er sich allerdings versieht, findet sich der wackere Kämpfer für das Gute auf der Welt als Mittelpunkt in einer politischen Intrige wieder, die scheinbar bis in die allerhöchsten Kreise reicht. Fortan befindet er sich auf der Flucht und versucht die Verschwörung aufzudecken, ohne zu wissen, wem er vertrauen kann und wem nicht, wer Freund ist und wer Feind.

 

So weit, so gut. Die Macher haben wirklich versucht, sich von dem üblichen, meist seelenlosen (bis auf ganz wenige Ausnahmen) Marvel-Mumpitz abzuheben, versuchen, etwas annähernd eigenständiges zu erschaffen, und über weite Strecken des Films gelingt es ihnen tatsächlich auch. Die dezente, wenn auch etwas oberflächliche Verlagerung der Story in Richtung klassischer Politthriller der 70er und 80er Jahre (ja, ihr habt richtig gelesen) kommt dem bunten Treiben sehr zu Gute, wirkt das Ganze dadurch doch deutlich düsterer und ernster. Auch schafft es der Film, die zu Grunde liegende Story gekonnt an unser heutiges Zeitgeschehen anzupassen, so sind doch Themen wie ständiges Ängste schüren, radikale Aufrüstung, die totale Überwachung oder der Verlust der Freiheit aktueller denn je. In diesem Kontext ist auch die Besetzung von Robert Redford ein wirklich gelungener Schachzug. Nicht nur, dass der Mann sichtlich Spaß an seiner Rolle hat, er bereichert eigentlich immer jeden Film durch seine Präsenz, so ist es vor allem sein Mitwirken in einigen der größten klassischen Politthrillern wie Die drei Tage des Condor oder Die Unbestechlichen, was das Vorhaben des Films noch ein bisschen mehr unterfüttert.

 

 

„I can bring order to the lives of seven billion people, by sacrificing twenty million. It’s the next step. If you have the courage to take it.”

 

 

Als erfrischend angenehm empfand ich es, dass man nicht der Versuchung erlegen ist, Captain Americas Kampf mit unserer modernen Zeit, seine innere Zerrissenheit, schamlos und permanent auszuschlachten. Vielmehr sind es meist nur dezente und ausgesprochen charmante Anspielungen und Verweise auf Dinge, die es vermeintlich nachzuholen gibt. Das sorgt für den einen oder anderen Schmunzler, aber die platten Schenkelklopfer bleiben glücklicherweise aus.

 

Spektakuläre Schauwerte gibt es natürlich zu Hauf und an jeder Ecke, Action und Bombast auf höchstem Niveau, schließlich ist das hier immer noch eine Marvelverfilmung. Der Film macht einiges richtig in meinen Augen, auch wenn gerade der Mittelteil deutliche Längen hat. Vor allem der grundlegende Ansatz, so etwas wie eine klassische Spionagegeschichte erzählen zu wollen, weiß zu gefallen, da hebt sich Captain America: The Winter Soldier angenehm von seines Gleichen ab. Das größte Problem ist allerdings, das sich der Film nicht traut, diesen roten Faden auch konsequent bis zum Schluss durchzuziehen, denn zum großen und spektakulären Finale hin ergeht man sich dann doch wieder nur in Kitsch und Pathos und macht zielstrebig kaputt, was vorher so mühsam aufgebaut wurde. Immerhin bleibt einem die sonst fast immer zu erwartende Patriotimus-Keule halbwegs erspart.

 

Über den Cast gibt es nicht viel zu sagen. Chris Evans, der in Snowpiercer noch so differenziert spielte, ist als Captain America erstaunlich blaß, Samuel L. Jackson als Nick Fury macht gewohnt Spaß, wirkt aber auch sehr routiniert und wenig enthusiastisch. Scarlett Johansson als Natasha Romanoff/Black Widow ist auch hier völlig unterfordert und Sebastian Stan als Winter Soldier und Anthony Mackie als Sam Wilson/Falcon wirken auf mich doch sehr beliebig und austauschbar, da bleibt nichts bei mir hängen. Einzig Robert Redford vermag dem Film mit seinem Schauspiel zumindest einen Hauch von Größe zu verleihen.

 

Unterm Strich bleibt dann trotz des Versuches, andere Wege zu beschreiten, doch wieder nur ein weiterer, auf spektakuläre Optik getrimmter Vertreter aus dem Marvel-Universum, dem seine Schauwerte wichtiger sind als die Geschichte dahinter. Das ist schade, denn eigentlich hätte die Story deutlich mehr Potential gehabt, man hätte sich nur trauen müssen, das auch konsequent umzusetzen. Dass eine ernstere, düstere und etwas realistischere Ausrichtung funktionieren kann, haben andere Filme des Genres ja schon mehrfach bewiesen.

 

 

7 von 10 kugelsicheren Schilden

 

 

Snowpiercer

24. Januar 2015 at 19:44

 

 

Snowpiercer (2013)
Snowpiercer poster Rating: 7.0/10 (104,058 votes)
Director: Joon-ho Bong
Writer: Joon-ho Bong (screenplay), Kelly Masterson (screenplay), Joon-ho Bong (screen story), Jacques Lob (based on Le Transperceneige by), Benjamin Legrand (based on Le Transperceneige by), Jean-Marc Rochette (based on Le Transperceneige by)
Stars: Chris Evans, Kang-ho Song, Ed Harris, John Hurt
Runtime: 126 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 11 Jul 2014
Plot: Set in a future where a failed climate-change experiment kills all life on the planet except for a lucky few who boarded the Snowpiercer, a train that travels around the globe, where a class system emerges.

 

 

 

„Have you ever been alone on this train? When was the last time you were alone? You can’t remember, can you? So please do. Take your time.”

 

 

 

Schon wieder eine Dystopie. Schon wieder ein endzeitliches Szenario. Schon wieder eine neue Eiszeit. Auch diese ist selbst verschuldet. Im Jahre 2031 leben die letzten noch verbliebenen Menschen in einem Zug. In einem Zug, der perpetuum mobile-artig wie von Geisterhand immer und immer wieder seine einsamen Kreise über die nahezu völlig unbewohnbare Erde zieht. Innerhalb dieses Zuges herrscht eine feste hierarchische Struktur, die Armen, der Pöbel, sie vegetieren unter den denkbar schlimmsten Bedingungen in den hintersten Wagons nur so vor sich hin, wohingegen die besser gestellten weiter vorne im Zug ihr prächtiges Leben genießen können… eine Revolution ist im Grunde vorprogrammiert, angeführt von Curtis, einem eher ambivalenten als moralisch aufrechten Charakter und vielmehr Held wider Willen.

 

Der Film und ich, wir haben eine gemeinsame Geschichte. Ich habe ihn im letzten Frühjahr mit einem guten Freund zusammen im Kino gesehen, unsere Erwartungshaltung an den Film war enorm. Natürlich konnte diese nicht oder nur kaum erfüllt werden, weshalb wir relativ enttäuscht den Kinosaal verließen, einig darüber, zwar einen guten Film gesehen zu haben, aber keineswegs das von uns erwartete Meisterwerk. Jetzt, nach neuerlicher Sichtung, muss ich zugeben: ich habe mich geirrt. Snowpiercer scheiterte schlicht und ergreifend an meiner Erwartungshaltung, er konnte dem gar nicht gerecht werden.

 

 

„The train ist he world. We the humanity.“

 

 

Snowpiercer ist das amerikanische Debut des koreanischen Regisseurs Bong Joon-Ho. Seine Adaption der französischen Graphic Novel Schneekreuzer von Jacques Lob und Jean-Marc Rochette beginnt als (Klima-)Katastrophenfilm, wandelt sich dann relativ schnell zum Actionthriller mit Klassenkampf-Dynamik, streift die Gefilde der Gesellschaftssatire und des absurden Theaters ehe sie sich als bitterer, aber nicht hoffnungsloser Blick in die menschliche Seele entpuppt. Klingt erstmal, als wäre der Film furchtbar überladen mit all seinen sich überschneidenden Thematiken und Ansätzen, ist er aber erstaunlicher Weise nicht, es gelingt ausgesprochen gut, all das miteinander zu vermengen.

 

Die Grundidee der Geschichte, die Ausgangslage, finde ich einfach nur grandios und sie funktioniert perfekt als Metapher auf unsere Existenz. Der ganze Film spielt nahezu vollständig nur in diesem Zug und dennoch gelingt es Bong Joon-Ho enorm viel Abwechslung aufzubringen. Das Setting ist aufgrund seiner räumlichen Begrenzung denkbar einfach, aber was der Film daraus macht, was er dort herauszuholen vermag, das ist enorm komplex, er erschafft auf aller kleinstem Raum seine ganz eigene, schillernde und enorm detailverliebte Welt. In seinem überschäumenden Ideenreichtum und seiner geradezu unglaublichen Fülle an Absurdität kann Snowpiercer es durchaus mit Genreklassikern wie Brazil aufnehmen. Zudem beweist der Regisseur ein ganz feines Gespür für das Erzähltempo in seiner Parabel, sein Timing ist fantastisch, nimmt er doch gern Wechsel der Perspektive vor, wenn man sie nicht unbedingt erwarten würde. Selbst im heftigsten Kampfgefecht drosselt Bong plötzlich und unerwartet das Tempo, spielt mit Licht und Schatten oder verlegt eine Kampfszene komplett ins Dunkle. Ähnlich originell inszenierte Actionszenen bietet der Film häufig, da wird viel mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt, sie wird gerne mal gnadenlos unterlaufen und der Betrachter unvermittelt aus dem Geschehen gerissen. Und wenn der wortlose Koloss Franco, gespielt von dem durchaus eindrucksvollen Vlad Ivanov, im minutenlangen Zweikampf bezwungen werden soll, dann ist das nicht nur mitreißend und spannend in Szene gesetzt, sondern illustriert auch die menschliche Fähigkeit zur Grausamkeit, gerade dann, wenn sie durch widrige Umstände erzwungen wird. Bong nutzt das Vergrößerungsglas der Science-Fiction-Handlung zu einer gnadenlosen Satire auf Gehirnwäsche, Gleichschaltung und Größenwahn und von da aus zu einem skeptischen und ausgesprochen zynischen Blick auf die menschliche Natur, was sich auch in der Entwicklung von Curtis widerspiegelt. Motivation und Vergangenheit des schweigsam-widerwilligen Rebellenführers werden mit jeder schwierigen Entscheidung klarer und gewinnen zusehends an Bedeutung, werden aber erst nach und nach enthüllt.

 

 

„I belong to the front. You belong to the tail. When the foot seeks the place of the head, the sacred line is crossed. Know your place. Keep your place. Be a shoe.“

 

 

Ein ganz besonderer Augenmerk liegt auf den Kulissen und der Ausstattung des Films, hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Jeder einzelne Wagon, der auf dem Weg an die Spitze durchquert wird, jedes Abteil, ist ein kleines Meisterwerk in puncto Design und Ausstattung, von der schäbigen und dreckigen Enge der Armenquartiere am Ende des Zuges über ein bunt-fröhliches und gerade deswegen völlig deplatziert und surreal wirkendes Klassenzimmer, ein wunderschönes und nicht weniger bizarres Aquarium mit integrierter Sushi-Bar(!), ein Gewächshaus, einen dekadenten Nachtclub bis hin zur Spitze des Zuges, dem Zuhause des allmächtigen Wilford, gottgleich verehrt von den Zugbewohnern und scheinbar über jeden Zweifel erhaben, all das sprudelt nur so über vor absurden Ideen und Details, manchmal nur winzig klein, aber dennoch vorhanden, und immer eine Bereicherung.

 

Der Cast liest sich mit Namen wie Tilda Swinton, John Hurt oder Ed Harris nicht nur toll, er ist es auch. Das schauspielerische Niveau ist ausgesprochen hoch, nicht nur bei den drei genannten. Sogar Chris Evans, der in Actionfilmen ja eigentlich ganz gut funktioniert, spielt hier völlig überzeugend seine Figur des unfreiwilligen Revolutionsführers Curtis mit all ihren Facetten, zerrissen zwischen Zukunft und Vergangenheit, charismatisch genug, um Identifikationspotential zu haben, aber auch zwiespältig genug, um ihn nicht als strahlenden Helden zu etablieren. Eine durchaus beeindruckende Leistung, die ich so im Vorfeld nicht unbedingt erwartet hätte. Jamie Bell als „Zugbaby“ Edgar macht seine Arbeit gut, zumal seiner Figur in Hinsicht auf die Entwicklung von Curtis eine wichtige Rolle zukommt. John Hurt als Gilliam (eine Anspielung auf den Regisseur Terry Gilliam?) ist fast ein wenig verschenkt, hat seine Figur doch recht wenig screen time. Tilda Swinton und Ed Harris aber überragen in diesem Ensemble schlichtweg alle, so zynisch und menschenverachtend, so arrogant und angewidert, wie sie ihre Charaktere anlegen, das ist kaum in Worte zufassen und spottet jeder Beschreibung, das muss man erleben.

 

Natürlich hat Snowpiercer auch seine Schattenseiten, geizt der Film doch nicht mit Logiklöchern, da ist das Drehbuch stellenweise doch recht holprig und zeigt Verbesserungsbedarf, aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Die Gesellschaftskritik selbst kommt vielleicht ein wenig mit dem Holzhammer daher, aber das muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden, wie er das empfindet und was er damit anfängt. Am Ende wird man doch mit einem Film entlohnt, dem es gelingt, den nicht immer ganz leichten Spagat zwischen virtuos inszenierter Action und einer anspruchsvollen Story mit Gesellschaftskritik und stellenweise geradezu philosophischem Tiefgang nicht nur elegant hinzubekommen, er verpackt ihn auch noch in oftmals sehr surreal anmutende Absurditäten und spendiert dem Ganzen gelegentlich von tiefschwarzem Humor geprägte Szenen, die den Zuschauer immer wieder aus dem Rhythmus des Films reißen.

 

 

8 von 10 durchgeknallten Grundschullehrerinnen

 

 

 

 

Buckaroo Banzai: Die 8. Dimension

20. Januar 2015 at 1:39

 

 

The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension (1984)
The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension poster Rating: 6.4/10 (16,104 votes)
Director: W.D. Richter
Writer: Earl Mac Rauch
Stars: Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum
Runtime: 103 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Comedy, Romance
Released: 10 Aug 1984
Plot: Adventurer/surgeon/rock musician Buckaroo Banzai and his band of men, the Hong Kong Cavaliers, take on evil alien invaders from the 8th dimension.

 

 

 

„Don’t be mean; we don’t have to be mean, cuz, remember, no matter where you go, there you are.”

 

 

 

Buckaroo Banzai… Puh! Was soll man da sagen? Wo soll ich anfangen?! Am besten bei Buckaroo Banzai selbst, seines Zeichens Neurochirurg, Rockstar (mit seiner Band, den Hong Kong Cavaliers), Physiker, Kampfsportler, Erfinder, Rennfahrer, Abenteurer, Star seines eigenen Comics und noch vieles mehr, vor allem aber: der Retter der Welt. Noch Fragen?

Buckaroo, seine Hong Kong Cavaliers und die Blue Blazers, eine Art Buckaroo-Fanclub, müssen die Welt vor den roten Lectroiden vom Planeten 10 aus der 8. Dimension unter der Führung des fiesen Lord John Whorfin bewahren, die mit Hilfe des von Buckaroo erfundenen Oszillations-Overthrusters die Welt zerstören wollen (glaube ich zumindest, soweit ich das verstanden habe). Unterstützung (oder auch nicht, das ist irgendwie ein bisschen unklar) erhalten sie von den schwarzen Lectroiden vom Planeten… ihr wisst schon. Klar soweit?

Der Film ist wirr, macht keinen Sinn und ist einfach irgendwie seltsam. Nichts will so richtig zusammen passen, logisch ist hier gar nichts. Wer nicht versteht, worum es geht, der muss sich wirklich nicht schämen, im Gegenteil, wer mir den tieferen Sinn hinter all dem erklären kann, der verdient einen Orden. Hauptsächlich liegt das daran, dass der Film versucht ganz viele Genre gleichzeitig zu sein, ein wilder Stilmix aus Action, Comedy, Science Fiction, Lovestory, Fantasy, Adventure und Musikfilm, es aber nicht schafft, all das sinnvoll unter einen Hut zu bringen, etwas homogenes, etwas eigenes daraus zu machen. Es gibt keinen richtigen roten Faden, vielmehr springt der Film von Genre zu Genre, von Idee zu Idee, vieles wird angerissen, aber nicht zu Ende gebracht. Das ist schade, denn im Grunde birgt das alles irre viel Potential, welches aber kaum genutzt wird. Man merkt deutlich, dass die Macher unbedingt einen Kultfilm erzwingen wollten, als Entwurf am Reißbrett, und das funktioniert fast nie. Kult lässt sich nicht planen. Im Falle von Buckaroo Banzai geht die Rechnung zumindest zum Teil auf, denn der Film ist tatsächlich abgedreht genug, um einen gewissen Kultstatus zu erlangen, er hat ja durchaus auch seine Anhänger, aber am Ende fehlen ihm Herz und Seele.

Ein weiteres Problem des Films ist die enorm hohe Dichte an Charakteren. Hier werden einem so viele Figuren im Minutentakt um die Ohren gehauen, teils ohne nennenswerte Funktion, dass man schnell den Überblick verliert und nicht mehr genau weiß, wer jetzt wer ist, wer auf wessen Seite, und wer welche Bedeutung hat, und mindestens die Hälfte davon könnte man problemlos aus dem Drehbuch streichen ohne das es auffällt. Dadurch bleibt auch kaum Zeit, den einzelnen Figuren genügend Raum zur Entfaltung zu geben, alles wirkt sehr oberflächlich. Dabei ist der Cast wirklich mehr als nur beachtlich, hier wird mit Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum, Christopher Lloyd, Clancy Brown, Vincent Schiavelli und Dan Hedaya allerhand aufgefahren, aber bis auf John Lithgow, der sichtlich Spaß hat an seiner Rolle des verrückten Bösewichts, und Ellen Barkin wirken alle anderen doch relativ lustlos und spielen recht uninspiriert. Peter Weller als Buckaroo Banzai bleibt erstaunlich blaß, Christopher Lloyd als roter Lectroid John Bigboote (was im englischen Originalton ein herrliches Wortspiel abgibt, welches dann aber auch permanent wiederholt werden muss) ist nahezu völlig verschenkt, Jeff Goldblum kann keine Akzente setzen und Clancy Brown hat vielleicht zwei Szenen. Der Rest hat einfach nicht genügend Platz im Drehbuch, um zu glänzen.

Überhaupt ist das Drehbuch bei weitem kein schlechtes, es ist voller skurriler Ideen und verrückter Einfälle, voller bizarrer Figuren und geradezu grotesken Situationen und Momenten, aber es ist schlicht und ergreifend zu überladen, es wird zuviel auf einmal gewollt. Der Regisseur W.D. Richter schrieb einige Jahre später, als klar wurde, dass es aufgrund der schwachen Einspielergebnisse an den Kinokassen keine Buckaroo-Fortsetzung geben würde, das Drehbuch zu John Carpenters Big Trouble in Little China, der ähnlich verrückt, aber deutlich stringenter daherkommt, und verwendete hier große Teile seines Skripts für Buckaroo II. Vieles von dem, was dort passieren sollte, können wir also heute in Big Trouble in Little China sehen.

Vielleicht liest sich das alles jetzt so, als wäre Buckaroo Banzai ein schlechter Film, aber das ist er nun wirklich nicht. Er ist herrlich abgedreht und auch durchaus unterhaltsam und spaßig, aber seine Macher wollten mit dem Drehbuch einfach zuviel auf einmal, es ist vollgestopft mit all diesen verrückten Ideen, Figuren und Einfällen, und quillt regelrecht über vor kalkuliertem Kultcharakter. Zudem ist vieles einfach zu unausgegoren und wird nicht zu Ende gedacht, das Potential der Story wird nicht zur Gänze, sondern höchstens im Ansatz genutzt und tatsächlich wäre hier weniger mehr gewesen. Am Ende fehlen einfach Herz und Seele, um einen echten Kultfilm abzuliefern.

 

6 von 10 Oszillations-Overthrustern

 

 

 

The Colony

18. Januar 2015 at 19:10

 

 

The Colony (2013)
The Colony poster Rating: 5.3/10 (28,541 votes)
Director: Jeff Renfroe
Writer: Jeff Renfroe (screenplay), Svet Rouskov (screenplay), Patrick Tarr (screenplay), Patrick Tarr (story), Pascal Trottier (screenplay), Pascal Trottier (story)
Stars: Kevin Zegers, Laurence Fishburne, Bill Paxton, Charlotte Sullivan
Runtime: 95 min
Rated: N/A
Genre: Action, Horror, Sci-Fi
Released: 20 Sep 2013
Plot: Forced underground by the next ice age, a struggling outpost of survivors must fight to preserve humanity against a threat even more savage than nature.

 

 

 

„You know you’re screwed when even the rabbits won’t fuck.”

 

 

 

Heute mal wieder ein kleiner Endzeitthriller/actioner, in dem durchaus weitverzweigtem Genre gucke ich ja verhältnismäßig schmerzfrei alles weg, was mir unterkommt. Nun also The Colony mit Laurence Fishburne und Bill Paxton.

Passend zur Klimahysterie zeigt uns The Colony eine weitere Variante des bekannten Eiszeitszenarios, diesmal von Menschenhand verschuldet. 2045 haben sich die wenigen Überlebenden in unterirdische Kolonien zurückgezogen, denn die Erde ist unbewohnbar geworden, die Oberfläche eine einzige eisige Einöde. Kolonie 7 hat ständigen Funkkontakt zu Kolonie 5, von allen anderen Kolonien hat man schon lange nichts mehr gehört. Als letztlich auch der Kontakt zu Kolonie 5 abbricht, stellt Captain Briggs einen kleinen Aufklärungstrupp zusammen, um herauszufinden, was passiert ist.

Die Story ist nun wirklich nichts besonderes und schon in vielen ähnlichen Variationen erzählt worden, was aber nicht allzu dramatisch ist, wirkt der Film doch atmosphärisch genug, um den Zuschauer trotz der altbekannten Geschichte bei Laune zu halten und hat zahlreiche gute Ansätze und Ideen zu bieten, die aber leider nicht immer konsequent umgesetzt und weiterverfolgt werden. Auch das man sich mit Versatzstücken aus Genreklassikern wie The Thing und 30 Days of Night seinen Plot zurecht zimmert, stört ebenso nur bedingt wie die zum Teil kaum zu übersehenden Logiklöcher. The Colony baut sich langsam auf, ist geradlinig und schnörkellos erzählt und ebenso routiniert in Szene gesetzt. Gerade die ersten zwei Drittel sind spannend und unterschwellig durchaus bedrohlich, erst im letzten Drittel verpufft die Spannung leider im luftleeren Raum, wird doch das Tempo zugunsten der Action deutlich angezogen, was für die Atmosphäre überhaupt nicht förderlich ist.

Die CGI-Effekte, die hauptsächlich bei den Außenaufnahmen zum Einsatz kommen, sind nun wirklich nicht überragend, aber doch überzeugend genug, um die bedrohliche Atmosphäre dieser lebensfeindlichen Umwelt zu vermitteln, und bei weitem nicht so schlecht, wie man das von so mancher Asylum-Produktion oder von den ScyFy-Jungs vielleicht gewohnt ist. Die Innenaufnahmen hingegen wurden in einer alten Militärbasis gedreht, was Look und Atmosphäre sehr zu Gute kommt, das verleiht dem Ganzen zumindest einen Hauch von Glaubwürdigkeit.

Unterm Strich ist The Colony ein grundsolider, wenn auch überraschungsarmer Horrorthriller mit Actionelementen, der sich langsam aufbaut und zunächst spannend bleibt, weil er nicht sofort sein ganzes Pulver verschießt, den Zuschauer zumindest eine Zeit lang im Unklaren lässt und mit einer routiniert agierenden Besetzung aufwarten kann. Wer dem Genre nicht abgeneigt ist und keine großartigen Innovationen erwartet, der kann hier durchaus mal einen Blick riskieren.

 

6 von 10  frostigen Expeditionen