The Green Knight (2021)

4. März 2022 at 21:30

 

© A 24

 

 

Red is the color of lust, but green is what lust leaves behind, in heart, in womb. Green is what is left when ardor fades, when passion dies, when we die, too.

 

Die Erzählungen rund um König Arthus und seine Ritter der Tafelrunde sind aus der Popkultur kaum noch wegzudenken und werden seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Medien und Formen immer wieder adaptiert, umgedeutet und neu erzählt. Nun ist es der Regisseur David Lowery (A Ghost Story, The Old Man and the Gun, Pete´s Dragon), welcher sich dem mittelalterlichen Gedicht Sir Gawain and the Green Knight annimmt, um daraus eine recht eigenwillige Interpretation zu erschaffen. Eine klassische Ritterheldensaga sollte man hier jedenfalls nicht erwarten. Inhaltlich allzu eindeutig wird dieser betörend elegante und elegische Bilderreigen nämlich nicht, erzählt Lowery´s Film doch vielmehr von einer geradezu mystischen wie gleichermaßen rätselhaften Reise in entschleunigtem Tempo.

 

The Green Knight ist auch wirklich wundervoll anzusehen und voller traumhaft schönen Bildkompositionen im Minutentakt. Die Kamera von Andrew Droz Palermo (A Ghost Story, You´re Next) gleitet regelrecht durch die Szenerien und lässt Gaiwans Erlebnisse und Begegnungen nicht selten ins surreal Überhöhte kippen. Und wo die inhaltliche Ebene auf den ersten Blick nicht allzu viel anzubieten scheint, da konnte mich die audiovisuelle Ebene restlos begeistern. Grundsätzlich finde ich es meistens interessanter zu ergründen, was ein Film in mir persönlich auslöst und mit mir macht, als mir die Frage zu stellen, welche Botschaft mir der Regisseur vermitteln wollte. Und The Green Knight hat ziemlich viel in mir ausgelöst. Diffus und wenig konkret, aber stark im Nachgang. Was mir Lowery mit seinem Film letzten Endes sagen wollte? Ich habe keine Ahnung. Hat das mein Seherlebnis getrübt? Nein, denn Atmosphäre und Stimmung haben mich von Beginn an in ihren Bann gezogen und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen.

 

8/10

 

 

The King (2019)

29. November 2019 at 11:34

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

A king has no friends. Only followers and foe.“

 

 

 

Henry IV. sitzt sterbend auf seinem Thron und verwaltet ein Erbe aus Blut und Gewalt. Sein ältester Sohn Hal jedoch hat sich von ihm los gesagt und kein Interesse daran, sein Nachfolger zu werden. Doch das Schicksal hat andere Pläne und so besteigt Hal schon bald als Henry V. den Thron als König von England. Als der französische König Hal jedoch verhöhnt, da beleidigt er zugleich ganz England. Ein Krieg scheint unabwendbar.

 

Zwar ließ sich Regisseur David Michôd (Animal Kingdom, The Rover, War Machine) für The King zusammen mit seinem Co-Drehbuchautor Joel Edgerton (Felony, The Gift) von den beiden Shakespeare-Werken Henry IV und Henry V inspirieren, findet jedoch genug eigene Ansätze, um diese Mischung aus Historien-Drama und Coming of Age – Film zu erzählen. The King ist langsam, beinahe schon schwermütig inszeniert und rückt den Konflikt seines jungen Protagonisten in den Vordergrund, wenn dieser schon bald an die Grenzen seines Idealismus stößt.

 

Hal wird mehr als nur unfreiwillig in eine Rolle gedrängt, welche er niemals inne haben wollte. Ihm wird eine unfassbare Verantwortung aufgebürdet, doch will er zunächst das Beste daraus machen und vor allem nicht regieren wie sein Vater es tat. Frieden und Wohlstand will er für sein Volk, doch er muss schnell merken, dass die Dinge kompliziert sind. Zwar versucht er, an seiner Aufgabe zu wachsen, doch wem vertrauen, wenn man selbst keinen Rat weiß? Eben noch voller Unbekümmertheit und jugendlichem Leichtsinn sein lasterhaftes Leben abseits des Königshauses genießend, findet sich Hal viel zu schnell inmitten einer Schlacht wieder, besudelt mit Blut und Schlamm als Anführer seiner Truppen im Krieg gegen Frankreich.

 

The King ist stets um Authentizität bemüht, wirkt angenehm geerdet, ist dreckig, düster und weit weg von der verklärenden Mittelalter-Romantik manch anderer Filme. Schwertkämpfe in voller Rüstung sind eher wenig spektakulär, wirken schwerfällig und glaubwürdig, wenn keuchende Körper ungelenk aufeinander prallen. Überhaupt ist The King insgesamt toll ausgestattet und vermag immer wieder durch wunderbare Bilder von Adam Arkapaw (Macbeth, True Detective) zu überzeugen. Dazu passt dann auch ganz hervorragend der schwelgerische und doch kraftvolle Score von Nicholas Britell (Beale Street, Moonlight).

 

Auf der darstellerischen Ebene vermag Timothée Chalamet (Call Me by Your Name, Lady Bird) erneut eindrucksvoll zu beweisen, warum er momentan als einer der spannendsten Nachwuchsdarsteller überhaupt gilt. Ihm zur Seite steht eine kernige und doch irgendwie einfühlsame Performance von Joel Edgerton als Falstaff und auch Ben Mendelsohn und Sean Harris können trotz geringer screen time durchaus überzeugen. Und dann ist da noch die eigenwillige und bewusst überzogene Darstellung des Dauphin durch Robert Pattinson (The Rover, Good Time), welche seltsam deplatziert wirkt in diesem sonst eher düsteren Film und die ernste Stimmung aufbricht.

 

Letztlich ist The King dann auch weniger Historien-Film und vor allem ein Drama rund um einen jungen Mann, der ohne es zu wollen über sich hinauswachsen muss und doch immer Spielball äußerer Einflüsse bleibt. Er will das Richtige tun, weiß aber selbst gar nicht so ganz genau, was das überhaupt ist. Am Ende bleibt eine bittere wie schmerzhafte Erkenntnis, die seinen Blick auf zurückliegende Geschehnisse grundlegend verändern wird.

 

8 von 10 Ausrutschern im blutgetränkten Schlamm

 

 

It Comes at Night (2017)

4. Oktober 2018 at 23:24

 

 

© A24/Quelle: IMDb

 

 

 

You can’t trust anyone but family.“

 

 

 

Ein rätselhaftes Virus scheint die Welt ins Chaos zu stürzen. Paul hat sich mit seiner Frau Sarah und dem gemeinsamen Sohn Travis tief in die Wälder in ein abgelegenes Haus zurückgezogen. Es gibt feste Regeln, welche das Überleben sichern sollen. Als eines Nachts ein Fremder versucht dort einzubrechen, wird er von Paul zwar überwältigt, er entpuppt sich jedoch ebenfalls als Familienvater mit Frau und kleinem Sohn. Sie beschließen, die drei zu ihnen ins Haus zu holen, und anfangs scheinen sie auch harmonisch miteinander leben zu können. Doch allerletzte Zweifel vergiften immer wieder den Alltag.

 

Schon mit seinem Regiedebüt Krisha (2015) wusste Trey Edward Shults Eindruck zu hinterlassen und vermag nun mit It Comes at Night in Geheimtipp-Kreise vorzustoßen. Leider muss man festhalten, dass der Film ein klassischer Fall von fehlgeleiteter Vermarktung ist, wurde er doch lauthals als Horrorfilm angepriesen und konnte so nur bei weiten Teilen des Publikums scheitern, denn Shults zielt weit weniger auf den offensichtlich oberflächlichen Schrecken, sondern interessiert sich viel mehr für das Grauen, welches von innen kommt und in uns allen schlummert. Beinahe schon Kammerspiel-artig entfaltet It Comes at Night eine bedrückende Mischung aus Paranoia, Misstrauen, Zwietracht und Angst und Shults bedient sich hier für einer streng reduzierten Art der Inszenierung. In ruhigen und klaren Bildern schildert er nach und nach den Zusammenbruch eines ohnehin schon äußerst fragilen sozialen Gefüges, welches zwar notdürftig funktioniert, aber immer auf der Kippe steht. Gemeinsame Rituale sind letztlich auch kaum mehr als der verzweifelte Versuch den letzten Rest an Normalität und damit auch Menschlichkeit zu bewahren, doch die allgegenwärtige Bedrohung lässt sich nicht dauerhaft ausblenden und so sickern immer wieder Misstrauen und Zwietracht durch die Risse vermeintlicher Harmonie.

 

Auf der inszenatorischen Ebene ist It Comes at Night ruhig gehalten, aber durchaus hübsch verdichtet und packend. Shults geht hier sehr zielstrebig und fokussiert zur Sache und offenbart ein erstaunliches Selbstbewusstsein. Stetig zieht er die Spannungskurve an, erlaubt sich keinen Leerlauf und lässt alle Konflikte in einem konsequent gegen erzählerische Konventionen gebürsteten und erschütternden Finale den annähernd perfekten Schlusspunkt finden. It Comes at Night ist ganz bewusst kein Horrorfilm voller oberflächlicher Schockmomente, sondern eher eine zwar leise, geradezu intime, aber dennoch enorm spannende Auseinandersetzung mit Paranoia und Angst und spielt mit zutiefst menschlichen Urängsten.

 

7,5 von 10 Feuerbestattungen im Wald

 

 

Bright (2017)

31. Dezember 2017 at 19:52

 

 

© Netflix

 

 

 

Der menschliche Cop Daryl Ward schiebt zusammen mit dem Ork Nick Jacoby auf den Straßen von Los Angeles Streifendienst. Als sie eines Nachts bei einem scheinbaren Routineeinsatz auf eine mächtige magische Waffe stoßen, die ihre Welt für immer verändern könnte, finden sie sich schon bald gejagt von einigen Elfen, die nichts unversucht lassen um an eben jene Waffe zu gelangen. Den beiden ungleichen Polizisten steht eine lange und ereignisreiche Nacht bevor.

 

Gleich vorweg: ja, Bright ist in vielerlei Hinsicht wirklich nicht sonderlich gelungen und wahrlich kein guter Film, aber die nach den vielen wirklich schlechten Kritiken und Verrisse zu erwartende Katastrophe blieb in meinen Augen aus. Das also kommt dabei raus, wenn Netflix 90 Mio. Dollar in die Hand nimmt, dem Kino Konkurrenz machen möchte und Max Landis für das Drehbuch und David Ayer für die Regie verpflichtet: ein relativ generischer Misch Masch aus hartem Copthriller und Shadow Run-artiger Fantasy-Action mit einem Spritzer Spacecop L.A. Eine irgendwie recht unglücklich geratene Kombination zweier sehr unterschiedlicher Genre, welche der Film zu einem faden wie oberflächlichen Hybriden versucht zu verschmelzen und dabei überwiegend scheitert, wenn sich Bright weder auf der Ebene des Drehbuchs noch auf der Ebene der Regie für das Potential seiner Welt ernsthaft interessiert. Letztlich ist Bright bei näherer Betrachtung trotz einiger zumindest auf dem Papier durchaus interessanten Ideen kaum mehr als eine weitere Variation altbekannter Motive aus dem Schaffen von David Ayer: Training Day, SWAT, Harsh Times, Street Kings, End of Watch, Sabotage – inklusive einiger recht bedenklicher Ansichten seitens Ayer und nun verquirlt mit reichlich Fantasy-Elementen. Gesellschaftlich aktuell relevante Themen wie Rassismus, Segregation und korrupte Polizeigewalt werden zwar immer wieder aufgegriffen, verkommen allerdings nicht selten zum genauen Gegenteil dessen, was der Film reichlich plakativ versucht zu sagen, wenn Motive dermaßen plump dargestellt werden, dass sie doch wieder nur stigmatisieren.

 

Grundsätzlich birgt die Prämisse von Bright durchaus ein gewisses Potential und vielleicht würde sich die dort etablierte Fantasy-Welt voller Orks, Elfen, Feen, Drachen und Magie auch für eine Serie eignen. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass mir der Film diese Welt auch etwas näher bringt anstatt mich ins kalte Wasser zu werfen. Stattdessen schert sich Bright herzlich wenig um das Wie und das Warum seiner Welt, wird sie doch als dermaßen selbstverständlich aufgebaut ohne auch nur ansatzweise Erklärungen anzubieten, so dass mir oft der Zugang verwehrt bleibt. Bright hat sie ja durchaus, die guten Ideen und Ansätze, und hätte etwas Neues erschaffen können, scheitert aber letztlich an seiner Inszenierung. Nicht das Konzept von Max Landis ist das Problem, sondern dessen Ausarbeitung und die Regie von David Ayer. Letztlich geht die gewagte Kombination aus hartem Crime-Thriller im Stile von End of Watch oder Street Kings und Herr der Ringe-artiger und an Shadow Run erinnernder Fantasy nur bedingt auf und krankt vor allem daran, dass sich der Film irgendwie nicht so richtig für seine Welt interessiert und das zweifellos vorhandene Potential allenfalls oberflächlich ausschöpft. Kurz bevor Bright im Dezember bei Netflix an den Start ging wurde bereits bekannt gegeben, dass man eine Fortsetzung bestellt hat und ein Franchise rund um den Film aufbauen will. Interessiert bin ich daran schon, denn ich mag die Idee dahinter sehr, auch wenn ich dem vielleicht nicht entgegenfiebern werde.

 

6 von 10 Feen im Vogelhäuschen