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Out of the Furnace

25. September 2014 at 23:31
Out of the Furnace (2013)
Out of the Furnace poster Rating: 6.8/10 (52,307 votes)
Director: Scott Cooper
Writer: Brad Ingelsby, Scott Cooper
Stars: Woody Harrelson, Dendrie Taylor, Carl Ciarfalio, Nancy Mosser
Runtime: 116 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 06 Dec 2013
Plot: When Rodney Baze mysteriously disappears and law enforcement doesn't follow through fast enough, his older brother, Russell, takes matters into his own hands to find justice.

 

„You got a problem with me? – I got a problem with everybody.“

 

 

Wieder mal ein Film, der hier zu Lande kaum Beachtung fand. Ähnlich wie Killing Them Softly zeigt Out of the Furnace in düsteren, grimmigen und von allgegenwärtiger Verzweiflung geprägten Bildern ein Amerika jenseits der üblichen Darstellung, ein zerrissenes Amerika, getroffen und gezeichnet von Armut und Elend, schwer angeschlagen durch die Wirtschaftskrise. Hoffnung keimt hier immer nur für kurze Augenblicke auf, ist spärlich gesät und die Handlungen der Figuren sprechen deutlich dafür, dass sie sich und ihre Zukunft ohnehin längst aufgegeben haben. Ein Blick hinter die Kulissen und weit weg vom üblichen Hochglanzschleier Hollywoods.

 

Der Film ist viel mehr Drama als Thriller, eher eine Milieustudie, die erst zum Ende hin die Wandlung zu einem Rachethriller vollzieht. Er ist ganz bewusst langsam erzählt und nimmt sich viel Zeit für die Einführung und den Aufbau der Charaktere. Das Erzähltempo ist dem von Crazy Heart, dem Regiedebut von Scott Cooper, nicht unähnlich. Gemächlich, aber keineswegs langweilig. Heldenfiguren finden sich hier keine, Identifikationspotential hingegen stellenweise schon. Der Großteil des Films beschäftigt sich damit, die Dynamik der Baze-Brüder zu zeichnen. Der ältere Russel (Christian Bale), eben erst aus dem Gefängnis entlassen, wo er für einen folgenschweren Fehler büßen musste, versucht so verantwortungsbewusst zu handeln wie es die Umstände seiner Umwelt zulassen und sein aus den Fugen geratenes Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Der jüngere Rodney (Casey Affleck), Kriegsheimkehrer aus dem Irak, traumatisiert und desillusioniert von der Wirklichkeit in seiner Heimatstadt, ist aufmüpfig, rebellisch, leichtsinnig. Durch eine dumme und unbedachte Entscheidung von Rodney werden Ereignisse los getreten, die im Grunde gar nicht gut enden können, eine Spirale der Gewalt wird ausgelöst.

 

„Working for a living? I gave my life for this country and what’s it done for me? Huh? What’s it done for me?“

 

 

All das ist eingebettet in düstere Bilder, der Look und die Inszenierung sind trostlos, karg und deprimierend, alles wirkt sehr dreckig und schmutzig, viele Blaufilter werden verwendet und die Szenerie ist durchwoben von einer wirklich tollen Bildsprache. Ich fühlte mich oft an The Deer Hunter von Michael Cimino erinnert. Das Setting ist das gleiche, im rust belt der USA, eine ähnlich fürsorgliche Beziehung zwischen den männlichen Hauptfiguren, ja sogar die Landschaft mit Hirsch, durch welche Russell einmal mit dem Gewehr streift, das Jagdmotiv… die Ähnlichkeiten lassen sich kaum leugnen.
Endlich darf Christian Bale mal wieder zeigen, was er wirklich kann, ganz ohne blendende Accessoires, ohne Gimmicks oder Effekte, ohne Maske mit Fledermausohren oder ohne Schmerbauch wie zuletzt in American Hustle. Allein durch seine Mimik und sein hervorragendes Schauspiel bringt er Wut und Verzweiflung sehr überzeugend zum Ausdruck, facettenreich und voller Nuancen. Woody Harrelson ist, wieder einmal, fantastisch. Er spielt seine Figur beängstigend glaubwürdig und entwickelt eine enorm bedrohliche Präsenz, ohne körperlich groß in Erscheinung zu treten. Das hat er auch gar nicht nötig, muss er doch nur einen Raum betreten und verächtlich ausspucken, schon wirkt er furchteinflößend. Auch die Nebenrollen sind mit Casey Affleck, Willem Dafoe, Forest Whitaker und Sam Shepard toll besetzt. Casey Affleck gefällt mir hier sogar etwas besser als in Gone Baby Gone, und da war er schon sehr gut und eindrucksvoll. Willem Dafoe ist so gut wie immer eine Bank und meiner Meinung nach ein sträflich unterschätzter Schauspieler, der viel zu oft nur Nebenrollen hat, dann aber auch gerne mal alle anderen an die Wand spielt. Seine Figur hier ist nicht ganz ohne Bedeutung, auch oder gerade weil sie irgendwie zwischen den Stühlen steht und beide Seiten nachvollziehen kann und kennt und auch zumindest eine Mitschuld am Verlauf der Geschichte mit sich trägt. Forest Whitaker gehört auch zu denjenigen, die ich eigentlich immer gerne in Filmen sehe und auch in Out of the Furnace macht er seine Sache gut, wenn auch seine Rolle wirklich nur sehr klein ausfällt. Schade, ein paar Minuten mehr screen time hätten sicher nicht geschadet. Und Sam Shepard, naja, Sam Shepard ist….fucking Sam Shepard. Der Mann wertet einfach jeden Film durch seine bloße Anwesenheit auf.

 

In der Inszenierung von Out of the Furnace drückt sich eine tiefe Enttäuschung aus, die Enttäuschung darüber, dass es einfach nicht mehr vorangehen will, auch in den Jahren der Obama-Regierung nicht vorangegangen ist und vielleicht auch nicht mehr vorangehen wird. Der Krieg draußen hat nie wirklich aufgehört, und er ist sogar nach Hause gekommen – als Kampf gegen den sozialen Abstieg. Ein wirkliches Kleinod von Film, welches leider so gut wie völlig unterging an den heimischen Kinokassen. Mir stellt sich abschließend nur die Frage (leider immer wieder und viel zu oft) wer um alles in der Welt auf diesen dämlichen deutschen Titel gekommen ist und warum…

Mud

24. September 2014 at 11:31
Mud (2012)
Mud poster Rating: 7.5/10 (93,735 votes)
Director: Jeff Nichols
Writer: Jeff Nichols
Stars: Matthew McConaughey, Reese Witherspoon, Tye Sheridan, Jacob Lofland
Runtime: 130 min
Rated: PG-13
Genre: Drama
Released: 10 May 2013
Plot: Two young boys encounter a fugitive and form a pact to help him evade the vigilantes that are on his trail and to reunite him with his true love.

 

 

„There are things you can get away with in this world and there are things you can´t.”

 

 

Bis vor einiger Zeit war ich nicht unbedingt das, was man als Mitglied des Matthew McConaughey-Fanclubs hätte bezeichnen können. Ich mochte seine Filme nicht, ich mochte ihn nicht. Zu glatt, zu schmierig, zu viel Müll, zu viele uninspirierte, seichte und seelenlose Komödien. Erst Killer Joe, den ich für maßlos unterschätzt halte, ließ mich aufhorchen. Seinen Auftritt in The Wolf of Wall Street fand ich, so kurz er war, grandios, spielt er hier doch DiCapario mühelos an die Wand. Mein Erweckungserlebnis hatte ich dann mit True Detective, einer Serie, die so herausragend in jeglicher Hinsicht ist,  dass sich sämtliche Diskussionen erübrigen angesichts der Größe dieses Meilensteins der Fernsehgeschichte. Danach folgte Der Mandant und auch hier konnte McConaughey auf der ganzen Linie überzeugen. Jetzt also Mud, ein Film, der hier zu Lande kaum Beachtung fand und auch mir beinahe durchgerutscht wäre, hätte mich nicht ein guter Freund auf ihn aufmerksam gemacht.

Regisseur Jeff Nichols ist hier ein verdammt guter Film gelungen. Ein wunderbares Coming of Age-Drama, warm und authentisch inszeniert. Ein Film über das Erwachsenwerden, über Freundschaft, über das Leben und die Liebe, den ersten Kuss. Aber auch ein Film über Heimat und Entwurzelung. Vor einer faszinierenden Südstaaten-Kulisse, die in wunderschönen Bildern festgehalten wird, erzählt der Film die Geschichte des vierzehnjährigen Ellis und seines Freundes Neckbone, die bei einem ihrer Ausflüge zu einer kleinen verlassenen Insel mitten im Mississippi auf den mysteriösen Mud treffen, der dort angeblich auf seine Freundin Juniper wartet. Dass der faszinierende Fremdling ein Mörder auf der Flucht ist, schreckt die beiden Jungen Ellis und Neckbone dann auch kaum ab. Die Abenteuerlust ist allemal größer als die Angst vor dem Unbekannten.

 

„There are fierce powers at work in the world, boys. Good, evil, poor luck, best luck. As men, we’ve got to take advantage where we can.”

 

 

Der Film beschwört einen Hauch der guten alten Zeit, irgendwo zwischen Stand By Me und Tom Sawyer. Der zwielichtige, braungebrannt-wirrhaarige Vagabund Mud ist dabei ein moderner Huckleberry Finn, der trotz aller charakterlichen Schwächen fast mythische Dimensionen erreicht. Die Figur bleibt die ganze Zeit über geheimnisvoll und verklärt, beinahe schon märchenhaft. McConaughey spielt hier ganz groß auf. Kontrollierte Bewegungen, sparsame Gesten und einige archetypische Westernposen genügen ihm, um dem Film seinen Stempel aufzudrücken. So gut McConaughey hier aber auch agiert, der damals sechzehnjährige Tye Sheridan in der Rolle des Ellis stiehlt ihm gnadenlos die Show. Der Junge, der bereits in Terence Malicks Tree of Life mitspielte, brilliert hier erneut in der Rolle des Heranwachsenden, als Kind auf der Schwelle zum Erwachsenen, dessen Welt zu zerbrechen droht. Bei seinen langsamen Gehversuchen in Richtung Erwachsensein erkennt man bereits deutlich den Mann im Kind – eine gelungene Spiegelung mit dem flüchtigen Mud, dem fremden Mann, in dem immer noch ein Kind steckt und der nie so recht erwachsen werden wollte. In diesem Spannungsfeld der beiden Hauptcharaktere, die sich zwar sehr anziehen, aber auch gänzlich verschieden sind, überzeugt der Film auf ganzer Linie. Ellis Freund Neckbone passt ebenfalls ganz hervorragend in diese Dreiecksgeschichte um Freundschaft und Vertrauen. Gespielt wir er von Jacob Loflund, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem jungen River Phoenix aufweist, womit wir wieder bei Stand By Me wären. Michael Shannon hat hier eine sehr kleine, aber äußerst gelungene Rolle, hatte er doch in Take Shelter, dem letzten Film von Jeff Nichols, noch die Hauptrolle. Von Shannon halte ich sehr viel, in Premium Rush, The Iceman und vor allem der Serie Boardwalk Empire wusste er immer zu glänzen. Über Man of Steel decken wir einfach den Mantel des Schweigens. Weiterhin gibt es noch den grandiosen Sam Shepard in einer nicht allzu großen, aber doch sehr wichtigen Nebenrolle zu sehen und Reese Witherspoon als undurchdringliche Juniper. Ihre Rolle ist auch nicht ganz klar, es bleibt ein Rätsel, was genau sie eigentlich will.

In der Summe stimmt bei Mud einfach alles. Atmosphärisch dicht wird eine zarte und anrührende Geschichte erzählt, die aber stets authentisch bleibt und nie ins Kitschige abrutscht. Herausragende schauspielerische Leistungen, die dezent verklärte und leicht mystische Story, das wunderschöne Südstaaten-Setting und ein nahezu perfekter Soundtrack ergeben ein Kleinod des Kinos, ein modernes Märchen, das leise daherkommt, dessen Wirkung aber umso größer ausfällt und das im Gedächtnis bleibt.

 

 

Hallo Welt!

23. September 2014 at 23:47

Puh! Das war nicht die leichteste (Kopf)Geburt. Blut, Schweiß und Tränen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich manchmal in die richtige Richtung geschubst werden muss. Oder getreten. Man könnte also sagen, ich muss hin und wieder zu meinem Glück gezwungen werden.

Und hier sind wir nun.

Wer ich bin? Naja, soviel gibt es da nicht zu erzählen. Das wichtigste: ich liebe Filme. In all ihren Spielarten, Ausprägungen und Stilblüten. Gut, vielleicht nicht alle, so aber doch die allermeisten. Manchmal sind sie einfach nur Berieselung, manchmal sehr viel mehr als das, ganz selten können sie uns tiefgreifende Dinge über uns erzählen. Fast immer sind sie für mich jedoch mehr als ein bloßer Zeitvertreib.

Ich liebe es, über Filme zu diskutieren, und ich liebe Filme, die zum Diskutieren anregen. Jahrgang 1980 und mit einem vierzehn Jahre älteren Bruder gesegnet (oder gestraft, wie man möchte, alles eine Frage der Perspektive), wurde ich Ende der 80er/Anfang der 90er vor dem Fernseher sozialisiert. Vorzugsweise mit Actionfilmen. Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger, die perfekten Babysitter. Außerdem schreibe ich gerne und indem ich über Filme schreibe, lassen sich beide Leidenschaften ganz hervorragend miteinander verbinden. Und ich habe ein Faible für Listen jeglicher Art, Listen über Filme, Schauspieler, Genrelisten, ja, sogar Listen über Listen. Aber das werdet ihr noch früh genug herausfinden.

An dieser Stelle möchte ich noch kurz jemandem danken, ohne dessen Rat und Tat dieses Projekt nie verwirklicht geworden wären. Danke, Dude.

Und natürlich danke ich auch all denjenigen, die mich immer wieder dazu ermutigt haben, diesen Schritt zu tun. Ich zähl auf euch, Leute!

Es soll hier nicht ausschließlich um Filme gehen, aber doch hauptsächlich, denn eben diese Liebe würde ich gerne mit euch teilen, ihr Filmverrückten da draußen, wo immer ihr seid. In regelmäßiger Unregelmäßigkeit. Darum sind wir hier. Und natürlich sind mir Kommentare, Anregungen und Kritik jederzeit willkommen.

Wollen wir doch mal herausfinden, wo das hinführt.

Ich freu mich drauf!