A Walk Among the Tombstones (2014)

13. November 2019 at 18:04

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

I do favors for people, and in return, they give me gifts. So, what can I do for you?“

 

 

 

Matt Scudder ist Ex-Cop, trockener Alkoholiker und Privatermittler ohne Lizenz. Als der Drogendealer Kenny Kristo ihn damit beauftragt, die Mörder seiner Frau zu finden, da wird ihm im Zuge seiner Recherchen schnell klar, dass sie keineswegs das einzige Opfer ist.

 

People are afraid of all the wrong things. Mit seiner erst zweiten Regiearbeit nach The Lookout (2007) verfilmt der eher als Drehbuchautor bekannte Scott Frank (Logan, Out of Sight, Get Shorty) einen Roman von Lawrence Block. A Walk Among the Tombstones ist geradlinig und schnörkellos in seiner Narrative, inhaltlich eher schlicht geraten und kommt gänzlich ohne überraschende Wendungen aus. Das erzählerische Tempo ist angenehm zurück genommen und erfrischend altmodisch. Einen weiteren Spät-Rache-Actioner im Stile eines 96 Hours sollte man also nicht erwarten, denn A Walk Among the Tombstones glänzt mehr durch eine dichte Atmosphäre und eine gelungene Ästhetik als durch Action und hektische Schnitte. Frank zeichnet eine graue, trostlose, kalte und schmutzige Welt ohne Hoffnung, zu der dann auch ganz hervorragend das Setting eines abseitigen New York jenseits allzu bekannter Plätze passt.

 

Die Figuren sind moralisch ambivalent und eine simple Unterteilung in Gut und Böse findet nicht statt. Strahlende Saubermänner kennt A Walk Among the Tombstones nicht und zerrt mitunter recht ordentlich am moralischen Kompass des Zuschauers. Liam Neeson verkörpert den gebrochenen Einzelkämpfer mit der genau richtigen Mischung aus Melancholie und Würde irgendwo zwischen Verletzlichkeit und Entschlossenheit. Auch der Rest vom Cast rund um David Harbour, Boyd Holbrook und Dan Stevens kann sich sehen lassen. Das Hard Boiled/Neo Noir – Krimidrama mag seinem Genre vielleicht nichts Neues hinzuzufügen, doch die einnehmende Stilistik, die dichte Atmosphäre, das zurückgenommene erzählerische Tempo und ein schneidend spannendes Finale heben A Walk Among the Tombstones ordentlich über Durchschnitt. Erst in der allerletzten Szene vermag die Sonne die graue Wolkendecke zu durchbrechen. Hoffnung? Vielleicht. Wer weiß. Black Hole Sun…

 

7 von 10 sauber verpackten Leichenteilen

 

 

In the Shadow of the Moon (2019)

9. Oktober 2019 at 18:26

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Der Polizist Thomas Lockhart ist Teil der Ermittlungen an einer obskuren Mordserie, welche 1988 Philadelphia erschüttert, jedoch ebenso abrupt endet wie sie begonnen hat. Genau neun Jahre später ist Lockhart inzwischen Detective, als Morde begangen werden, die denen von 1988 verblüffend ähneln.

 

In the Shadow of the Moon von Regisseur Jim Mickle (Stake Land, We Are What We Are, Cold in July) ist einer dieser kleinen bis mittelgroßen Filme, welche es heutzutage kaum noch ins Kino schaffen. Früher wäre er vielleicht direkt in den Videotheken gelandet, heute darf Netflix diese Funktion erfüllen. Doch auch, wenn In the Shadow of the Moon für die große Leinwand etwas zu klein zu sein scheint, so macht ihn das noch lange nicht zu einem schlechten Film. So liefert Mickle einen letztlich soliden Sci-Fi/Mystery/Cime-Thriller mit starkem Beginn, der zur Hälfte allerdings etwas abflacht und an Schwung verliert, nur um in seinem vielleicht etwas plump geratenem Schlusspunkt mehr zu erklären als es eigentlich nötig wäre.

 

Der Zeitreise-Plot verläuft vielleicht nicht immer ganz logisch und konsequent, bleibt aber trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit immerhin stimmungsvoll. Visuell ist das alles durchaus sehenswert und besonders das Design der unterschiedlichen Zeitabschnitte weiß zu überzeugen. Das erzählerische Tempo zieht nur punktuell an und In the Shadow of the Moon ist über weite Strecken eher ein ruhiger Film. Auf der darstellerischen Ebene macht Boyd Holbrook (Narcos, Logan, Predator: Upgrade) seine Sache gut als über die Jahrzehnte hinweg immer manischer werdender Cop, der geradezu besessen ist von dieser mysteriösen Mordserie, immerzu im Zwiespalt zwischen Familie und Job. Michael C. Hall (Dexter, Six Feet Under) hingegen wirkt seltsam verschenkt, wenn mit seiner Figur relativ wenig angestellt wird. So bleibt unterm Strich ein Film mit interessanter Grundidee und starkem Beginn, der jedoch zu wenig daraus macht, und dem zum Ende hin ein wenig die Luft ausgeht.

 

6 von 10 rätselhaften Wunden im Nacken

 

 

The Predator (2018)

23. Januar 2019 at 0:09

 

 

 

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

Nach seiner unfreiwilligen Begegnung mit einem Yautja in Mexiko soll der Elitesoldat Quinn McKenna als einziger Überlebender seiner Einheit in eine Einrichtung für verhaltensauffällige Veteranen gebracht werden. Der Vorfall soll vertuscht werden, denn die Regierung weiß schon längst von der Existenz der kriegerischen Alienrasse und ist sogar in Besitz eines lebenden Exemplares, doch als dem gefangenen Außerirdischen die Flucht gelingt, da befindet sich McKenna mit einigen anderen Veteranen plötzlich in der Schusslinie.

 

Braucht man den neuen Film von Regisseur Shane Black? Vermutlich eher nicht. Erweitert The Predator sinnvoll sein filmisches Universum? Definitiv nicht. Habe ich das erwartet? Auf keinen Fall. Erwartungen sind Belastungen. Und so hatte ich auf eine sehr spezielle Art und Weise durchaus meinen Spaß mit diesem kruden und aus der Zeit gefallenen Machwerk irgendwo zwischen markiger 80er Reminiszenz und modernem Blockbuster. Dabei ist The Predator nicht einmal ein sonderlich guter Film, zu sehr ist seine Erzählstruktur zerrissen und holprig, zu sehr schwankt der Plot immer wieder zwischen unterschiedlichsten Motiven, so dass sich das Endprodukt seltsam unfertig und zerfasert anfühlt. Chaotisch wirkt das bunte Treiben, unausgegoren und sprunghaft, wurde The Predator doch mehrfach umgeschnitten und immer wieder in andere Richtungen gestoßen. Das spürt man deutlich und wird dem Skript wohl auch zum größten Verhängnis, welches sich wie für den Regisseur und dessen Co-Writer Fred Dekker (Night of the Creeps, Monster Squad) nicht unüblich gleichsam aus explosiver Action und selbst für Blacks Maßstäbe schamloser Ketten aus Gags und Sprüchen jenseits der Gürtellinie und des guten Geschmacks zusammensetzt.

 

Als ernsthaftes Stück Genrekino ganz in der Tradition der ersten beiden Filme von McTiernan und Hopkins darf das alles natürlich nicht verstanden werden, sondern viel eher als herzhaft deftiger wie kurzweiliger und vor allem grobschlächtiger Spaß, der seine R-Rating-Effekte im späteren Verlauf genüsslich zelebrieren will, und dem ich aufgrund seiner breitbeinig ausgestellten Infantilität kaum wirklich böse sein könnte. Ja, The Predator ist kein guter Film, hat zahllose Schwächen und Probleme auf beinahe allen Ebenen und doch wirkt er dadurch – selbstverständlich unfreiwillig und vollkommen ohne Absicht – weit weniger formelhaft als so manch anderer Actionfilm unserer Zeit. Irgendwie liegt in all dem heillosen Chaos und Durcheinander ein ganz merkwürdiger und überaus eigenwilliger Charme, dem ich erlegen bin.

 

6 von 10 vom Fleisch befreite Wirbelsäulen

 

 

Morgan (Das Morgan Projekt)

17. Juli 2017 at 12:21

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„Do you know the cruelest thing you can do to someone you’ve locked in a room? Press their face to the window.“

 

 

 

Mit Hilfe von Nanotechnologie kombiniert mit menschlichem Genmaterial erschaffen Wissenschaftler ein künstliches Wesen namens Morgan. Als es zu einem blutigen Zwischenfall kommt, wird die Risikomanagerin Lee Weathers damit betraut, sich einen Überblick zu verschaffen und eine Empfehlung über den Fortbestand des Projektes abzugeben. Doch als es während der psychologischen Analyse von Morgan durch einen hinzugezogenen Experten erneut zu Blutvergießen kommt, eskaliert die Situation vollends und die künstlich erschaffene Kreatur kann sich befreien.

 

Luke Scott liefert nach Arbeiten für die Second Unit bei Exodus:Gods and Kings und Der Marsianer und einigen Kurzfilmen für das Prometheus/Alien: Covenant-Universum für seinen Vater Ridley Scott nun mit Morgan seinen ersten Langfilm. Und eines muss man zweifellos anerkennen: das Auge seines Vaters hat er scheinbar geerbt, ist Morgan über weite Strecken doch hübsch anzusehen und weiß visuell zu überzeugen. Wenn er dazu auch die inhaltliche Ebene ähnlich gut im Griff haben würde, dann hätte aus seinem Regiedebüt ein richtig guter Film werden können. Da das leider nicht der Fall ist, bleibt Morgan zwar ein interessanter Beginn, welcher zumindest im Ansatz ganz ähnliche philosophische und moralische Dilemmata thematisiert, wie sie zuletzt auch Alex Garland mit seinem kammerspielartigem Science Fiction-Drama Ex Machina verarbeitet hat. Doch erreicht dieses durchaus komplexe Thema seinen vorerst dramatischen Höhepunkt in Form der psychologischen Analyse von Morgan, dann kippt der Film in seiner Stimmung, es kommt zu einem relativ harten tonalen Bruch und bereits etablierte Motive verlieren plötzlich zu Gunsten von Action angereichert mit Horrorelementen an Bedeutung, so dass Morgans künstliche Herkunft, ihre Intelligenz und die damit implizierten Fragen fortan keine Rolle mehr spielen. Das ist zwar ein wenig schade, könnte ich jedoch problemlos verschmerzen, wenn die daran folgende Action nicht schrecklich herkömmlich und gewöhnlich ausfallen würde wie direkt vom Reißbrett. Auch die Handlung bleibt beinahe immer vorhersehbar und verlässt nur ausgesprochen selten seit Jahrzehnten ausgetretene Genrepfade, ja, sogar den Twist am Ende kann man durchaus vorher kommen sehen. Zudem werde ich das Gefühl nicht los, dass Morgan nicht zu seiner eigentlichen Herkunft als B-Movie so wirklich stehen will oder kann, obwohl der Plot an sich doch eben ein solcher Stoff durch und durch ist. Ein Film wie Species beispielsweise ist mir da um einiges sympathischer, weil er seine Herkunft nicht verleugnet und vollkommen dazu steht, was er ist und auch gar nicht versucht mehr zu sein, wohl wissend, das nicht leisten zu können. Ein B-Movie durch und durch, was ja auch überhaupt nichts schlimmes ist, ganz im Gegenteil. Morgan hingegen versucht sich ein wenig größer zu machen, als sein Plot letztlich ist, bleibt dabei aber zumindest durchweg unterhaltsam.

 

Somit formuliert Morgan anfangs zwar eine durchaus interessante und moralisch ambivalente Fragestellung, wirft diese jedoch recht zügig zu Gunsten von Action und Horror über Bord. Es bleibt eine hübsch anzusehende, geradlinig inszenierte Action-Horror-Variante von bereits bekannten Motiven, die kaum eigenständige Idee zu entwickeln vermag und immer vorhersehbar bleibt. Unterhaltsam ist das zwar, vielmehr aber auch nicht, denn inhaltlich ist da noch deutlich Luft nach oben. Eine gelungene Arbeitsprobe für Regisseur Luke Scott ist das aber allemal.

 

6 von 10 toughen Risikomanagerinnen