The Lookout (2007)

14. November 2019 at 19:10

 

 

© Buena Vista Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Whoever has the money has the power.“

 

 

 

Ein schwerer Autounfall wirft den jungen Chris Pratt enorm in seinem Leben zurück. Der einstige Hockey-Star der Highschool muss sich nun seinen gesamten Tagesablauf aufschreiben um nichts zu vergessen und zu mehr als einem abendlichen Putzjob in einer Bank reicht es nicht. Als er jedoch den zwielichtigen Gary Spargo kennenlernt und dieser mit einem gewagten Plan an ihn herantritt, da muss Chris eine Entscheidung treffen.

 

Start at the end. Chris Pratt hat eine rosige Zukunft vor sich, als er in einem Anflug von Leichtsinn und Selbstüberschätzung einen folgenschweren Fehler begeht. Ein Fehler, der nicht nur sein Leben für immer verändern wird. Wie Regisseur Scott Frank nach dem Auftakt erst einmal das Tempo raus nimmt und mehrere Gänge zurückschaltet, so sehr wandelt sich auch das Leben von Chris vom Eishockey-Starspieler der Highschool und Mädchenschwarm hin zum sozial isolierten Außenseiter mit neurologischer Störung. Standstreifen statt Überholspur. The Lookout lässt sich Zeit und bringt dem geneigten Zuschauer seinen Protagonisten sachte und bedacht nahe, macht ihn vertraut mit seinem Schmerz, seiner Zerrissenheit, seiner Verlorenheit, seinen Schuldgefühlen.

 

Lange Zeit ist The Lookout von einer ruhigen Melancholie durchzogen, ist langsam und leise erzählt, und erst nach und nach beginnt der Thriller-Plot in das Drama einzudringen und steigert spürbar das Tempo. Der Plot selbst strotzt vielleicht nicht unbedingt vor Originalität, ist jedoch handwerklich sauber ausgeführt und ausgesprochen nuanciert in Szene gesetzt. Tonal ist das alles kalt und trist und fängt hervorragend diese seltsam leere und öde Mittlerer Westen/Kleinstadt-Atmosphäre ein. Dazu passen die schlichten wie stimmigen Bilder von Kameramann Alar Kivilo, die in ihrer kargen Schroffheit vielleicht nicht an Fargo (1996), wohl aber an den ebenfalls von ihm gefilmten A Simple Plan (1998) erinnern. Auf der darstellerischen Ebene ist vor allem Joseph Gordon-Levitt (Looper, Inception, Brick) als Chris hervorzuheben, der dessen zerrissene Seele mit wenigen Mitteln glaubhaft und aufrichtig zu spielen vermag, doch auch Jeff Daniels (Looper, The Martian, Steve Jobs) als sein blinder Mitbewohner Lewis liefert vor allem deshalb eine starke Performance ab, weil es ihm gelingt glaubwürdig einen Blinden zu mimen.

 

Das alles zusammen ergibt unter dem Strich einen zurückgenommenen, unterkühlten und vor allem sehenswerten Neo Noir, der sich ein wenig zu sehr unter dem Radar bewegt und ruhig etwas bekannter sein dürfte. Verdient hätte er es.

 

7,5 von 10 leuchtenden Glühwürmchen bei Nacht

 

 

Der Marsianer

17. Januar 2016 at 16:57

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„In the face of overwhelming odds, I’m left with only one option, I’m gonna have to science the shit out of this.“

 

 

 

Mark Watney ist als Botaniker und Ingenieur Mitglied der Ares-III-Mission auf dem Mars. Als ein gewaltiger Sandsturm die sechsköpfige Crew aus Astronauten unterschiedlichster Nationalitäten zum Rückzug zwingt, wird Watney von umherfliegenden Trümmerstücken getroffen und von der Gruppe getrennt. In der Annahme, ihr Kollege sei tot, tritt die Ares-III dem Heimweg an ohne zu ahnen, dass Watney noch lebt. Allein und in dem Wissen, dass er mindestens vier Jahre ausharren muss, bis Ares-IV auf dem Mars landen soll, muss er sich auf seinen Einfallsreichtum und seine wissenschaftlichen Fähigkeiten besinnen…

 

Große Hollywood-Produktionen und der Mars, das war bisher keine besonders ertragreiche Kombination, waren doch Filme wie Red Planet, Mission to Mars oder John Carter nicht nur kolossale Flops an den Kinokassen, sondern auch einfach nicht wirklich gut umgesetzt oder gar katastrophale Reinfälle. Ridley Scott wagt sich allerdings dennoch erneut an dieses Thema und verfilmt den gleichnamigen Bestseller-Roman von Andy Weir trotz einer eventuellen thematischen Übersättigung durch Filme wie Gravity und Interstellar. Scott überrascht dann allerdings zunächst einmal durch eine erstaunlich lockere und unbeschwerte, stellenweise gar witzige Erzählweise, wodurch sich Der Marsianer angenehm von der Konkurrenz abhebt, die tonal oftmals deutlich dunkler ausfällt. Der Schwerpunkt der Geschichte liegt nicht nur einzig und allein auf dem Überlebenskampf des Mark Watney, sondern versteht sich eben auch als das Portrait eines Mannes, dessen Wille zum Überleben trotz geringer Chancen ungebrochen ist, eines Mannes, der den sicheren Tod vor Augen hat und trotzdem nicht aufgibt. Tag für Tag stellt er sich allen möglichen Problemen, großen und kleinen, nebensächlichen und existenzbedrohenden, und löst eines nach dem anderen, Schritt für Schritt, besonnen und überlegt. Aufzugeben und sich seinem Schicksal zu fügen ist für Watney nie eine Option und so wird Der Marsianer auch zu einem Plädoyer dafür, wozu der menschliche Geist fähig sein kann, wenn er nicht der Verzweiflung nachgibt, zielgerichtet voran geht und niemals aufgibt.

 

 

 

„I don’t want to come off as arrogant here, but I’m the greatest botanist on this planet.“

 

 

 

Ridley Scott bedient sich zwar vollkommen konventioneller Erzählmuster und innovative Elemente sucht man in Der Marsianer vergeblich, aber obwohl er in diesem Punkt absolut auf Nummer sicher geht, ist sein Film dennoch durchaus spannend erzählt und dynamisch genug inszeniert, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Das liegt zum größten Teil auch an dem für diese Form eines Katastrophenszenarios doch eher ungewöhnlich hohen Anteil an Humor, der überwiegend durch Watney´s Sarkasmus zum Vorschein kommt. Die Zwiegespräche mit sich selbst, aufgezeichnet in einer Art Videotagebuch, setzen oft wirklich witzige Highlights und geben Matt Damon zusätzlich noch die erzählerisch durchaus clevere Möglichkeit, seine Monologe auch gezielt an den Zuschauer zu richten, ohne diesen bewusst anzusprechen. Überhaupt wäre Der Marsianer ohne Matt Damon kaum denkbar und das ganze Konstrukt steht und fällt mit seiner schauspielerischen Leistung, denn er transportiert nahezu perfekt den Galgenhumor, den sich Watney als Schutzmechanismus angeeignet hat. Leider kann selbst Damon das große Manko in der Charakterzeichnung nicht ausgleichen, denn irgendwie will es Ridley Scott nicht so recht gelingen, den Zuschauer auch auf der Gefühlsebene mit ins Boot zu holen. Watney ist smart und witzig, keine Frage, und es ist immer faszinierend anzusehen, wie er Problem um Problem löst, aber darüber hinaus ist da recht wenig, das seinen Charakter umschreibt und wirklich emotional involviert ist man beinahe nie. Weil das Drehbuch von Drew Goddard seine Hauptfigur nur so unzureichend entwickelt, ist einem sein Schicksal seltsam egal, man fiebert nicht wirklich mit Watney und seinem Kampf ums Überleben in dieser so feindlichen Umgebung mit. Auch erfährt man so gut wie nichts über diesen Mann, er bleibt seltsam schwammig umschrieben und ist nicht wirklich greifbar. In diesem Kontext hätte dem Film auch ein wenig Verzweiflung gut zu Gesicht gestanden, denn auch diese sucht man vergeblich. Dadurch mangelt es an einer unmittelbaren, ganz konkreten Gefahr, die es zur Identifikation definitiv gebraucht hätte statt der allgegenwärtigen abstrakt intellektuellen Bedrohung. Ein im Grunde fataler und kaum zu verzeihender Fehler für einen Film dieser Art und Ausrichtung. Zudem ist der Der Marsianer nicht frei von teils unnötigen Längen, auch weil sich auf der erzählerischen Ebene gerade im Mittelteil einiges wiederholt und sich mit zunehmender Laufzeit abzunutzen beginnt.

 

Sicherlich ist Der Marsianer alles andere als frei von Fehlern, aber kurzweilig und unterhaltsam ist er durchaus geraten. Der angenehm überraschende und effektiv umgesetzte Humor, der den ganzen Film durchwebt, gleicht erzählerische Mängel wieder aus und es ist ungemein sympathisch, dass der Film im Grunde auch gar nichts anderes will als unterhalten und daraus überhaupt keinen Hehl macht. Zuweilen etwas zu lang geraten und nicht immer sauber inszeniert, zeichnet sich Der Marsianer dennoch durch 144 unterhaltsame Minuten aus. Wissenschaft kann eben doch Spaß machen.

 

7 von 10 auf dem Mars angebauten Kartoffeln

 

 

Arachnophobia

25. August 2015 at 13:25

 

 

 

Arachnophobia (1990)
Arachnophobia poster Rating: 6.3/10 (46449 votes)
Director: Frank Marshall
Writer: Don Jakoby (story), Al Williams (story), Don Jakoby (screenplay), Wesley Strick (screenplay)
Stars: Jeff Daniels, Harley Jane Kozak, John Goodman, Julian Sands
Runtime: 103 min
Rated: PG-13
Genre: Comedy, Horror, Sci-Fi
Released: 18 Jul 1990
Plot: A species of South American killer spider hitches a lift to the U.S. in a coffin and starts to breed and kill.

 

 

 

„The itsy-bitsy spider crawled up the water spout; down came the rain and washed the spider out.”

 

 

 

Der Arzt Dr. Ross Jennings zieht mit seiner Familie in das beschauliche Kleinstadtnest Canaima in Kalifornien, um die hiesige Praxis zu übernehmen. Noch hat er nicht die geringste Ahnung, dass eine sehr seltene und tödliche Spinnenart aus dem venezolanischen Dschungel über Umwege einwandern und sich ausgerechnet in seiner Scheune einnisten konnte. Dort paart sie sich mit den heimischen Spinnen und bringt eine neue, noch gefährlichere Hybridspezies hervor, die sich zusehends ausbreitet. Schnell steigt in der Kleinstadt die Anzahl ungeklärter Todesfälle und bevor die Wurzel allen Übels tatsächlich ausgemacht werden kann, gerät sogar Dr. Jennings kurzzeitig unter Verdacht. Trotz seiner ausgeprägten Arachnophobie muss er den Kampf gegen die krabbelnden Eindringlinge aufnehmen….

 

Arachnophobia ist, der Name verrät es vielleicht schon, der ideale Film für Menschen, die Probleme mit den kleinen, achtbeinigen Krabblern haben. Aber auch diejenigen unter euch, bei denen das nicht der Fall ist, kommen hier voll auf ihre Kosten. Perfekt für Arachnophobiker und solche, die es werden wollen. Gänsehaut garantiert, wenn das große Krabbeln erst einmal losgeht. Regisseur Frank Marshall hat mit Arachnophobia sowas wie einen kleinen Klassiker des Tierhorrors geschaffen, der sich erfrischender Weise selbst nicht allzu ernst nimmt. Zusammen mit Steven Spielberg als ausführender Produzent, der im Hintergrund die Fäden zieht, und mit dem nötigen Fingerspitzengefühl ausgestattet, kredenzt uns Marshall schrecklich schöne Unterhaltung in Bestform, genau die richtige Mischung aus schräger Kleinstadtkomödie und fiesem Tierhorror. Gänzlich ohne die heute so üblichen und meist plumpen Schockeffekte und mit viel Liebe zum Detail inszeniert, spielt diese ausgesprochen unterhaltsame und kurzweilige Schauermär geschickt und effektiv mit unseren tiefsten Urängsten und schlimmsten Befürchtungen. So sind es dann bei weitem nicht nur die Spinnen, denen hier der Kampf angesagt wird, sondern vielmehr auch der Angst selbst, an welcher der Protagonist Dr. Jennings im Film ja auch leidet. Konfrontationstherapie, wenn man so will.

 

 

 

„And when that happens, this town is dead… and the next town… and the next town… and the next one, and so on.”

 

 

 

Der Schlüssel zum Erfolg ist dann auch eben jene Liebe zum Detail, seien es nun die Spinnen selbst oder die herrlich schrulligen Charaktere, alles ist enorm liebevoll und präzise ausgearbeitet. Es fängt schon damit an, dass die Spinnen bis auf ganz wenige Ausnahmen im Finale und das Exemplar, das zertreten wird (irrtümlicherweise wird oft angenommen, diese Szene sei echt, ist sie aber keineswegs, bei den Dreharbeiten kamen keine Spinnen zu Schaden), allesamt echt sind. Die im Film verwendeten Tiere sind Avondale-Spinnen (Delena cancerides, falls es wen interessiert), eine harmlose Art, die hauptsächlich in Australien und zum Teil auch in Neuseeland vorkommt. Echte Spinnen für den Dreh zu verwenden ist ungemein zuträglich für die ganze Atmosphäre des Films. Heute kämen die Heerscharen dieser achtbeinigen Armee einfach aus dem Rechner, CGI-Spinnen an jeder Ecke, und ich bin mir sicher, dass das nicht einmal ansatzweise so gut funktionieren würde. So ist der Schrecken aber deutlich realer, geradezu greifbar, und ab der Mitte des Films sind sie dann ja auch überall… Spinnen unter Decken, Spinnen in Hosenbeinen, Spinnen in Hausschuhen, Spinnen im Lampenschirm, Spinnen unter der Dusche, Spinnen in der Toilette, Spinnen im Popcorn, Spinnen in Körperöffnungen… man ist einfach nirgendwo mehr sicher vor den kleinen Eindringlingen, egal, ob sie einzeln und in Großaufnahme auftreten oder als kleine Armee, Schrecken verbreiten sie überall.

 

Arachnophobia ist ein rundum gelungener und ausgesprochen unterhaltsamer Horrortrip, gepflegter handgemachter Grusel statt aus der Konserve, erfrischend altmodisch und ohne billige Schockeffekte. Atmosphärisch dicht, aber locker inszeniert, lädt der Film auch immer wieder zum Schmunzeln ein und bietet die nahezu perfekte Balance aus Humor, Spannung und toller Effektarbeit. Die herrlich skurrilen Charaktere mit ihren Kleinstadtmarotten und glänzend aufgelegte Schauspieler wie Jeff Daniels, John Goodman und Julian Sands, die sichtlich Spaß bei den Dreharbeiten hatten, machen dieses Kleinod des Gänsehautkinos letztlich nahezu perfekt. Wer diesem kurzweiligen Spaß bisher nicht ins Netz gegangen ist…. nur zu, wenn ihr euch traut….

 

8 von 10 Spinnen im Popcorn