Robocop

5. November 2014 at 21:07
RoboCop (2014)
RoboCop poster Rating: 6.3/10 (129,937 votes)
Director: José Padilha
Writer: Joshua Zetumer, Edward Neumeier, Michael Miner, Edward Neumeier, Michael Miner
Stars: Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Abbie Cornish
Runtime: 117 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 12 Feb 2014
Plot: In 2028 Detroit, when Alex Murphy - a loving husband, father and good cop - is critically injured in the line of duty, the multinational conglomerate OmniCorp sees their chance for a part-man, part-robot police officer.

 

 

 

„America is now and always will be the greatest country on the face of the Earth!”

 

 

 

Wenn wir über das Remake von Robocop sprechen wollen, dann müssen wir uns auch noch mal kurz mit dem Original von Paul Verhoeven aus dem Jahr 1987 beschäftigen. Ich kann das Remake nicht losgelöst vom Original betrachten, schließlich gäbe es das eine nicht ohne das andere.

 

Verhoevens Robocop ist ein Klassiker des 80er Jahre Actionkinos, düster und grimmig, brutal und unglaublich zynisch. Wie hier der Gesellschaft der Spiegel vorgehalten wird, das sucht seinesgleichen. Hinzu mischen sich eine geballte Mediensatire und eine deutliche Kritik am bestehenden politischen System sowie am menschlichen Konsumverhalten und wie Großkonzerne dieses bewusst nutzen und manipulieren. Die drastischen und vor allem übertriebenen, geradezu comichaften Gewaltdarstellungen sind in diesem Film ein Stilmittel von vielen, um beim Zuschauer Emotionen in Bezug auf das frankensteinartige Schicksal des Protagonisten zu erzeugen, sonst würde die bitterböse Gesellschaftskritik im Film nicht funktionieren. Diese, zugegeben provokante und polarisierende, Mischung aus Action, Gewalt und zynischer Satire hat Verhoeven einige Jahre später dann im fulminanten Starship Troopers nahezu perfekt auf die Spitze getrieben, ein Film, von dem ich hoffe, dass er nach Total Recall und Robocop nicht auch noch dem Remake-Wahnsinn Hollywoods zum Opfer fällt.

 

Das Remake und Hollywood-Debut des Regisseurs José Padilha, der bisher nur die beiden brasilianischen Filme Tropa de Elite und dessen Fortsetzung Tropa de Elite 2: O Inimigo Agora é Outro vorzuweisen hat, schlägt einen anderen Weg ein als der Robocop von 1987. Das Remake legt seinen Hauptaugenmerk eher auf den menschlichen Aspekt der Geschichte, auf das Schicksal des Protagonisten und auch auf das seiner Ehefrau und Kinder, mit all den emotionalen und moralischen Verstrickungen. Das funktioniert in der ersten Hälfte des Films erstaunlich gut und hat mich angenehm überrascht. Erst in der zweiten Filmhälfte wird der Anteil der Action zum Teil deutlich erhöht und der emotionale Faden geht nach und nach verloren. Hier liegt dann auch das Problem des Films, es ist unklar, wohin die Handlung jetzt eigentlich genau will. Rasante Actionszenen häufen sich, mal besser und mal schlechter umgesetzt, das Tempo wird deutlich erhöht und dass dann eher auf spektakuläre Aufnahmen und CGI und nicht mehr auf die menschlichen Faktoren Wert gelegt wird, lässt den Film dann eher zu einem unbedeutenden und seelenlosen Effektebrei verkommen, wie man ihn heutzutage permanent aufgetischt bekommt. Gute Ansätze für ein gelungenes Remake sind also durchaus vorhanden, werden aber leider nicht konsequent zu Ende gebracht.

 

Die kritischen Untertöne des Originals sind zwar auch hier vorhanden, vor allem der Mediensatire, hauptsächlich in der Gestalt von Samuel L. Jackson als schmieriger, polemischer und manipulativer Nachrichtenmoderator, wird hier viel Platz eingeräumt, auch Kritik am politischen und militärischen System sowie dessen Verbindungen zur Rüstungsindustrie wird thematisiert, aber all das wird leider sehr plump und offensichtlich mit dem Holzhammer präsentiert. Subversiv ist hier leider gar nichts mehr und so verpufft all die gutgemeinte Kritik dann letztlich doch nur im Effektspektakel.

 

 

„I wouldn’t buy that for a dollar.”

 

 

Sowohl Michael Keaton als erfolgsbesessener und gewissenloser Konzernchef als auch Gary Oldman als Wissenschaftler und Entwicklungschef von Robocop bleiben leider deutlich hinter den Erwartungen und ihren Fähigkeiten zurück. Das ist sicher nicht ihnen geschuldet, ihre Charaktere sind einfach zu eindimensional und klischeehaft gezeichnet und zu schwach ausgearbeitet, um wirklich überzeugen zu können. Auch der moralische Konflikt, dem Oldmans Figur sich im Verlaufe des Films ausgesetzt sieht (hier haben wir dann wieder die Frankensteinthematik des Originals), ist zu schwach umgesetzt und ihm wird kaum Raum zur Entfaltung gegeben. Das ist schade, denn hier werden zwei grandiose Schauspieler mehr oder weniger verheizt und können dem Film leider keine entscheidenden Impulse geben. Joel Kinnaman, der Darsteller des Alex Murphy/Robocop, bleibt unsäglich blass und enorm ausdruckslos. Er kommt dermaßen uncharismatisch daher, dass er seiner Figur keinerlei Gewicht geben und den Film auch überhaupt nicht tragen kann.

 

Am Ende bleibt ein Film, der mich etwas zwiegespalten zurück lässt. Die zugegeben interessanten, wenn auch im Vergleich zum Original anderen Wege, die das Remake einschlägt, funktionieren anfangs erstaunlich gut, gehen dann aber im CGI-Spektakel der zweiten Filmhälfte völlig verloren. Schade, dass das eigentliche Potential der zu Grunde liegenden Geschichte nicht konsequent genutzt wird. Besser als das unsägliche Remake von Total Recall ist Robocop aber allemal. Hoffen wir, das Starship Troopers vom aktuellen Remake-Wahnsinn verschont bleibt.

 

 

 

Edge of Tomorrow

14. Oktober 2014 at 23:24
Edge of Tomorrow (2014)
Edge of Tomorrow poster Rating: 8.1/10 (120,423 votes)
Director: Doug Liman
Writer: Christopher McQuarrie (screenplay), Jez Butterworth (screenplay), John-Henry Butterworth (screenplay), Hiroshi Sakurazaka (novel)
Stars: Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson, Bill Paxton
Runtime: 113 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Sci-Fi
Released: 06 Jun 2014
Plot: An officer finds himself caught in a time loop in a war with an alien race. His skills increase as he faces the same brutal combat scenarios, and his union with a Special Forces warrior gets him closer and closer to defeating the enemy.

 

 

 

„What I am about to tell you sounds crazy. But you have to listen to me. Your very lives depend on it. You see, this isn’t the first time.”

 

 

Was soll ich sagen? Innerlich hatte ich mich schon irgendwie ein bisschen auf einen Verriss eingestellt, zugegeben, nicht die ideale Herangehensweise an einen Film. Ursprünglich hatte ich den auch nur leihen wollen, aber als diverse Menschen, deren Meinung mir wichtig ist, nach der Sichtung des Films geradezu mit Bestnoten nur so um sich warfen, dachte ich mir, was solls, muss ja was dran sein, und bin losgezogen um ihn zu kaufen.

 

Live. Die. Repeat. Das trifft es ziemlich genau auf den Punkt. Edge of Tomorrow ist im Grunde …und täglich grüßt das Murmeltier im Science-Fiction/Action Gewand. Der Held der Geschichte erlebt den gleichen Tag immer und immer wieder. Filme mit einer Zeitreise-Thematik, in diesem Fall einer Zeitschleifen-Thematik, haben immer ihre ganz eigenen Probleme zu beherbergen, können sie doch ausgesprochen selten ihre innere Logik aufrecht erhalten. Das sollte man beim Betrachten solcher Filme zwangsläufig in Kauf nehmen und im Hinterkopf behalten.

 

Edge of Tomorrow ist auf den Punkt genau inszeniert, die stellenweise brachialen Actionelemente wechseln sich gekonnt mit Storyelementen ab, welche die Geschichte tatsächlich auch voran bringen. Allerdings ist die erste Hälfte des Films mit den Ereignissen rund um die Invasion an einem Strand in der Normandie sehr actionlastig, das Tempo ist zu Beginn gleich sehr hoch und der Zuschauer wird mehr oder weniger mitten ins Geschehen geworfen. In der zweiten Hälfte wird zu Gunsten der Story die Action etwas zurückgefahren. Die Erklärungen für die Ereignisse, die der Hauptfigur widerfahren, sind simpel, funktionieren aber ausgesprochen gut und lassen auch kaum Logiklöcher zu. Ob die starke Symbolik, welche der Geschichte zu Grunde liegt, also die Prämisse, die Alieninvasion sich von Deutschland aus in ganz Europa ausbreiten zu lassen, die Bezüge zur Normandie und Verdun sowie einige Andeutungen in Richtung Kriegspropaganda, deplatziert wirken oder nicht, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Mir persönlich gefiel das gut. Gerade die Verschiebung der Militärstruktur in Richtung Faschismus hätte sogar ruhig etwas stärker ausfallen dürfen, man denke da an Starship Troopers, der das ganz hervorragend hin bekommt. Überhaupt wurde ich stellenweise an den Film von Paul Verhoeven erinnert, ebenso an die Videospielreihe Gears of War (der ganze Film fußt im Grunde auf einer Videospielstruktur, Stichwort: trial and error) und auch Aliens von James Cameron. Beim Design der außerirdischen Invasoren kam mir unwillkürlich Matrix in den Sinn.

 

 

„Two minutes to drop, it’s alright to be scared. Remember, there is no courage without fear.”

 

 

 

 

 

Der Plot könnte auch Leuten gefallen, die Tom Cruise nicht so sehr mögen, weil der Film seinen Hauptdarsteller zunächst auch nicht mag und ihn einen Tod nach dem anderen erleiden lässt, teilweise im Sekundentakt. Interessant wird es, wenn die Zeitschleifen dazu verwendet werden, Szenen, die sich mehrfach wiederholen, aus anderen Perspektiven zu zeigen. Durch diesen inszenatorischen Kniff gelingt es, Langeweile und Eintönigkeit zu vermeiden. Im späteren Verlauf wird das auch genutzt, um Humor einzubauen. Überhaupt ist der Film humorvoller, als die eigentlich düstere und ernst angelegte Story zunächst vermuten lassen würde. Der Lernprozess der Hauptfigur vom Reserveoffizier ohne Kampfausbildung hin zum Elitesoldaten mag übertrieben schnell erscheinen, aber der Film lässt offen, in welchem Zeitraum das von statten geht. Tom Cruise gibt auch wirklich eine gute Figur ab und weiß durchaus, beide Seiten seiner Figur zur Geltung zu bringen. Allerdings läuft ihm Emily Blunt als Full Metall Bitch eindeutig den Rang ab, es macht wahnsinnig viel Spaß, ihr bei ihren Vernichtungsorgien zu zuschauen.

 

Der Film hat mich wirklich sehr überrascht. Atemlose Nonstop-Action, exzellent inszeniert und mit einem entsprechend dreckigen Look versehen. Größtenteils wird hier Vollgas gegeben und es werden keine Gefangenen gemacht. Die Story ist nicht überragend, aber doch mehr als nur das oft so typische Rahmengerüst für sinnlos aneinander gereihte Actionszenen, und schafft es die genretypischen Logiklöcher zu umschiffen. 113 Minuten lang habe ich mich nicht eine Sekunde lang gelangweilt. Ein Blindkauf, den ich in keinster Weise bereue. Wer actionlastigen Science-Fiction Filmen nicht grundsätzlich abgeneigt ist, der sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.