Star Wars: Episode IX – The Rise of Skywalker (2019)

5. Januar 2020 at 19:02

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

I know what I have to do, but I don’t know if I have the strength to do it.“

 

 

 

Das ist er also, der Abschluss der Prequel-Trilogie und vermeintlichen Skywalker-Saga zugleich. Ob es einen solchen brauchte, das muss jeder für sich beantworten, ich für meinen Teil halte die Skywalker-Saga mit der Schlacht um Endor für beendet. Und keine Frage: das anzutretende Erbe war schwer wie groß, die Produktionsgeschichte turbulent und die Fangemeinde speziell. Inklusive mir. Viel kommt zusammen: große Erwartungen, falsche Entscheidungen, kindische Grabenkämpfe und eine übersättigende Veröffentlichungspolitik, alles kulminierend in The Rise of Skywalker.

 

J.J. Abrams mag vielleicht kein sonderlich guter Regisseur sein, ein schlechterer Drehbuchautor und vor allem Geschichtenerzähler ist er in jedem Fall und Episode IX ist der endgültige Beweis dafür. Ich habe schon wirklich sehr, sehr lange kein derart faules Drehbuch erleben müssen, bei dem man sich als Zuschauer buchstäblich für dumm verkauft fühlt. Vollkommen überladen und viel zu schnell hetzt die dünne Narrative unübersichtlich von Plotpoint zu Plotpoint wie eine einzige gigantische Schnitzeljagd und das flache Storytelling besteht aus kaum mehr als Unmengen an fadenscheiniger Exposition. Bereits der Auftakt wischt allerhand beiseite, damit Abrams sein Setup wiederherstellen kann und Entscheidungen von Episode VIII egalisiert werden können. Mit Hammer und Meißel statt Skalpell, wohlgemerkt.

 

Deus Ex Machina – Der Film. Die billigen Kniffe und das haarsträubend zurecht gebogene Drehbuch bedürfen augenscheinlich nicht einmal lausig hingerotzten Nebensätzen als Erklärung, nichts wird erläutert, noch so krude Wendungen werden kommentarlos stehen gehenlassen. So einiges hätte ich ja noch durchgehen lassen, denn manche Idee ist gar nicht so verkehrt, wenn irgendwann mal Bezug dazu genommen worden wäre, doch Abrams etabliert Dinge aus dem Nichts wie es gerade passt. Er jongliert hier munter mit immerzu bloßen Behauptungen, mehr aber auch nicht. Dazu hat nichts mehr eine Fallhöhe oder Bedeutung, geschweige denn emotionales Gewicht, wenn augenscheinlich radikale Wendungen im nächsten Atemzug wieder revidiert werden können oder Jedi-Kräfte gleich den Tod überwinden.

 

Figurenentwicklung ist Mangelware und einzig Adam Drivers Kylo Ren trägt einen maßgeblichen Konflikt in sich aus. So ist auch seine fragile Beziehung zu Rey noch die größte Stärke des Filmes. Die Szenen mit den beiden sind noch das klare Highlight. Auch hätte ich mir ein paar ruhige Momente und Stille gewünscht, doch so kann sich The Rise of Skywalker kaum entfalten und darf nicht zu Atem kommen. Man spürt deutlich, dass die Macher im Hintergrund lediglich von Film zu Film dachten und es nie eine übergreifende Vision für die gesamte Trilogie gab. Selbst die Prequel-Trilogie mit all ihren teils schweren Fehlern muss sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen. Rückblickend empfinde ich dann auch Episode VIII als den stärksten Beitrag zur neuen Trilogie. Sicher, auch dieser scheitert in sich, aber wenigstens hat Rian Johnson es versucht, Strukturen aufzubrechen und neue Wege zu erkunden. Abrams hingegen dreht sich immerzu im Kreis. Altbewährtes scheint dieser Tage gefragter als neue Ideen. Schade, denn das Star Wars-Universum bietet gefühlt unendlich Möglichkeiten für spannende Geschichten.

 

5 von 10 mal von den Toten zurückkehren

 

 

Pacific Rim: Uprising (2018)

27. Oktober 2018 at 15:07

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Zehn Jahre nach dem die Invasion der Kaiju abgewendet werden konnte sind die Auswirkungen immer noch zu spüren, doch das Jaeger-Programm steht kurz vor dem aus und soll durch Drohnen ersetzt werden. Als die Menschheit erneut plötzlich angegriffen wird, sind es wieder die Jaeger-Piloten rund um Jake Pentecost, Sohn des legendären Stacker Pentecost, welche die Bedrohung abwehren müssen.

 

Ich bin ein großer Fan von Pacific Rim (2013), denn das Herzensprojekt von Regisseur Guillermo Del Toro hat deutlich mehr zu bieten als einfach nur Spektakel getreu dem Motto „riesige Roboter schlagen noch größere Monster zu Klump“. Die Film gewordene Kindheitsfantasie des Mexikaners hat nämlich etwas zu bieten, dass vielen ähnlichen Blockbustern abgeht: Herz und Seele. Dazu entwirft Del Toro eine ganze Welt voller teils winziger, aber deswegen nicht weniger wichtiger Details rund um die Kaiju, die Jaeger und die Drifts. All das lässt die Fortsetzung Pacific Rim: Uprising schmerzlich vermissen, wenn Del Toro nur noch als Produzent mit an Bord ist und stattdessen Steven S. DeKnight Regie führt, der bisher mit kaum mehr als einer handvoll Folgen für Serien wie Angel, Smallville oder Daredevil aufzufallen vermochte. Gemeinsam mit Drehbuchautor T.S. Nowlin (Maze Runner) verabschiedet sich DeKnight von vielen Elementen des Vorgängers und interessiert sich kaum noch für dessen etablierte Mythologie.

 

Uprising ist eine in beinahe allen Belangen gescheiterte Fortsetzung, seelenlos, lieblos, blutleer. Von der überbordenden Fantasie eines Del Toro ist hier nichts mehr zu spüren. Keine Magie, kein Zauber mehr, sondern nur noch Figuren vom Reißbrett der Autoren-Hölle, unpassender Humor und eine durchsichtige, vollkommen vorhersehbare und uninspirierte Geschichte irgendwo im erzählerischen Niemandsland zwischen Transformers und Power Rangers, welche dem geneigten Zuschauer zu allem Überfluss die Kaiju viel zu lange vorenthält. Nicht einmal das CGI weiß zu überzeugen, sondern scheint vielmehr seit 2013 Rückschritte gemacht zu haben, und auch auf der darstellerischen Ebene ist da nicht viel zu holen. John Boyega als Filmsohn von Idris Elba macht da noch die beste Figur, kämpft aber auch massiv mit einem selten platten Abziehbild von Charakter, Rinko Kikuchi ist nur kurz zu sehen und Scott Eastwood ist… naja, hübsch anzusehen. Überraschend war da noch die charmante Performance von Cailee Spaeny als junges Technik-Genie Amara Namani und immerhin durften Burn Gorman und Charlie Day als Hermann Gottlieb und Newton Geiszler nochmals auftauchen. Letztlich ist Uprising eine traurige Angelegenheit, welche nur noch selten an den Charme und Reiz von Pacific Rim erinnert und in der Fantasie und Einfallsreichtum höchstens noch kurz aufblitzen.

 

4 von 10 langweiligen und beliebigen Kaiju

 

 

Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi

17. Dezember 2017 at 15:31

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures

 

 

 

„Let the past die. Kill it, if you have to. That’s the only way to become what you are meant to be.“

 

 

 

Eine Inhaltsangabe entfällt an dieser Stelle und mein Text bleibt selbstverständlich vollkommen frei von Spoilern und ist inhaltlich eher vage gehalten, will ich doch niemanden sein Kinoerlebnis schmälern. Ihr könnt also ganz beruhigt meine Gedanken zum neuesten Beitrag im Star Wars-Universum lesen ohne Angst haben zu müssen, etwaige Plotpoints zu erfahren.

 

Bereits nach Episode VII mit all ihrem Fanservice wuchs in mir die Erkenntnis, dass es Episode VIII sein würde, die nun wirklich liefern, die Komfortzone aus Zitaten, Anspielungen und Querverweisen verlassen und neue Wege beschreiten müsse. Und zumindest in Teilen tut Regisseur Rian Johnson das tatsächlich. Sein Film ist nämlich keineswegs eine handlungsorientierte Kopie von Episode V geworden wie man es vielleicht hätte befürchten können, sondern steht erzählerisch durchaus auch auf eigenen Beinen. Referenzen und Rückbezüge gibt es zwar immer noch reichlich, allerdings fallen diese nun meist eher visuell aus, wenn einzelne Szenen und Bilder an The Empire Strikes Back erinnern, und finden sich eben nicht mehr auf der rein erzählerischen Ebene wieder. Es wird zwar weiterhin auch fleißig in die Referenzkiste gegriffen, aber sich längst nicht mehr so blind und hörig der Nostalgie ergeben wie zuvor. Johnson bedient sich zahlreicher bekannter Bilder und Motive, formt diese jedoch um, variiert sie und verschiebt sie innerhalb der Chronologie. Das ist tatsächlich ein guter Schritt in die richtige Richtung hin zu etwas mehr Eigenständigkeit im Franchise, wenn Johnson nun neue Pfade der Handlung betritt und auch mal Risiken eingeht, ein Aufbruch zu neuen Ufern allerdings ist es keineswegs. Es ist auch ein Wagnis, wenn Entscheidungen sowohl innerhalb der Handlung als auch innerhalb so mancher Figurenentwicklung getroffen werden, die nicht nur zu überraschen wissen, sondern vermutlich auch nicht jedem gefallen werden und vielleicht einigen Fans vor den Kopf stoßen könnten. Das ist mutig und erfrischend und wird hoffentlich dafür sorgen, dass nun in Episode IX alte Karten neu gemischt und verteilt werden können. Und dass das alles visuell ganz hervorragend in Szene gesetzt ist, das versteht sich ja mehr oder weniger von selbst und kann und darf bei einem solchen Film wie Episode VIII und seinem Budget erwartet werden. Tatsächlich bietet The Last Jedi ein paar der bisher schönsten Bilder innerhalb des Star Wars-Universums und so manche Szene ist einfach wunderschön anzusehen.

 

Also alles gut? Nicht ganz, denn The Last Jedi bringt durchaus auch Probleme mit sich, über die man stolpern kann. Zunächst hat der Film trotz denkbar simpler Story keine allzu gute Erzählstruktur, wenn die holprige Narrative ständig zwischen drei verschiedenen Handlungssträngen hin und her springt. Tempo und Timing stimmen hier eher selten und nahezu immer, wenn eine Plotline beginnt in Schwung zu kommen, dann wechselt der Film zur nächsten. Das soll Spannung generieren, wirkt aber oftmals eher frustrierend und führt zu einem merkwürdig hektischen wie wirren Seherlebnis, zerrissen zwischen seinen Handlungssträngen. Wenn dann auch noch einer dieser Stränge für die eigentliche Geschichte in Episode VIII nahezu vollkommen irrelevant ist, keinerlei Auswirkung auf die Haupthandlung hat und genau so wie er ist komplett entfernt werden und ohne erzählerischen Verlust gestrichen werden könnte, dann ist der Film mit seinen 152 Minuten Laufzeit eindeutig zu lang geraten und kann zuweilen etwas ermüdend wirken. Ein weiteres Problem war für mich der seltsam deplatzierte Humor: scheinbar hat die Marvel-Keule Einzug gehalten ins Star Wars-Universum. Viele Witze wollten für mich so gar nicht zünden und die Grenzen hin zum Slapstick werden noch deutlicher überschritten als noch in Episode VII. Allein BB-8 setzt nochmals gehörig einen drauf. Ich muss es tatsächlich sagen: The Last Jedi hatte durchaus auch Momente, in denen ich mich fremd geschämt habe. Das bricht gehörig mit der sonst eher episch angelegten Atmosphäre und erschwert mir immer mal wieder das Eintauchen in das von mir so geliebte Universum. Schlimmer noch: nahezu immer, wenn etwas ernsthaftes oder dramatisches im Film passiert, dann wird meist ein Witz hinterher geschoben und die Schwere des Moments gleich wieder torpediert. Da überkommt mich das ungute Gefühl, dass das alles nicht mehr sonderlich ernst genommen wird.

 

Als letzte Nacht der Abspann über die Kinoleinwand lief, da war ich schon irgendwie ein klein wenig enttäuscht. Selten hat mich ein Film aus dem Star Wars-Universum so zwiegespalten und auch ratlos zurück gelassen. Keine Frage, Rian Johnson findet durchaus wirklich herausragende Bilder, Szenen und Ideen, vieles ist in seiner Inszenierung  mutig und toll, anderes aber eben leider auch sehr schwach bis irritierend und ausgesprochen merkwürdig. Die Erzählstruktur ist reichlich sprunghaft und mitunter etwas wirr und hektisch geraten und den Humor empfinde ich überwiegend leider als deplatziert und unpassend. Sicherlich ist Episode VIII kein schlechter Film, aber er hat durchaus Probleme, welche zumindest mein Sehvergnügen auch schmälern. Trotz mutiger Entscheidungen seitens der Handlung und zum Teil der Figurenentwicklung finde ich Episode VII rückblickend minimal besser, wird sich dort zwar erzählerisch viel auf Episode IV rückbezogen, die Erzählstruktur an sich aber ist weniger holperig und einfach etwas runder in Rhythmus, Tempo und Timing. Zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht die dringend erforderliche Erneuerung.

 

7 von 10 der letzten Jedi

 

 

 

 

Star Wars: The Force Awakens

18. Dezember 2015 at 2:42

 

 

 

Star Wars: The Force Awakens (2015)
Star Wars: The Force Awakens poster Rating: N/A/10 (N/A votes)
Director: J.J. Abrams
Writer: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt, George Lucas (characters)
Stars: Daisy Ridley, Carrie Fisher, Mark Hamill, Adam Driver
Runtime: 135 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Fantasy
Released: 18 Dec 2015
Plot: A continuation of the saga created by George Lucas and set thirty years after Star Wars: Episode VI - Return of the Jedi (1983).

 

 

 

„This will begin to make things right.“

 

 

 

An dieser Stelle muss ich auf die übliche, kurze Inhaltsangabe verzichten, denn diese Review soll frei von Spoilern bleiben, um niemanden um das Vergnügen zu bringen, all diese Dinge im Film selbst zu entdecken und zu erleben. Auf die Handlung selbst werde ich also nicht eingehen. Die größte Frage von allen dürfte wohl sein: kann der Film dem zum Teil auch künstlich erschaffenem, gigantischen Hype um ihn herum mit all den bereits im Vorfeld gebrochenen Vorverkaufsrekorden gerecht werden? Wohl kaum, wie sollte er auch? Muss er das überhaupt? Nein, auf keinen Fall! Wäre er dann gescheitert? Auch hier kann ich nur sagen: Nein, auf keinen Fall! Vorweg muss ich zugeben: ich bin Fanboy. Nicht einfach nur Fan, nicht bloß jemand, der die Filme und das Universum, welches sie erschaffen, mag. Ich liebe sie, habe sie so oft gesehen, dass ich gar nicht mehr weiß, wie oft eigentlich genau, und ganz sicher keine anderen Filme öfter. Vermutlich kann ich sie auswendig mitsprechen. Zumindest Episode IV bis VI. Über Episode I bis III…. nun ja, darüber möchte ich lieber nicht sprechen. Das Erbe also ist groß, die Messlatte weit oben und die Fallhöhe tief, dennoch will ich mich bemühen, so objektiv wie möglich zu bleiben und mich nicht von Hype und Nostalgie blenden zu lassen…

 

Dieser Tage erscheint also mit The Force Awakens die siebte Episode dieser Sternenkriegssaga und somit nicht nur der von mir, sondern vielmehr der weltweit seit Jahren wohl am sehnsüchtigsten erwartete Film überhaupt. Denn Star Wars ist mehr als nur eine erfolgreiche Filmreihe, es ist größer und bedeutsamer, als kaum ein anderer Film, überdauert seit Jahrzehnten, hat kaum von seiner Anziehungskraft eingebüßt und verbindet Generationen. Ein Phänomen, welches sich still und leise in unser Leben geschlichen hat, nicht einfach nur ein weltweit kulturelles Ereignis, das zum festen Bestandteil der Popkultur wurde, Star Wars ist schon längst in unserem Alltag angekommen, in unser kollektives Gedächtnis gesickert und durchdringt mittlerweile alles Mögliche auch fernab seines eigentlichen Ursprungs. Selbst Nichtkenner der Filme und der Materie sind die Charaktere und deren Namen, die ikonischen Bilder, die Dialoge oder die Musik ein Begriff und sogar sie sind dazu in der Lage, Anspielungen auf Inhalte zu erkennen und zu dekodieren, ohne diese jemals bewusst erlebt zu haben. Schon längst haben diese Filme die Grenze vom reinen Unterhaltungsprodukt hin zu etwas viel größerem überschritten, zu einem Mythos, für manchen sogar zu einer Art von Religion, und haben sich völlig aus ihrem Kontext gelöst, ein Eigenleben entwickelt, das so unmöglich absehbar war, als Episode IV das Licht der Kinos dieser Welt erblickte. Auch ist Star Wars nicht nur der Impulsgeber der modernen Filmvermarktung mit all dem Merchandise und den Millionen von Fanartikeln, wie wir es heute doch so gewohnt sind, es ist vielmehr die Blaupause schlechthin für die kommerzielle Filmauswertung, wie wir sie permanent erleben, Vorreiter und Musterbeispiel zu gleich. Und letztlich ist die Saga natürlich auch Ausdruck der Lust am Erzählen und am visuellen Spektakel und damit nicht weniger als die logische und konsequente Weiterentwicklung der ursprünglichen Kraft des Kinos und der bewegten Bilder. Eskapismus in Reinkultur, die Lust am Schauen des Unmöglichen, die kurze und zeitlich begrenzte Flucht in eine gänzlich andere Welt als die eigene. Niemand sollte das moderne Kino so sehr prägen wie George Lucas mit Star Wars, indem er einen Mythos erschuf, etwas, das aus seiner Vorstellungskraft heraus auf die Leinwand und von dort in die Köpfe von Millionen von Menschen gelang und nun nicht mehr wegzudenken ist.

 

 

 

„I’ve got a bad feeling about this.“

 

 

 

Genug drumherum geredet, kommen wir doch endlich zum eigentlichen Beweggrund für diese Review, die, das kann ich nicht leugnen, etwas umfassender ausfällt als gewohnt. Alle Spekulationen und Befürchtungen rund um Episode VII, die seit deren Ankündigung Fans und Nerds weltweit in Atem hielten, haben nun ein Ende. Es ist vollbracht, der Film ist da und wir alle dürfen aufatmen, denn er ist gut. Wirklich richtig gut. George Lucas selbst ist bekanntermaßen nicht mehr an Bord, dessen Vision seiner Prequel-Trilogie bei den Fans keinen Anklang finden konnte, zu seelenlos und steril waren all diese seltsamen Szenerien, zu sehr an den erzählerischen Geist einer Seifenoper angelehnt, und statt Schmutz, Dreck und Staub auf entfernten, exotischen Planeten und dem klassischen Kampf Gut gegen Böse gab es auf Hochglanz polierte Senatssäle und scheinbar endlose, politische Diskussionen über Handelsabkommen. Das aber größte Verbrechen war der Versuch, das Mystische zu entmystifizieren, indem Lucas durch die plötzlich eingeführten Midi-Chlorianer die Macht rational erklärbar machte. Der Schleier des Geheimnisvollen wurde von den Filmen genommen, denn etwas, das gar keiner Erklärung bedurfte und auch genau deswegen so faszinierend war, diese gewisse Magie, der Geist der alten Trilogie, war plötzlich nicht mehr vorhanden. Nun sitzt also J.J.Abrams auf dem Regiestuhl, der Mission Impossible wiederbelebte, mit Super 8 auf wundervolle Art und Weise dem Kino eines Steven Spielbergs huldigte und mit seinem Star Trek-Reboot Kirk und Spock sogar für Nicht-Fans interessant und unterhaltsam machte. Kaum jemandem sonst hätte ich zugetraut, Episode VII nicht vor die Wand zu fahren, denn der Mann ist glaubwürdig selbst Fan und hat verstanden, worum es geht und was es braucht, nämlich eine ausgewogene Balance aus Nostalgie und Moderne. Und genau das bietet The Force Awakens von der ersten bis zur letzten Minute.

 

J.J. Abrams gelingt es tatsächlich, das Kunststück, dieser schwierige Spagat zwischen beiden Polen, und er schafft es, sowohl die Fans zu befriedigen, die mit der alten Trilogie aufgewachsen sind, als auch das jüngere Publikum, das wohlmöglich die Prequel-Trilogie im Kino erlebt hat oder vielleicht sogar noch nie Kontakt mit Star Wars hatte. Das Gefühl ist zurückgekehrt ins Star Wars-Universum und es ist nicht einfach nur bloße Nostalgie um ihrer selbst willen, vielmehr atmet The Force Awakens genau den Charme, welcher die Reihe einst ausgemacht hat, und Abrams rettet das meiste liebenswerte dieser Filme, ihren Geist und vor allem ihre Atmosphäre, sehr gelungen hinüber in den neuen. Ein Gefühl wohliger Vertrautheit macht sich schon nach wenigen Minuten breit und Fans werden sich schnell heimisch fühlen. Alles fühlt sich wieder echter an und nicht mehr so klinisch und künstlich wie zuletzt, denn obwohl natürlich viel CGI eingesetzt wird, sind doch zum einen die Effekte wirklich atemberaubend gut und zum anderen so oft es geht mit handgemachten Masken und Modellen geschickt kombiniert, wodurch diese ganze Welt so viel authentischer, greifbarer, schmutziger, einfach überzeugender wirkt. Und visuell ist The Force Awakens über jeden Zweifel erhaben und absolut brilliant. Das erzählerische Tempo ist sehr hoch, es gibt viele beeindruckende Actionsequenzen und kaum Atempausen zum Verschnaufen, aber der Film wirkt nie gehetzt oder überstürzt und man verliert auch nie den Überblick über das Geschehen. Dazu ist The Force Awakens überraschend humorvoll geraten und stellenweise richtig witzig, vor allem aus den Charakteren und deren Beziehungen zueinander entsteht viel Situationskomik. Zwar kann man hin und wieder eine Szene vielleicht etwas albern finden, aber es ist nie dieser kindische Jar Jar Binks-Humor, der mit dem Vorschlaghammer daherkommt, sondern eher subtil und herzlich. Übrigens funktioniert die geschickte Kombination aus neu und alt nicht nur auf der atmosphärischen Ebene ganz hervorragend, auch beim Cast greift dieses Prinzip wie ein Uhrwerk. Der Generationenwechsel ist absolut gelungen und sowohl Charaktere wie Han Solo, Chewbacca, Luke Skywalker oder Leia Organa harmonieren wunderbar mit den neuen und ausgesprochen charismatischen Figuren wie etwa Rey, Finn oder Poe Dameron. Daisy Ridley, John Boyega und Oscar Isaac leisten an der Seite von Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher wirklich gute und überzeugende Arbeit. Vor allem Daisy Ridley hat es mir irgendwie sehr angetan, die einfach nur sensationell wirkt mit ihrer entspannten und natürlichen Selbstverständlichkeit und genau dem richtigen Gefühl für ihre Figur.

 

 

 

„Hope is not lost today… it is found.“

 

 

 

Aber vielleicht ahnt ihr es bereits, wo Licht ist, da ist auch Schatten. Die dunkle Seite, wenn man so will. Leider ist die Geschichte an sich, die eigentliche Handlung von The Force Awakens, nämlich sehr formelhaft erzählt und wenig innovativ. Wirkliche Neuerungen sucht man hier vergeblich, denn dafür orientiert sich die Story dann doch zu sehr an den Mustern der alten Trilogie, meist an Episode IV, und nur ganz selten wagt man sich aus der erzählerischen Sicherheit des puren Fan-Service heraus und testet Grenzen aus. Das ist schade und wirkt ein wenig so, als wollte man nicht allzu große Risiken eingehen, um niemanden zu verprellen und lieber auf Nummer sicher gehen. Ein wenig mehr Mut hätte dem Film gelegentlich ganz gut getan. Und dann ist da noch Kylo Ren, den The Force Awakens als Bösewicht aufbaut und etabliert, der aber etwas zu blass bleibt und nicht wirklich bedrohlich wirkt, denn diese Aura des puren Bösen, die vermag Adam Driver nicht so recht auszustrahlen. Da hinterlässt Domhnall Gleeson als General Hux in seiner zwar übersteigerten, aber auch befremdlichen Performance schon einen etwas anderen Eindruck, und wenn er eine flammende Ansprache vor seinen Truppen hält, dann kommen einem unweigerlich ganz bestimmte Vergleiche und Bilder in den Sinn. Dennoch muss man feststellen, dass die dunkle Seite der Macht in The Force Awakens nicht immer so überzeugend wirkt wie die der Helden. Ebenfalls ein wenig seltsam, weil überraschend dünn, fällt die erneut von John Williams geleitete musikalische Untermalung aus. Zwar gelingt es immer wieder dezent, geschickt und erstaunlich homogen, bekannte Themen aus der alten Trilogie mit den neuen Kompositionen zu verschmelzen, doch gerade die neuen Stücke bleiben eher wenig einprägsam, keines von ihnen will sich so richtig im Kopf festsetzen. Aber all das ist natürlich Jammern auf sehr hohem Niveau.

 

Am Ende schenkt J.J. Abrams den Fans und damit auch mir genau den Film, den ich mir schon 1999 von George Lucas gewünscht hätte. Und selbstverständlich kann The Force Awakens dem gigantischen Hype um ihn nicht gerecht werden, aber dennoch ist es ein verdammt guter Film geworden. Temporeich und mit einem relativ hohen Anteil an Action, humorvoll und warmherzig und genau mit dem nötigen Geist der alten Filme und gleichzeitig auch modernen Elementen ausgestattet, um nicht einfach nur stumpf nostalgisch zu wirken, sondern angenehm ausbalanciert. Nicht alles funktioniert zwar immer einwandfrei und kleinere Abstriche muss man in Kauf nehmen, aber The Force Awakens lässt mich wieder ausgesprochen positiv in die Zukunft meiner liebsten Filmreihe blicken und macht mich glücklich. Geist, Seele und Magie sind wieder zurückgekehrt ins Star Wars-Universum. Ein wundervoller Abschluss für das Filmjahr 2015. Möge die Macht mit uns sein.

 

8,5 von 10 Gesprächen mit BB-8

 

EDIT 16.12.2016: Nach nunmehr annähernd einem Jahr mit Star Wars: The Force Awakens und inzwischen auch zahlreichen Sichtungen im beinahe zweistelligen Bereich muss ich zugeben, dass ich den Film heute etwas nüchterner sehe als noch damals. Das Abebben der anfänglichen, vielleicht etwas überschwänglichen Euphorie des glühenden Fanboys in mir und das Erkennen des einen oder anderen Strukturproblems führen letztlich zu einer etwas anders gelagerten Gewichtung meiner Eindrücke und korrigieren die abschließende Note letztlich auf 7,5 von 10.