Eternal Sunshine of the Spotless Mind (Vergiss mein nicht!)

10. Mai 2015 at 15:40

 

 

 

Eternal Sunshine of the Spotless Mind (2004)
Eternal Sunshine of the Spotless Mind poster Rating: 8.4/10 (561,264 votes)
Director: Michel Gondry
Writer: Charlie Kaufman (story), Michel Gondry (story), Pierre Bismuth (story), Charlie Kaufman (screenplay)
Stars: Jim Carrey, Kate Winslet, Gerry Robert Byrne, Elijah Wood
Runtime: 108 min
Rated: R
Genre: Drama, Romance, Sci-Fi
Released: 19 Mar 2004
Plot: When their relationship turns sour, a couple undergoes a procedure to have each other erased from their memories. But it is only through the process of loss that they discover what they had to begin with.

 

 

 

“How happy is the blameless vestal’s lot!
The world forgetting, by the world forgot.
Eternal sunshine of the spotless mind!
Each pray’r accepted, and each wish resign’d.”

 

 

 

Obwohl Joel und Clementine kaum unterschiedlicher sein könnten, er schüchtern, introvertiert und eher rational veranlagt, sie impulsiv, spontan, ein bisschen verrückt und manchmal etwas launenhaft, sind sie seit zwei Jahren ein Paar mit allen Höhen und Tiefen. Bis Clementine Joel nach einem Streit verlässt, endgültig und mit aller Konsequenz, lässt sie sich doch von Dr.Mierzwiack durch dessen neuartige Methode sämtliche Erinnerungen an ihn aus dem Gedächtnis löschen. Als Joel davon erfährt, bricht seine Welt vollends zusammen, wollte er sie doch eigentlich noch um eine zweite Chance bitten, und jetzt erkennt sie ihn nicht einmal mehr. Erst ungläubig, dann verletzt und wütend, will er es ihr gleich tun und sucht seinerseits Dr. Mierzwiack auf, um Clementine ebenfalls für immer zu vergessen. Während dieser Prozedur der Löschung seiner Erinnerung an sie durchlebt er viele Momente ihrer gemeinsamen zwei Jahre erneut und muss erkennen, dass er sie eigentlich gar nicht vergessen will und dass er sie immer noch liebt, doch es ist ihm nicht möglich, sich bemerkbar zu machen und den Prozess aufzuhalten…

 

Eternal Sunhine of the Spotless Mind – welch wundervoller Titel, vor allem in Bezug auf das eingangs zitierte Gedicht Eloisa to Abelard von Alexander Pope, aus dem diese Zeilen stammen. Lässt der deutsche Titel dagegen – Vergiss mein nicht! – doch nur wieder eine weitere oberflächliche, dümmliche und kitschige Liebesgeschichte der Marke Hollywood erwarten, könnte man damit kaum weiter daneben liegen. Auch Jim Carrey in der Hauptrolle lässt nur falsche Vermutungen anstellen und führt in eine völlig verkehrte Richtung. Der Mann hat schon mehrfach bewiesen, dass er sehr viel mehr kann als nur Grimassen ziehen, man denke da nur an The Truman Show oder Man on the Moon, in denen er eindrucksvoll sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellt, es gerät nur allzu gern in Vergessenheit. Kate Winslet? Es hat vielleicht auch jetzt noch nicht jeder mitbekommen, dass sie sich inzwischen zu einer wirklich tollen Schauspielerin entwickelt hat, 2004 aber sicher kaum jemand. Viele Vorzeichen verweisen also in eine völlig falsche Richtung, könnten unter Umständen sogar abschreckend wirken, drängt sich doch ein bisschen der Verdacht auf, es hier nur mit einer weiteren geistlosen romantischen Komödie zutun zu haben. Stattdessen aber ist Eternal Sunshine of the Spotless Mind eine wunderschöne und zutiefst berührende Geschichte über Lieben und Entlieben, über Vergessen und Erinnern, darüber, was uns als Menschen ausmacht und was uns zu den Menschen gemacht hat, die wir sind.

 

 

 

„You look at a baby, and it’s so pure and so free and so clean. And adults are, like, this mess of sadness…and… phobias.”

 

 

 

Drehbuchautor Charlie Kaufmann und Regisseur Michel Gondry sind ein traumhaftes Team, wie sie Joel´s Innenleben zum Ausdruck bringen, seine Gedanken, Gefühle, Träume, Hoffnungen, Wünsche, Ängste und Erinnerungen, so plastisch, so nachvollziehbar und so surreal zugleich, das ist ohne jeden Zweifel meisterhaft. Charlie Kaufman ist sowas wie der Drehbuchgott für Independent-Regisseure und nicht gerade bekannt dafür, Geschichten zu schreiben, welche die breite Masse der Kinogänger begeistern, dafür sind die von ihm verarbeiteten Ideen einfach zu verrückt. Drehbücher zu Filmen wie Being John Malkovich oder Adaption und eben auch Eternal Sunshine of the Spotless Mind sind skurril, abgedreht und verschachtelt, aber eben auch immer sehr präzise und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Mittelwege oder Kompromisse gibt es bei Kaufman nicht, er biedert sich keinem Publikum an, das seine Ideen ohnehin nicht nachvollziehen könnte, dem ist er sich durchaus bewusst, auch dem, dass er aneckt, aber es ist ihm vollkommen gleichgültig. Geschichten für den Mainstream überlässt er bereitwillig anderen. In dem Franzosen Michel Gondry hat er für Eternal Sunshine of the Spotless Mind einen Regisseur an der Seite, der es ganz wunderbar versteht, wo Kaufman mit seinen Geschichten hin will und das dann auch noch in wunderschön berauschende Bilder zu übersetzen weiß. Die Zusammenarbeit der beiden war zwar nach einer Reihe von Musikvideos sein erster Spielfilm, aber bereits hier zeigt sich diese enorme Verspieltheit in der Inszenierung, die spätere Filme wie Science of Sleep, Be Kind Rewind oder Der Schaum der Tage auszeichnen.

 

Eternal Sunshine of the Spotless Mind ist dann auch schlicht und ergreifend großartig inszeniert, mit wahnsinnig viel Gespür für Details und vor allem auch für Stimmungen. Obwohl die Story nicht chronologisch erzählt wird, hat man zu jeder Zeit in den einzelnen Szenen das Gefühl, nur anhand der jeweiligen Stimmung genau zu wissen, in welchem Stadium sich die Beziehung von Joel und Clementine gerade befindet. Ein großer Teil des Films spielt in Joel´s Kopf, in seiner Gedankenwelt, seinen Erinnerungen, aber eben nicht alles, ein kleiner Subplot wird parallel dazu in der Realität erzählt, aber immer wieder vermischen sich diese verschiedenen Erzählstränge. Das Gefüge der Bewusstseinsebenen ist chaotisch, Wirklichkeit, Träume, Erinnerungen und Rückblenden verwischen zu einem großen Ganzen, Personen werden scheinbar willkürlich hin und her teleportiert und tauchen plötzlich an Orten auf, an denen sie gar nicht sein können, Gesichter verblassen zusehends oder verschwinden gleich ganz, die Bild – und Tonspuren werden häufig voneinander abgekoppelt, man sieht das eine, hört aber etwas völlig anderes, Joel wechselt in seinem Kopf Raum und Zeit nach Belieben, er wandelt wie Alice durch das Wunderland seiner Erinnerungen. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der völlige Verzicht auf CGI, das heißt es gibt nicht einen einzigen computeranimierten Effekt in Eternal Sunshine of the Spotless Mind. Angesichts der ungewöhnlichen und enorm kreativen Inszenierung ist das absolut verblüffend, aber diese Flut von Bildern wird tatsächlich ganz altmodisch und von Hand zum Leben erweckt, was den Film dann auch seinen ganz eigenen, seltsam entrückten Charme haben lässt und einfach ganz wunderbar ins Gesamtbild passt.

 

 

 

„ What a loss to spend that much time with someone, only to find out that she’s a stranger.”

 

 

 

So wie die Chemie zwischen Charlie Kaufman und Michel Gondry hinter der Kamera absolut stimmig ist, so magisch ist sie vor der Kamera zwischen Jim Carrey und Kate Winslet. Sie verkörpern Joel und Clementine mit all ihren kleinen Macken und Fehlern so wunderbar authentisch, sie wirken herrlich echt und aus dem Leben gegriffen, sind menschlich durch und durch und man kann sich auch ein bisschen wiedererkennen in den beiden. Genau das macht Eternal Sunshine of the Spotless Mind erfrischend anders und gänzlich frei von Kitsch, so kann der Film überhaupt erst richtig funktionieren, denn das schafft großes Identifikationspotential. Joel und Clementine sind eben kein sonst so typisch und oberflächlich gezeichnetes Paar, wie man es doch oft aus Hollywood und seinen romantischen Komödien gewohnt ist. Sie sind nicht besonders interessant oder besonders schön, sie sind nicht reich, haben keine schicken Wohnungen und keine tollen Autos, sie sind absolut durchschnittlich mit all ihren Wünschen und Träumen, ihren Ängsten und Sorgen und ihrem Schmerz

 

Eternal Sunshine of the Spotless Mind ist ein wirklich grandioser Film, wunderschön und berührend umgesetzt, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang kitschig zu sein. Er ist charmant, witzig, traurig, komplex, anspruchsvoll und befremdlich zugleich, sprudelt nur so über vor hemmungslos kreativen und verrückten Ideen und Einfällen und seine nicht chronologische Erzählstruktur zwingt den Zuschauer zu einem gewissen Maß an Aufmerksamkeit. Ein Plädoyer für das Erinnern, das bewusste Erinnern, und gegen das Vergessen, denn nichts ist nur gut oder nur schlecht, und all diese Dinge, all unsere Erlebnisse machen uns zu genau den Menschen, die wir heute sind. Sie sind ein Teil von uns, die guten und schlechten Erinnerungen, das werden sie immer sein und jede von ihnen hat ihre Berechtigung. Jeder halbwegs denkende und fühlende Mensch sollte Eternal Sunshine of the Spotless Mind mal gesehen haben.

 

10 von 10 gelöschten Erinnerungen

 

 

 

 

 

Birdman

1. Februar 2015 at 20:55

 

 

Birdman (2014)
Birdman poster Rating: 8.3/10 (65,738 votes)
Director: Alejandro González Iñárritu
Writer: Alejandro González Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Armando Bo
Stars: Michael Keaton, Emma Stone, Kenny Chin, Jamahl Garrison-Lowe
Runtime: 119 min
Rated: R
Genre: Comedy, Drama
Released: 14 Nov 2014
Plot: A washed up actor, who once played an iconic superhero, battles his ego and attempts to recover his family, his career and himself in the days leading up to the opening of a Broadway play.

 

 

 

„Popularity is the slutty little cousin of prestige.”

 

 

 

Riggan Thomson ist ein in die Jahre gekommener Schauspieler, der seinem Ruhm von einst hinterher läuft. Früher einmal, vor 20 Jahren, da war er ein gefragter Mann und spielte den Superhelden Birdman. Jetzt ist er zunehmend verzweifelt, trauert alten Zeiten nach und will eigentlich nur noch einmal etwas auf die Beine stellen, das wirklich Bedeutung hat, etwas großes, etwas, das die Menschen bewegt und nicht in Vergessenheit gerät. Also setzt er sich zum Ziel ein ambitioniertes Theaterstück zu inszenieren, eine Adaption von Raymond Carvers Kurzgeschichte What We Talk About When We Talk About Love. Hinter den Kulissen allerdings geht alles schief, was irgendwie nur schief gehen kann. Es fehlt an allen Ecken und Enden Geld für die Inszenierung, seine männliche Hauptbesetzung fällt aus, der Ersatz ist ein unerträglich arrogantes Arschloch sondergleichen, seine anderen Schauspieler machen ihm das Leben schwer, Egos wollen gestreichelt werden, seine drogensüchtige Tochter ist auch keine sonderlich große Hilfe als Produktionsassistentin und sein Manager macht zunehmend Druck, denn der Abend der Premiere rückt gnadenlos näher und näher…

 

Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit. Irgendwie umschreibt das ganz hervorragend den Film, auch wenn ich gar nicht genau sagen kann, warum. Oder was es bedeuten soll. Natürlich geht es hauptsächlich um die Gefühlswelt von Riggan Thomson, um dessen innere Zerrissenheit zwischen Anspruch und Realität, zwischen Größenwahn und Bedeutungslosigkeit, doch zunehmend wird der Film zu einem Bühnenstück in einem Bühnenstück, das ein äußerst zynisches und bitterböses Bild vom Haifischbecken Broadway zeichnet und schonungslos die Mechanismen dieses Zirkus der Eitelkeiten, dieser seelenlosen Welt voller Lügen offenlegt. Schnell wird klar, dass Riggan Thomson nur einer von vielen Irren ist, die, statt zusammen zu arbeiten, permanent damit beschäftigt sind, die Hackordnung hinter den Kulissen auszufechten, sich und andere zu demütigen und ihre geschundenen Egos gnadenlos aufzublasen.

 

 

 

„A thing is a thing, not what is said of that thing.”

 

 

 

Weitaus interessanter als die recht einfach gehaltene Story, die Birdman erzählt, ist seine Inszenierung. Hier ist Regisseur Alejandro González Iñárritu ein absolutes Meisterstück gelungen. Nahezu der ganze Film ist als eine einzige, zweistündige Plansequenz angelegt. Es ensteht der Eindruck nur einer Linse, durch die der Zuschauer blickt, nur einer Kamera, die geschmeidig von der einen Szene in die nächste wandert, einer Kamera, die den Zuschauer, mal wild, mal hektisch, mal entspannt, durch die Kulissen hinüber zu den Darstellern trägt, die immer ganz nah dran ist am Geschehen und der nichts entgeht. Das Bild ist immer in Bewegung, folgt den Charakteren, flüchtet vor ihnen, wechselt wild die Perspektive, so gut wie nie hält es inne und vermittelt dem Zuschauer auf diesem Weg gekonnt, ein Teil des Ganzen zu sein und versinnbildlicht gleichzeitig die innere Unruhe und Getriebenheit der Figuren im Film. Das bedeutet natürlich nicht, das es keine Schnitte gibt, allerdings sind diese so geschickt platziert und verpackt, das sie dem Zuschauer kaum bis gar nicht auffallen, und man so immer weiter in diese skurrile, mit sehr eigenen Moralvorstellungen ausgestattete Welt hinein gezogen wird. Dadurch wirkt Birdman unglaublich authentisch, man ist so nah an den Darstellern dran, wie man es selten erlebt, nichts bleibt einem verborgen, jedes Detail ist erkennbar, jede noch so kleine Regung, jede Emotion und jede Handlung kommen voll zur Geltung. Ein weiterer Geniestreich in diesem Kontext ist der Soundtrack, dominiert hier doch überwiegend ein meist sehr unruhiges und treibendes Jazz-Schlagzeug, welches immer wieder gekonnt Situationen unterstreicht und hervorhebt. Einige Male wird der Drummer sogar einfach in den Film und die Kulissen mit eingebaut, was das bunte Treiben letztlich nur noch bizarrer erscheinen lässt, als es ohnehin schon ist.

 

 

 

„People, they love blood. They love action. Not this talky, depressing, philosophical bullshit.”

 

 

 

Als absolut genial erweist sich die Besetzung der Hauptrolle mit Michael Keaton. Der Mann spielt hemmungslos und völlig entfesselt, er wirkt derart authentisch verzweifelt, man könnte glauben, er SEI Riggan Thomson, die Figur scheint wie für ihn erschaffen worden zu sein, und er erfüllt sie mühelos mit Leben. Vielleicht steckt ja auch einiges von Michael Keaton selbst in Riggan Thomson, spielte er doch 1989 und 1992 unter der Regie von Tim Burton den dunklen Ritter in Batman und Batman Returns und verschwand danach mehr oder weniger von der Bildfläche. Birdman liest sich unter diesem Gesichtspunkt dann als Keaton´s What We Talk About When We Talk About Love, als Versuch, wieder etwas Bedeutsames zu schaffen, im Grunde nicht anders als Riggan Thomson. Ob ihm das gelungen ist, das lässt sich jetzt schon kaum sagen, das wird wohl nur die Zeit allein beantworten können. Ebenfalls herausragend aus dem ohnehin schon sehr guten Ensemble ist Edward Norton. Er spielt Mike Shiner, den gefeierten und talentierten Broadway-Star, der als Ersatz für die ausgefallene Hauptrolle an Bord kommt und dessen Mitwirken einen enormen Publikumsandrang verspricht, der charakterlich und menschlich aber auch ausgesprochen schwierig ist. Ganz ehrlich, Norton war noch nie so gut wie in Birdman, und der Mann hat ja durchaus einige beeindruckende Leistungen in seinem Lebenslauf. Sein Mike Shiner ist arrogant, selbstverliebt und über alle Maßen eitel, gleichzeitig aber auch völlig unberechenbar und geradezu manisch, versucht er doch zum Beispiel seine Partnerin in einer Bettszene auf der Bühne zu richtigem Geschlechtsverkehr vor Publikum zu nötigen. Ständig verwechselt er Kunst und Leben, Bühne und Wirklichkeit, und kann schon lange nicht mehr dazwischen unterscheiden. Bei ihm liegen Genie und Wahnsinn nicht bloß dicht beieinander, er vereint sie in seiner gestörten Persönlichkeit. Aber auch der Rest des Cast mit Naomi Watts als Co-Star mit Minderwertigkeitskomplex, Emma Stone (die einen so wahnsinnig guten Moment mit einem kleinen Monolog hat, dass man den Mund nicht mehr zubekommt vor lauter Staunen) als drogensüchtige Tochter von Thomson und Zach Galifianakis (der hier sehr nuanciert spielt und endgültig beweist, dass er mehr kann als Hangover-Nonsens) als dessen Manager ist fantastisch und es ist eine wahre Freude ihnen allen zuzuschauen.

 

Birdman ist Drama, tiefschwarze und bitterböse Komödie und die Ausleuchtung einer zerrissenen Künstlerseele gleichzeitig und dabei zu jeder Sekunde enorm unterhaltsam, trifft doch kluger Humor auf messerscharfe Dialoge. Der Film rechnet voller galligem und ätzendem Zynismus mit Hollywood, mit dem Theater, dem Broadway, ja, mit dem ganzen Showbusiness ab, und es kriegt in diesen 120 Minuten so ziemlich jeder sein Fett weg, von Robert Downey,jr. bis zu Justin Bieber. Ein Film über mediale Eintagsfliegen und wahre Ikonen, über Huldigung und Abgesang. Humor und Ernst, Hysterie und Paranoia, tragische Momente und Slapstick wechseln sich hier ständig ab und trotzdem gerät Birdman nie aus der Balance. Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, muss man sich doch auf den Film und vor allem seine Art der Inszenierung einlassen, geschieht das aber, dann wird man mit einem nahezu unvergesslichen Erlebnis belohnt.

 

8 von 10 herabstürzenden Scheinwerfern

 

 

 

 

Buckaroo Banzai: Die 8. Dimension

20. Januar 2015 at 1:39

 

 

The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension (1984)
The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension poster Rating: 6.4/10 (16,104 votes)
Director: W.D. Richter
Writer: Earl Mac Rauch
Stars: Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum
Runtime: 103 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Comedy, Romance
Released: 10 Aug 1984
Plot: Adventurer/surgeon/rock musician Buckaroo Banzai and his band of men, the Hong Kong Cavaliers, take on evil alien invaders from the 8th dimension.

 

 

 

„Don’t be mean; we don’t have to be mean, cuz, remember, no matter where you go, there you are.”

 

 

 

Buckaroo Banzai… Puh! Was soll man da sagen? Wo soll ich anfangen?! Am besten bei Buckaroo Banzai selbst, seines Zeichens Neurochirurg, Rockstar (mit seiner Band, den Hong Kong Cavaliers), Physiker, Kampfsportler, Erfinder, Rennfahrer, Abenteurer, Star seines eigenen Comics und noch vieles mehr, vor allem aber: der Retter der Welt. Noch Fragen?

Buckaroo, seine Hong Kong Cavaliers und die Blue Blazers, eine Art Buckaroo-Fanclub, müssen die Welt vor den roten Lectroiden vom Planeten 10 aus der 8. Dimension unter der Führung des fiesen Lord John Whorfin bewahren, die mit Hilfe des von Buckaroo erfundenen Oszillations-Overthrusters die Welt zerstören wollen (glaube ich zumindest, soweit ich das verstanden habe). Unterstützung (oder auch nicht, das ist irgendwie ein bisschen unklar) erhalten sie von den schwarzen Lectroiden vom Planeten… ihr wisst schon. Klar soweit?

Der Film ist wirr, macht keinen Sinn und ist einfach irgendwie seltsam. Nichts will so richtig zusammen passen, logisch ist hier gar nichts. Wer nicht versteht, worum es geht, der muss sich wirklich nicht schämen, im Gegenteil, wer mir den tieferen Sinn hinter all dem erklären kann, der verdient einen Orden. Hauptsächlich liegt das daran, dass der Film versucht ganz viele Genre gleichzeitig zu sein, ein wilder Stilmix aus Action, Comedy, Science Fiction, Lovestory, Fantasy, Adventure und Musikfilm, es aber nicht schafft, all das sinnvoll unter einen Hut zu bringen, etwas homogenes, etwas eigenes daraus zu machen. Es gibt keinen richtigen roten Faden, vielmehr springt der Film von Genre zu Genre, von Idee zu Idee, vieles wird angerissen, aber nicht zu Ende gebracht. Das ist schade, denn im Grunde birgt das alles irre viel Potential, welches aber kaum genutzt wird. Man merkt deutlich, dass die Macher unbedingt einen Kultfilm erzwingen wollten, als Entwurf am Reißbrett, und das funktioniert fast nie. Kult lässt sich nicht planen. Im Falle von Buckaroo Banzai geht die Rechnung zumindest zum Teil auf, denn der Film ist tatsächlich abgedreht genug, um einen gewissen Kultstatus zu erlangen, er hat ja durchaus auch seine Anhänger, aber am Ende fehlen ihm Herz und Seele.

Ein weiteres Problem des Films ist die enorm hohe Dichte an Charakteren. Hier werden einem so viele Figuren im Minutentakt um die Ohren gehauen, teils ohne nennenswerte Funktion, dass man schnell den Überblick verliert und nicht mehr genau weiß, wer jetzt wer ist, wer auf wessen Seite, und wer welche Bedeutung hat, und mindestens die Hälfte davon könnte man problemlos aus dem Drehbuch streichen ohne das es auffällt. Dadurch bleibt auch kaum Zeit, den einzelnen Figuren genügend Raum zur Entfaltung zu geben, alles wirkt sehr oberflächlich. Dabei ist der Cast wirklich mehr als nur beachtlich, hier wird mit Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum, Christopher Lloyd, Clancy Brown, Vincent Schiavelli und Dan Hedaya allerhand aufgefahren, aber bis auf John Lithgow, der sichtlich Spaß hat an seiner Rolle des verrückten Bösewichts, und Ellen Barkin wirken alle anderen doch relativ lustlos und spielen recht uninspiriert. Peter Weller als Buckaroo Banzai bleibt erstaunlich blaß, Christopher Lloyd als roter Lectroid John Bigboote (was im englischen Originalton ein herrliches Wortspiel abgibt, welches dann aber auch permanent wiederholt werden muss) ist nahezu völlig verschenkt, Jeff Goldblum kann keine Akzente setzen und Clancy Brown hat vielleicht zwei Szenen. Der Rest hat einfach nicht genügend Platz im Drehbuch, um zu glänzen.

Überhaupt ist das Drehbuch bei weitem kein schlechtes, es ist voller skurriler Ideen und verrückter Einfälle, voller bizarrer Figuren und geradezu grotesken Situationen und Momenten, aber es ist schlicht und ergreifend zu überladen, es wird zuviel auf einmal gewollt. Der Regisseur W.D. Richter schrieb einige Jahre später, als klar wurde, dass es aufgrund der schwachen Einspielergebnisse an den Kinokassen keine Buckaroo-Fortsetzung geben würde, das Drehbuch zu John Carpenters Big Trouble in Little China, der ähnlich verrückt, aber deutlich stringenter daherkommt, und verwendete hier große Teile seines Skripts für Buckaroo II. Vieles von dem, was dort passieren sollte, können wir also heute in Big Trouble in Little China sehen.

Vielleicht liest sich das alles jetzt so, als wäre Buckaroo Banzai ein schlechter Film, aber das ist er nun wirklich nicht. Er ist herrlich abgedreht und auch durchaus unterhaltsam und spaßig, aber seine Macher wollten mit dem Drehbuch einfach zuviel auf einmal, es ist vollgestopft mit all diesen verrückten Ideen, Figuren und Einfällen, und quillt regelrecht über vor kalkuliertem Kultcharakter. Zudem ist vieles einfach zu unausgegoren und wird nicht zu Ende gedacht, das Potential der Story wird nicht zur Gänze, sondern höchstens im Ansatz genutzt und tatsächlich wäre hier weniger mehr gewesen. Am Ende fehlen einfach Herz und Seele, um einen echten Kultfilm abzuliefern.

 

6 von 10 Oszillations-Overthrustern

 

 

 

Guardians of the Galaxy

10. Januar 2015 at 20:55

 

 

Guardians of the Galaxy (2014)
Guardians of the Galaxy poster Rating: 8.3/10 (336,481 votes)
Director: James Gunn
Writer: James Gunn, Nicole Perlman, Dan Abnett (comic book), Andy Lanning (comic book)
Stars: Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel
Runtime: 121 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 01 Aug 2014
Plot: A group of intergalactic criminals are forced to work together to stop a fanatical warrior from taking control of the universe.

 

 

 

„I’m only interested in the simple things… like how much this is going to hurt!“

 

 

 

Die wichtigste Frage zuerst: ist der Film wirklich so gut? Kann er all dem Hype und den Vorschusslorbeeren gerecht werden? Ja, kann er, mühelos. Die Messlatte für zukünftige Comicverfilmungen wird hier nicht nur sehr hoch gelegt, sie wird völlig neu definiert.

Regisseur James Gunn gelingt hier ein Kunststück, das so eher selten zu bewundern ist: ein Blockbuster mit Seele. Ein mitreißender Actionkracher, randvoll mit viel Witz, grandiosen Dialogen, einer Prise Tragik, wundervollen Anspielungen und herrlich skurrilen Figuren. Die Story ist denkbar simpel, aber auch ungemein effektiv, räumt sie doch genügend Raum für die Entfaltung der Figuren ein und hält wunderbar die Balance aus großem Getöse, wohl dosierten Kitsch und charmanter Ironie. Es ist auch James Gunn zu verdanken, dass all diese verschiedenen Elemente letztlich ein sehr stimmiges Gesamtbild abgeben, dem er zudem noch seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken kann, stammt der Mann doch ursprünglich aus dem Hause Troma, einer der ganz großen Trash-Schmieden überhaupt, die Filme produzierten wie The Toxic Avenger, Surf Nazis Must Die oder Yeti: A Gay Lovestory. Gunn  hat aber auch schon mit dem Kleinod Slither eine großartige Hommage an das Science Fiction-Kino der 50er Jahre abgeliefert, voller tiefschwarzem Humor und allerhand schleimiger und blutiger Ekligkeiten, und mit Super – Shut up, crime! eine nicht weniger böse und blutige Satire auf Superheldenfilme inszeniert, die leider viel zu wenig Beachtung fand und deutlich bissiger ist als der vergleichsweise zahme Kick Ass. Jetzt also hat Gunn eine Space Opera in seinem Lebenslauf zu verzeichnen.

Die titelgebenden Guardians of the Galaxy erweisen sich als zusammengeworfener Haufen von Antihelden, die sich im Laufe des Films erst als Gruppe finden müssen. Besonders der bisher eher unbekannte Chris Pratt als Peter Quill aka Starlord („Star – who!?“) sticht hier enorm hervor und empfiehlt sich für zukünftige Großproduktionen, so wird er ja auch im Sommer in Jurassic World dabei sein. Wie er den schlagfertigen, charmant – schlitzohrigen und leicht überheblichen Draufgänger Quill spielt, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, das macht einfach nur Spaß. Mit dabei an seiner Seite sind noch Zoe Saldana als Assassinin Gamora (hier mal in grün statt blau), der Wrestler Dave Bautista als Drax the Destroyer, ein Muskelberg auf zwei Beinen mit leichten Verständnisproblemen, wenn Metaphern im Spiel sind, sowie das absolut grandiose Duo Rocket (Raccoon) und Groot, beide vollständig animiert und gesprochen von Bradley Cooper und Vin Diesel. Gerade der genetisch veränderte Waschbär Rocket („Ain’t no thing like me, except me!“)  hat mein Herz im Sturm erobert. Und Vin Diesel, der dem humanoiden Baumwesen Groot seine Stimme leiht, hat genau nur einen Satz, der aber, immer wieder gesprochen, zu einem Running Gag im Film wird und mit unterschiedlicher Betonung situationsbezogen immer eine andere Bedeutung hat.

 

 

„I am Groot.“

 

 

 

So dünn also die Story ist (fieser Bösewicht will die Galaxie zerstören), so grandios ist sie inszeniert. Schwungvoll, temporeich, aber dabei nie überladen, in den richtigen Momenten zurückhaltend und trotzdem nie langweilig, und vor allem auch stellenweise immer wieder überraschend düster. Obwohl fünf völlig neue Figuren eingeführt werden müssen, ist der Zuschauer nie überfordert oder verliert den Überblick über das Geschehen und es kommt keiner der Charaktere zu kurz. Jeder hat ausreichend screen time um sich entfalten und entwickeln zu können und jeder hat auch eine (zugegeben, nicht immer sonderlich einfallsreiche) Hintergrundgeschichte spendiert bekommen.

 

 

 

„We are just like Kevin Bacon.“

 

 

 

Der Look des Films ist einfach großartig, irgendwie nostalgisch und futuristisch zugleich. Vieles erinnerte mich an die Serie Firefly, einiges auch an die alten Star Wars – Filme. Der computeranimierte Rocket und sein ebenfalls am Rechner entstandene Kumpel Groot sind die besten Beispiele dafür, das CGI-Effekte eben nicht immer nur stumpfsinnig Bombast erzeugen müssen, sondern noch sehr viel mehr können. So kann und soll CGI funktionieren, nicht nur als Vehikel für platte Action, sondern um faszinierende, zum Teil berauschend schöne und atemberaubende fremde Welten zu erschaffen. Manchmal möchte man aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, bei all diesen hinreißenden Bildern, egal, ob es gigantische Raumschiffe sind, fremde Planeten oder die Weite und Größe des Kosmos visuell festgehalten wird. So viel Schönheit sieht man selten in Blockbustern. Ein weitere großer Pluspunkt ist der liebevoll zusammengestellte, sehr stimmige und buchstäblich auf den Punkt genau eingesetzte Soundtrack des Films, der Schlüsselszenen noch mal unterstreicht und hervorhebt und wie der Rest des Films einfach nur wahnsinnig viel Spaß macht. Dass der Soundtrack dann auch noch in Form eine Kassette in Erscheinung tritt, Quills Awesome Mix Vol.1, das lässt mein Nerd-Herz dann vollends glühen.

Guardians of the Galaxy ist ein zwischen Humor, Charme und Action perfekt ausbalancierter Film, ein feelgood-movie, das von der ersten bis zur letzten Minute einfach nur unfassbar viel Spaß macht. Mitreißend erzählt, entführt die Story an abgedrehte und wunderschöne Orte, die vor Ideenvielfalt einfach nur so strotzen. Tatsächlich mein Film 2014 und zumindest für mich auch die mit Abstand beste Marvelverfilmung bisher, selbst Iron Man kann hier einpacken. Ich freue mich jetzt schon auf den für 2017 angekündigten zweiten Teil und abschließend bleibt eigentlich nur noch eines zu sagen: „We are Groot!“

 

10 von 10 genmanipulierten Waschbären