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Mad Max: Fury Road

19. Mai 2015 at 16:19

 

 

 

Mad Max: Fury Road (2015)
Mad Max: Fury Road poster Rating: N/A/10 (N/A votes)
Director: George Miller
Writer: George Miller, Brendan McCarthy, Nick Lathouris
Stars: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Rosie Huntington-Whiteley
Runtime: 120 min
Rated: R
Genre: Action, Adventure, Thriller
Released: 15 May 2015
Plot: In a stark desert landscape where humanity is broken, two rebels just might be able to restore order: Max, a man of action and of few words, and Furiosa, a woman of action who is looking to make it back to her childhood homeland.

 

 

 

„ As the world fell each of us in our own way was broken. It was hard to know who was more crazy. Me… Or everyone else.”

 

 

 

Max Rockatansky ist wieder zurück! Und wie! Allein, als gebrochener Mann und gequält von seinen inneren Dämonen, durchstreift er das postapokalyptische Australien. Die Welt existiert nicht mehr, nicht so, wie wir sie kennen. Wasser und Benzin sind die Dinge, um die sich alles dreht. Wer sie hat, der regiert, wer nicht, der leidet. Der mächtige Warlord Immortan Joe beherrscht beides und hat mit seinen Warboys eine regelrechte Armee unter sich, die nicht nur bereitwillig für ihn in den Tod gehen, es ist sogar ihr erklärtes Ziel, im Kampf zu sterben ist das höchste Opfer ihrer verqueren Form von Religion. Als Max in Gefangenschaft gerät und von Immortan Joe´s Schergen als lebender Blutspender benutzt wird, gelingt ihm zwar kurz darauf die Flucht, doch er gerät ausgesprochen unfreiwillig in eine gigantische Verfolgungsjagd quer durch das Ödland, denn Furiosa, eine von Immortan Joe´s Imperatoren und seine rechte Hand, hat ihn bestohlen, ihm seinen wertvollsten Besitz genommen, und ist auf der Flucht. Immortan Joe mobilisiert seinen gesamten Kriegsapparat auf der Jagd nach Furiosa und Max ist mittendrin, zwischen den Fronten, und muss ums nackte Überleben kämpfen…

 

Keine Frage, die Story von Mad Max: Fury Road ist dünn, so dünn, dass sie durchsichtig ist, aber was der Film im Ausgleich dazu an Actionspektakel bietet, wie er das kinetische Kino regelrecht zelebriert, das sucht seines Gleichen. Von der ersten bis zur letzten Minute wird hier buchstäblich Vollgas gegeben, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Verschnaufpause. Ein benzingetränktes Monster von Actionfilm voller Blei und Adrenalin, dreckig, roh, vollkommen wahnsinnig, hemmungslos überdreht und unglaublich intensiv. Was der 70jährige Regisseur George Miller auf inszenatorischer Ebene hier abliefert, da können sich viele, viele jüngere Regisseure mehr als nur eine Scheibe von abschneiden. Action-Blockbuster wie The Avengers oder die Fast & Furious – Filme wirken gegen Mad Max: Fury Road wie Kinderkram, wie Ringelpietz mit Anfassen, er wischt den Boden mit ihnen. Der weitestgehende Verzicht auf CGI-Effekte macht sich unfassbar bezahlt. Zwar werden natürlich digitale Effekte verwendet, aber die Setdesigns, die Fahrzeuge, die Stunts, die spektakulären Unfälle, das sind alles ganz altmodische und handgemachte Effekte, mit richtigen Stuntleuten und ohne steriler Action aus dem Computer. Das verleiht dem Film ein ganz anderes Aussehen, es lässt ihn deutlich wuchtiger erscheinen, authentischer und überzeugender. Und kommt doch mal CGI zum Einsatz, dann ist es so clever platziert und in das Geschehen eingebunden, das es bis auf ganz wenige Szenen kaum auffällt. Überhaupt hat der Film zwar ein Blockbuster-Budget, wirkt aber nicht wie einer, tief in seinem Herzen ist auch Mad Max: Fury Road immer noch ein Genrefilm, Exploitation par excellence, durch und durch ein B-Movie im Geiste. So kommt auch der Ausstattung ein großer Stellenwert zu, so detailverliebt und voller bizarrer und manchmal auch kranker Einfälle sind die Designs der Fahrzeuge, die Rüstungen der Warboys oder die mächtige Zitadelle von Immortan Joe.

 

 

 

„ Hope is a mistake. If you can’t fix what’s broken, you’ll go insane.”

 

 

 

Zwar ist Max der Titelheld, aber keineswegs die Hauptfigur des Films, denn dieser Part gebührt vielmehr der grandiosen Charlize Theron als Imperator Furiosa, ist es doch eher ihre Geschichte, die der Film erzählt und Max wird einfach mehr als nur unfreiwillig in die Ereignisse hineingezogen. Sie etabliert eine starke Actionheldin wie man sie seit Sigourney Weaver als Ellen Ripley in Alien nicht mehr auf der Leinwand gesehen hat. Ihr minimalistisches Schauspiel ist toll anzusehen, es gelingt ihr viel über Mimik und Körpersprache zu vermitteln, Worte braucht es da nicht viele. Selbst mit ihren fast abrasierten Haaren, völlig dreck – und blutverschmiert und mit nur einem Arm kann sie Tom Hardy mühelos Paroli bieten und ihn teilweise sogar in den Schatten stellen, ihm die Show stehlen. Seine Figur des Max ist auch ein klein bisschen undankbar in diesem Punkt, er hat so wenig Text, dass es schwer ist gegen Charlize Theron zu bestehen. Aber auch er löst diese Aufgabe mit Bravour, er agiert sehr viel nur über körperliche Präsenz, viel gesprochen wird ohnehin nicht, Mad Max: Fury Road definiert sich nicht über das gesprochene Wort, der Film besticht nicht durch aufgeblasene Dialoge und Storytelling und verbraucht seine Energie lieber an anderer Stelle. Hardy hat gefühlt weniger Dialog als Arnold Schwarzenegger damals im ersten Terminator und über weite Strecken des Films nuschelt, brummt und grunzt er höchstens einzelne Worte, wenn überhaupt, oft reicht auch nur die einfachste Gestik zur Verständigung. Auch Nicholas Hoult (ja, der kleine Junge aus About a Boy!) als Warboy Nux ist zu erwähnen. Seine Figur gerät, Max nicht unähnlich, auch mehr oder weniger unfreiwillig zwischen die Fronten, und unter all dem MakeUp und der Maske, die er trägt, leistet auch er sehr gute Arbeit. Der Rest des Cast, allen voran Hugh Keays-Byrne als Immortan Joe (der übrigens schon im 1979 erschienenen Mad Max an der Seite des blutjungen Mel Gibson den Bösewicht Toecutter zum besten gab), liefert ebenfalls solide Leistungen vor der Kamera ab und es gelingt allen Beteiligten die so verrückte wie kaputte Welt dieses Films glaubwürdig mit Leben zu füllen.

 

Sieht man die Trailer zu Mad Max: Fury Road, dann kann schnell der Verdacht entstehen, dass dies einer dieser typischen Vertreter ist, die ihre besten Szenen bereits dort verpulvern, zusammengestutzt auf zweieinhalb Minuten Blickfang und Köder. Ich kann alle Skeptiker beruhigen, die Trailer zeigen wirklich nur einen Bruchteil der spektakulären Action des Films und noch nicht einmal die Highlights. Auch die im Vorfeld durchweg sehr positiv gestimmtem, teils regelrecht euphorischen Kritiken lassen einen vielleicht skeptisch werden, aber Mad Max: Fury Road weiß am Ende nicht nur zu überzeugen, er übertrifft all das nochmal mühelos. Der mit Abstand beste Actionfilm, den ich wohl in den letzten zehn Jahren zu Gesicht bekam. Er definiert das Genre völlig neu und alles, was in den nächsten Jahren dort noch kommen wird, muss sich daran messen lassen. Mad Max: Fury Road legt die Messlatte für kommende Actionfilme wirklich sehr, sehr hoch. Zwei Stunden völlig irrsinnige Action nonstop und nicht einmal für einen Toilettengang bleibt da Platz. Abschließend ist nur noch zu sagen: wer kann, der sollte sich den Film unbedingt im Kino ansehen, er ist wie für die große Leinwand geschaffen, genau dort gehört er hin, dieser brachiale Ritt auf einer Abrissbirne, dessen enorme kinetische Energie vor allem auch gehört und gefühlt werden muss.

 

9 von 10 Gläsern frisch gezapfte Muttermilch

 

 

 

Sin City: A Dame to Kill For

15. Mai 2015 at 22:05

 

 

 

Sin City: A Dame to Kill For (2014)
Sin City: A Dame to Kill For poster Rating: 6.6/10 (80798 votes)
Director: Frank Miller, Robert Rodriguez
Writer: Frank Miller, Frank Miller (graphic novels)
Stars: Mickey Rourke, Jessica Alba, Josh Brolin, Joseph Gordon-Levitt
Runtime: 102 min
Rated: R
Genre: Crime, Thriller
Released: 22 Aug 2014
Plot: Some of Sin City's most hard-boiled citizens cross paths with a few of its more reviled inhabitants.

 

 

 

„Sin City’s where you go in with your eyes open, or you don’t come out at all.”

 

 

 

Neun Jahre ist es jetzt her seit Robert Rodriguez letztem Abstecher in die düstere Welt der Comics von Frank Miller, seit wir zum ersten Mal einen Blick auf den verkommenen Moloch Basin City werfen konnten. Sin City war neuartig, aufregend und faszinierend, wie die Quintessenz aller Noir und Hard Boiled – Filme – und Stories gebündelt in zwei Stunden Laufzeit, voller völlig kaputter Figuren, ohne Moral oder Skrupel. Visualisierung und Erzählstruktur waren beinahe schon revolutionär, der extrem stilisierte und ästhetische Schwarz/Weiß-Look passte perfekt zu den verkommenen Charakteren und deren Geschichten. Marv, Dwight, Hartigan, sie alle waren düstere Gestalten, die einen mehr, die anderen weniger, aber alle waren sie gebrochene Männer, die etwas verloren hatten.

 

Um mein Urteil vorweg zunehmen und mich kurz zu halten: Sin City: A Dame to Kill For kann da nicht annähernd mithalten, ist über weite Strecken sogar schlicht und ergreifend überflüssig. Es mangelt an allen Ecken und Enden an guten Ideen und Geschichten, sie sind vielmehr absolut belanglos und wissen zu keiner Sekunde den Zuschauer zu packen oder in sich hineinzuziehen. Spannung kommt kaum auf, dafür bleibt alles viel zu oberflächlich, es fehlt mir das Schmutzige des ersten Teils, hier wirkt vieles einfach nur lieblos und vor allem viel zu glatt. So gut wie nichts, was den ersten Teil noch ausgemacht hatte lässt sich im zweiten wiederfinden. Auch kommt es Sin City: A Dame to Kill For nicht zu Gute, dass er als Prequel und Sequel zugleich ausgelegt ist, die ständigen Sprünge im Vergleich zu den Geschichten des ersten Films, gerade in Bezug auf Marv, stiften nur zusätzlich Verwirrung und führen letztlich dazu, dass der Film seine innere Logik nicht aufrecht erhalten kann. Die Inszenierung wirkt längst nicht mehr so räudig wie vor neun Jahren, viele Szenen kommen erstaunlich billig daher und doch sehr künstlich, das war in Sin City noch deutlich anders. Zudem wird der Einsatz der Farbkontraste derart inflationär betrieben, dass er völlig seine Wirkung einbüßt, was schade ist, waren das doch sonst punktuell sehr effektive Momente. Eva Green gibt die unterkühlte und manipulative Femme Fatale routiniert und darf ein paar Mal nackt durchs Bild laufen, langweilt aber auch sehr schnell. Der Rest des Cast gibt sich erstaunlich wenig Mühe und die rar gesäten interessanten Charaktere verkommen bis auf Marv und mit Abstrichen noch Dwight zu nutzlosem Beiwerk, ihr Potential wird kaum genutzt. Überhaupt bleiben die Figuren diesmal, obwohl teils die gleichen wir im Vorgängerfilm, sehr flach und blass, es gibt einfach keinen Grund mehr, mit ihnen noch mitzufiebern, sie erreichen den Zuschauer zu keinem Zeitpunkt, sie lassen einen kalt.

 

Vielleicht hat das Konzept Sin City wirklich nur für einen Film funktioniert und ist verbraucht. 300: Rise of an Empire hatte ja mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Vielleicht ist der Reiz des Neuartigen verpufft. Vielleicht war auch der Abstand von neun Jahren einfach zu groß, wer weiß. Auf jeden Fall ist Sin City: A Dame to Kill For vor allem eines, er ist langweilig. Langweilig und absolut entbehrlich, eine durch und durch überflüssige und unnötige Fortsetzung, die höchstens noch am Status des Vorgängers rüttelt.

 

2 von 10 gebrochenen Fingern

 

 

Zitat des Tages

13. Mai 2015 at 22:48

 

 

 

„The chain in those handcuffs is high-tensile steel. It’d take you ten minutes to hack through it with this. Now, if you’re lucky, you could hack through your ankle in five minutes. Go.“

 

 

 

 

Eternal Sunshine of the Spotless Mind (Vergiss mein nicht!)

10. Mai 2015 at 15:40

 

 

 

Eternal Sunshine of the Spotless Mind (2004)
Eternal Sunshine of the Spotless Mind poster Rating: 8.4/10 (561,264 votes)
Director: Michel Gondry
Writer: Charlie Kaufman (story), Michel Gondry (story), Pierre Bismuth (story), Charlie Kaufman (screenplay)
Stars: Jim Carrey, Kate Winslet, Gerry Robert Byrne, Elijah Wood
Runtime: 108 min
Rated: R
Genre: Drama, Romance, Sci-Fi
Released: 19 Mar 2004
Plot: When their relationship turns sour, a couple undergoes a procedure to have each other erased from their memories. But it is only through the process of loss that they discover what they had to begin with.

 

 

 

“How happy is the blameless vestal’s lot!
The world forgetting, by the world forgot.
Eternal sunshine of the spotless mind!
Each pray’r accepted, and each wish resign’d.”

 

 

 

Obwohl Joel und Clementine kaum unterschiedlicher sein könnten, er schüchtern, introvertiert und eher rational veranlagt, sie impulsiv, spontan, ein bisschen verrückt und manchmal etwas launenhaft, sind sie seit zwei Jahren ein Paar mit allen Höhen und Tiefen. Bis Clementine Joel nach einem Streit verlässt, endgültig und mit aller Konsequenz, lässt sie sich doch von Dr.Mierzwiack durch dessen neuartige Methode sämtliche Erinnerungen an ihn aus dem Gedächtnis löschen. Als Joel davon erfährt, bricht seine Welt vollends zusammen, wollte er sie doch eigentlich noch um eine zweite Chance bitten, und jetzt erkennt sie ihn nicht einmal mehr. Erst ungläubig, dann verletzt und wütend, will er es ihr gleich tun und sucht seinerseits Dr. Mierzwiack auf, um Clementine ebenfalls für immer zu vergessen. Während dieser Prozedur der Löschung seiner Erinnerung an sie durchlebt er viele Momente ihrer gemeinsamen zwei Jahre erneut und muss erkennen, dass er sie eigentlich gar nicht vergessen will und dass er sie immer noch liebt, doch es ist ihm nicht möglich, sich bemerkbar zu machen und den Prozess aufzuhalten…

 

Eternal Sunhine of the Spotless Mind – welch wundervoller Titel, vor allem in Bezug auf das eingangs zitierte Gedicht Eloisa to Abelard von Alexander Pope, aus dem diese Zeilen stammen. Lässt der deutsche Titel dagegen – Vergiss mein nicht! – doch nur wieder eine weitere oberflächliche, dümmliche und kitschige Liebesgeschichte der Marke Hollywood erwarten, könnte man damit kaum weiter daneben liegen. Auch Jim Carrey in der Hauptrolle lässt nur falsche Vermutungen anstellen und führt in eine völlig verkehrte Richtung. Der Mann hat schon mehrfach bewiesen, dass er sehr viel mehr kann als nur Grimassen ziehen, man denke da nur an The Truman Show oder Man on the Moon, in denen er eindrucksvoll sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellt, es gerät nur allzu gern in Vergessenheit. Kate Winslet? Es hat vielleicht auch jetzt noch nicht jeder mitbekommen, dass sie sich inzwischen zu einer wirklich tollen Schauspielerin entwickelt hat, 2004 aber sicher kaum jemand. Viele Vorzeichen verweisen also in eine völlig falsche Richtung, könnten unter Umständen sogar abschreckend wirken, drängt sich doch ein bisschen der Verdacht auf, es hier nur mit einer weiteren geistlosen romantischen Komödie zutun zu haben. Stattdessen aber ist Eternal Sunshine of the Spotless Mind eine wunderschöne und zutiefst berührende Geschichte über Lieben und Entlieben, über Vergessen und Erinnern, darüber, was uns als Menschen ausmacht und was uns zu den Menschen gemacht hat, die wir sind.

 

 

 

„You look at a baby, and it’s so pure and so free and so clean. And adults are, like, this mess of sadness…and… phobias.”

 

 

 

Drehbuchautor Charlie Kaufmann und Regisseur Michel Gondry sind ein traumhaftes Team, wie sie Joel´s Innenleben zum Ausdruck bringen, seine Gedanken, Gefühle, Träume, Hoffnungen, Wünsche, Ängste und Erinnerungen, so plastisch, so nachvollziehbar und so surreal zugleich, das ist ohne jeden Zweifel meisterhaft. Charlie Kaufman ist sowas wie der Drehbuchgott für Independent-Regisseure und nicht gerade bekannt dafür, Geschichten zu schreiben, welche die breite Masse der Kinogänger begeistern, dafür sind die von ihm verarbeiteten Ideen einfach zu verrückt. Drehbücher zu Filmen wie Being John Malkovich oder Adaption und eben auch Eternal Sunshine of the Spotless Mind sind skurril, abgedreht und verschachtelt, aber eben auch immer sehr präzise und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Mittelwege oder Kompromisse gibt es bei Kaufman nicht, er biedert sich keinem Publikum an, das seine Ideen ohnehin nicht nachvollziehen könnte, dem ist er sich durchaus bewusst, auch dem, dass er aneckt, aber es ist ihm vollkommen gleichgültig. Geschichten für den Mainstream überlässt er bereitwillig anderen. In dem Franzosen Michel Gondry hat er für Eternal Sunshine of the Spotless Mind einen Regisseur an der Seite, der es ganz wunderbar versteht, wo Kaufman mit seinen Geschichten hin will und das dann auch noch in wunderschön berauschende Bilder zu übersetzen weiß. Die Zusammenarbeit der beiden war zwar nach einer Reihe von Musikvideos sein erster Spielfilm, aber bereits hier zeigt sich diese enorme Verspieltheit in der Inszenierung, die spätere Filme wie Science of Sleep, Be Kind Rewind oder Der Schaum der Tage auszeichnen.

 

Eternal Sunshine of the Spotless Mind ist dann auch schlicht und ergreifend großartig inszeniert, mit wahnsinnig viel Gespür für Details und vor allem auch für Stimmungen. Obwohl die Story nicht chronologisch erzählt wird, hat man zu jeder Zeit in den einzelnen Szenen das Gefühl, nur anhand der jeweiligen Stimmung genau zu wissen, in welchem Stadium sich die Beziehung von Joel und Clementine gerade befindet. Ein großer Teil des Films spielt in Joel´s Kopf, in seiner Gedankenwelt, seinen Erinnerungen, aber eben nicht alles, ein kleiner Subplot wird parallel dazu in der Realität erzählt, aber immer wieder vermischen sich diese verschiedenen Erzählstränge. Das Gefüge der Bewusstseinsebenen ist chaotisch, Wirklichkeit, Träume, Erinnerungen und Rückblenden verwischen zu einem großen Ganzen, Personen werden scheinbar willkürlich hin und her teleportiert und tauchen plötzlich an Orten auf, an denen sie gar nicht sein können, Gesichter verblassen zusehends oder verschwinden gleich ganz, die Bild – und Tonspuren werden häufig voneinander abgekoppelt, man sieht das eine, hört aber etwas völlig anderes, Joel wechselt in seinem Kopf Raum und Zeit nach Belieben, er wandelt wie Alice durch das Wunderland seiner Erinnerungen. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der völlige Verzicht auf CGI, das heißt es gibt nicht einen einzigen computeranimierten Effekt in Eternal Sunshine of the Spotless Mind. Angesichts der ungewöhnlichen und enorm kreativen Inszenierung ist das absolut verblüffend, aber diese Flut von Bildern wird tatsächlich ganz altmodisch und von Hand zum Leben erweckt, was den Film dann auch seinen ganz eigenen, seltsam entrückten Charme haben lässt und einfach ganz wunderbar ins Gesamtbild passt.

 

 

 

„ What a loss to spend that much time with someone, only to find out that she’s a stranger.”

 

 

 

So wie die Chemie zwischen Charlie Kaufman und Michel Gondry hinter der Kamera absolut stimmig ist, so magisch ist sie vor der Kamera zwischen Jim Carrey und Kate Winslet. Sie verkörpern Joel und Clementine mit all ihren kleinen Macken und Fehlern so wunderbar authentisch, sie wirken herrlich echt und aus dem Leben gegriffen, sind menschlich durch und durch und man kann sich auch ein bisschen wiedererkennen in den beiden. Genau das macht Eternal Sunshine of the Spotless Mind erfrischend anders und gänzlich frei von Kitsch, so kann der Film überhaupt erst richtig funktionieren, denn das schafft großes Identifikationspotential. Joel und Clementine sind eben kein sonst so typisch und oberflächlich gezeichnetes Paar, wie man es doch oft aus Hollywood und seinen romantischen Komödien gewohnt ist. Sie sind nicht besonders interessant oder besonders schön, sie sind nicht reich, haben keine schicken Wohnungen und keine tollen Autos, sie sind absolut durchschnittlich mit all ihren Wünschen und Träumen, ihren Ängsten und Sorgen und ihrem Schmerz

 

Eternal Sunshine of the Spotless Mind ist ein wirklich grandioser Film, wunderschön und berührend umgesetzt, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang kitschig zu sein. Er ist charmant, witzig, traurig, komplex, anspruchsvoll und befremdlich zugleich, sprudelt nur so über vor hemmungslos kreativen und verrückten Ideen und Einfällen und seine nicht chronologische Erzählstruktur zwingt den Zuschauer zu einem gewissen Maß an Aufmerksamkeit. Ein Plädoyer für das Erinnern, das bewusste Erinnern, und gegen das Vergessen, denn nichts ist nur gut oder nur schlecht, und all diese Dinge, all unsere Erlebnisse machen uns zu genau den Menschen, die wir heute sind. Sie sind ein Teil von uns, die guten und schlechten Erinnerungen, das werden sie immer sein und jede von ihnen hat ihre Berechtigung. Jeder halbwegs denkende und fühlende Mensch sollte Eternal Sunshine of the Spotless Mind mal gesehen haben.

 

10 von 10 gelöschten Erinnerungen