Dredd

30. November 2016 at 19:26

 

 

© Lionsgate

 

 

 

„America is an irradiated wasteland. Within it lies a city. Outside the boundary walls, a desert. A cursed earth. Inside the walls, a cursed city, stretching from Boston to Washington D.C. An unbroken concrete landscape. 800 million people living in the ruin of the old world and the mega structures of the new one. Mega blocks. Mega highways. Mega City One. Convulsing. Choking. Breaking under its own weight. Citizens in fear of the street. The gun. The gang. Only one thing fighting for order in the chaos: the men and women of the Hall of Justice. Juries. Executioners. Judges.“

 

 

 

In der Zukunft sind weite Teile Amerikas zu nuklearen Wüsten verbrannt, doch gibt es noch gigantische Städte wie Mega City One, einem riesigen Moloch an der Ostküste, der sich von Boston aus bis nach Washington, D.C. ausgebreitet hat und rund 800 Millionen Einwohner zählt. Um in diesem kochenden Schmelztiegel das Gesetz aufrecht zu erhalten und Gewalt und Verbrechen Einhalt zu gebieten, gibt es die sogenannten Judges, Verbrechensbekämpfer und Jury, Richter und vollstreckende Exekutive in Personalunion. Einer dieser Judges ist der legendäre Dredd, der mit einer neuen Rekrutin einen mehrfachen Mord in dem 200 Stockwerke umfassenden Hochhaus Peach Trees aufklären soll. Scheinbar ein Routinefall, doch steht Peach Trees unter der Kontrolle von Drogenbaronin Ma-Ma, die keine Judges innerhalb ihres Einflussbereiches dulden kann, den Gebäudekomplex kurzer Hand vollständig abriegelt und die beiden Judges zum Abschuss freigibt.

 

Ein häufig gemachter Fehler in der Rezeption von Dredd ist die irrige Annahme, es mit einem Remake des Filmes von 1995 zu tun zu haben, in welchem noch Sylvester Stallone die Rolle des Judge Dredd übernahm. Das ist faktisch schlicht und ergreifend falsch, denn sowohl Judge Dredd von Danny Cannon als auch jetzt Dredd von Pete Travis sind Verfilmungen eines Comics, der erstmals 1977 als Teil der britischen Anthologie 2000 A.D. in Erscheinung getreten ist. Insofern sind beide Filme als eigenständig zu betrachten und beziehen sich in keinster Weise aufeinander, sondern lediglich auf eine gemeinsame Vorlage, die sie unterschiedlich versuchen aufzuarbeiten und die auf völlig verschiedene Art und Weise funktionieren. Tatsächlich kommt Dredd dann auch seiner gezeichneten Vorlage deutlich näher als noch Judge Dredd siebzehn Jahre zuvor, bei dem seine Macher scheinbar relativ wenig Vertrauen in seinen Ursprung hatten, reicherten sie ihren Film doch mehr oder weniger wahllos mit zahlreichen Elementen an, die dem Geist der Comics geradezu widersprüchlich entgegenlaufen und deren Essenz letztlich so sehr verwässern, dass Judge Dredd meist nur noch als launiges Sylvester Stallone-Vehikel wahrgenommen wird. Dredd hingegen ist in seiner enormen Gewaltdarstellung und seinem rohen Zynismus dem faschistoiden Grundgedanken hinter den Comics deutlich näher und zeigt sehr deutlich, wie filmische Comic-Adaptionen abseits von Marvel und Co. eben auch noch aussehen können: kurz und schmerzlos auf den Punkt inszeniert ohne unnötige Spielereien, atmosphärisch sehr nah an seiner Vorlage und gänzlich verzichtend auf Origin Stories, Subplots und potentielle Fortsetzungen oder Spin Offs. Dredd ist geradlinig, schnörkellos und erzählerisch sehr einfach gehalten, hat kein Gramm Fett zuviel auf den Rippen und die Hintergrundgeschichte der Judges und ihren Mega Cities ist denkbar verknappt und auf das Allernötigste reduziert. Die Welt von Dredd bleibt eine vage, grob umrissene Skizze, Politik und Grundsatzdebatten über Ethik und Moral des faschistoiden Justiz- und Gesellschaftssystems werden anderswo geführt, jedenfalls nicht in den neunzig Minuten dieses Films, es ist eine Welt des ununterbrochenen, zur Normalität gewordenen Ausnahmezustandes, in der es für den Titelhelden nur zwei Dinge in Relation zu setzen gibt: das Verbrechen und das Gesetz, aus denen sich die Kausalitäten des Urteilsspruchs und der Vollstreckung ableiten. Nichts anderes ist von Belang. Eine Hand voll gesprochener Zeilen aus dem Off und einige Bilder einer gewaltigen Betonwüste inmitten menschenfeindlicher Ödnis zu Beginn des Filmes reichen vollkommen aus, um alle Karten auf den Tisch zu legen. Dredd beleuchtet keine ganze Welt, betreibt kein umfassendes Worldbuilding, sondern konzentriert sich vielmehr auf eine Momentaufnahme dieser Welt, ein scheinbar willkürlich ausgewähltes Einzelbild aus dieser postapokalyptischen Szenerie und macht dieses zu seinem Thema, aber gerade das ist seine große Stärke. Eben jenes gigantische Hochhaus, Peach Trees, bietet mit seinen weit in den Himmel empor ragenden Stockwerken, seinen dreckigen wie tristen Betonfassaden und dem zentralen Atrium nicht nur eine visuell reizvolle Kulisse, sondern wirkt darüberhinaus glaubwürdig genug, um der eigentlichen Geschichte einen handfesten Unterbau zu geben. Und ja, der Vergleich zu dem ganz ähnlich konzipierten The Raid drängt sich durchaus auf, aber Dredd ist dem indonesischen Action-Spektakel von 2011 dann doch nicht so sehr ähnlich, dass man die Messlatte nun unbedingt anlegen müsste, denn es ist eben kein Martial Arts-Ballet, es gibt keine Minuten langen, virtuos inszenierten Kampfsequenzen, nur gewaltige wie dreckige Schießereien und Kugeln, die in Körper einschlagen und zerfetzte Löcher hinterlassen. Gerade durch die zeitlupenartigen, durch die neuartige Droge Slo-Mo bedingten Verfremdungseffekte erhält das ganze dann auch eine vollkommen eigene Ästhetik der Gewalt, wenn Blutfontänen schlierenartig durch den Raum wabern und zerfetztes Gewebe umher fliegt. Pete Travis´ Film ist folglich sehr brutal geraten, roh und nihilistisch, aber das braucht es auch, um eben jene faschistoiden Züge des Systems hinter den Judges überhaupt erst anzudeuten. Darüber hinaus aber ist sein Dredd auch visuell sehr faszinierend geraten und hat zweifellos den einen oder anderen beeindruckenden Effekt zu bieten. Karl Urban verkörpert den scheinbar unendlichen Stoizismus und beinahe schon widerlichen Zynismus der Hauptfigur unfassbar gut und wirkt wie ein junger Clint Eastwood unter diesem Helm, welchen er dankbarer Weise und im Gegensatz zu Judge Dredd von 1995 niemals abnimmt, würde ihn das doch der grundlegenden Idee berauben, auch nur Teil einer gesichtslosen, maschinengleichen und anonymen Masse zu sein, die ihre ganz eigenen Regeln konsequent durchsetzt. Ihm gegenüber steht Lena Headey als Madeline Madrigal aka Ma-Ma, die den meisten wohl bekannt sein dürfte für ihre Rolle als Cersei Lannister in der Serie Game of Thrones. Ansonsten sticht bis auf Domhnall Gleeson in einer zu der Zeit eher winzigen Rolle noch Olivia Thirlby als Dredd´s neue Rekrutin mit übersinnlichen Fähigkeiten hervor, die, zwar als Mutantin stigmatisiert, dennoch einem Eignungstest als Judge unterzogen wird und die ihre spätere damsel in mistress-Lage nicht nur völlig ohne die Hilfe ihres männlichen Kollegen ganz allein aufzulösen weiß, sondern gleich auch noch dem verwundeten Dredd aus der Patsche hilft.

 

Dredd ist ein roher und kompromissloser Actioner, beinahe schon nihilistisch, enorm geradlinig und schnörkellos erzählt und steht somit seiner geistigen Vorlage deutlich näher als noch die Verfilmung von 1995. Wer in ihm nicht mehr als nur eine sinnlose Aneinanderreihung immer brutaler werdender Szenen sieht, glorifizierte Gewalt nur um ihrer selbst willen und vollkommen ohne Distanz, der hat entweder nicht richtig hingesehen oder erst gar nichts anderes sehen wollen, denn unter seiner zynischen Oberfläche verhandelt Dredd schon noch ein wenig mehr als man auf den ersten Blick vermuten würde. Davon ab funktioniert er einfach ganz wunderbar als Gegenentwurf zu all den zu Tode optimierten und glatt gebügelten Comicverfilmungen, die das moderne Blockbuster-Kino quasi im Alleingang für sich vereinnahmt haben. Oder um Dredd zu zitieren: „Negotiation’s over. Sentence is death.“

 

7,5 von 10 Hot Shots aus dem Lawgiver

 

 

Doctor Strange

2. November 2016 at 13:42

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures

 

 

 

„This doesn’t make any sense. – Not everything does. Not everything has to.“

 

 

 

Dr. Stephen Strange ist ein brillanter wie arroganter und überheblicher Neurochirurg, der nach einem schweren Autounfall irreparable Nervenschäden an seinen Händen davon trägt und seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Nachdem er jede noch so experimentelle Behandlungsform traditioneller, westlicher Medizin ausgeschöpft hat und ihm keine helfen konnte, sucht er verzweifelt sein Heil in fernöstlichen Praktiken und reist nach Nepal. Dort wird er nicht nur geheilt, sondern auch eingeweiht in die Geheimnisse uralter magischer Künste, denn was er anfangs noch herablassend als Humbug abtut, dient einem erlesenen Kreis mächtiger Magier zur Verteidigung der Menschheit….

 

Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk produziert Disney Film um Film für sein Megaprojekt MCU, erweitert eifrig seinen filmischen Kosmos und beginnt nun langsam aber sicher Phase 3 seines Masterplans auszubauen. Abermals muss mit Doctor Strange nach den Guardians of the Galaxy und Ant-Man nun eine weitere Figur aus der zweiten, nicht ganz so bekannten Reihe herhalten, und erstaunlicherweise kann auch diese deutlich besser überzeugen als viele der bereits etablierten Figuren. Überraschend dabei ist neben der mit Benedict Cumberbatch, Mads Mikkelsen und Tilda Swinton wohl hochkarätigsten Besetzung bisher im MCU überhaupt vor allem auch die Wahl von Scott Derrickson als Regisseur, der zumindest mir vorher kein Begriff war. Eine kurze Recherche ergab mit Hellraiser: Inferno, The Exorcism of Emily Rose, Sinister und Deliver Us from Evil eine handvoll überwiegend aus dem Horror stammende, allenfalls mittelmäßige Filme, zu denen sich dann noch das vergessenswerte Remake von The Day the Earth Stood Still gesellt. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen, wer vermag das schon so genau zu beurteilen, ist Doctor Strange als inzwischen bereits vierzehnter Beitrag im MCU und zweiter in dessen Phase 3 erfrischend genug anders geraten als die meisten übrigen Filme des Universums, bedient sich dabei aber immer noch dessen typischen erzählerischen Duktus, der ihn ganz klar als Marvelfilm kennzeichnet. Allerdings sollte man auf der erzählerischen Charakterebene keine Innovationen erwarten, denn hier bedient Doctor Strange die klassischste von allen nur denkbaren Origin Stories und deckt sich überwiegend mit der von Tony Stark/Iron Man, wenn das arrogante und überhebliche Genie durch ein einschneidendes Ereignis seine Läuterung erfährt und fortan seine eigentliche Bestimmung findet. Nennenswerte erzählerische Neuerungen oder Risiken, die eingegangen werden, gibt es nicht, und der Rhythmus ist klar vorgegeben und beschreitet gewohnte Wege. Mit dem Einführen der Magie und dem damit verknüpften Konzept der multiplen Universen und Dimensionen jedoch stößt Marvel die Tür zu ungeahnten Möglichkeiten weit auf und fügt seinem Kosmos einige ganz wunderbare Ideen hinzu, mit denen nicht nur Doctor Strange auf faszinierende Art und Weise umzugehen weiß, sondern die darüber hinaus noch spannende Gedankenspiele für die Zukunft implizieren. So ist Doctor Strange dann auch visuell buchstäblich atemberaubend und zelebriert ein überwältigendes Feuerwerk an Effekten, erschafft einen regelrecht psychedelischen und rauschhaften Wirbelsturm von Bildern und Eindrücken, von denen ich einige in solcher Form noch nie zuvor gesehen habe. Wer mich kennt, der weiß, dass ich alles andere als ein Freund des 3D bin, aber ich muss zugeben: für diesen Film lohnt sich das wirklich sehr, zumal es Regisseur Derrickson hin und wieder sogar gelingt, dieser eigentlich nur als Gimmick dienenden technischen Spielerei einen erzählerischen Mehrwert abzuringen. Dazu gesellt sich der bereits erwähnte starke Cast rund um Benedict Cumberbatch, der seinen Dr. Stephen Strange zwar nicht so herausragend spielt wie seinen Sherlock, aber dennoch eindrucksvoll genug auftritt, um der Mischung aus Tony Stark und Dr. House charismatisch Ausdruck zu verleihen und eine glaubwürdige, leicht gebrochene Heldenwerdung zu zeigen. Tilda Swinton fängt mit einer geradezu androgynen Vorstellung ganz hervorragend den mystisch-rätselhaften Geist von Strange´s Lehrmeister The Ancient One ein und die ganze Diskussion um das leidige Thema white washing hab ich sowieso nie verstanden. Die geradezu sklavische Ergebenheit gegenüber den Comicvorlagen vieler Hardcorefans und Liebhaber der bunten Seiten empfinde ich in Bezug auf die filmischen Umsetzungen doch eher als störend und limitierend, sind Film und Comic letztlich doch verschiedene Medien, die sich nicht 1:1 aufeinander übertragen lassen. Aber wieder zurück zum Film: auch Chwitel Ejiofor (einigen vielleicht eher bekannt als „der Typ aus 12 Years a Slave„) als Baron Mordo weiß mit seiner ruhig zurückhaltenden Art, unter deren Oberfläche es allerdings zunehmend brodelt, zu überzeugen, und inhaltlich löst der Film seine Entwicklung sehr schön auf und deutet schon auf Zukünftiges hin. Dem tollen Mads Mikkelsen kommt dann der Part des Bösewichts Kaecilius zu als ehemaliger brillanter wie arroganter Schüler von The Ancient One, der ihre Lehren nicht länger anerkennen, sich ihren Regeln nicht länger unterwerfen wollte und ihr letztlich mit seinen Jüngern den Rücken kehrte. Zwar lässt sich seine Motivation durchaus verstehen und beschränkt sich nicht einfach nur auf stumpfe Allmachtsfantasien und Weltzerstörungspläne, dennoch bleibt die Figur erstaunlich eindimensional und blaß. Und der B-Movie Action-Mime Scott Adkins ist leider Gottes in seiner Funktion als eine Art Henchman von Kaecilius vollkommen verschenkt und bekommt kaum Gelegenheit seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ein inzwischen alt bekanntes Problem des MCU, dass die Bösewichte meist nichts taugen. Kurioserweise gelingt es den Marvel-Serien wie Daredevil, Jessica Jones und Luke Cage um Längen besser glaubwürdige und vielschichtige Bösewichte zu erschaffen.

 

Doctor Strange ist ein ausgesprochen unterhaltsamer Beitrag zum MCU geworden, der auf erfrischende Art und Weise durchaus auch vom üblichen erzählerischen Korsett abweicht, dieser stetig wachsenden Welt neue, spannende Facetten verleihen kann und auch mühelos als Film für sich allein stehen kann. In Bezug auf die Origin Story des Helden gibt es zwar keine nennenswerten Neuerungen, aber die elegante Inszenierung, die überwältigenden visuellen Schauwerte, der angenehm auflockernde Humor und starke Darsteller wissen das mühelos zu kompensieren. Es ist bezeichnend, dass mit den Guardians of the Galaxy, Ant-Man und jetzt auch Doctor Strange die Figuren aus der zweiten Reihe des MCU mir dann doch meist besser gefallen als die der ersten Reihe rund um Captain America und Iron Man. So darf das gerne weitergehen.

 

8 von 10 flatterhaften Umhängen

 

 

X-Men: Apocalypse

26. September 2016 at 23:31

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„You are all my children, and you’re lost because you follow blind leaders. These false gods, systems of the weak, they’ve ruined my world. No more.“

 

 

 

Im Kairo des Jahres 1983 wird der uralte und übermächtige Mutant Apocalypse aus Jahrtausende andauernder Gefangenschaft befreit und auf eine hilflose Menschheit losgelassen. Angewidert von dem, was aus seiner Welt geworden ist, beschließt er, die Welt zu zerstören um aus ihren Trümmern eine neue Ordnung nach seinem Bild zu erschaffen. Dazu versammelt er vier potentiell sehr mächtige Mutanten inklusive Magneto um sich, aber um seinen Plan vollends verwirklichen zu können, braucht er auch die Kräfte von Professor Charles Xavier. Allein dieser und seine X-Men sind die vielleicht einzigen, die Apocalypse jetzt noch aufhalten könnten und so entbrennt ein Kampf um die Existenz der Menschheit.

 

„Well, at least we can all agree the third one’s always the worst.“ Ich gebe zu, dass ich es mir ein wenig leicht mache, wenn ich diese Rezension mit jenem Zitat der jungen Jean Grey beginne, aber es ist einfach viel zu verlockend, um es nicht zu nutzen. Im Film selbst fällt dieser Satz nach einem Kinobesuch von Star Wars: Episode VI – Return of the Jedi und es bedarf nicht allzu viel Fantasie, um darin einen ironischen und augenzwinkernden Seitenhieb von Regisseur Bryan Singer gegen Brett Ratners X-Men: The Last Stand von 2006 zu erkennen, dem zweifellos bisher schlechtesten Beitrag der gesamten Reihe. Aber diesem Satz wohnt auch eine gewisse unbeabsichtigte Ironie inne, denn auch X-Men: Apocalypse vermag das Niveau seiner beiden Vorgänger First Class und Days of Future Past nicht immer zu halten. Zudem haben wir es mit einer Prequel-Trilogie zu tun, welche gerade in Bezug auf ihren Ursprung über weite Strecken gut bis sehr gut funktioniert, was im Falle von Star Wars auf Episode I-III nun mal überhaupt nicht zutrifft. First Class war ein mehr als nur gelungener, sehr guter Auftakt zur Wiederbelebung der nach The Last Stand eigentlich toten Reihe und in meinen Augen der beste Film im X-Men-Universum bisher, aber kommerziell nicht unbedingt der große Wurf, weshalb Bryan Singer nach X-Men und X-Men 2 dann für X-Men: Days of Future Past die Regie von Matthew Vaughn wieder übernahm und nun auch für Apocalypse hinter der Kamera steht. Und nach den beiden Vorgängern der Prequel-Trilogie beschließt Bryan Singer nun endgültig den mit First Class begonnenen, selbstmetaphorischen Akt der Neuordnung des X-Men-Universums, der bereits in Days of Future Past seinen Höhepunkt erreichte. Nach Apocalypse werden die Ereignisse (und teils schweren Fehler) der alten Trilogie vollkommen ausgemerzt und für das Bewusstsein der Figuren nicht mehr präsent sein. Die Uhr steht wieder auf Null.

 

 

 

„I tried your way, Charles. I tried to be like them, live like them. But it always ends the same way. They took everything away from me. Now, we’ll take everything from them.“

 

 

 

Apocalypse setzt an einem Punkt zehn Jahre nach den Ereignissen von Days of Future Past ein und durch diesen Zeitsprung holt der Film sowohl die neuen wie auch die alten, bereits bekannten Figuren an unterschiedlich nachvollziehbaren und mit ausreichend Hintergrund versehenen Punkten ab. Die Gefahr durch die Sentinels mag zwar gebannt sein, aber die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber der Mutanten hat sich kaum geändert und an ein harmonisches Miteinander ist nicht zu denken. Zu sehr herrschen nach wie vor Ausgrenzung und Ablehnung vor. Charles Xavier leitet weiterhin seine Schule und unterrichtet Mutanten, Erik Lehnsherr jedoch zog es in die Abgeschiedenheit des ländlichen Polens, um dort ein ruhiges und friedliches Leben führen zu können. So bedarf es auch abermals eines tragischen Zwischenfalls, um ihn nur noch näher an den Abgrund zu stoßen und Mitglied von Apocalypses Gefolgschaft werden zu lassen. Überhaupt wird dem Charakter des Magneto ja in den drei Filmen der Prequel-Reihe der größte und stärkste Entwicklungsbogen spendiert. So darf Michael Fassbender dankenswerter Weise nun nur noch tiefer in die innere Zerrissenheit der Figur eintauchen und er lässt all diesen Schmerz und all diese Wut so überzeugend spürbar werden, hadert so sehr mit seiner Existenz, dass er über die dramaturgischen Schwächen in der Entwicklung seiner Figur, die sich erzählerisch seit First Class immer noch im Kreis dreht, hinweg sehen lässt. So mischen sich auch die immer gleichen Variationen von Momenten des schwermütigen Dialoges zwischen Charles und Erik in den Film, bei denen die Hoffnung und der Optimismus des einen der Desillusion und der Verbitterung des anderen diametral gegenüber stehen. Überhaupt kommt einem vieles bekannt vor und hinterlässt ein leises Déjà-vu-Gefühl, Nightcrawlers Käfigkampf zum Beispiel, die Nuklearwaffen oder die Dark Phoenix-Szene und noch so manch anderes Bild mehr bedient sich bei bekannten Motiven des ganzen Zyklus, aber das stört, wenn überhaupt, nur am Rande und löst eher willkommenes Anerkennen aus.

 

 

 

„Elohim, Pushan, Ra – I’ve been called many names over many lifetimes. I am born of death. I was there to spark and fan the flame of man’s awakening, to spin the wheel of civilization. And when the forest would grow rank and needed clearing for new growth, I was there to set it ablaze.“

 

 

 

Auf den ersten Blick folgt Apocalypse der aktuell so beliebten Hollywood-Maxime der ständigen Steigerung. Ging es noch in Days of Future Past „nur“ um das Überleben der Mutanten, steht nun nicht weniger als das Schicksal der gesamten Welt auf dem Spiel. Und tatsächlich ist mit Apocalypse dieses mal der Bösewicht um ein vielfaches mächtiger als zuvor, die Action größer und bombastischer und die Anzahl der für die Handlung relevanten (oder manchmal auch nicht relevanten) Figuren kaum noch überschaubar, aber Bryan Singer überspannt den Bogen nie, zeigt Verständnis für seine Charaktere und deren Entwicklung und stattet seinen Film trotz Blockbuster-Mechanismen und Spezialeffekt-Gewitter im Finale mit Herz und Seele aus. Und trotz des üblichen CGI-Overkills, den man aus unzähligen anderen Filmen bereits kennt und in solchen finalen Konfrontationen geradezu erwarten würde, bietet Apocalypse aber auch immer wieder kleine, visuell toll umgesetzte Momente, wenn so manche Figur das wahre Potential ihrer Kräfte entdecken darf. Wenn Bryan Singer schließlich zum letzten Akt in seinem Film ansetzt, dann finden die wirklich großartigen Szenen auch nicht in den Kämpfen zwischen den vier Reitern des Apocalypse und den jungen X-Men statt, sondern vielmehr bei einem Kräftemessen auf Gedankenebene zwischen Apocalypse und Charles Xavier. Dieses Duell hätte man durchaus noch ein wenig ausgefallener inszenieren können, dennoch weiß es zu überzeugen und setzt einen angenehmen Gegenpol zu der übrigen Zerstörungsorgie. Dass diese weder spürbare Folgen noch wirkliche Konsequenzen hat, ist ja inzwischen schon so etwas wie eine moderne Blockbuster-Krankheit geworden: Kairo wird im Finale effektvoll und bildgewaltig in Schutt und Asche gelegt, aber der Schrecken und die Bedrohung, die von Apocalypse ausgehen, werden für den Zuschauer nie ernsthaft greifbar und bleiben allenfalls abstrakt. Keine zivilen Opfer, kein einrückendes Militär, nichts dergleichen bietet der Film auf, um seinem Finale auch wirklich merkliches Gewicht zu verleihen. Zugegebenermaßen machen das in diesem Punkt inzwischen einige Filme aus dem MCU und sogar Batman v Superman: Dawn of Justice deutlich besser.

 

Natürlich hat X-Men: Apocalypse auch seine Probleme: die bereits erwähnte Folgenlosigkeit der Ereignisse, der von den Allmachts- und Weltherrschaftsfantasien seines Bösewichts angetriebene Plot ist dünn, nicht immer sind Entscheidungen nachvollziehbar (so wirken die Rekrutierungsmaßnahmen von Apocalypse bis auf Magneto doch eher willkürlich), nicht jede Idee funktioniert auch immer (wie die vollkommen sinnfreien elektromagnetischen Käfige, um Mutanten im Zaun zu halten), die Besetzung und auch der Umgang mit so manchem Charakter ist fragwürdig (Psylocke, Storm und Angel vor allem) und erzählerisch dreht man sich immer noch sowohl im kleinen wie im großen im Kreis. Aber Bryan Singer hat viele gelungene Ideen dagegen anzubringen, die immer wieder verhindern, dass der Film in Avengers-Reflexe verfällt und in Hirn und Herz befreites Blockbuster-Kino abzurutschen droht. Zudem geht X-Men: Apocalypse gekonnt genug mit seinem Arsenal an Figuren um, um ein emotional glaubwürdiges Zentrum zu erschaffen, welches den Film ein wenig erdet, und die aufgeworfenen, durchaus existenzialistischen Fragen über den Glauben an alleinige Macht, die Verführung zielloser, verwirrter Außenseiter und Gesellschaftsstrukturen voller Ressentiments bestehen problemlos neben den reinen Unterhaltungswerten und verschwinden nicht unter all dem Bombast, all der Action und all den Spezialeffekten. Letztlich nimmt Bryan Singer noch ein paar lose Fäden wieder auf, bringt sie zu Ende und rebootet sein Universum nun vollständig. Theoretisch bräuchte es keinen weiteren Film mehr, denn der Zyklus fügt sich zusammen, die Geschichte ist erzählt und man steht wieder am Anfang. Dass das aber so nicht kommen wird ist nur allzu offensichtlich.

 

7 von 10 Szenen mit Quicksilver, die hoffentlich nicht bald überhand nehmen

 

 

 

Suicide Squad

14. September 2016 at 11:51

 

 

© Warner Bros. Pictures

 

 

 

„In a world of flying men and monsters this is the only way to protect our country.“

 

 

 

Der Tod von Superman liegt noch nicht lange zurück und die Menschheit lebt weiterhin in Angst vor dem nächsten Außerirdischen oder Metawesen, welches ihr vielleicht nicht so wohlgesonnen sein könnte wie der Mann aus Stahl. Aus diesem Grund stellt die Regierungsbeamtin Amanda Waller eine Spezialeinheit aus Superschurken zusammen, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Als die uralte Hexe Enchantress aus ihrer Gefangenschaft entkommen kann, haben Deadshot, Harley Quinn, Captain Boomerang, Diablo, Killer Croc, Slipknot und Katana unter der Aufsicht von Elitesoldat Rick Flagg ihren ersten Einsatz früher als ihnen lieb sein kann.

 

Suicide Squad ist nach Man of Steel und Batman vs. Superman: Dawn of Justice der neueste und nun mehr dritte Film im DC Extended Universe und fand vielerorts nicht sonderlich viel Zuspruch. Endlich kam nun auch ich dazu, mir eine Meinung über David Ayers Film zu bilden und muss sagen: viele der Kritikpunkte sind durchaus berechtigt. Ein eigenartig schizophrener Film ist Suicide Squad geworden, in dessen Brust scheinbar gleich zwei Herzen schlagen, keines davon allerdings sonderlich fest. Seltsam zerrissen fühlt sich die endgültige Kinofassung an und beinahe nie organisch in ihrer Dramaturgie, was sich eindeutig auf die Existenz zwei unterschiedlicher Schnittfassungen zurückführen lässt. Zum einen gibt es die ursprüngliche Fassung von Regisseur David Ayer, die schon erkennen lässt, welche Vision er hatte, wohin er mit seiner Idee von Suicide Squad wollte, stilistisch eine ganz andere Richtung als das wilde und hektische Schnittfeuerwerk voller Popkulturzitate, knallbunt und aufgesetzt witzig, mundgerecht zubereitet für die Generation YouTube, welches der Film letztlich in weiten Teilen wurde. Vor allem wird das deutlich, wenn man andere Filme wie beispielsweise Sabotage oder Herz aus Stahl von ihm kennt, düstere und grimmige, beinahe schon nihilistische Werke, wegen denen er ja vermutlich auch von Warner angestellt wurde, schließlich ist der Mann kein unerfahrener Neuling im Geschäft, den man als Marionette auf den Regiestuhl setzen kann. Dann wurde jedoch der berühmt-berüchtigte Bohemian Rhapsody-Trailer im Internet veröffentlicht und entpuppte sich als enorm erfolgreich. So erfolgreich, dass Warner mitten in der Produktion kalte Füße bekam und eine zweite Schnittfassung bei genau den Leuten in Auftrag gab, die auch für den Trailer verantwortlich waren. Im fertigen Film wurden dann letzten Endes beide Schnittfassungen miteinander vermischt, weshalb Suicide Squad als einheitliches Erzählkonstrukt schlicht und ergreifend nicht funktioniert. Ein Grund für das zwiespältige Agieren von Warner könnte bei seinem  aktuellen CEO Kevin Tsujihara liegen, der ausnahmsweise nicht aus dem kreativen Bereich, sondern vielmehr aus dem Marketing kommt. Das legt den Gedanken nahe, dass die Distanz zum eigentlichen Produkt Film deutlich größer ist als die Nähe dazu, eben jenes Produkt zu verkaufen, was zumindest einige doch zweifelhafte Entscheidungen der letzten Jahre in Bezug auf künstlerische Aspekte erklären würde.

 

 

 

„Maybe Superman was a beacon for them to crawl out of the shadows.“

 

 

 

Aber gut, zurück zum Film selbst, denn Suicide Squad hat durchaus noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Das in meinen Augen vielleicht größte neben der inszenatorischen Zerrissenheit ist der Umstand, das David Ayer unglaublich viel Potential verschleudert, wenn er seinen Figuren ihre diabolischen Charakterzüge nimmt. Es reicht nämlich nicht aus, sie immer und immer wieder, beinahe schon ein Mantra beschwörend, sagen zu lassen, wie böse sie doch eigentlich seien, wenn es sich nicht in ihren Taten ausdrückt. Oder um die Figur Tywin Lannister aus der Serie Game of Thrones zu zitieren: „Any man who must say, „I am the king“ is no true king.“ Wirklich böse ist in dem Film nämlich niemand. Wie auch, hat doch nichts ernsthafte Konsequenzen für irgendwen, wenn sich der Trupp der vermeintlichen Superschurken videospielartig in völlig austauschbaren Settings durch Horden gesichtsloser, entmenschlichter Gegner kämpft. Letztlich werden sie zu sympathischen Antihelden degradiert, missverstandene Außenseiter, die trotzdem das Herz am rechten Fleck haben, um die Sympathie des Publikums wetteifern und zähneknirschend ihr Leben für die gerechte Sache riskieren, statt sie so zu zeigen, wie es ihren Vorlagen entspricht. Nämlich als überwiegend völlig gestörte Psychopathen, enthemmt und losgelöst von jeglicher Moral, einzig ihrem eigenen, verdrehten Kodex verpflichtet und vollkommen abseits der Gesellschaft existierend. Nein, die zähnefletschenden Hunde werden nie ernsthaft losgelassen, sondern derart brav wie ein Haustier an der langen Leine durch ein simples Story-Konstrukt geführt, dass niemand eine markante Duftnote hinterlassen kann. Die Folge ist ein an Leerlauf und Wiederholung reiches, aber an Ideen armes Panoptikum der verschenkten Möglichkeiten. Zudem erfahren lediglich Deadshot und Harley Quinn zumindest einen Hauch von Charakterisierung und erzählerischer Tiefe, der Rest der Figuren bleibt enorm eindimensional und bei einigen wenigen beschränkt sich der Film sogar nur noch auf vielleicht eine Szene oder einige Nebensätze, um ihren Hintergrund und ihre Motivation zu erklären. Natürlich bedingt schon die Prämisse von Suicide Squad, dass es viele Figuren auf wenig Raum gibt und kaum Zeit für große Erklärungen, aber Captain America: Civil War wusste ähnliche Probleme deutlich besser zu lösen. Leider gestaltet sich dann auch die Action selbst als ausgesprochen generisch und ideenlos, bietet nichts, das man nicht an anderer Stelle schon einmal besser gesehen hätte, ist oft hektisch und unübersichtlich geschnitten und kaum etwas davon bleibt letztlich hängen oder wäre gar erinnerungswürdig. Zeit für sinnstiftende Interaktion unter den einzelnen Teammitgliedern bleibt zwischen den immer gleichen und sich wiederholenden Schießereien und CGI-Sequenzen kaum und selbst die verschiedenen Kräfte und Fähigkeiten kommen beinahe nie wirklich zum Einsatz, außer das Drehbuch verlangt danach, um sich aus einer Sackgasse zu mogeln.

 

 

 

„Everyone has a weakness. And a weakness can be leveraged.“

 

 

 

Auch wenn das bisher vielleicht nicht so klang: es gibt auch etwas positivere Tendenzen in Suicide Squad zu erkennen, kleine, hin und wieder aufblitzende Lichtblicke. Der Cast beispielsweise fällt doch besser aus als zunächst erwartet. Da wären zunächst die beiden Zugpferde Will Smith als Deadshot und Margot Robbie als Harley Quinn, die auch große Teile des Filmes auf ihren Schultern tragen. Zwar ist Smith mit seinem aufpolierten Good Guy-Image zumindest inhaltlich eine Fehlbesetzung für den unfehlbaren und eiskalten Auftragsmörder Deadshot, aber nach geraumer Zeit zeigt er sich in seinem Schauspiel endlich einmal nicht mehr so nervtötend wie zuletzt so häufig, sondern sogar durchaus charismatisch und voller Freude am Spiel. Ob er allerdings an dem kitschigen und gefühlsduseligen Teil seiner Background-Story willentlich mit Schuld trägt, vermag ich nicht zu beurteilen, vorstellen könnte ich es mir jedoch. Margot Robbie macht ihre Sache auch ziemlich gut, kaufe ich ihr doch den Wahnsinn und die Hingabe ihrer Figur stellenweise durchaus ab und sie stiehlt allen Beteiligten zweifellos die Show, aber sie wird auch zu einer hypersexualisierten Masturbationsvorlage für pubertierende Comic-Nerds hoch stilisiert, deren Art der Inszenierung schnell langweilt und sich erschreckend oft in expliziten wie simplen Kameraeinstellungen ergeht. Womit wir bei ihrem love interest wären, dem Clown Prince of Crime, Mr. J persönlich, Batmans Nemesis und vielleicht ärgstem Widersacher. Ich bin unschlüssig, was den Joker betrifft. Wie hier die Figur als eine Art verquerer Zuhälter inszeniert wird, das kann man mögen oder nicht. Schauspielerisch vermag ich Jared Leto in dieser Rolle allerdings kaum bis eher gar nicht zu beurteilen, denn er hat schlicht und ergreifend viel zu wenig screen time. Insgesamt taucht er keine zehn Minuten im Film auf und viele seiner Szenen sind kaum relevant für den Verlauf der Handlung. Aber immer, wenn ich das Gefühl hatte, jetzt könnte etwas interessantes oder gar spannendes mit der Figur des Jokers passieren, dann war meist die Szene doch plötzlich irgendwie einfach zu Ende und wirkte seltsam unfertig, ganz so, als wäre da etwas, das nun auf dem Fußboden des Schneideraums liegt. Tatsächlich sind wohl viele Szenen des Jokers aus der Kinofassung herausgeschnitten worden, was sowohl um die Figur als auch ihren Darsteller sehr schade ist. Über Adewale Akinnouye-Agbaje als Killer Croc lässt sich nicht viel sagen, verschwindet er doch nahezu vollständig unter Unmengen an Makeup und CGI. Der blasse und glanzlose Joel Kinnamon als Rick Flagg kann kaum Eindrücke hinterlassen, Jay Hernandez als Diablo ebenfalls. Immerhin spielt Jai Courtney seinen Captain Boomerang durchaus passabel und hat sogar einige gute Szenen. Für seine Verhältnisse eine klare Steigerung im Vergleich zu solch katastrophalen Leistungen wie noch in Terminator: Genisys oder A Good Day to Die Hard. Katana ist vollkommen belanglos und wie der Film mit Slipknot umgeht ist schon beinahe eine Frechheit. Bleibt noch Cara Delevingne als Enchantress. Ihr Schauspiel entspricht der Art und Weise, wie ihre Figur geschrieben ist: belanglos, beliebig, steif, ungelenk und vollkommen ohne auch nur halbwegs gravierende Motivation. Der Verdacht liegt nahe, dass Delevingnes Besetzung auch nicht mehr als ein weiterer Marketing-Trick ist, um deren vermutlich unerschöpfliche Schar an Twitter-Gefolge ins Kino zu locken.

 

Suicide Squad wurde zweifellos das Opfer eines Studios, das wieder einmal inmitten der Dreharbeiten kalte Füße bekam und scheinbar unfähig ist, klar positioniert hinter künstlerischen Entscheidungen zu stehen, geschweige denn, seinen Mitarbeitern und deren Fähigkeiten zu vertrauen. Zumindest lässt sich ansatzweise noch erkennen, welche Vision David Ayer ursprünglich hatte, davon übrig hingegen ist nicht mehr allzu viel. Das ist schade, denn sein Ansatz hätte durchaus besser funktionieren können als der fertige Film. Doch trotz all der offensichtlichen Mängel und Probleme von Suicide Squad fand ich den Film dann doch eine Spur besser als Batman vs. Superman: Dawn of Justice. Vor allem, weil er einfach kurzweiliger und unterhaltsamer ist und nicht permanent erfüllt von dieser geradezu erdrückenden Bedeutungsschwere mit all ihren Symbolen und Metaphern und diesem unsäglichen messianischen Gedanken hinter allem. Immerhin sitzt der eine oder andere Oneliner durchaus und auch einige Gags funktionieren. Allerdings fügt Suicide Squad seinem filmischen Universum letztlich nichts relevantes hinzu und offenbart sich als bloßer Brückenfilm, als Pausenclown und Lückenfüller bis zum kommenden Justice League-Film.

 

4,5 von 10 Dosen Bier für jede Gelegenheit